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Der Kaschmirkonflikt in der internationalen Politik

Unter besonderer Berücksichtigung der USA, Russlands (UdSSR) und Chinas

Der Kaschmirkonflikt in der internationalen Politik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jasmine Begg
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 151 Seiten
  • Dateigröße: 692,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
  • Bibliografie: ca. 108
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0710-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Begg, Jasmine August 2005: Der Kaschmirkonflikt in der internationalen Politik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kaschmir, Pakistan, Indien, Kalter Krieg, Atommacht

Diplomarbeit von Jasmine Begg

Einleitung:

„[D]er gefährlichste [regionale Streit unserer Zeit] besteht zwischen den beiden Nuklearmächten Pakistan und Indien um Kaschmir.“ Der Kaschmirkonflikt entzündete sich an der Frage, zu welchem Land der ehemalige Fürstenstaat „Jammu und Kaschmir“ rechtmäßig gehört - diese ist bis heute nicht geklärt. Von offizieller Seite wird das gesamte Gebiet sowohl von Indien als auch von Pakistan beansprucht. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien wurden bereits drei Kriege geführt. In zwei von diesen drei Kriegen (1948 und 1965) ging es direkt um Kaschmir, im dritten (1971) fanden in Kaschmir nur peripher Kriegshandlungen statt.

Seit den indischen und pakistanischen Atombombentests im Jahr 1998 gewann der Kaschmirkonflikt an neuer weltpolitischer Relevanz und ist seitdem im Bewusstsein der auf der Weltbühne agierenden Politiker ständig präsent. US-Präsident Clinton bezeichnete im Vorfeld seiner Südasienreise im März 2000 die Region als „gefährlichsten Ort der Welt“.

Im Gegensatz zu einigen politikwissenschaftlichen Arbeiten, die sich bereits mit dem Konflikt zwischen Indien und Pakistan beschäftigt haben, wird hier der Fokus auf die Akteure USA, die ehemalige Sowjetunion und China gerichtet. Zu einem klaren Verständnis des Konfliktverlaufs ist eine genaue Analyse der historisch und weltpolitisch relevanten Rahmenbedingungen notwendig. In dieser Diplomarbeit wird der Frage nachgegangen, welche Interessen und Machtpotentiale diese drei Staaten besaßen und durchsetzen konnten, welche Kooperationen und Konflikte sich mit Indien oder Pakistan daraus ergeben haben und welche direkten oder indirekten Einflussmöglichkeiten sie auf den Kaschmirkonflikt hatten.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil sieht eine abgewandelte Konstellationsanalyse nach Kindermann vor, die in einigen Teilanalysen nicht nur Indien und Pakistan, sondern auch die anderen relevanten Staaten betrachtet. Während die Entstehung des Konflikts ein rein bilateraler Disput gewesen ist, soll mit Hilfe der Konstellationsanalyse untersucht werden, inwiefern überregionale Akteure – namentlich die USA, die frühere Sowjetunion und China - die Verhandlungen um Kaschmir bis 1972 maßgeblich beeinflussten. Die Rolle dieser Staaten wird in der Interessen-, Macht- und Perzeptionsanalyse gesondert betrachtet.

Als Brücke und zum Verständnis der heutigen Situation werden im Anschluss an den ersten Teil der Diplomarbeit die für Kaschmir relevanten politischen Ereignisse zwischen 1972 und 2005 zusammengefasst. Diese bilden die Grundlage für den zweiten Teil der Arbeit, der sich mit den Lösungsmöglichkeiten beschäftigt.

Abschließend werden diese Lösungsszenarien anhand der aus der Synopsis der Konstellationsanalyse gewonnenen Erkenntnisse und aus einer persönlichen Perspektive heraus bewertet.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG 7
BEMERKUNGEN ZUR VERWENDETEN LITERATUR 8
ERSTER TEIL: INTERNATIONALE KONSTELLATIONSANALYSE 9
1. DIE KONSTELLATIONSANALYSE NACH KINDERMANN 9
1.1 Entstehung und Untersuchungsgegenstand 9
1.2 Methodik 9
1.2.1 Die Systemanalyse 10
1.2.2 Die Interessenanalyse 10
1.2.3 Die Perzeptionsanalyse 11
1.2.4 Die Verhaltensanalyse 12
1.2.5 Die Normenanalyse 12
1.2.6 Die Synopsis 12
1.3 Abwandlung der Theorie für die vorliegende Diplomarbeit 13
2. PRÄMISSEN 14
2.1 Zeitliche Eingrenzung 14
2.2 Räumliche Eingrenzung 14
2.2.1 Das Kaschmirtal 16
2.2.2 Die Provinz Jammu 16
2.2.3 Ladakh 16
2.2.4 Die Nordgebiete 17
2.2.5 Azad Kaschmir 17
2.2.6 Aksai Chin 17
2.2.7 Karakorum-Pass 17
2.3 Historischer Hintergrund / Entstehung des Konflikts 18
2.3.1 Die Teilung von Britisch-Indien 18
2.3.2 Der Sonderstatus der Fürstentümer 18
2.3.3 Der Beitritt Kaschmirs zu Indien 20
2.3.5 Zentrale Problemstruktur und weltpolitische Einordnung 21
3. INDIEN UND PAKISTAN 22
3.1 Systemanalyse 22
3.1.1 Indien 22
3.1.1.1 Die Legislative 22
3.1.1.2 Die Exekutive 22
3.1.1.3 Außenpolitische Entscheidungsträger 23
3.1.1.4 Das indische Militär 23
3.1.2 Pakistan 24
3.1.2.1 Außenpolitische Entscheidungsträger 24
3.1.2.2 Das pakistanische Militär 25
3.1.2.3 Innergesellschaftliche Einflüsse: Islamistische Extremisten 25
3.2 Interessenanalyse Indien und Pakistan 26
3.2.1 The Muslim Question: Zweinationentheorie vs. Säkularismus 26
3.2.2 Indiens Angst vor einer Balkanisierung 31
3.2.3 Strategische Interessen 32
3.3 Machtanalyse 32
3.3.1 Kriege zwischen Indien und Pakistan 33
3.3.1.1 Der Krieg von 1965 33
3.3.1.2 Der Krieg von 1971 33
3.3.1.3 De Facto Teilung Kaschmirs 34
3.3.1.4 Der Weg zu den indischen und pakistanischen Atomwaffen 34
3.4 Perzeptionen 35
3.4.1 Die Erinnerung an die blutigen Unruhen von 1947 36
3.4.2 Die Medien 37
3.5 Normenanalyse 39
3.5.1 Vermittlung durch die UN 39
3.5.2 Die Resolutionen 39
3.5.3 Der Krieg von 1965 40
3.5.4 Das versprochene Plebiszit 41
4. INTERNATIONALE INTERESSEN, BILATERALE BEZIEHUNGEN UND PERZEPTIONEN 42
4.1 USA, Indien und Pakistan 45
4.1.1 US-Interesse an Kaschmir 46
4.1.2 Die Beziehungen zwischen Indien, Pakistan und den USA 47
4.1.2.1 Bündnispartner Pakistan 47
4.1.2.2 Blockfreies Indien 48
4.1.2.3 Entwicklungshilfe an Indien 48
4.1.2.4 China entzweit USA und Pakistan 49
4.1.3 Perzeptionen 49
4.1.3.1 Amerikanische Perzeption Indiens 50
4.1.3.1.1 Enttäuschung über blockfreie Haltung Indiens 50
4.1.3.1.2 Präferenz des blockfreien Indiens vor China 51
4.1.3.1.3 Indien im feindlichen Lager 52
4.1.3.1.4 Weitere Einflussfaktoren 53
4.1.3.2 Wie wurde Pakistan von den USA wahrgenommen? 54
4.1.3.3 Indische Perzeption von den USA 54
4.1.3.3.1 Die USA als unerwünschte intervenierende Macht 55
4.1.3.3.2 Plebiszit nur ohne Einfluss der USA möglich 55
4.1.3.3.3 Fehleinschätzung der US-Interessen 56
4.1.3.3.4 Empörung über Bedingungen der Entwicklungshilfe 56
4.1.3.3.5 Fazit: Indien nimmt die USA als unzuverlässig wahr 57
4.1.3.4 Pakistanische Perzeption von den USA 57
4.1.3.4.1 Die USA als Bündnispartner gegen Indien 57
4.1.3.4.2 Enttäuschung über die US-Unterstützung an Indien 58
4.1.4 Konflikte und Kooperationen 60
4.2 Sowjetunion, Indien und Pakistan 60
4.2.1 Das Interesse der Sowjetunion 60
4.2.2 Beziehungen zwischen der Sowjetunion, Indien und Pakistan 61
4.2.2.1 Kritische, jedoch neutrale Haltung unter Stalin 61
4.2.2.2 Unterstützung Indiens und Kritik an Pakistan 62
4.2.2.3 Höhepunkt der Beziehungen zu Indien unter Chruschtschow 63
4.2.2.4 Veto der Resolutionen im UN-Sicherheitsrat 64
4.2.2.5 Kaschmir unter Breschnew 66
4.2.2.6 Die Verhandlungen von Taschkent 67
4.2.2.7 Sowjetisch-pakistanische Militärkooperation nach Taschkent 68
4.2.3 Perzeptionen 70
4.2.3.1 Von Stalin bis Malenkov 70
4.2.3.2 Freundschaft mit Indien unter Chruschtschow und Breschnews 72
4.2.4 Konflikt und Kooperationen 72
4.3 China - Schlüsselfigur im Kaschmirkonflikt? 73
4.3.1 Interesse Chinas 73
4.3.2 Beziehungen zu Indien und Pakistan 74
4.3.2.1 Die chinesisch-indischen Beziehungen unter Nehru 74
4.3.2.1.1 Die Grenzfrage 75
4.3.2.1.2 Die Tibet-Frage 76
4.3.2.1.3 Panchsheela 76
4.3.2.1.4 Der Grenzkrieg von 1962 77
4.3.2.2 China und Pakistan 78
4.3.2.2.1 Das Grenzabkommen 80
4.3.2.2.2 China an Pakistans Seite 81
4.3.3 Perzeptionen 82
4.3.3.1 Chinas Perzeption von Indien 82
4.3.3.1.1 Angst vor einer amerikanischen Einkreisungsstrategie 83
4.3.3.1.2 Einkreisung auch durch die Sowjetunion 83
4.3.3.2 Indiens Perzeption von China 84
4.3.3.2.1 Wachsende Unsicherheit seit 1962 84
4.3.3.2.2 Konkurrenz auf der internationalen Bühne 85
4.3.4 Konflikte und Kooperationen 85
5. SYNOPTISCHE BETRACHTUNG DER ROLLE DER USA, DER UDSSR UND CHINAS 86
6. ENTWICKLUNGEN NACH 1972 90
6.1 Unruhen in Kaschmir seit Ende der 1980er 91
6.1.1 Fälschung der Wahlen in Jammu und Kaschmir 91
6.1.2 Diskriminierende Beschäftigungspraxis 93
6.1.3 Ausbruch der Unruhen in Kaschmir 94
6.1.4 Verletzungen der Menschenrechte 95
6.1.5 Pakistanische Unterstützung für kaschmirische Kämpfer 96
6.2 Der Kaschmirkonflikt in der internationalen Politik nach 1972 97
6.2.1 Passive Kaschmirpolitik der USA 97
6.2.2 Der Zusammenbruch der Sowjetunion 100
6.2.3 Annäherung zwischen Indien und China 101
6.3 Annäherung zwischen Indien und Pakistan in der Kaschmirfrage 103
6.3.1 Von der Kargilkrise bis zum Anschlag auf das indische Parlament 103
6.3.2 Diplomatische Friedensbemühungen 105
ZWEITER TEIL: LÖSUNGSSZENARIEN DES KONFLIKTS 108
7. GESCHEITERTE LÖSUNGSVERSUCHE 108
7.1 Die indisch-pakistanischen Kriege 108
7.2 Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen scheitern 109
7.3 Bilaterale Gespräche - oder doch internationale Vermittlung? 112
8. AKTUELLE LÖSUNGSSZENARIEN 117
9. SCHLUSSBETRACHTUNG UND BEWERTUNG DER MÖGLICHKEITEN 120
ANHANG 125
LITERATURVERZEICHNIS 139

Textprobe:

Kapitel 4.3.3, Perzeptionen:

4.3.3.1 Chinas Perzeption von Indien: Während Indien zunächst eine Annäherung an China suchte, sah China in Indien bald einen geographischen Pfeiler der Einkreisungsstrategie der Supermächte. Indien selbst wurde als zu schwach wahrgenommen: Dem Militär wurde nicht die Fähigkeit zuerkannt, hochmoderne Waffensysteme selbst herzustellen und somit eine mögliche Gefahr für die Volksrepublik China zu werden. Doch als Instrument einer Strategie, die zur Einkreisung des Reichs der Mitte von feindlichen Nachbarstaaten führen könnte, barg Indien ein großes Gefahrenpotential. Von so einer Strategie sah sich China seit den 1950ern bedroht – zunächst unter Federführung der USA, dann jedoch verstärkt unter der Führung der Sowjetunion.

4.3.3.1.1 Angst vor einer amerikanischen Einkreisungsstrategie: Ein Bündnis der USA mit Indien in Südasien, so wie es bereits mit Japan in Ostasien abgeschlossen wurde, schien ein konstantes Element der chinesischen Kalkulation gegenüber Indien zu sein. Aus chinesischer Sicht hätte Indien auch genügend Gründe, diese Allianz einzugehen: Ein Bündnis mit den USA würde Indien einen verbesserten Zugang zu militärischtechnologischem know-how aus den USA bieten und sowohl politische als auch wirtschaftliche Unterstützung für seine Modernisierungsprogramme von der Supermacht sichern. Zudem hätte Indien in Krisensituationen und in für Indien lebenswichtigen Fragen, wie z.B. dem Kaschmir-Konflikt, mit diplomatischer Unterstützung durch die USA rechnen können.

4.3.3.1.2 Einkreisung auch durch die Sowjetunion: Sameena Yasmeen untersuchte in ihrem Aufsatz „The China Faktor in the Kashmir Issue“ die keineswegs konstante Haltung Chinas im Kaschmirkonflikt. In diesem Rahmen widersprach sie der Behauptung, China hätte stets pro-pakistanisch gehandelt. Chinas Engagement im Kaschmir-Konflikt hinge stets davon ab, von wem sich China stärker bedroht fühlt – von den USA oder von der Sowjetunion.

Die Sowjetunion versuchte in den 1960er Jahren die Beziehungen zu Ländern, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu China befanden, zu verbessern. Da sich gleichzeitig die sowjetischen Beziehungen zu China verschlechtert hatten, fuüchtete Peking nun von der Sowjetunion eingekreist zu werden. Nach chinesischer Wahrnehmung stellte Indien den zentrale Punkt der Einkreisung dar. Diese Wahrnehmung wurde durch die politische und militärische Unterstützung Indiens durch Moskau verstärkt und führte dazu, dass China die zuvor eingenommene neutrale Position im Kaschmirkonflikt aufgab und Pakistan unterstützte.

Die angestiegene sowjetisch-indische Kooperation wurde, wie sie sich letztlich im Freundschaftsvertrag von 1971 manifestierte, von China als Beeinträchtigung des natürlichen Ablaufs der Dinge empfunden, den China sich im Krieg von 1971 erwünscht hatte. Außerdem empfand China den Vertrag als Beweis, dass China es nicht geschafft hatte, Indien endgültig dem sowjetischen Einfluss zu entreißen.

4.3.3.2 Indiens Perzeption von China: Indiens Beziehungen zu China sind seit Jahrzehnten zentraler Dreh- und Angelpunkt der indischen Außenpolitik gewesen und besaßen für Indien ein höheres Gewicht als der Kaschmir-Konflikt. Die ständige Konkurrenz zu China und das gleichzeitige Bedürfnis, als gleichwertig zu China angesehen zu werden, verdeutlichen den unterschiedlichen Stellenwert den China und Indien dem jeweils anderen Land beimessen. Während Indien nur in Kombination mit den USA oder der UdSSR für Besorgnis in China sorgte, sah Indien China seit 1962 als Hauptrivalen und gewissermaßen als Maßstab für den zu erreichenden Grad an internationaler Bedeutung.

4.3.3.2.1 Wachsende Unsicherheit seit 1962: Der CSIS Special Report vom Dezember 2001 analysierte, dass Indiens Niederlage im Krieg gegen China 1962 einen „chronic sense of insecurity vis-àvis China“ hinterlassen hatte. Nehru hatte Chinas Position und Motive falsch eingeschätzt, der Krieg gegen China kam für Indien plötzlich und unerwartet. Die Demütigung wandelte sich im Bewusstsein der politischen Entscheidungsträger in eine ständige Vorsicht gegenüber dem neuen asiatischen Rivalen.

Darüber hinaus fühlte sich Indien zudem in diversen Fragen von China enttäuscht: China erkannte 1975 die Eingliederung Sikkims in die Indische Union nicht an, während Indien die Annexion Tibets durch China im Rahmen von Panchsheela anerkannt hatte. Neben dem Verdacht, dass China Indiens Rolle in der Weltpolitik einschränken wolle, belastete ein anderer Faktor die indisch-chinesischen Beziehungen schwerer. Die Militärkooperation mit Pakistan wurde von China seit den 1960ern konstant intensiviert. Dies wurde als hinterlistige Strategie interpretiert, die allein zum Ziel habe Indien dauerhaft unter Druck zu halten und Indiens Sicherheit langfristig zu unterminieren. Ein anderes Eigeninteresse Chinas, das mit den chinesischen Ängsten vor einer Einkreisung zu tun hätte haben können, wurde nicht in Betracht gezogen.

4.3.3.2.2 Konkurrenz auf der internationalen Bühne: Als China 1964 seine Atomwaffen testete, wurde es in den Kreis der Nuklearmächte aufgenommen und trat 1968 dem NVV bei. Indien hatte unter Nehru auf Kernwaffen verzichtet und stattdessen eine globale Abrüstung gefordert. Erst 1974, zehn Jahre nach den chinesischen Nukleartests, schaffte es Indien seinen ersten Atomtest zur Unterstreichung seiner technischen Fähigkeiten durchzuführen, erntete dafür aber heftige internationale Kritik.

Die Annäherung zwischen den USA und China 1971 und die anschließende Aufnahme Chinas in den UN-Sicherheitsrat führte aus indischer Sicht zu einem weiteren Vorsprung Chinas im Wettkampf um die Vorreiterrolle in Asien. Die indisch-amerikanischen Beziehungen waren dagegen abgekühlt und der ständige Sitz im UN-Sicherheitsrat blieb für Indien bis heute ein noch zu erreichendes Ziel. Mit der Sowjetunion hingegen schloss Indien einen Freundschaftsvertrag ab.

Auch die chinesische Wirtschaft öffnete sich dem Weltmarkt früher als die indische es tat: Während China es bereits zu diesem Zeitpunkt schaffte in den Weltmarkt integriert zu werden, blieben Indira Gandhis Versuche zu zaghaft, so dass sich der indische Markt erst 1991 öffnete.

Auf diesen drei Gebieten – als Nuklearmacht, im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und als Handelspartner für den Westen - nahm China die Spitzenposition in Asien ein, die ihm gleichzeitig auch ein größeres Gewicht im internationalen System verschaffte.

Arbeit zitieren:
Begg, Jasmine August 2005: Der Kaschmirkonflikt in der internationalen Politik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kaschmir, Pakistan, Indien, Kalter Krieg, Atommacht

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