Karl Ritter von Halt
Ein Lebensweg zwischen Sport und Politik
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Peter Heimerzheim
- Abgabedatum: Juli 1999
- Umfang: 339 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2014-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2014-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2014-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heimerzheim, Peter Juli 1999: Karl Ritter von Halt, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Ritter von Halt, Sport, Politik
In den Warenkorb
38,00 €
Dissertation / Doktorarbeit von Peter Heimerzheim
Zusammenfassung:
Trotz der weltweiten Popularität des Sports ist die Sportgeschichte bis heute als Teildisziplin der historischen Wissenschaften ein Randgebiet geblieben. Dabei bietet der Sport als gesellschaftliches Massenphänomen und beliebtes Objekt tagespolitischer Auseinandersetzung und Inanspruchnahme genug Anknüpfungspunkte für historisch ergiebige Betrachtungen, die auch dem wachsenden Interesse an Kultur- und Sozialgeschichte genüge tun.
Der Name des lange Jahre amtierenden Präsidenten des NOK für Deutschland, Karl Ritter von Halt, stand in der Vergangenheit eindeutig im Schatten Carl Diems, der durch sein breites Engagement vielfältigen Anlaß für Bewertungen lieferte. Von Halt hingegen bietet sich als Untersuchungsobjekt in besonderer Weise an, um die Auswirkungen der Wechselbeziehungen zwischen Sport und Politik am Beispiel eines ehrenamtlichen Funktionärs, der sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene tätig war, darzustellen und zu beleuchten.
Die Verbindung zwischen Sport und Politik wurde bisher vorwiegend im Hinblick auf die Geschichte von Organisationen, Verbänden und Boykotten untersucht. Die Hintergründe und Motive der handelnden Personen blieben dabei zwangsläufig im Dunkeln. Am Beispiel von Halts soll in dieser Arbeit versucht werden, die Lebensgeschichte eines Athleten und Sportfunktionärs durch die einzelnen Abschnitte deutscher Geschichte und Sportgeschichte zu verfolgen, um mit diesem biographischen Ansatz eine neue sporthistorische Dimension zu eröffnen. Dabei rückt die Frage nach der personellen und ideologischen Kontinuität in vier Epochen deutscher Geschichte in den Vordergrund.
Erschöpfende Untersuchungen über die politischen Implikationen des Sports liegen bisher fast ausschließlich für die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor. Die wenigen lebensgeschichtlichen Betrachtungen von Spitzenfunktionären beschränkten sich ausschließlich auf einen einzelnen Abschnitt deutscher Geschichte. Aus diesem Sachverhalt, der dem Verfasser bereits bei den Recherchen für seine Diplomarbeit an der Deutschen Sporthochschule Köln auffiel, erwuchs die Überlegung, mit der Biographie eines hochrangigen Funktionsträgers einen weiten Bogen von der Etablierungsphase des Sports in der wilhelminischen Kaiserzeit über seine Blüte in der Weimarer Republik, der anschließenden Gleichschaltung im Dritten Reich bis hin zur Rückkehr in den Kreis der geachteten Sportnationen nach 1949 zu schlagen.
Die immer wieder aufflackernde Diskussion um die Rolle Diems in der Zeit des Nationalsozialismus hat gezeigt, daß eine ausschließliche Fokussierung auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 keine differenzierte und gerechte Beurteilung einer Lebensleistung ermöglicht. Hans-Joachim Teichler weist deshalb zurecht daraufhin, daß "eine isolierte Betrachtung des Wirkens von 1933 bis 1945 zudem auch eine Auseinandersetzung mit vielen noch aus der Zeit des Kaiserreichs stammenden Grundüberzeugungen verhindern!" würde. Diesem Ansatz fühlt sich der Verfasser verpflichtet.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Zum Stand der Forschung | 6 |
| 3. | Untersuchungsgegenstand und Vorgehensweise | 8 |
| 4. | Der Sportler | 11 |
| 4.1 | Jugend im Kaiserreich | 11 |
| 4.2 | Die Königliche Turnschule Oberwiesenfeld | 14 |
| 4.3 | Banklehre und Sportler im Turnverein | 17 |
| 4.4 | Erste sportliche Erfolge | 20 |
| 4.5 | Die Olympischen Spiele 1912 in Stockholm | 23 |
| 4.6 | Sportler und Übungsleiter | 27 |
| 5. | Der Soldat | 29 |
| 5.1 | Kriegsbegeisterung? | 29 |
| 5.2 | An der Front | 35 |
| 5.3 | Exkurs: Die Kriegstagebücher als biographische Quelle | 37 |
| 5.4 | Vom Stellungs- zum Bewegungskrieg | 41 |
| 5.5 | "Einer unserer schneidigsten Offiziere" | 44 |
| 5.6 | Sturmangriff | 46 |
| 5.7 | Der Ritterschlag | 49 |
| 5.8 | Kriegsgefangenschaft | 52 |
| 6. | Der Sportlehrer | 58 |
| 6.1 | Start ins Zivilleben | 58 |
| 6.2 | Übungsleiter und Athlet | 61 |
| 6.3 | Sportlehrer an der Münchener Infanterieschule | 63 |
| 6.4 | Promotion | 68 |
| 6.5 | Das Lehrbuch "Die Leichtathletik" | 73 |
| 7. | Der Sportwart | 77 |
| 7.1 | Abschied im Zorn von der Turnerschaft | 77 |
| 7.2 | Im Vorstand der Deutschen Sportbehörde für Athletik | 80 |
| 7.3 | Die Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam | 86 |
| 8. | Im Internationalen Olympischen Komitee | 89 |
| 8.1 | Der deutsche Sport und die Weltwirtschaftskrise | 89 |
| 8.2 | Die Wahl in das IOC | 91 |
| 8.3 | Vorsitzender der Deutschen Sportbehörde für Athletik | 95 |
| 8.4 | Die Olympischen Spiele 1932 in Los Angeles | 98 |
| 8.5 | Die "Nurmi-Affäre" | 101 |
| 8.6 | Am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung | 104 |
| 9. | "Führer" der deutschen Leichtathleten | 111 |
| 9.1 | Vom "unpolitischen Sportfunktionär" zum Parteimitglied | 111 |
| 9.2 | "Gleichschalter" oder "gleichgeschaltet"? | 119 |
| 9.3 | Außenpolitische Umsetzung der innenpolitischen Neuordnung: Die IOC-Session in Wien 1933 | 127 |
| 9.4 | Der Kampf um die Zuständigkeit für den Handballsport | 131 |
| 10. | Die Olympischen Spiele 1936 | 133 |
| 10.1 | Vorbereitung und Organisation der Olympischen Winterspiele | 133 |
| 10.2 | Die "Judenfrage" | 139 |
| 10.3 | Die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen | 147 |
| 10.4 | Die Leichtathletik bei den Olympischen Spielen in Berlin | 151 |
| 11. | Exkurs: Der Bankier | 157 |
| 11.1 | Personalchef der Deutschen Bank | 157 |
| 11.2 | Der "Freundeskreis Heinrich Himmler" | 163 |
| 11.3 | Im Vorstand der Deutschen Bank | 167 |
| 11.4 | Das Novemberpogrom | 173 |
| 12. | Auf dem Höhepunkt der Macht? | 178 |
| 12.1 | Der Sport in Deutschland nach den Olympischen Spielen 1936 | 178 |
| 12.2 | Neue Ämter | 185 |
| 12.3 | Die Berliner Gesellschaft | 193 |
| 12.4 | Die ausgefallenen Winterspiele 1940 | 195 |
| 12.5 | Sport im Krieg | 205 |
| 12.6 | Erfolgloser Einsatz an verschiedenen Fronten | 221 |
| 12.7 | Das Volkssturmbatallion auf dem Reichssportfeld | 229 |
| 13. | Im Lager | 232 |
| 13.1 | Die "Verhaftung" | 232 |
| 13.2 | Buchenwald | 237 |
| 13.3 | Die Entlassung | 242 |
| 14. | Rückkehr nach Olympia | 246 |
| 14.1 | Vergangenheitsbewältigung und Rehabilitierung | 246 |
| 14.2 | Widerstand der Alliierten Hohen Kommission | 256 |
| 14.3 | Kontinuität und Zäsuren in Sport und Beruf | 262 |
| 14.4 | Die gesamtdeutsche Olympiamannschaft | 273 |
| 15. | Rückzug in Raten | 290 |
| 15.1 | Die Amateurfrage | 290 |
| 15.2 | Rückkehr in das Exekutivkomitee des IOC | 295 |
| 15.3 | Der Machtwechsel | 299 |
| 16. | Verbitterung und Tod | 302 |
| 17. | Zusammenfassung | 306 |
| Quellen- und Literaturverzeichnis | ||
| Abkürzungsverzeichnis |
28 Im Juli 1914 gelang Halt bei den Baltischen Spielen in Malmö, an denen Vertreter aller Ostseeanrainer-Staaten teilnahmen, sein bis dahin größter internationaler Erfolg. Trotz starker Konkurrenz aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Rußland und Schweden konnte er den Zehnkampf mit acht Punkten Vorsprung für sich entscheiden. Der Wettkampf war - wie damals international üblich - über drei Tage verteilt worden und erbrachte für damalige Verhältnisse herausragende sportliche Leistungen, die in der pathetischen Sprache der Zeit ihren Ausdruck fanden: „In einem spannenden Kampf, mehrmals wechselt die Führung, hält Halt zuletzt die besten Finnen und Schweden in Schach. [...] Jubel bricht los. Deutsche und Nordländer umarmen Halt.”90 Diem, der die deutsche Mannschaft begleitet hatte, bezeichnete ihn als „besten Mann” der Delegation.91 Der Erfolg von Malmö ließ Halt in die erste Reihe der weltweit besten Zehnkämpfer aufsteigen, obwohl er nach sechs Jahren Trainingsarbeit und Wettkampferfahrung seine Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft hatte. Mit 23 Jahren stand ihm eine aussichtsreiche sportliche Zukunft bevor. Vor allem in Hinblick auf die Olympischen Spiele 1916 in Berlin ergaben sich glänzende Perspektiven: „Wir wissen heute schon, daß Karl Halt im Berliner Stadion stehen wird als einer der glänzendsten Vertreter der deutschen Intelligenz, deutscher Energie und deutscher Kraft, und daß es ihm dann gelingen möge, als deutscher olympischer Sieger aus dem Wettstreit der Völker hervorzugehen, hoffen wir gewiß nicht unberechtigt.”92 [...]
27 4.6 Sportler und Übungsleiter Die Beobachtungen und Gespräche in Stockholm nutzte Halt auch, um seine sportlichen Techniken und Trainingspläne dem neusten Stand der weltbesten Leichtathleten anzupassen. Der Erfolg gab dem Autodidakten schon kurz nach den Olympischen Spielen recht. Halt gewann auch die zweite deutsche Zehnkampfmeisterschaft. Nachdem er zusätzlich die Leitung der Sportabteilung der Münchener Turngemeinde übernommen hatte und zum Beisitzer im Vorstand des Münchener Rasensportverbandes gewählt worden war86 , begann er parallel zu seinen eigenen sportlichen Bemühungen eine Karriere als Übungsleiter. Dazu versuchte er in Vorträgen und Zeitungsartikeln für die Leichtahletik zu werben. Seine wichtigste Forderung, die Anerkennung der nationalen und kulturellen Bedeutung des Sports in Deutschland, stand bei diesen Bemühungen stets im Vordergrund. Daß er sich dabei vornehmlich der von Diem vorgegebenen Argumentationskette bediente, weist auf einen grundsätzlichen Charakterzug hin: Im Gegensatz zum „Sportphilosophen” Diem war Halt auch später kein Vordenker. Seine Stärke lag eher darin, Vorgaben und Ideen, von deren Richtigkeit er überzeugt war, in die Tat umzusetzen. Die im Beruf erworbene Durchsetzungskraft und der angeborene Ehrgeiz kamen dem Pragmatiker dabei zugute. Die in Stockholm erworbenen Erkenntnisse führten bei Halt zu einer nachhaltigen Veränderung der Trainingslehre, die über München hinaus Bedeutung gewann87 . Für ihn selbst gingen die Fortschritte auf diesem Gebiet mit einer deutlichen persönlichen Leistungssteigerung einher. Im Steinstoßen stellte er in verschiedenen Klassen zwei deutsche Rekorde auf. Auch im Kugelstoßen war er mit 13,32 Metern 1913 der leistungsstärkste Deutsche. In Braunschweig gewann er den dritten nationalen Zehnkampftitel in Folge. Mit 7300 Punkten nach der in Stockholm gültigen Wertung war er dabei an die Weltbesten herangerückt88 In Prag und Wien gewann er die österreichische Meisterschaft im Fünf- und Zehnkampf.89 Zu einem Aufeinandertreffen mit den besten Mehrkämpfern der Deutschen Turnerschaft, die am Wettkampfbetrieb der Sportvereine nicht teilnahmen, kam es im Juni 1913 bei der Einweihung des Deutschen Stadions in Berlin. Da die Turner auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Stockholm verzichtet hatten, war auch bei den Qualifikationswettkämpfen kein Vergleich mit den „Sportlern” zustandegekommen. Beim Deutschen Turnfest in Leipzig ein Jahr später, war Halt nicht angetreten. Mit einem deutlichen Sieg gegen rund 700 angetretene Konkurrenten aus beiden Lagern klärte Halt die sportlichen Verhältnisse zwischen Turnern und Sportlern im Mehrkampf. [...]
26 Sportorganisation. Wie Diem83 , der kurze Zeit später mit der Vorbereitung der Olympischen Spiele 1916 in Berlin betraut wurde, verband er dabei die Forderung nach stärkerer staatlicher Unterstützung mit einem vorbehaltlosen Bekenntnis zum Wilhelminischen Kaiserreich. Die Bedeutung des Sportes für die Nation sah Halt dabei in dem Beweis einer nationalen Überlegenheit durch sportliche Siege in internationalen Wettkämpfen. Die olympische Idee, „der Glaube an den olympischen Frieden”84 , diente ausschließlich als Rahmen für den Leistungsvergleich der Nationen. Eine eigenständige Bedeutung wurde den Gedanken Coubertins vom späteren Mitglied der IOC-Exekutive, der zu dieser Zeit in die schrill nationalistischen Töne Kaiser Wilhelms vorbehaltlos einstimmte, nicht zugesprochen. Nicht nur die Leistungen der Athleten, auch die internationale Verwaltung der Leichtathletik tat in Stockholm einen großen Schritt nach vorne. Während der Olympischen Spiele wurde eine erste Besprechung unter den anwesenden Ländervertretern abgehalten , die ein Jahr später in Berlin zur Gründung des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) führen sollte. Maßgeblich beteiligt war dabei Carl Diem, zum ersten Vorsitzenden wurde der Vizepräsident des Stockholmer Organisationskomitees und spätere IOC-Präsident, Sigfrid Edström, gewählt.85 [...]
In den Warenkorb
38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832420147
Arbeit zitieren:
Heimerzheim, Peter Juli 1999: Karl Ritter von Halt, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Ritter von Halt, Sport, Politik



