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Karl August Varnhagen von Ense im Kulturbetrieb der Restaurationszeit

Sein publizistisches Wirken für den Goethekult, den Saint-Simonismus und das Junge Deutschland

Karl August Varnhagen von Ense im Kulturbetrieb der Restaurationszeit
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Holger-Falk Trübenbach
  • Abgabedatum: September 1999
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 779,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5434-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5434-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5434-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Trübenbach, Holger-Falk September 1999: Karl August Varnhagen von Ense im Kulturbetrieb der Restaurationszeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Goethe, Frühsozialismus, Kulturpolitik, Junges Deutschland, Restauration

Staatsexamensarbeit von Holger-Falk Trübenbach

Zusammenfassung:

Der Autor betrachtet Literatur als Medium und Organon der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte und richtet sein Erkenntnisinteresse auf die pragmatischen Funktionen der Literatur, auf ihre Wechselwirkungen mit philosophischen und politischen Diskursen.

Gegenstand der Arbeit ist Varnhagen von Ense (1785-1858), ein wenig beachteter Autor, der als Politiker und Diplomat - so die Hauptthese der Arbeit - versucht hat, den utopistischen Gehalt des Goetheschen Spätwerks in seinem publizistischen und kulturpolitischen Wirken umzusetzen, also einer Utopie zur Wirklichkeit zu verhelfen.

Die Arbeit bietet eine interessante Fallstudie über die radikale Pragmatisierung einer bei Goethe zur höchsten Autonomie gelangten Literatur, führt also gleichsam den dialektischen Umschlag vor Augen.

Die Studie verspricht neue Perspektiven auf diesen bis heute mit mancherlei Vorurteilen betrachteten Autor; vor allem aber ergibt sich von Goethe und der zeitgenössischen Philosophie her eine einheitlichere Sicht auf die intellektuelle und politische Entwicklung sowie auf die kulturpolitischen Aktivitäten Varnhagen von Enses in den Jahren 1820 bis 1836. Seine Rezeption vor allem der Saint-Simonisten erhält auch im Vergleich mit der aus anderen Interessen - als Frau und Jüdin - lesenden Rahel Varnhagen schärferes Profil.

Die Arbeit bietet eine interessante Fallstudie zur Pragmatisierung von Literatur und damit zum Scheitern einer goethezeitlichen Utopie. Varnhagen von Ense tritt damit aus dem Schatten seiner Frau und wird bedeutsam als Repräsentant und Aktant kultur- und sozialgeschichtlicher Aktivitäten im Einflußbereich Goethes, zugleich gewinnt er - auch in seinen Kontakten mit Metternich auf der einen sowie den Jungdeutschen auf der anderen Seite - individuelles zeitgeschichtliches Profil und Gewicht als historischer Zeitzeuge.

Inhaltsverzeichnis:

1. Varnhagen von Ense - ein Vergessener? 1
1.1 Karl August Varnhagen von Ense 7
2. Goethe 13
2.1 Goetheverehrung... 13
2.2 ...und Goethekritik 25
2.3 Das Junge Deutschland und Goethe 30
3. Der Saint-Simonismus 35
3.1 Eine frühsozialistische Utopie 35
3.2 Der Saint-Simonismus in Deutschland 40
4. Die „graue Eminenz“ und der „Kutscher Europas“ 55
4.1 Ein besonderes Verhältnis 55
4.2 Ein folgenreiches Gespräch 62
5. Die Gründung einer Goethe-Gesellschaft 72
6. Denkschrift über das Junge Deutschland 79
6.1 Die Affäre um die „Deutsche Revue“ 79
6.2 Die Denkschrift 83
7. Schlußbetrachtung 92
8. Bibliographie 94
8.1 Werk- und Briefeditionen zu Varnhagen 94
8.2 Quellen und Quelleneditionen 94
8.3 Werkausgaben 97
8.4 Lexika 98
8.5 Forschungsliteratur 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

Das ausführliche Zitat wird gerechtfertigt, da in diesen Passagen das bisher dargestellte von Heine selbst in aller Deutlichkeit ausgedrückt wird. In seiner Auseinandersetzung mit der neuen Lehre und seinen bereits gewonnen Erkenntnissen während seines Hegelstudiums, zwei Elemente, die er in der ihm gewohnten Arbeitsund Denkweise miteinander verknüpfte, kam er zu seinen Vorstellungen einer politischen Literatur, wie sie sich zuerst in der „Romantischen Schule“ manifestierten.207 Zudem verweist er selbst auf die ihn am brennendsten interessierende Problematik des Eigentums, die soziale, die „Suppenfrage“, die auch in seinen Werken immer wieder thematisiert wird.208 Seine Hoffnung auf ihre Lösung durch die Gruppierung um Enfantin, die sich nach der Spaltung der Saint-Simonisten in sein Haus in Ménilmontant zurückgezogen hatte,209 wurde enttäuscht, wie sich überhaupt die auf die neue Lehre gesetzten Hoffnungen nicht erfüllten. Dies mag als ein möglicher Grund dienen für Heines Art mit dem Scheitern der Bewegung umzugehen. So sind [...]

„Ich beschäftige mich jetzt viel mit der französischen Revoluzionsgeschichte und dem Saintsimonismus. Ueber beide werde ich Bücher schreiben. Ich muß aber noch viel studieren. Habe jedoch im letzten Jahre durch die Anschauung des Partheytreibens und der saintsimonistischen Erscheinungen sehr vieles verstehen gelernt [...]. Was Sie [Varnhagen; HFT] mir in Betreff des St. Simonismus schreiben ist ganz meine Ansicht. Michel Chevallier ist mein sehr lieber Freund, einer der edelsten Menschen, die ich kenne. Daß sich die St. Simonisten zurückgezogen ist vielleicht der Doktrin selbst sehr nützlich; sie kommt in klügere Hände. Besonders der politische Theil, die Eigenthumslehre, wird besser verarbeitet werden. Was mich betrifft, ich interessire mich eigentlich nur für die religiösen Ideen, die nur ausgesprochen zu werden brauchten, um früh oder spät ins Leben zu treten. Deutschland wird am kräftigsten für seinen Spiritualismus kämpfen; mais l’avenir est à nous.“206 [...]

diese somit schon auf einem schwachen Fundament. Einen zweiten Ansatzpunkt seiner Kritik findet sich in der geforderten Abschaffung des Erbrechts, um Chancengleichheit zu erhalten. Die „wesentlichste und eigenthümlichste“ Doktrin des SaintSimonismus, „Jedem nach seiner Fähigkeit, jeder Fähigkeit nach seinen Werken“, erkennt Carové als den eigentlichen Schwachpunkt, da - vereinfacht wiedergegeben - „nicht Jeder zugleich Alles seyn oder werden“ könne.202 Carové führt eine objektive Kritik des Saint-Simonismus durch, die an dieser Stelle nicht durchexerziert werden muß. Für den hier verhandelten Sachverhalt genügt es festzuhalten, daß er einer der wenigen ist, die dem Saint-Simonismus offen, objektiv und kritisch gegenübertreten. So wie Vertreter des rechtsliberalen Bürgertums dem Saint-Simonismus voreingenommen begegnen - als Beispiel sei eine Rede Robert Mohls über die neue Lehre aus dem Jahr 1832 genannt -,203 findet er bei Vertretern des linksliberalen Bürgertums, zu dem die Varnhagens und ihre Freunde im Großen gehören, völlig unkritische Aufnahme. Für Heine stand von Anfang an das religiöse Moment des Saint-Simonismus im Vordergrund. Ebenfalls ein Stammgast in den Berliner Salons und eng verbunden mit den Varnhagens, hatte er Zugang zu denselben Quellen wie diese. Er sieht im Saint-Simonismus die Möglichkeit, eines der großen, sich durch sein gesamtes Leben ziehenden Probleme zu lösen: den Widerstreit zwischen Spiritualismus und Sensualismus, Nazarenertum und Hellenentum. Daraus speist sich seine persönliche Anteilnahme an den Saint-Simonisten und ihrer Lehre, die ihn im Frühjahr 1831 auch neben anderen Gründen - nach Paris gehen läßt: [...]

Arbeit zitieren:
Trübenbach, Holger-Falk September 1999: Karl August Varnhagen von Ense im Kulturbetrieb der Restaurationszeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Goethe, Frühsozialismus, Kulturpolitik, Junges Deutschland, Restauration

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