Kapitalanlage bei Inflation: Kritische Analyse der Investmentangebote aus der Sicht des Privatanlegers
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Olga Laukart
- Abgabedatum: September 2011
- Umfang: 74 Seiten
- Dateigröße: 833,3 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 112
- ISBN (eBook): 978-3-8428-2403-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Laukart, Olga September 2011: Kapitalanlage bei Inflation: Kritische Analyse der Investmentangebote aus der Sicht des Privatanlegers, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kapitalanlage, Inflation, Investment, Privatanleger, Anleihe
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Bachelorarbeit von Olga Laukart
Einleitung:
Diese Bachelorarbeit, geschrieben während der bedrohlichen Eurokrise im Jahre 2011, betrachtet den negativen Einfluss der Inflation auf verschiedene Anlageformen. Die Ängste der Anleger, Investoren, Sparer, dass ihr Vermögen durch Inflation gemindert werden kann, sind mit Hinweis auf historische Ereignisse durchaus berechtigt. Geldwertverfall ist seit jeher eine Bedrohung für das Vermögen. Über nominalem Kapitalvermögen schwebt stets das Damoklesschwert der Inflation. Der Schutz des Vermögens vor realem Wertverlust ist deshalb eine der zentralen Aufgaben eines Investors. In inflationären Zeiten muss die Rendite des angelegten Kapitals höher sein als der Verlust der Kaufkraft. Ansonsten führt eine steigende Inflation bei traditionellen Kapitalanlagen, deren Zins- und Tilgungszahlungen zu nominalen Werten erfolgen, zu einem realen Wertverlust – im Extremfall sogar zu einer negativen Realverzinsung.
Einer der ersten Hinweise auf Inflation findet sich in der Bibel, die von einer Silberinflation zu Zeiten König Salomons (ca. 950 v. C.) berichtet. Ähnlich erging es den Untertanen von Alexander dem Großen (330 v. C.), der aus den Schätzen der Perserkönige Geld- und Silbermünzen schlagen ließ und damit eine Inflation auslöste. Aber auch in Zukunft wird Inflation weiterhin ein Thema bleiben: durch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken und bei einer historisch hohen Staatsverschuldung in allen bedeutenden Industrienationen wird die Inflation eine Herausforderung darstellen.
Vor diesem Hintergrund wird in dieser Bachelorarbeit Kapitalanlage in Anleihen, inflationsgekoppelte Finanzinstrumente, Aktien und Immobilien betrachtet sowie deren Schutz vor Geldentwertung thematisiert. Zu Beginn - im Kapitel 2 - wird Inflation als Grundthema dieser Arbeit näher erläutert sowie Überlegungen zur zukünftigen Inflationsentwicklung dargestellt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den meist verbreiteten Anleihen wie Staatsanleihen, Floating Rate Notes oder Wandelanleihen unter Berücksichtigung von Inflationswirkungen. Dabei soll aufgezeigt werden, wie stark die einzelnen Anleihearten mit der Inflation korrelieren, um ihre Eignung auf Inflationsschutz bewerten zu können. In diesem Zusammenhang wird insbesondere auf Inflationsanleihen genauer eingegangen und verschiedene Arten sowie Bewertungsaspekte erläutert. Eine Betrachtung inflationsgekoppelter Finanzinstrumente folgt im vierten Kapitel, welches ausführlich die Funktionsweisen der ausgewählten Instrumente beschreibt, mögliche Vor- und Nachteile gegeneinander abwiegt und konkrete praxisbezogene Beispiele vorstellt. Im darauffolgenden fünften Kapitel werden indirekte Anlagemöglichkeiten in Immobilien erörtert. Dabei wird detailliert auf offene und geschlossene Immobilien-fonds sowie auf Real Estate Investment Trust (REIT) eingegangen und deren Schutz vor Geldentwertung unter die Lupe genommen. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit der Analyse der Aktien auf Inflationsschutz, wobei gezielt auf den deutschen Markt eingegangen wird. Entscheidend ist hier die Wiederanlage der Dividenden, was langfristig 99 Prozent des Anlageerfolgs ausmacht. Das abschließende siebte Kapitel dient der Zusammenfassung und der finalen Bewertung der gewonnenen Ergebnisse. An dieser Stelle sollen die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal in knapper Form wiedergegeben werden.
| Inhaltsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Inflation | 3 |
| 2.1 | Der Inflationsbegriff | 3 |
| 2.2 | Inflationstheorie | 5 |
| 2.2.1 | Keynesianische Theorie | 5 |
| 2.2.2 | Neoklassische Theorie | 5 |
| 2.3 | Messung von Inflation | 6 |
| 2.4 | Überlegungen zur zukünftigen Inflationsentwicklung | 9 |
| 2.5 | Inflation als Herausforderung für die Kapitalanlage | 11 |
| 3. | Anleihen | 12 |
| 3.1 | Staatsanleihen | 12 |
| 3.2 | Floating Rate Notes (FRN) | 15 |
| 3.3 | Wandelanleihen | 16 |
| 3.4 | Optionsanleihen | 19 |
| 3.5 | Inflationsanleihen | 22 |
| 3.5.1 | Arten | 24 |
| 3.5.1.1 | Kapitalindexierte Anleihen | 24 |
| 3.5.1.2 | Kuponindexierte Anleihen | 25 |
| 3.5.1.3 | Weitere Inflationsanleihen | 27 |
| 3.5.2 | Bewertungsaspekte | 28 |
| 3.5.2.1 | Break-Even-Inflation | 28 |
| 3.5.2.2 | Zinsänderungsrisiko und Duration | 30 |
| 3.5.3 | Zusammenfassung der Inflationsanleihen | 31 |
| 4. | Inflationsgekoppelte Finanzinstrumente | 35 |
| 4.1 | Inflation Linked Exchange Traded Funds | 35 |
| 4.2 | Inflation Swap | 38 |
| 4.3 | Inflationszertifikate | 40 |
| 5. | Immobilien | 42 |
| 5.1 | Geschlossene Immobilienfonds | 42 |
| 5.2 | Offene Immobilienfonds | 44 |
| 5.3 | Real Estate Investment Trust (REIT) | 47 |
| 5.4 | Zusammenfassung | 49 |
| 6. | Aktien | 51 |
| 7. | Zusammenfassung | 58 |
| Literaturverzeichnis | 61 |
Textprobe:
Kapitel 3., Anleihen:
Die Anfänge des Handels mit Anleihen sind bis ins Altertum zurückzuverfolgen. Bereits die Sumerer hielten um 2500 v. Chr. auf Tontafeln die Regeln und Ereignisse in Verwaltung und Wirtschaft fest. Funde in jüngster Zeit zeigen Inschriften, die vom Inhalt her unseren heutigen Anleihen gleichen. Die wichtigsten Eintragungen sind neben dem Schuldner und dem Kapitalbetrag die jeweiligen Zahltermine und Zinsen. In der Geschichte hatten Anleihen jedoch oft ein großes Vertrauensproblem: Der Erste Weltkrieg beispielsweise wurde vom Deutschen Reich zu 60 Prozent mit Kriegsanleihen finanziert. Für den Kriegsverlierer Deutschland endete der Krieg aber mit einem gigantischen Schuldenberg und einer galoppierenden Geldentwertung in den 1920er Jahren, die festverzinsliche Wertpapiere in kurzer Zeit wertlos werden ließen.
Heutzutage sind Anleihen als klassische Kapitalanlage fester Bestandteil in nahezu jedem wohldiversifizierten Portfolio. Die Kursschwankungen der verzinslichen Wertpapiere sind in der Regel niedriger als die der Aktien. Die Anleihe ist ein beliebtes Mittel zur Kreditaufnahme durch Anleihe-Emittenten, denn die Bedingungen, also die Zinsen, die Laufzeit und die Tilgung sind bei jeder Anleihe fest definiert. Grundsätzlich gibt es die Unterscheidung in festverzinsliche Anleihen, bei welchen die Verzinsung über die Laufzeit konstant bleibt, und die variabel verzinslichen Anleihen, bei denen sich die Verzinsung periodisch nach den definierten Bedingungen anpasst. Daneben gibt es noch viele Sonderformen wie z.B. Zero Bonds, Wandelanleihen und inflationsindexierte Anleihen.
3.1, Staatsanleihen:
Staatsanleihen sind kurz-, mittel- oder langfristige Schuldverschreibungen, die von der öffentlichen Hand und anderen staatlichen Körperschaften ausgegeben werden und einer festen Verzinsung unterliegen. Staatspapiere der Industrieländer beinhalten kaum ein Bonitätsrisiko, so sind deutsche Staatsanleihen seit der Finanzkrise im Jahre 2009 Verkaufsschlager der Bundesrepublik. Die Angst vor einer Staatspleite der USA sorgt derzeit für einen wahren Ansturm auf deutsche Staatsanleihen mit Laufzeiten von 2 bis 30 Jahren trotz vergleichsweise niedriger Verzinsung. Der große Nachteil der festverzinslichen Anleihen ist die Anfälligkeit gegen Inflation. Zwar gibt die Höhe des Zinses einen gewissen Inflationsschutz: Je höher die Preissteigerung, umso höher ist normalerweise auch der Zins. Doch wenn die Inflation während der Laufzeit eines Papiers steigt, verliert der Sparer nicht nur über die fallenden Kurse seines Papiers, sondern auch durch die geringer werdende Kaufkraft der regelmäßigen Ausschüttungen. Die jüngste Entwicklung durch ausufernde Staatsschulden lässt allerdings immer mehr Investoren an der Bonität der Schuldner zweifeln: das Risiko eines Ausfalls steigt! Empirische Untersuchungen zeigen, dass mit zunehmender Haltedauer eine steigende positive Korrelation zwischen Inflationsrate und erzielbarer Anleihenrendite auf dem US-Markt erkennbar ist. Dennoch besteht in Phasen stark steigender Inflationsraten die Gefahr, dass die Nominalrenditen von Staatsanleihen hinter dem Inflationsanstieg zurückbleiben und effektiv sogar negative Realrenditen erwirtschaftet werden. Eine von Barclays Capital 2004 durchgeführte Studie kommt für 10jährige US-Staatsanleihen trotz einer durchschnittlich Realrendite von 2,66 % ebenfalls zu einem alarmierenden Ergebnis: So gab es zwischen 1821 und 2003 immer wieder signifikant große Zeitfenster, in denen Anlagen in 10jährige US-Staatsanleihen zu negativen Realrenditen, über die gesamte Laufzeit gerechnet, geführt hätten. Zu interessanten Ergebnissen kommt auch eine Untersuchung von Lazard Asset Management im Euroraum, wobei Staatsanleihen in vielen Ländern auf lange Sicht genauso wenig wie Geldmarktanlage in der Lage waren, eine reale Wertsteigerung zu generieren. Mit zunehmender Haltedauer scheint kein signifikanter kausaler Zusammenhang zwischen der Rendite deutscher Staatsanleihen und Inflationsrate zu existieren. In Übereinstimmung mit den zitierten Untersuchungen reduziert sich allerdings bei steigender Haltedauer das Risiko, mit deutschen Staatsanleihen eine negative Realrendite zu erzielen, erheblich: Ab einem Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren besteht nur noch ein minimales Risiko (< 1%), eine negative reale Rendite zu erzielen.
3.2, Floating-Rates-Notes (FRN):
Floating-Rates-Notes, auch Floater oder kurz FRN genannt, ist eine Form von Anleihen mit variablem Zins, der alle 3 bzw. 6 Monate dem aktuellen Geldmarkt-zinsniveau angepasst wird. Grundlage der laufenden Zinsanpassungen ist i.d.R. der Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR), der von Reuters täglich um 11:00 Uhr festgelegt wird. Je nach Bonität des Schuldners wird von diesem Basiszins ausgehend ein Zu- oder Abschlag vorgenommen. So wird der Zins bei einem erstklassigen Schuldner etwa 0,25 % unter dem Referenzzinssatz liegen, während ein Schuldner mit BB-Ranking je nach Marktlage ein bis zwei Prozent Risikozuschlag bezahlen muss. Angesichts der Variabilität des Zinskupons profitieren Anleger von steigenden Marktzinssätzen während der Anleihelaufzeit, da bei einem Anstieg der Inflation auch die Nominalzinsen steigen. Die Ausstattung von Floating Rate Notes ist sehr unterschiedlich. So gibt es solche mit einer Mindestverzinsung, Floor Floater genannt oder welche mit einer Maximal-verzinsung, sogenannte Cap Floater. Als Collared-Floater werden Kombinationen aus Mindest- und Maximalverzinsung genannt. Beim Reverse-Floater wird die Verzinsung als Differenz zwischen einem fixierten Zinssatz und dem Referenzzinssatz (Euribor) ermittelt. Die Kursrisiken bei Floatern sind insgesamt sehr gering, da die Renditen laufend den Marktbedingungen angepasst werden. Wichtig für die Kursentwicklung sind in erster Linie Änderungen in der Bonität des Emittenten. Verschlechtert sich diese nach der Ausgabe, so können Kurseinbußen die Folge sein.
Ein aktuelles Beispiel ist die Floating Rate Note der Deutschen Bank mit einer Laufzeit von 5 Jahren und einem Emissionspreis von 97,540 %. Während der Laufzeit ist die Höhe des Zinssatzes von der Entwicklung des 3-Monats-EURIBOR abhängig, z.Z. beträgt der EURIBOR-Satz ca. 1,6 %. Die Mindestverzinsung beträgt 2,25% p.a., die Maximalverzinsung ist auf 4,50% p.a. begrenzt. Zur Fälligkeit ist die Anleihe zu 100% kapitalgeschützt. Der Current Yield (die laufende Verzinsung) bei einer Mindestverzinsung von 2,25 % beträgt 2,3067 % und liegt damit knapp unter der aktuellen Inflationsrate von 2,4 %. Somit bietet der Floor Floater keinen ausreichenden Inflationsschutz und sogar negative Realzinsen.
Ein weiteres Beispiel liefert die Floater-Anleihe der Deutschen Bank mit einer Laufzeit von 3 Jahren und dem Bezugspreis von 98,38 Prozent. Im ersten Laufzeitjahr wird ein fester Zinssatz in Höhe von 4,20 Prozent p.a. bezahlt. In den Laufzeitjahren 2 und 3 ist die Höhe des Zinssatzes von der Entwicklung des 3-Monats Euribor Zinssatzes (‘Basiswert’) abhängig. Zur Fälligkeit ist die Anleihe 100%ig kapitalgeschützt. Der Current Yield beträgt hier 4,269 % im ersten Jahr und in Folgejahren mit angenommenen Euribor-Satz von 1,6 % bei 1,626 %. Der Realzins beträgt somit nach Abzug der aktuellen Inflationsrate von 2,4 % 1,869 % im Erstjahr und -0,774 % in Folgejahren. Auch hier liefert der Floater keine auskömmliche Gesamtrendite nach Abzug der Inflationsrate.
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