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Die Kapitalakkumulation in Bulgarien in Bezug auf die EU-Entwicklung

Die Kapitalakkumulation in Bulgarien in Bezug auf die EU-Entwicklung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Denitsa Kalcheva
  • Abgabedatum: Februar 2009
  • Umfang: 85 Seiten
  • Dateigröße: 859,8 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 73
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3225-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kalcheva, Denitsa Februar 2009: Die Kapitalakkumulation in Bulgarien in Bezug auf die EU-Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: EU-Erweiterung, MOEL, Sozio-ökonomisch, Bulgarien, Transformationsprozess

Diplomarbeit von Denitsa Kalcheva

Einleitung:

Die europäische Integration kann als das wesentliche Merkmal der heutigen Epoche angesehen werden. Sie verbindet derzeit etwa eine halbe Milliarde Menschen in 27 Ländern, beeinflusst ihr Leben, ihren Alltag und ihre Arbeitswelt. Die Dynamik dieses Prozesses hat sich Anfang des 21. Jahrhunderts rasant entwickelt. Durch den Wegfall des ‘Eisernen Vorhangs’ ergaben sich neue Möglichkeiten einer gesamteuropäischen Integration. Die osteuropäischen Staaten drängten und drängen immer noch mit Entschlossenheit und aus Überzeugung in den Staatenverbund. Es ist spürbar und mit den Händen greifbar, dass diese Entwicklung eine tiefgreifende Veränderung des Kontinents von historischer Dimension nach sich ziehen wird.

Problemstellung:

Das von mir vorgeschlagene Thema der Diplomarbeit untersucht die wechselseitigen Zusammenhänge der EU-Osterweiterung im Rahmen der europäischen Integration. Als Gradmesser und Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung möchte ich die Kapitalakkumulation in Bulgarien, meinem Heimatland, untersuchen. Insbesondere soll die Profitratenbestimmung als komplexer ökonomischer Terminus Gegenstand der Untersuchung sein. Die einzelnen Faktoren der Profitrate werden dargestellt und bewertet. Desweiteren werden die endogen und exogenen Einflussmöglichkeiten bei den Kohäsionsbemühungen der bulgarischen Volkswirtschaft benannt und durch Prognosen und Szenarien, Perspektiven aufgezeigt. In engem Kontext mit den Erkenntnissen und Theorien von Karl Marx zur Kapitalakkumulation, sollen dabei das Wesen, die inneren Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge kontrovers beleuchtet und die Theorien auf ihre Gültigkeit und Aktualität untersucht werden. Die zentralen Fragestellungen des Themas ergeben sich aus dieser Gegenüberstellung:

Gelingt es durch Kapitalakkumulation einen beständigen wirtschaftlichen Aufschwung und gesellschaftlichen Wohlstand zu generieren?

Können die Divergenzen in der wirtschaftlichen Leistungskraft zwischen den EU-Mitgliedsländern durch vermehrte Akkumulation verringert werden?

Welche Auswirkungen hat die EU-Mitgliedschaft für die EU insgesamt und für die bulgarische Gesellschaft?

Gang der Untersuchung:

Nach einleitenden und determinierenden Abschnitten gliedert sich die Arbeit in drei Hauptteile. Im ersten Teil wird die historische Entstehung der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die Entwicklung Bulgariens vor dem EU-Beitritt dargestellt.

Der zweite Abschnitt untersucht die Profitrate in Bulgarien. Anhand der direkten Berechnungsmethode soll dargestellt werden, welche Auswirkungen die Kapitalakkumulation auf die Profitratenentwicklung hat. Da der Untersuchungszeitraum von 1990 bis 2008 für eine Trendaussage relativ kurz bemessen ist, kann keine gesicherte Tendenzbestimmung erfolgen. Die Komponenten, die den Profitratenverlauf beeinflussen, werden für den Zeitraum erfasst und auf ihre Korrelation zur Profitrate bewertet. Eine Komponentenanalyse zeigt die Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten und Szenarien für den Angleichungsprozess. Zu diesem Zweck werden einige Zeitreihen dargestellt und ihre Auswirkungen auf reale Lebens- und Arbeitsbedingungen in der EU und in Bulgarien verifiziert. Es wird verzichtet komplizierte, stringente mathematische Herleitungen und Modelanalysen mit Regressionsanalysen und anderen Wertungskriterien zu verbinden. Dies nicht aus Ignoranz- oder Fähigkeitsgründen, sondern aus zwei, für die Zielsetzung der Arbeit, wichtigen Überlegungen, wobei sich die Zweite aus der Ersten ableitet:

Erstens wird als theoretische Grundlage die Marx`sche Akkumulationstheorie in der Arbeit Anwendung finden. Verfügbare statistische Daten und Kennziffern sind jedoch nicht ausreichend kompatibel mit dem Marx`schen Akkumulationsbegriff. Dies gilt insbesondere für den Kapitalbegriff, der im Gegensatz zur angewandten neoklassischen und keynsianischen Methode, nicht nur das konstante Kapital (Anlagevermögen oder Kapitalstock) erfasst, sondern das wertschöpfende variable Kapital ausdrücklich einbezieht. Insbesondere bei der Marx`schen These des ‘tendenziellen Fall der Profitrate’ sind empirische Untersuchungen der Zusammenhänge und Einflussfaktoren äußerst problematisch und fehlerbehaftet. Die Datenlage insbesondere in den neuen Mitgliedsländern, eingeschlossen Bulgarien, ist derzeit noch sehr unvollständig, obgleich alle nach dem Konzept der ESVG 1995 ihre statistischen Angaben aufarbeiten.

Es wird zweitens darauf verzichtet Zyklenanalysen, Zeitreihenregressionen mit diversen Filtern und Determinanten abzubilden. Es erscheint für die Verfasserin zielführender, nachvollziehbarer und ausreichend gesichertes Datenmaterial zu verarbeiten, dieses vergleichend zum gesellschaftlichen Istzustand zu setzen und damit der Aufgabenstellung und dem Ziel der Arbeit zu entsprechen.

Der abschließende Teil der Arbeit zieht ein Fazit sowohl über den europäischen Integrationsprozess im Allgemeinen, als auch im Spezifischen über die Situation in Bulgarien. Eine Chancen-Risiko-Bewertung der EU-Mitgliedschaft wird abgegeben. Schließlich sollen Gültigkeit und Aktualität Marx`scher Erkenntnisse geprüft werden. Das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate (GTP) und die Überproduktionstheorie mit ihrer finanz-basierten Ausprägung findet Beachtung.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2. Kapitalakkumulation 3
2.1 Begriffserklärung 3
2.2 Krisentheoretische Ansätze der Kapitalakkumulation 6
2.2.1 Überproduktionstheorie 8
2.2.2 Tendenzieller Fall der Profitrate 10
2.2.3 Die Rolle des Finanzsektors 12
3. Die Europäische Union (EU) 15
3.1 Entstehungsgeschichte der Europäischen Union (EU) 16
3.2 Aufbau und Zielsetzungen der EU 18
3.2.1 Struktur und Aufbau 22
3.2.2 Förderprogramme für EU-Beitrittsländer 23
3.3 Bulgarien und die EU 26
4. Bulgarien - jüngstes Mitglied der EU 27
4.1 Historisches 27
4.2 Entwicklung unter sozialistischer Planwirtschaft 28
4.3 Transformationsprozess seit 1989 30
4.3.1 Entwicklung der Profitrate 35
4.3.1.1 Mathematische Herleitung 35
4.3.1.2 Datenbasis für die Berechnung 37
4.3.1.3 Ergebnisse der direkten Berechnung der Profitrate 39
4.3.2 Komponentenbewertung 41
4.3.2.1 Entwicklung Erwerbstätigkeit 41
4.3.2.2 Demographische Krise 43
4.3.2.3 Kapitalbildung 48
4.3.2.3.1. Ausländische Direktinvestitionen 48
4.3.2.3.2. Staatliche Aktivitäten 52
4.3.2.4 Arbeitsproduktivität 54
4.3.2.5 Lohn- und Gewinnquote 58
4.3.3 Ergebnisse und Schlussfolgerungen 60
4.4 Finanzwirtschaft 61
4.5 Kapitalakkumulation und soziale Lage 64
5. Fazit 68
Anhang 70
Literaturverzeichnis 73

Textprobe:

Kapitel 4, Bulgarien - jüngstes Mitglied der EU:

Historisches:

Der bulgarische Staat ist mit seiner Gründung im Jahr 681 eines der ältesten Staatengebilde Europas. Entstanden aus der Volksgruppe der Thraker, einem auf Viehzucht spezialisiertem Volk, siedelten sich die ursprünglich aus dem vorderasiatischen Raum stammenden Urbulgaren im Zuge der Großen Völkerwanderung im Balkanraum an. Aufgrund der geopolitischen Lage, zwischen christlichen und muslimischen Machtzentren, war Bulgarien jahrhundertelang Schauplatzkriegerischer Auseinandersetzungen. 200 Jahre unter byzantinischer und 500 Jahre unter türkischer Herrschaft haben fast zur Auslöschung der kulturellen Identität Bulgariens geführt. In der jüngeren Geschichte lag das Schicksal Bulgariens oft in den Händen machtpolitischer Kalküle. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg an der Seite von Deutschlands wurde die bis dahin gewahrte Neutralität aufgegeben und dem Druck einer Großmacht nachgegeben, ohne jedoch im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront gegen die Rote Armee aktiv kämpfend einzugreifen. Die Dankbarkeit für die Befreiung von der türkischen Herrschaft (1878) durch Russland, dem slawischen Brudervolk, war tief verwurzelt. Die Deportation von in Bulgarien lebenden Juden wurde verweigert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichtete Bulgarien auf seine Terretorialansprüche und geriet mit der Befreiung der Roten Armee am 9. September 1945 in die sowjetische Einflusszone. Dies war für die folgenden fünfzig Jahre prägend für die Entwicklung Bulgariens. Es wurde angestrebt den stark ausgeprägten agrarwirtschaftliche Charakter des Landes durch Industrialisierung zu modernisieren.

Bulgarien zählt heute mit weniger als 8 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 111.000 Quadratkilometern zu einem vergleichsweise kleinem Land im europäischen Maßstab. Gleichwohl ist Bulgarien stolz auf seine Geschichte und seine durchaus vorzeigbaren historischen Leistungen und Personen. So sind die Brüder Kyrill und Method grundlegend für das slawische Sprach- und Schrifttum (9. Jahrhundert) gewesen, so sind weiterhin der Erfinder des Computers, John Atanasow und der berühmte Christo (Jawaschow), der 1995 den Berliner Reichstag verpackte, bulgarischer Abstammung. Schließlich ist Bulgarien mit 80 Prozent der Weltproduktion von Rosenöl unangefochtener Weltmeister. Auch wenn keine Führungspositionen in den Schlüsselindustrienbeansprucht werden können, sind der Stolz und die Besinnung auf Traditionen und Fähigkeiten wichtig für die nationale Identität und das Selbstbewußtsein eines Volkes am südöstlichen Rand Europas.

Entwicklung unter sozialistischer Planwirtschaft Als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs war Bulgarien von 1945 bis 1989 Teil der sozialistischen Staatengemeinschaft unter sowjetischer Hegemonie. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde planmäßig, gleichbedeutend staatlich, bestimmt. Im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der überstaatlichen Institution, wurde versucht die Volkswirtschaften der einzelnen sozialistischen Länder abzustimmen und zentralistisch zu entwickeln. Sogenannte Fünf-Jahres-Pläne setzten Ziele und Aufgabenverteilungen fest. Bestimmte Wirtschaftssektoren wurden in einzelnen Ländern schwerpunktmäßig etabliert, in anderen vernachlässigt: Autoindustrie, vorwiegend in der damaligen CSSR, chemische Industrie in der damaligen DDR, Schwer- und Leichtindustrie in Polen.

In Bulgarien wurde in diesen Jahren besonders der Bereich der metall-verarbeitenden Industrie vorangebracht, wobei die Landwirtschaft und Konsumgüterproduktion weiterhin prägend blieben. Es gelang einen bescheidenen sozialen Fortschritt zu etablieren. Die bekannten Errungenschaften des Sozialismus in den Bereichen Bildungs- und Gesundheitswesen waren indes teuer erkauft. Auf Grund dirigistischer und zentralistischer Wirtschaftsführung kam es zu permanenten Engpässen in der produktiven und konsumtiven Sphäre. Ineffizienz und niedrige Produktivitätszuwächse waren Grund für den Mangel an Rohstoffen, Material und Arbeitskräften. Infrastrukturelle Erneuerung oder Erweiterung fand nicht statt, der Zustand von Industrie- und Wohnbauten war schlecht. Im außenwirtschaftlichen Bereich konnten, die mit hohem Aufwand produzierten inländischen Waren, keine kostendeckenden Deviseneinnahmen generieren, im Gegenzug mussten dringend benötigte Waren und Rohstoffe teuer auf dem Weltmarkt erworben werden. Einher ging dieser allgemeine Mangel mit Einschränkungen der Grundrechte, wie der Meinungs- und Reisefreiheit. Folgerichtig kam es 1989 fast zeitgleich zum Kollaps der sozialistischen Staatengemeinschaft, in deren Folge sich, die der Marktwirtschaft ausgesetzten Länder, bemühten eine gesicherte Perspektive unter dem Dach der EU zu erlangen. Die unterschiedlichen Voraussetzungen machten einen Ausleseprozess erforderlich, der für Bulgarien mit der Antragstellung am 14. Dezember 1995 begann und erst am 1. Januar 2007 mit der Vollmitgliedschaft in die EU abgeschlossen wurde.

Die statistische Darstellung makroökonomischer Parameter der sozialistischen Phase ist bisher schwer darstellbar und für Vergleiche und Analysen steht bislang kein gesichertes Datenmaterial zur Verfügung.

Transformationsprozess seit 1989:

Nach der Formierung neuer politischer Organisationen war die Zielsetzung, wohin der Weg nach der gewonnenen Freiheit gehen sollte, vage und inkonsistent. Bis Mitte der 90er Jahre war deshalb die politische Machtunterschiedlich verteilt und von ständigen Wechseln geprägt. Sieben Regierungen unterbreiteten ihre Vorstellungen von der zukünftigen Entwicklung Bulgariens, die eine markt-wirtschaftliche sein sollte. Unter starkem Einfluss der alten Nomenklaturen wurde versucht Pfründe und Erbhöfe zu halten, wobei Volksvermögenvergeudet und Vertrauen in die politischen Eliten verspielt wurde. Der lange Weg zu einer leistungsstarken funktionierenden Marktwirtschaft wurde von vielen Bulgaren unterschätzt. Die Segnungen von ungehinderter Reisefreiheit und grenzenlosen Konsummöglichkeiten schienen greifbar.

Bulgarien hat schon bald nach dem Ende der sozialistischen Phase damit begonnen seine wirtschaftspolitischen Maßnahmen marktwirtschaftlich auszurichten. Der Prozess war durch zwei unterschiedliche Phasen der Entwicklung, bis zum EU-Beitritt 2007, gekennzeichnet. Die erste Phase war gekennzeichnet durch eine Anpassungs- und Strukturproblematik, die in der Bankenkrise von 1996/97 gipfelte. Die zweite Phase kann als erfolgreiche Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung und Konsolidierung bewertet werden.

Phase I begann mit der Liberalisierung der Wirtschaft 1989, ohne das Gegenseitigkeitsprinzip und setzte die inländische Produktion abrupt dem freien internationalen Marktmechanismen aus. Im Einzelnen wurde das Außenhandelsmonopol des Staates aufgehoben, die Preise wurden dereguliert, es erfolgte eine Öffnung für den freien Handel, Kapital- und Personenverkehr. Im Jahr 1992 wurde ein Investitionsschutzgesetz verabschiedet und bereits 1989, im Jahr der Wende, eine Reform der Handelspolitik beschlossen. Die außenwirtschaftliche Öffnung wurde begleitet durch die Beitritte in internationale Verträge und Organisationen (u.a. IWF, WTO).

Arbeit zitieren:
Kalcheva, Denitsa Februar 2009: Die Kapitalakkumulation in Bulgarien in Bezug auf die EU-Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
EU-Erweiterung, MOEL, Sozio-ökonomisch, Bulgarien, Transformationsprozess

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