Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881-1957) Marineoffizier - Politiker - Widerstandskämpfer
Ein Leben zwischen den Fronten
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Andreas Hofer
- Abgabedatum: Juli 2002
- Umfang: 94 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6053-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hofer, Andreas Juli 2002: Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881-1957) Marineoffizier - Politiker - Widerstandskämpfer, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Erster Weltkrieg, Kaiserliche Marine, Weimarer Republik, NSDAP
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Magisterarbeit von Andreas Hofer
Einleitung:
Das Thema der hier vorliegenden Arbeit ist die Biographie eines ungewöhnlichen Menschen. Das Leben des Hellmuth von Mücke könnte aus der Feder eines Marineschriftstellers wie Alexander Kent oder Cecil Scott Forrester stammen. Es begann mit einer kurzen aber erfolgreichen Kaperfahrt mit dem leichten Kreuzer „Emden“ am Anfang des Ersten Weltkrieges durch die Weiten des indischen Ozeans. Hellmuth von Mücke diente als Erster Offizier an Bord der „Emden“ , die Fahrt verlief ganz im Stile der französischen Freibeuter des 18.und 19. Jahrhundert.
In weiterer Folge eine waghalsige Flucht: Zuerst mit einem altersschwachen Segelschiff, und dann mit einem Dampfer über den indischen Ozean. Es folgte ein strapaziöser Zug durch die arabische Halbinsel bis nach Konstantinopel. Nur durch die außerordentliche Menschenführung Hellmuth von Mückes war der Marsch durch die Wüsten Arabiens und die glückliche Heimkehr möglich. Es folgten weitere Einsätze am Euphrat und am Balkan. In der Zeit der Matrosenrevolte von 1918 war Hellmuth von Mücke aktiv beteiligt. Auch beim Kapp-Putsch spielte er eine Rolle. In der Weimarer Republik war Hellmuth von Mücke erfolgreicher Politiker im sächsischen Landtag und eine Zeitlang Mitglied der NSDAP. Aufgrund unüberbrückbarer Gegensätze mit Hitler wurde Mücke ab 1929 zu einem der striktesten Gegner der Nationalsozialisten. Er zog sich gänzlich ins Privatleben zurück hielt Reden und verfasste politische Schriften gegen die Nationalsozialisten . Nach der Machtübernahme der NSDAP war der Kriegsheld Mücke als „Nationalbolschewist“ verdammt und sogar kurze Zeit inhaftiert. In den Jahren 1933 bis 1945 wurde der berühmte Seeheld totgeschwiegen. Nach dem Ende des Dritten Reiches widmete sich von Mücke der Friedensarbeit. Sein leidenschaftliches Eintreten gegen eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland brachte Hellmut von Mücke wiederholt Schwierigkeiten ein. Er geriet in den Verdacht kommunistischer Gesinnung.
Das Aberkennen seiner Rente und sogar die zwangsweise Psychiatrierung wurde von Mücke angedroht. Doch bis zu seinem Tode im Jahre 1957 blieb er bei seiner patriotisch, kompromisslosen Haltung. Wer war dieser Hellmuth von Mücke?
In meiner Arbeit möchte ich das Schicksal dieses ungewöhnlichen und aufrechten Mannes darstellen. Einige seiner Handlungen waren von Idealismus und auch von einer gewissen Weitsicht bestimmt. Schon früher als so mancher andere Zeitgenosse sah Hellmuth von Mücke wohin der Weg Hitlers führen würde. Im Gegensatz vielen frühen Parteigängern der NSDAP, welche später in der Bundesrepublik Deutschland zu Ehren kamen, wurde Hellmuth von Mückes mutige Opposition zum Nationalsozialistischen Regime einfach vergessen. Für gewisse Leute ist eine solche Haltung unbequem. Wirkliche Haltung und Standhaftigkeit wird nicht honoriert, der „Wendehals“ schlüpft eben leichter durch die Zeiten.
Die Schwierigkeiten beim Abfassen dieser Arbeit war das äußerst spärliche vorhandene Material. Ein großer Teil der von Hellmuth von Mücke verfassten Schriften, Flugblätter etc. sind verschollen. Ohne der freundlichen Unterstützung des Sohnes Hellmuth von Mückes, Herrn Dirk von Mücke und seiner Frau Renate wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen . Ihnen beiden möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 3 | |
| 1. | Der Marineoffizier | 6 |
| 1.1 | Herkunft und Familie | 6 |
| 1.2 | Der Werdegang in der kaiserlichen Marine bis zum Ersten Weltkrieg | 7 |
| 1.3 | Kriegsausbruch und die Kaperfahrt der Emden | 11 |
| 1.4 | Der Landungszug und die Fahrt der Ayesha | 17 |
| Exkurs: Der Kriegsschauplatz Naher Osten im Jänner 1915 | 23 | |
| 1.5 | Der Marsch durch Arabien und die Ankunft in Konstantinopel | 25 |
| 1.6 | Diplomatisches Nachspiel in der Heimat | 32 |
| 1.7 | Kommando am Euphrat und bei der Donauflottille | 38 |
| 1.8 | Matrosenrevolte in Wilhelmshafen und Ausscheiden aus der Marine | 42 |
| 2. | Der Politiker 1919 bis 1929 | 46 |
| 2.1 | Politische Prägung nach der Novemberrevolution 1918 | 47 |
| 2.2 | Der Eintritt in die NSDAP | 53 |
| 2.3 | Vortragsreise in die Vereinigten Staaten | 56 |
| Exkurs: Der Hitler Putsch 1923 und das Verbot der NSDAP | 58 | |
| 2.4 | Fraktionsvorsitz in Sachsen | 61 |
| Exkurs: Die zweite Gründung der NSDAP | 65 | |
| 2.5 | Politiker und Publizist | 67 |
| 2.6 | Die Krise Sachsen 1929 | 69 |
| 3. | Der Hitler Gegner | 72 |
| 3.1 | Im Kampf gegen den Nationalsozialismus | 72 |
| Exkurs: Nationalbolschewismus in Deutschland | 74 | |
| 3.2 | Das Ende der Weimarer Republik | 76 |
| 3.3 | Berufsverbot und Widerstand im Dritten Reich | 78 |
| 3.4 | Die letzten Lebensjahre | 80 |
| 4. | Nachwort | 83 |
| 4.1 | Zeittafel | 87 |
| Quellen und Literaturangabe | 91 | |
| Anhang: Bilder | 97 |
30 „Auf Grund der ausführlichen Mitteilungen, die mir Herr Kapitänleutnant von Mücke und auch Sami Bey bezüglich des Überfalls bei Djedda gemacht haben, kann ich mich nicht zu der von den Herren ausgesprochenen Ansicht bekennen, daß es sich um einen von den Groß-Scherifen, bzw. Seinen Sohn Abdullah selbst angezettelten Angriff handeln kann. Aus allen Begleitumständen habe ich vielmehr die Überzeugung gewonnnen, daß hier ein richtiger Beduinenraubzug aus Geldgier, zur Gewinnung der Waffen der Emden -Leute, bei ihnen vermuteter hoher Geldmittel oder eines Lösegldes vorliegt., wie solches mehr oder weniger in der ganzen arabischen Welt, wo die Regierungsgewalt nicht fest genug ist, an der Tagesordnung sind. Hierbei ist es durchaus nicht unmöglich, daß gewisse Elemente in Djedda, die zu den Gefolgsleuten des Groß-Scherifen gehören, selbst den Raubzug angestiftet haben. Daß jedoch der Groß-Scherif persönlich, wissend, daß es sich um die Helden der Emden handelte, den Überfall verursacht habe, erscheint mir vollständig ausgeschlossen. Abgesehen von allem anderen ist derselbe politisch viel zu klug um eine solche Torheit begehen zu können. Die türkische Regierung hat in allen Artikeln über den Überfall nur die Leseart gelten lassen, daß derselbe nur von Raubbeduinen, eventuell auf Machenschaften unser englischen Freunde hin, angezettelt wurde, und daß dem Einschreiten des herbeigerufenen Sohnes des Groß-Scherifen die Rettung der Emden -Leute zu verdanken sei.“64 In diesen Sätzen tritt der Diplomat Freiherr von Oppenheim in den Vordergrund. Laut der türkischen Regierung standen die arabischen Stämme loyal zum Sultan. Ein Rebellion in der Hedschas gab es nach der offiziellen Aussage von Enver Pascha nicht. Ein Überfall auf die verbündeten Deutschen konnte nur von „Räubern“ durchgeführt worden sein. In Oppenheims geschliffener Formulierung sollte der türkische Verbündete in keiner Form diskreditiert werden. Das Schreiben endet mit den folgenden Worten: „Ich habe in Euerer Exellenz Auftrage Herrn von Mücke gebeten, aus poitischen Erwägungen nach außen, diese Leseart weiter bestehen zu lassen. [...]
29 um von der traurigen Kriegsrealität ablenken zu können. Kapitänleutnant von Mücke wurde zu einem der bekanntesten Kriegshelden.60 In diplomatischen Kreisen hatte der interne Bericht in Konstantinopel Kapitänleutnant von Mückes über die Hintergründe des Überfall bei Ras al Aswad für einige Unstimmigkeiten gesorgt. Dass Kapitänleutnant von Mücke den Emir von Mekka und seinen Sohn Abdullah als Verantwortlichen für den Überfall bezeichnete, war Stein des Anstoßes. Der Emir von Mekka wurde als eine der Hauptstützen des sogenannten „Heiligen Krieges“ der Moslems in der Hedjas gegen die Allierten angesehen. Doch dieser „Heilige Krieg“ auf der arabischen Halbinsel war reines Wunschdenken der deutschen Diplomaten. Kapitänleutnant von Mücke und seine Mannschaft kannten die Realität in Arabien nur allzu gut. Die örtlichen Stammesfürsten waren alle samt käuflich, und den Engländern war keine Summe zu hoch, um an ihr Ziel zu gelangen.61 Es kam zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Kapitänleutnant von Mücke und dem Auswertigen Dienst. In dieser Situation zeigte sich die unbeugsame Haltung von Mückes. Nach seiner Ankunft in Konstantinopel hatte er den deutschen Botschafter Baron Konrad von Wangenheim über das Verhalten des Emirs von Mekka und seines Sohnes Abdullah in Kenntnis gesetzt. Als der in der Botschaft weilende als Arabien- Spezialist geltende Ministerresident Freiherr Max von Oppenheim62 versuchte Kapitänleutnant von Mücke umzustimmen antworte er mit den Worten: „Wir Soldaten verstehen von Diplomatie selbstverständlich nichts, dürfen jedoch für deren Fehler unsere Knochen hinhalten.“63 Da Oppenheim bei Kapitänleutnant von Mücke nichts erreichte, schrieb er einen Bericht an das Auswertige Amt in Berlin. In dem in Pera am 6. Juni verfassten offiziellen Bericht mit Beschwerdeantrag schrieb Freiherr Max von Oppenheim: [...]
26 „Die Überlebenden der „Emden unter Führung des Kapitänleutnant Mücke sind in Aleppo eingetroffen. Die Bevölkerung der reichbeflaggten Stadt bereitete ihnen einen enthusiastischen Empfang“.52 Am Pfingstsonntag, dem 23. Mai 1915, Nachmittags, hielt der Sonderzug auf dem Bahnhof von Haidar-Pascha, dem asiatischen Endpunkt der Hedschas-Bahn in Konstantinopel. Die Mannschaft war mit neuen Uniformen ausgestattet worden. Im Bahnhof wurde Kapitänleutnant von Mücke vom Chef der Mittelmeerdivision Admiral Souchon empfangen. Der Landungszug trat an, die Flagge der „Emden“ am rechten Flügel. Nach mehr als zehnmonatiger Kriegsfahrt, brachte der Landungszug die Flagge zurück, als letzte vom Kreuzergeschwader, ( Das Ostasiengeschwader von Admiral Graf Spee war am 8. 12. 1914 bei den Falklandinseln versenkt worden) als einzige deutsche Auslandstruppe der es gelang den Gegnern zu entkommen. Nach einigen kurzen Kommandos meldete Kapitänleutnant von Mücke vor Admiral Souchon: „Melde gehorsamst, Landungszug S.M.S. Emden in Stärke von fünf Offizieren, sieben Unteroffizieren und siebenunddreißig Mann zur Stelle !“53 Danach gab es für die „Emden“Leute einen großangelegten Empfang in der Serailspitze. Dort wurden sie vom deutsche Botschafter Freiherrn von Wangenheim sowie dem türkischen Kriegsminister Enver Pascha empfangen. Glückwünsche erhielten die „Emden Leute“ auch von indischen Nationalisten, die ein Verbindungsbüro in Konstantinopel unterhielten. Der anschließende Marsch des Landungszuges, an der Spitze Kapitänleutnant von Mücke, durch den Park glich einen Triumphzug. Der Landungszug nahm dann an Bord des deutschen Dampfers „General“ Quartier.54 Die Rückkehr aus der Türkei nach Deutschland, erfolgte auf dem Landweg über den Balkan und Österreich. Überall wurden die „Emden“-Leute begeistert begrüßt. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832460532
Arbeit zitieren:
Hofer, Andreas Juli 2002: Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881-1957) Marineoffizier - Politiker - Widerstandskämpfer, Hamburg: Diplomica Verlag
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Erster Weltkrieg, Kaiserliche Marine, Weimarer Republik, NSDAP



