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Kafka und das Kino

Kafka und das Kino
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Dany Scholten
  • Abgabedatum: Juli 2011
  • Umfang: 38 Seiten
  • Dateigröße: 287,2 KB
  • Institution / Hochschule: Universität Luxemburg Luxemburg
  • Bibliografie: ca. 20
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-2308-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Scholten, Dany Juli 2011: Kafka und das Kino, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kafka, Kino, Film, Geschichte, Analyse

Bachelorarbeit von Dany Scholten

Einleitung:

‘Seine Texte sind darauf angelegt, dass nicht zwischen ihnen und ihrem Opfer ein konstanter Abstand bleibt, sondern dass sie seine Affekte derart aufrühren, dass er fürchten muss, das Erzählte käme auf ihn los wie Lokomotiven aufs Publikum in der jüngsten, dreidimensionalen Filmtechnik.’ Dieses Zitat von Theodor W. Adorno zeigt wie sehr Kafka seine Leser direkt mit seinen Texten konfrontieren wollte. Zudem spricht Adorno den Film ‘L´arrivée d´un train en gare de la Ciotat’ der Lumière Brüder an, der als erster dokumentarischer Beweis seiner Kinogänge in seinen Tagebucheinträgen vermerkt ist.

Die Beziehung Franz Kafkas mit den Anfängen des Kinos wirft in der Forschung viele Fragen auf. Auf der einen Seite vertritt Peter-André Alt die These, dass die zahlreichen Kinobesuche, die neuartigen Techniken eines Edwin Porter oder Giovanni Pastrone, Kafka in seinem Schreiben beeinflusst haben. Auf der anderen Seite gibt es Kritiker, wie Hanns Zischler, die davon überzeugt sind, dass Kafka die im Kino gesehenen Bilder aus seinen Texten fern halten wollte.

Der Referent will mit dieser Arbeit den Denkansatz von Peter-André Alt verfolgen und damit beweisen, dass ein filmisches Schreiben in den Werken von Franz Kafka vorhanden ist.

Vom Aufbau her besteht die Arbeit aus drei verschiedenen Teilen. In einer ersten Phase werden die institutionelle Entstehung des Kinos und die Anfänge des Films von 1886 bis 1915 thematisiert. Exakt in diesem Zeitraum spielt auch das Interesse von Franz Kafka am Kino eine zentrale Rolle. Hierbei geht es aber weniger darum die wichtigsten Filme zusammen mit den wichtigsten Produzenten chronologisch aufzuführen, sondern viel mehr um die Art und Weise wie die Filme dieser Zeit produziert wurden. Angesichts der rasanten Entwicklung von neuen Filmtechniken werden die Anfänge des Films in Frankreich, Italien und den USA näher untersucht werden. Techniken wie das ‘overlapping’ (Überlappen) oder der Szenenwechsel werden im Mittelpunkt der Analyse stehen. Zweifelsfrei kommt es jedem Kinobesucher auch auf den Inhalt der gezeigten Filme an. Kafka hingegen, beschäftigte sich fast ausschließlich mit der Konzeption der Filme. Der deutsche Film wird daher nicht thematisiert werden, weil es dem Verfasser primär um die Produktionstechniken geht und diese in Deutschland zur damaligen Zeit keine bedeutende Rolle spielten. Nach diesem einführenden Kapitel, wird der Referent sich mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle das Kino im Leben von Franz Kafka einnahm. Dabei wird der Frage nachgegangen wie und wann Kafka mit dem Kino in Berührung kam und wie sich dieses Interesse entwickelte. Abgeschlossen wird dieser Teil mit der Frage, warum seine Leidenschaft ab 1914 ein abruptes Ende nahm. Kafka kam erst gegen 1907 in Prag mit dem Kino in Berührung und wurde fortan in den Bann dieses neuen Mediums gezogen. Sein leidenschaftliches Interesse bekundete er vor allem in etlichen Tagebucheinträgen, wobei er selbst eine nächtliche Autofahrt in München in Zusammenhang mit einem Kinobesuch brachte. In einer letzten Phase soll ein Einblick in die Entwicklung der filmischen Schreibweise gegeben werden. Mit der Entstehung des Films und infolge der neuen technischen Möglichkeiten der menschlichen Gesellschaft wurden zunehmend Werke verfasst, die Elemente und Strukturen einer Schreibweise für den Film enthielten.

Abschließend wird die filmische Schreibweise bei Franz Kafka Grundlage der Analyse sein. Der Verfasser wird sich dabei auf zwei zentrale Werke Kafkas stützen. Sowohl ‘Der Verschollene’, der zwischen 1911 und 1914 entstand, als auch ‘Der Process’, den Kafka von 1914 bis 1915 niederschrieb, enthalten grundlegende Elemente filmischen Schreibens. Anhand von verschiedenen Textstellen aus den angesprochenen Werken wird verdeutlicht, wie ausgeklügelt die Schreibweise bei Franz Kafka war um dem Inhalt eine filmische Struktur zu verleihen. In der Schlussfolgerung werden die einzelnen Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und analysiert. Dabei soll die Position des Verfassers, dass in einzelnen Werken Kafkas Elemente einer filmischen Schreibweise zu finden sind, nochmals bestärkt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die Entstehung des Kinos 3
2.1 Die institutionelle Entwicklung 3
2.2 Die Entstehung des Films 5
3. Kafka und das Kino 10
3.1 Kafkas frühes Interesse am Kino 10
3.2 Kafkas leidenschaftliches Interesse am Kino von 1910-1914 13
3.3 Kafka und die Bedeutung des Kinos nach 1914 16
4. Filmische Schreibweise 18
4.1 Entstehung der filmischen Schreibweise 18
4.2 Der filmische Blick in Kafkas ‘Der Verschollene’ 19
4.3 Filmisches Schreiben in ‘Der Process’ 25
5. Zusammenfassung 30
6. Inhaltsverzeichnis 33

Textprobe:

Kapitel 3., Kafkas und das Kino:

3.1, Kafkas frühes Interesse am Kino:

Viktor Ponrepo (1858-1926) war der Vater des tschechischen Kinos. Wie viele seiner Vorgänger war auch Ponrepo zuerst auf Jahrmärkten aktiv um das Publikum mit seinen mitgeführten Filmen zu unterhalten.

Es war ‘am 5. September 1907 als das erste Prager Stadtkino eröffnet wurde, das sich im Haus zum Blauen Hecht in der Karlsgasse befand.’ Es war ein kleiner Raum mit nur 56 Plätzen. Zusammen mit seinem Bruder verstand es Viktor Ponrepo die anwesenden Zuschauer zu unterhalten. Um noch mehr Besucher anzulocken, amüsierten sie ihre Zuschauer mit einigen Zaubertricks. Nicht nur als Zauberkünstler waren die Brüder Ponrepo aktiv, sondern auch als ‘Erklärer’ während den gezeigten Filmen. Oft war es so, dass der Inhalt der Filme eher uninteressant auf die Zuschauer wirkte und deshalb lag das Interesse des Erklärers daran eine einzigartige Stimmung im Saal zu erwecken, damit die Kinobesucher sich mit dem Inhalt der Filme identifizieren konnten. Genauso empfand es auch der deutsche Journalist und Autor Ulrich Rauscher:

‘Der Erklärer dampfte vor reinem sittlichen Empfinden, er brachte die Worte vom Abschaum der Großstadt wie eine Delikatesse langsam und geschmalzt über die Lippen…, er nahm selbst mich, oder meine Gedankentätigkeit, ganz gefangen.’ Kurze Zeit später, am 18. Oktober 1907 eröffnete im ‘Café Orient’ gegenüber dem Staatsbahnhof in der Hibernergasse ein zweiter Kinosaal seine Pforten, der von den Brüdern Oeser geleitet wurde. Besonders im ‘Orient’ verbrachte Franz Kafka einige Abende um sich Filme anzuschauen.

Ein drittes Kino entstand in Prag unter dem Namen ‘Bio Lucerna’, der wohl edelsten Einrichtung zur damaligen Zeit in Tschechien.

Wie sehr viele Menschen zu dieser Zeit interessierte sich auch Franz Kafka für das neue Medium und so muss man sich die Frage stellen, wie und zu welchem Zeitpunkt er sich zum ersten Mal mit dem Kino auseinandersetzte.

Aus den Tagebüchern von Franz Kafka geht hervor, dass er vor seinen Kinobesuchen öfters auch ‘Schauspiel und Operette, Cabarets, Weinlokale und Bars’ besuchte. Ein Interesse am Nachtleben und an kulturellen Veranstaltungen war bei Kafka schon sehr früh zu erkennen.

Im Jahr 1914 publizierte Kurt Pinthus sein Werk ‘Kinobuch’, in dem ‘ein Dutzend Kinodramen der Autoren Richard A. Bermann, Walter Hasenclever,…Max Brod und Heinrich Lautensack’ aufgeführt waren. Zuständig für die Veröffentlichung war der Kurt Wolff-Verlag, der in Leipzig beheimatet war. Franz Kafka gehörte ebenfalls zu den Schriftstellern dieses Verlages. 1912 erschien sein Werk ‘die Betrachtung’ gefolgt von der ‘Verwandlung’ und dem ‘Urteil’ im Jahr 1913. ‘So kam es, dass Kafka einige Autoren des Kinobuchs persönlich kannte ‘, unter ihnen auch sein langjähriger Freund Max Brod.

‘Er interessierte sich für alles Neue, Aktuelle, Technische, so zum Beispiel auch für die Anfänge des Films,’ schilderte Max Brod das Interesse von Kafka im Jahr 1937. Primär war es nicht so sehr der Inhalt den Kafka faszinierte, sondern vielmehr ‘das dynamische Arrangement der Filmbilder und die Technik ihrer Sequenzierung.’ Nicht nur dem Kino schenkte Kafka besonderes Interesse, sondern auch dem Kaiserpanorama, der als Vorgänger des Kinos gilt. Im Jahr 1880 erfand der deutsche Physiker August Fuhrmann (1844-1925) das Kaiserpanorama. Dem Besucher wurde hier kein fortlaufender Film gezeigt, sondern Reisefotografien und Bilder aktueller Ereignisse standen auf dem Programm. Kafka bevorzugte die Technik des Kaiserpanoramas gegenüber der des Kinos.

‘Die ‘Bilder lebendiger waren als im Kinematographen und sie dem Blick die Ruhe und Wirklichkeit ließen. Der Kinematograph gab dem Angeschauten die Unruhe ihrer Bewegung, die Ruhe des Blickes schien wichtiger.’ Die Zuschauer erstarren, wenn der Zug vorbeifährt.’ Aus diesem ersten Tagebucheintrag, der übrigens aus dem Jahr 1909 stammt, erfahren wir, dass Kafka erst sehr spät Notizen über seine Kinobesuche verfasste. Nicht verwunderlich scheint aber, dass dieses Zitat über den Film ‘Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat’ handelt. Nachdem die Lumières Brüder diesen kurzen Ausschnitt in Paris gezeigt hatten, gab es Berichte über Menschen die voller Panik aus dem Saal liefen, weil sie über die Dynamik der Bilder ‘schockiert’ waren. Man kann zwar davon ausgehen, dass dies nicht der erste Film war, den Kafka gesehen hat, allerdings wird das Arrangement der Bilder ihn sicherlich überwältigt haben.

Arbeit zitieren:
Scholten, Dany Juli 2011: Kafka und das Kino, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kafka, Kino, Film, Geschichte, Analyse

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