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Die KPD und der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939

Die KPD und der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Ralf Niemeyer
  • Abgabedatum: Mai 1994
  • Umfang: 186 Seiten
  • Dateigröße: 695,0 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4642-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4642-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4642-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Niemeyer, Ralf Mai 1994: Die KPD und der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), Widerstand, Spanischer Bürgerkrieg, Arbeiterbewegung, Exil

Magisterarbeit von Ralf Niemeyer

Einleitung:

Einer der erfreulichsten Aspekte des Beitritts der ehemaligen DDR zur BRD ist zweifellos die Tatsache, dass das Parteiarchiv der KPD/SED nunmehr für wissenschaftliche Zwecke allgemein zugänglich ist. Dieser Umstand, im Verein mit der bereits angesprochenen Mangellage hinsichtlich einer Literatur, welche die Politik der KPD im Bürgerkrieg untersucht, ohne mit politisch-ideologischen Vorgaben belastet zu sein, begründet, wie ich meine, hinreichend die Relevanz des gewählten Themas.

Gleichwohl versteht sich diese Arbeit mit Blick auf die nunmehr zur Verfügung stehenden Archivnutzungsmöglichkeiten in Berlin, teilweise auch in Moskau, nur als sehr bescheidener Ansatz, die bisherige Geschichtsschreibung zur KPD auf quellenmäßig abgesichertere Grundlagen zu stellen, als es bisher der Fall war.

Diese Arbeit stellt es sich zur Aufgabe, die Politik der KPD im und zum spanischen Bürgerkrieg im Lichte der nunmehr zugänglichen Quellen näher zu beleuchten, als es in Veröffentlichungen der ostdeutschen Historiographie geschehen ist.

In erster Linie versteht sich diese Untersuchung als Rekonstruktion dessen, welche konkreten Maßnahmen die KPD im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg ergriff und welche Orientierung sie in Spanien besonders in Hinblick auf die politische Bearbeitung ihrer eigenen Anhänger und der übrigen Freiwilligen verfolgte. Nebenbei wird die Frage zu erörtern sein, inwieweit die Entscheidungsfindung, was in Anbetracht der jüngsten spanischen Ereignisse zu tun sei, den kollektiv-monolithischen (somit konfliktfreien) Charakter hatte, den die Historiographie der ehemaligen DDR darbietet. Demnach gewinnt der Leser den Eindruck, als ob die ersten mit Spanien zusammenhängenden Fragen im PB (Politbüro) und ZK erörtert und entschieden worden seien.

Besonderes Augenmerk richtet diese Arbeit auf die Behandlung der Einheits- und Volksfrontpolitik durch die KPD im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg, um einen Eindruck von den Vorstellungen der KPD zu gewinnen, welche Gestalt die Volksfront für Deutschland haben sollte und wie sie jene Vorstellungen praktisch verwirklichen wollte. Dazu genügt es nicht, die betreffende Propaganda der KPD in Deutschland, im Exil und in Spanien zu untersuchen; mindestens ebenso wichtig ist es, die internen Vorgänge in der KPD sowie die von ihr verfolgte Kader- und Organisationspolitik in Augenschein zu nehmen. Insofern kann diese Arbeit auch als Fallstudie für die Einheits- und Volksfrontpolitik der KPD im allgemeinen gelten, zumindest, was den Zeitraum von 1936-1939 angeht, hatte die Partei doch selbst immer wieder die Interdependenzen von spanischem und deutschem Freiheitskampf betont.

In diesem Zusammenhang wird - nolens volens - deutlich werden, wie es um die einträchtige Zusammenarbeit im kommunistischen Lager bestellt war, die uns die ostdeutsche Geschichtsschreibung glaubhaft zu machen sucht.

Viele Autoren weisen, wie bereits angedeutet, der Volksfrontpolitik des PCE eine Tarnfunktion zu, hinter der die omnipräsente kommunistische Parteistruktur ihre Macht entfaltete. Wir werden im Rahmen dieser Arbeit einen Blick auf die Parteiorganisation in der XI. IB werfen und feststellen, dass der Aspekt der Macht nur ein, wenn auch wichtiges Element in der eher multifunktionalen Bedeutung der kommunistischen Parteiorganisation war. Die mitunter triumphierend vorgebrachte Präsentation der Volksfrontpolitik als reine „Camouflage“ muss sich dabei nicht unbedingt als falsch, aber als zu eindimensional erweisen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Allgemeines 1
1.2 Grundpositionen der Literatur zur Rolle des PCE (Partido Comunista de España) zwischen Revolution und Krieg 2
1.3 Die deutsch-deutsche Literatur zur Rolle der KPD in Spanien 4
1.4 Relevanz, Themenstellung und Zielsetzung dieser Arbeit 6
1.5 Vorgehensweise 9
1.6 Verwandte Literatur und Quellen 10
2. Der Ausbruch des Bürgerkrieges 12
2.1 Der Aufstand der Militärs 12
2.2 Die Politik des PCE 17
2.3 Die Sowjetunion und der Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges 20
2.4 Die Komintern und der Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges 24
2.5 Der PCE und die weiteren Vorgänge im republikanischen Spanien 28
3. Zur Lage der KPD in Deutschland und im Exil 33
3.1 Die KPD vor dem Juli 1936 33
3.2 Die Volksfrontgespräche in Paris 37
4. Die ersten Maßnahmen der OL und des PB hinsichtlich Spaniens 42
4.1 Die OL (Paris) ergreift die Initiative 42
4.2 Das PB schaltet sich ein 46
4.2.1 Säuberung und Festigung 49
4.2.2 Kontrolle in der Emigration und Rekrutierung der Freiwilligen 51
4.3 Die ersten deutschen Freiwilligen in Spanien 53
4.4 Die Weichen werden gestellt 57
4.5 Die Parteiführung intensiviert ihre Tätigkeit 59
5. Propaganda und Einheitsfront 61
5.1 Die Propagandatätigkeit der KPD 61
5.2 Die Einheitsfront „von unten“ für Spanien? 67
5.3 Ausmaß und Erfolg der Propaganda 69
5.3.1 Ausmaß der Literaturverbreitung in Deutschland 69
5.3.2 Erfolg der Propaganda 72
6. Die Internationalen Brigaden 76
6.1 Die Aufstellung der Internationalen Brigaden 76
6.2 Die Präsenz der ausländischen Freiwilligen in den IB 79
6.3 Präsenz und politische Zusammensetzung der deutschen Freiwilligen 80
7. Die KPD in Spanien 84
7.1 Allgemeines zur Haltung der KPD zur Volksfrontpolitik in Spanien 84
7.2 Zur Propaganda der KPD in Spanien 85
7.2.1 Die Literatur 85
7.2.2 Volksfront über dem Äther 89
8. Zum Kommissarwesen 93
8.1 Das Kommissarwesen in den Internationalen Brigaden 93
8.2 Die Kommissare in der XI. Internationalen Brigade 99
9. Zentrale Kadererfassung und die Kaderpolitik der KPD 101
9.1 Die Kaderabteilung Albacete 101
9.2 Das ZK des PCE zieht die Kadererfassung an sich 102
9.3 Die Kaderpolitik der KPD in Spanien 105
9.4 Die militärischen Kader 111
9.5 Schulen der KPD in Spanien 115
10. Der Einfluss der Parteiorganisation auf die Kaderbildung 121
10.1 Die Parteiorganisation der KPD in den Internationalen Brigaden 121
10.2 Das Kaderkarussell dreht sich weiter 125
11. Die Mobilisierung der Interbrigadisten durch den Polit- und Parteiapparat 128
11.1 Zum Erfolg der politischen Bearbeitung 128
11.2 Die Aktivistenbewegung 130
12. Deutsche Einheits- und Volkfront in Spanien? 133
12.1 Das Einheitskomitee 133
12.2 Die Einheitskonferenz in Valencia 141
13. Niederlage und Rückzug 147
13.1 Der erzwungene Rückzug der KPD aus Spanien 147
13.2 Die Internationalen Brigaden verabschieden sich 151
13.3 Die deutschen Kommunisten im Demob-Lager 152
13.4 Die Propaganda der KPD nach dem Rückzug der Internationalen Brigaden 154
14. Abschließende Bemerkungen 160
15. Quellen- und Literaturverzeichnis 167
15.1 Ungedruckte Quellen 167
15.2 Gedruckte Quellen 167
15.2.1 Dokumente, Aktenpublikationen, Berichte 167
15.2.2 Memoiren, Erlebnisberichte 168
15.2.3 Periodika 169
15.2.4 Bibliographische, biographische und sonstige Hilfsmittel 169
15.2.5 Sekundärliteratur 169
16. Anhang 173

Automatisiert erstellter Textauszug:

als die Labour Party, die Belgische Arbeiterpartei und die britischen Gewerkschaften für die Aufhebung der Blockade plädierten, die v.a. die republikanische Zone betraf. Damit schienen zumindest Teile der SAI sich von ihren Positionen zu rühren. Die Einheits- und Volksfrontpolitik der KPD für Deutschland und für die Emigration vollzog sich auf zwei Ebenen. Auf der propagandistischen Ebene vermied es die KPD weitgehend, konkrete politische Gruppen und Parteien anzusprechen. Sie sprach die Adressaten der Aufrufe als Berufs- oder gesellschaftliche Gruppen (Werktätige, Arbeiter, Angestellte, Bauern, Soldaten, Offiziere, Mütter, Männer, Frauen, Jugend, Demokraten, Katholiken, usw.) an.214 Fast in allen von der KPD herausgegebenen Aufrufen ist die Tendenz nachzuweisen, vermeintliche oder tatsächliche Gemeinsamkeiten zu betonen. Einheitsfrontangebote an die Adresse der Sozialdemokraten im Lande unterblieben auf dieser Ebene. Eines erklärte die KPD jedoch für das Zustandekommen von Einheits- und Volksfront für unerlässlich: Das Bekenntnis zur Sowjetunion. Entweder bezog man als Gruppe oder Individuum Stellung für oder gegen sie.215 Damit kehrte die dichotomische Anatomie des historischen Materialismus in veränderter Gestalt wieder. Auf der zweiten, der organisatorisch-praktischen Ebene, suchte die KPD die Sozialdemokraten und anderen Oppositionellen für ihre Ziele einzusetzen, d.h. für die Werbung Freiwilliger und für die Durchführung ihrer Propaganda im Lande und in der Emigration. Gleichzeitig wurden die kommunistischen Funktionäre angewiesen, die Einheitsfront als Kern der Volksfront im bilateralen Dialog "von unten" zustande zu bringen. [...]

Der entscheidende Akzent des Rundschreibens vom 26. November lag jedoch auf der Herstellung einer einheitlichen Aktion "auf breitester Basis" zusammen mit Sozialdemokraten und anderen Antifaschisten. Um erstere sollten sich die Kommunisten allerdings besonders kümmern. Zur Aktionseinheit zählte nicht nur die ins Auge gefasste gemeinsame Agitprop-Arbeit im Sinne der obigen Empfehlungen, sondern auch und besonders die organisatorische Zusammenarbeit hinsichtlich der Werbung Freiwilliger im Reich und in den Emigrationsgebieten. Ferner galt es, solche Antifaschisten zu gewinnen, die bereit waren, sich für die "Legion Condor" rekrutieren zu lassen, um in Spanien Diversionsarbeit zu leisten.211 Mit den forcierten Bemühungen um ein einheitliches Handeln im Reich und an den Grenzstellen hoffte das PB, mit dem PV (Parteivorstand) der SPD leichter zu Vereinbarungen über gemeinsame Schritte zu kommen.212 Das Gelingen einheitlicher Aktionen im Sinne des Rundschreibens hätte den PV zweifellos unter Druck gesetzt. Möglicherweise müssen die Anstrengungen der KPD mit dem Vorstoß der KI in Zusammenhang gebracht werden, die Aktionseinheit auch auf internationaler Ebene herzustellen.213 Die KI sah sich vermutlich dazu ermutigt, [...]

5.) die Verdeutlichung, dass der Kampf in und für Spanien die Schwächung des deutschen Faschismus bedeutete: "Die Niederlage Francos wird der Anfang von Hitlers Ende sein!"208 Nicht nur die direkt auf das ZK zurückgehenden Aufrufe sollten Wirkung zeigen. Das ZK versprach sich v.a. von der forcierten AgitpropKampagne im Reich eine größere Resonanz bei den Zielgruppen der zu schaffenden Volksfront. Das Rundschreiben der OL an die Grenzstellen vom 26. November 1936 erläuterte: "Die Rolle Hitlers als Hauptkriegstreiber in Europa und in aller Welt legt uns deutschen Antifaschisten die größte Verantwortung auf, alles zu tun, um Hitler in Spanien mit schlagen zu helfen. Dies kann nur geschehen durch zwei Dinge: durch die unmittelbare Unterstützung des spanischen Freiheitskampfes und durch die Entwicklung der breiten Massenbewegung in Deutschland."209 Dabei sollten die Entbehrungen des einfachen Volkes thematisiert werden, mit deren Hilfe Hitler und die "deutschen Rüstungsgewinnler" die Unterstützung Francos bewerkstelligten und sich selbst bereicherten. Das PB gab auch konkrete Parolen vor, z.B.: "Butter für die Werktätigen, statt Kanonen für Franco! Höhere Löhne, statt Millionen für Franco! ... Keinen Mann, kein Schiff, kein Flugzeug, keine Kanone für Franco!"210 Zunächst waren die Massen also zu veranlassen, ihre unmittelbaren Interessen zu vertreten. Als Foren der Agitation kamen die Massenorganisationen in Frage, wo "legale Forderungen" (was immer die Verfasser des Rundschreibens darunter verstanden) popularisiert werden sollten. Diese seien auf einem Niveau anzusiedeln, für die die breiten Massen bereit seien, einzutreten. Hierbei sollte der "Kampf um [...]

Arbeit zitieren:
Niemeyer, Ralf Mai 1994: Die KPD und der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), Widerstand, Spanischer Bürgerkrieg, Arbeiterbewegung, Exil

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