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Junge Menschen mit Autismus auf dem Qualifizierungsweg in die Arbeitswelt

Anhand ausgewählter Interviews

Junge Menschen mit Autismus auf dem Qualifizierungsweg in die Arbeitswelt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martin Paul
  • Abgabedatum: Dezember 2008
  • Umfang: 179 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
  • Bibliografie: ca. 60
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2668-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Paul, Martin Dezember 2008: Junge Menschen mit Autismus auf dem Qualifizierungsweg in die Arbeitswelt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Autismus, Arbeitsmarkt, autistische Störung, Behinderung, Asperger Autismus

Diplomarbeit von Martin Paul

Einleitung:

Die berufliche Qualifizierbarkeit von Menschen mit Autismus steht heute außer Frage – wenn gleich dies nicht bedeuten soll, dass jeder junge Mensch mit Autismus ausgebildet und in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden kann.

Die Möglichkeiten und Formen der beruflichen Förderung sind sehr von der individuellen Ausprägung der autistischen Beeinträchtigung des Jugendlichen abhängig. Im Rahmen der vorberuflichen Förderung steht neben der rein beruflichen Qualifizierung auch das Training von sozialen, lebenspraktischen und kommunikativen Kompetenzen im Vordergrund, da es nur selten die berufspraktischen Kompetenzen sind, die Personen mit Autismus daran hindern eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen. Über spezifische Förderprogramme (z.B. Sozialtraining) können Menschen mit Autismus soziale, planerische und kommunikative Defizite kompensieren und dadurch eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu einer realistischen Option ihrer Lebensplanung machen.

Durch meine Erfahrungen in verschiedenen Praktika während des Studiums und Kontakte zu verschiedenen schon länger mit autistisch beeinträchtigen Menschen (vor allem Schülern) arbeitenden Personen, bin ich schon vor einiger Zeit auf dieses Thema aufmerksam geworden. Ich beschloss, mich schon im Vordiplom damit auseinander zu setzen. Während der Arbeit daran stellte ich fest, dass die Förderung von durch die autistische Störung betroffenen Menschen meist nur bis Ende der Schulzeit gewährleistet ist und sich als sehr vielseitig und überaus individuell abhängig darstellt. Bedingt durch mein Unterrichtsfach Arbeitslehre stellte sich mir die Frage der weiteren Förderung.

Welche Möglichkeiten und Lebenswege stehen nach Abschluss der Schulzeit diesen, durch eine in ihrer Schwere sehr breit gefächerte und in ihrer Vielseitigkeit kaum vergleichbare Beeinträchtigung betroffenen Jugendlichen offen?

Welche Maßnahmen sind nötig, um sie in der Bewältigung oder zumindest Abschwächung der einzelnen Besonderheiten hin zu einer möglichst freien Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen?

In meiner Arbeit möchte ich Wege und Fördermaßnahmen aufzeigen, die es ermöglichen können, speziell autistisch beeinträchtigte Jugendliche nach Abschluss der Schule so zu fördern, dass sie vollkommen oder beinahe eigenständig, unabhängig in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrierbar sind.

Der theoretische Teil meiner Arbeit wird sich mit den Besonderheiten der autistischen Lebensbeeinträchtigung und den Möglichkeiten, die sich jungen Menschen mit Autismus auf ihrem Qualifizierungsweg zur Partizipation am ersten Arbeitsmarkt stellen, beschäftigen. Es soll speziell auf die Berufsbildungswerke und deren Möglichkeiten, eine angemessene Förderung durchzuführen, eingegangen werden, da diese sich in den letzten Jahren durch die Erfolge ihrer Arbeit mit autistischen Mitmenschen besonders ausgezeichnet haben.

Im empirischen Teil sollen die dargestellten Wege zum Berufsbildungswerk und Fördermaßnahmen innerhalb eines BBW durch die Auswertung von Interviews mit im Berufsbildungswerk St. Franziskus Abensberg geförderten Autisten sowie einem Experteninterview in Hinsicht auf ihre Effektivität und Langfristigkeit untersucht werden, sowie dargestellt werden, wie sich die Betroffenen selbst in der Maßnahme wahrnehmen und welche Empfindungen sie bezüglich dieser haben.

In beiden Teilen der Arbeit sollen die Ansätze aus Wissenschaft und Forschung, die Überlegungen und Theorien, der aktuellen Praxis gegenübergestellt werden. So werden im theoretischen Teil neben möglichen Fördermaßnahmen aktuelle Projekte dargestellt, welche im zweiten, empirischen Teil nochmals durch ein Experteninterview ergänzt und auf den neusten Stand gebracht werden. Die vorgestellten Maßnahmen sollen mit der Praxis exemplarisch durch Interviews mit Betroffenen verknüpft werden.

Inhaltsverzeichnis:

1.0 Einleitung 1
2.0 Autismus - eine Darstellung 3
2.1 Klassifizierung 3
2.2 Ursachen 6
2.3 Das Asperger- Syndrom 8
2.3.1 Qualitative Beeinträchtigungen der zwischenmenschlichen Beziehungen 9
2.3.2 Qualitative Beeinträchtigung der verbalen und non - verbalen Kommunikation und der Phantasie 9
2.3.3 Eingeschränktes Repertoire und Interessen 10
2.4 Häufigkeit in Deutschland 11
3.0 Die Arbeitswelt 12
3.1 Die Bedeutung der Erwerbsarbeit 12
3.2 Der Übergang in die Arbeitswelt 13
4.0 Menschen mit autistischen Lebenserschwernissen am ersten Arbeitsmarkt 14
4.1 Die aktuelle Situation der Autisten 14
4.2 Möglichkeiten zur Erreichung des allgemeinen Arbeitsmarktes für autistische junge Menschen in Deutschland. 17
4.2.1 Die Förderung von autistisch beeinträchtigten Menschen in Berufsbildungswerken 17
4.2.2 Autistisch beeinträchtigte Menschen in der WfbM 20
4.2.3 Rehabilitationseinrichtungen für psychisch Kranke und Berufliche Trainingszentren 24
4.2.4 Besondere Arbeitsplätze 24
4.2.5 Integrationsfachdienste 25
4.3 Feststellung und Vergleich der Fähigkeiten der Menschen mit Autismus 26
4.4 Verankerung der Rehabilitation im Sozialgesetz 27
5.0 Das Berufsbildungswerk St. Franziskus Abensberg 28
5.0.1 Das Angebot 29
5.0.2 Pädagogische Einheit 29
5.0.3 Ganzheitlichkeit 29
5.0.4 Abriss der Entwicklung des BBW St. Franziskus 30
5.0.5 Spezielle Angebote für Rehabilitanden mit autistischem Hintergrund 30
5.1 Das Projekt Autismus I: 32
5.1.1 Allgemeines 32
5.1.2 Ziele der Projektarbeit 33
5.1.3 Ergebnisse 34
5.2 Das Projekt Autismus II: 36
5.2.1 Allgemeines 36
5.2.2 Ziele der Projektarbeit 37
5.2.3 Aktueller Stand 38
5.3 Methodische Ansätze 39
5.3.1 Der TEACCH-Ansatz im Arbeitsbereich 39
5.3.2 Social - Skills - Training (Abensberg) 45
6.0 Befragung von Rehabilitanden im BBW St. Franziskus Abensberg 52
6.1 Untersuchungsziel 52
6.2 Untersuchungsmethode 52
6.2.1 Das episodische Interview 53
6.2.2 Das Experteninterview 59
6.3 Ergebnisse der Interviews mit den Rehabilitanden 61
6.3.1 Untersuchungsgegenstand- Vorstellung der Interviewpartner 61
6.3.2 Übersicht über die verschiedenen Erfahrungen der Befragten 63
6.3.3 Darstellung der individuellen Lebenswege 66
6.4 Ergebnisse des Experteninterviews 81
6.4.1 Untersuchungsgegenstand- Vorstellung des Experten 81
6.4.2 Fakten bzgl. des BBW St. Franziskus Abensberg 81
6.4.3 Ergebnisse der Projekte Autismus I und II 82
6.4.4 Autistische Menschen auf dem Arbeitsmarkt 84
6.4.5 Nachhaltigkeit der Maßnahmen im BBW Abensberg 84
7.0 Beispiele von Arbeitsplätzen für Autisten international 85
7.1 Firma Specialisterne in Dänemark 85
7.2 Das ‘TEACCH Supported Employment Program’ North Carolina/USA 86
8.0 Kritische Würdigung und Resümee 87
9.0 Literaturverzeichnis 91
10.0 Abbildungsnachweis 97
A. Anhang VII

Textprobe:

Kapitel 4.2, Möglichkeiten zur Erreichung des allgemeinen Arbeitsmarktes für autistische junge Menschen in Deutschland:

Innerhalb Deutschlands gibt es für autistische Jugendliche verschiedene Möglichkeiten eine berufliche Ausbildung wahrzunehmen. Diese sind nicht auf die Werkstatt für beeinträchtigte Menschen (WfbM) und das Berufsbildungswerk (BBW) beschränkt. Je nach Bildungsstand ist es den Klienten ebenfalls möglich durch weitere Angebote, wie z.B. länger andauernde Förderprogramme mit anschließendem Übergang in eine Ausbildung, eine Vorförderstufe zu durchlaufen oder auch unmittelbar eine Ausbildung in der freien Wirtschaft zu machen und im Anschluss daran je nach Fähigkeiten einen geschützten, teilgeschützten oder auch freien Arbeitsplatz anzutreten. Die meist genutzte Variante ist die WfbM, die Maßnahme mit den meisten Erfolgsaussichten das BBW.

Die berufliche und soziale Integration kann, wie auf der vorherigen Seite ersichtlich, erlangt werden durch:

- die Förderung in Berufsbildungswerken mit anschließendem Übergang in Ausbildung und Beruf.

- die Förderung sowie Arbeit in Werkstätten für beeinträchtigte Menschen.

- Rehabilitationseinrichtungen für psychisch kranke und beeinträchtigte Menschen, - Berufliche Trainingszentren.

- die Belegung eines freien oder teilgeschützten Arbeitsplatzes auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (meist Nischenarbeitsplätze).

- spezielle Formen von Arbeitsplätzen, die individuell zu besetzen wären.

- Integrationsfachdienste.

Die Förderung von autistisch beeinträchtigten Menschen in Berufsbildungswerken:

Berufsbildungswerke sind überbetriebliche Einrichtungen zur beruflichen Erstausbildung beeinträchtigter Jugendlicher. Neben Menschen mit verschiedenen anderen Beeinträchtigungen werden in einigen BBWen schon seit 1993 vereinzelt autistisch gestörte Menschen auf die Teilnahme am Arbeitsmarkt vorbereitet. In 28 von 47 existierenden BBWen in Deutschland wurden seit 1996 insgesamt über 160 Autisten ausgebildet. Dies gestaltete sich oft sehr schwierig, da über die Störung und damit auch den Umgang mit Betroffenen noch nicht all zu viel bekannt war und die Rehabilitanden durch ihr auffälliges Verhalten zusätzliche Erschwernisse für die Trainer darstellten. Nicht selten kam es vor, dass ein BBW, welches sich an der Ausbildung eines autistisch veranlagten Menschen probierte, weitere Aufnahmen dieser Klientel ablehnte, da die gemachten Erfahrungen sehr negativ waren.

Der Berufsbildungsausschuss des Bundesverbandes ‚Hilfe für das autistische Kind’ unterbreitete 1993 einige Vorschläge zur Verbesserung der Situation, welche in den darauffolgenden Jahren zum Großteil Anwendung fanden.

Der im BBW ansässige Fachdienst wurde mit neu entwickelten Diagnostikhilfsmitteln ausgestattet, um eine differenziertere Beurteilung der Symptomatik der meist durch das Arbeitsamt und ohne klare Diagnose vermittelten Rehabilitanden vornehmen zu können. Auch heute wird noch jeder zweite Rehabilitand erst im BBW klar eingestuft und erst dort entsprechende Fördermaßnahmen seinen Bedürfnissen entsprechend festgelegt.

Es ist auffallend, dass sehr viele (ca.3/4) der an der Förderung in einem BBW interessierten autistisch veranlagten Jugendlichen mittlere und höhere Schulabschlüsse vorweisen können und über einen überdurchschnittlichen Arbeitseifer verfügen. Daher können die meisten von ihnen in regulären Ausbildungsgängen ausgebildet werden, was die Vermittlung der Beeinträchtigten in eine adäquate berufliche Tätigkeit anschließt. Jene vermittelten werden seit kurzer Zeit zudem nachbetreut.

Um auch die leistungsschwächeren autistischen jugendlichen Interessenten aufnehmen zu können, wurden die Lernorte differenziert und die Rahmenbedingungen sowie die sozialpädagogische Betreuung individualisiert. Parallel dazu fand eine Veränderung der Aufnahmeverfahren, die Erstellung eines individuellen Rehabilitationsplanes, die Modifizierung der Ausbildungsinhalte und –methoden und eine Intensivierung der Begleitung während und nach der Ausbildung in den BBWen statt, so dass die Rehabilitanden dort angemessen gefördert werden können. Durch die Verlängerung einer berufsvorbereitenden Maßnahme über verschiedene Zeitspannen stellt sich eine weitere Möglichkeit dar, wie man den autistisch beeinträchtigten Jugendlichen durch Veränderungen der Rahmenbedingungen, hier in Bezug auf ihre Lerngeschwindigkeit, entgegenkommen kann.

Arbeit zitieren:
Paul, Martin Dezember 2008: Junge Menschen mit Autismus auf dem Qualifizierungsweg in die Arbeitswelt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Autismus, Arbeitsmarkt, autistische Störung, Behinderung, Asperger Autismus

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