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Jugendkriminalität

Erscheinungsformen, Ursachen, Interventionen

Jugendkriminalität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Corinna Neubert
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 3,3 MB
  • Note: 2,7
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8731-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8731-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8731-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Neubert, Corinna April 2004: Jugendkriminalität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: gefährdete vs. gefährliche Jugend, frühzeitiges Eingreifen, Kontrolle, Überwachung

Diplomarbeit von Corinna Neubert

Einleitung:

Mit der Titelwahl dieser Arbeit soll auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, dass im Bereich der Jugendkriminalität effektivere Lösungswege anzustreben wären. Dieses Thema ist mit Sensibilität und Feingefühl zu bearbeiten, weil es sich um eine Klientel handelt, bei welcher die Persönlichkeit noch nicht völlig ausgereift ist. In den letzten Jahren hat die Beschäftigung und Behandlung mit dem Bereich der Jugendkriminalität an Aktualität gewonnen. Es gibt einige wichtige Studien, die sich mit dem Problem der zunehmenden und teilweise immer gewalttätigeren Jugenddelinquenz beschäftigen. Diese zieht die Autorin heran, um die Hintergründe und die Beschaffenheit der Jugendkriminalität zu beleuchten. Sie ist differenziert zur Erwachsenenkriminalität zu betrachten.

Um so mehr erfordert dieser Bereich, wenn es um eine Strafzumessung geht, eine reflektierende Herangehensweise, was bedeutet, dass urteilende Institutionen zweimal nachdenken und sich selbst reflektieren müssten, bevor Urteile gesprochen werden. Denn „...nur wer mindestens zweimal denkt (= versteht), dürfte urteilen dürfen...“ (Horst Schüler-Springorum, 1991). In dieser Arbeit geht es nicht um die Suche nach einem Patentrezept. Selbst wenn der Wunsch nach einem Konzept zur Verbrechensbekämpfung vorhanden ist, wird die Leistung der folgenden Arbeit darin liegen, die Vor- und Nachteile bzw. die Wirksamkeit bestehender Reaktionen auf Kriminalität zu skizzieren sowie Vorschläge für die zukünftige Vorgehensweise in der Bekämpfung von Jugendkriminalität zu unterbreiten.

Die folgende Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Der erste Teil beschreibt den Unterschied zwischen der Jugend- und Erwachsenenkriminalität. Die Beschäftigung mit der Jugendphase führt zu einem näheren Verständnis dieser Klientel. Die Autorin weist auf die innere Motivation Jugendlicher zu kriminellen Handlungen hin, durch welche Jugendkriminalität in einem anderen Licht dargestellt wird. Es werden typische Eigenschaften, die für die Jugendphase ausschlaggebend sind, beschrieben. Mit dieser Darstellung versucht die Autorin die klare Abgrenzung zur Erwachsenenkriminalität vorzunehmen.

Im zweiten Teil dieser Arbeit werden Ursachen, die zu kriminellen Handlungen Jugendlicher führen können, beschrieben. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren und Bedingungen, die zusammen wirken und nicht isoliert betrachtet werden können. Die Ursachenforschung dieser Arbeit geht auf einige Wichtige ein und beginnt mit der Suche nach den sozialen Ursachen, die hinter einer vermehrten Kriminalitätsbereitschaft stehen können. Es folgt die Beleuchtung der familiären Situation, denn die Erfahrung von innerfamiliärer Gewalt kann als weitere Ursache der Kriminalität aufgeführt werden.

Dabei geht es nicht nur um die selbst erlebte Gewalt, sondern auch um die beobachtete Gewalt zwischen den Eltern. Die These, dass die jugendlichen Täter oft erst Opfer von erwachsener Gewalt sind, wird überprüft. Die Gewalterfahrungen müssen in Verbindung mit elterlicher emotionaler Vernachlässigung gesehen werden. Die Bedeutung der Eltern- Kind- Beziehung wird aus bindungstheoretischer Sicht erklärt. In einem letzten Schritt betrachtet die Autorin die Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft. Die Veränderung der wirtschaftlichen Lage führt zu Anpassungsproblemen. Die finanziellen Möglichkeiten und die Arbeitsmarktlage entsprechen nur noch selten den Ansprüchen und Bedürfnissen unserer Gesellschaft. Für den Menschen stellt sich dieser Wandel als Herausforderung dar. Diese schwierige Situation muß überwunden werden. Jugendliche besitzen noch nicht die innere Festigkeit und das Selbstwertgefühl, sich dem Lebensstil, der auf Statuskriterien aufgebaut ist, zu entziehen. Sie benötigen zur besseren Vorbereitung auf die schwierige Arbeitsmarktlage ebenso Hilfe bei der Orientierung und der Suche nach Perspektiven. Die Vermutung, dass die genannten Faktoren Veränderungen im Bereich der Jugendgewalt erklären können, wird von empirischen Untersuchungen, die vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) 1998 durchgeführt wurden, überprüft.

Die Beschaffenheit der Jugendkriminalität, die im dritten Teil der Arbeit beschrieben wird, weist auf die Form bzw. Qualität jugendlicher Kriminalität hin, die anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) aufgeführt wird. Die PKS ist die häufigst verwendete Kriminalstatistik. Kriminalstatistiken sind amtliche Statistiken und geben im weitesten Sinne Aufschluss über Täter, Opfer , Fälle, Verfahren, Schäden und Rechtsfolgen. Die PKS im engeren Sinne umfasst alle der Polizei bekann gewordenen Vorgänge und enthält Informationen zu Fällen, Tatverdächtigen und Opfer. Die Aussagekraft der PKS wird durch die Dunkelfeldproblematik deutlich eingeschränkt, denn es handelt sich nur um die polizeilich registrierte Kriminalität (sog. „Hellfeld“- Kriminalität), die in der PKS aufgenommen wird. Straftaten, die der Polizei verborgen bleiben, bewegen sich im Dunkelfeld. Das Dunkelfeld kann sich durch die Änderung des Anzeigeverhaltens in der Bevölkerung und der Intensität der Verbrechensbekämpfung (polizeiliche Kontrolle) verschieben bzw. „aufhellen“. Eine exakte Darstellung der Verbrechenswirklichkeit ist nicht gegeben, jedoch wird der Versuch unternommen, so nah wie möglich an der Realität heran zu kommen. Mit sog. Dunkelfeldstudien kann die Hellfeldkriminalität in der PKS überprüft werden.

Hierzu zieht die Autorin Analysen, die vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zur Polizeilichen Kriminalstatistik mit den Schwerpunkten Jugendkriminalität durchgeführt wurden, heran. Alltägliche Aussagen, wie die Jugendkriminalität sei gewalttätiger geworden, werden überprüft.

Im vierten Teil werden Reaktionsweisen auf jugendliche Kriminalität beschrieben, wobei strafende und ambulante Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Zuvor folgt eine Darstellung ambulanter Maßnahmen im Jugendstrafrecht. Die Autorin befasst sich mit dem Täter- Opfer- Ausgleich und dem Sozialen Trainingskurs. Während der Täter- Opfer- Ausgleich auf die Aufarbeitung der in der Vergangenheit liegenden Tat abzielt, richtet sich der Soziale Trainingskurs auf die Zukunft. Der Täter soll zu einer Verhaltensänderung bewegt werden. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird mit dem Erfolg strafender repressiver Reaktionen (Jugendarrest und Jugendgefängnis) verglichen.

Die Frage, wie in Zukunft der Umgang mit straffälligen Jugendlichen geregelt werden müsste, führt im fünften Teil nicht unbedingt zu einer klaren Antwort. Es werden Wege skizziert, die sich vordergründig auf die Kriminalprävention beziehen. Es geht um ein Agieren im Vorfeld, d.h. um ein Abfangen Jugendlicher, bevor sie die Flucht in eine kriminelle Karriere suchen. Soziale Institutionen werden eingebunden und gleichsam zur Verantwortung gezogen. Gerade weil die Kriminalität junger Menschen meist von Faktoren abhängt, die von gesellschaftlichen Entwicklungen im weitesten Sinne bestimmt werden, besteht die präventive Bedeutung in einem Zusammenwirken aller an Erziehung, Sozialisation und Bildung Beteiligter. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und ein Mehr an Reaktionen und Kontrolle werden diskutiert.

Zur Eingrenzung des Themas ist zu sagen, dass sich die Autorin auf die Kriminalität bezieht, welche sich im leichten bis mittlerem Deliktbereich bewegt. Schwere Delikte, wie Mord, Totschlag und Triebtaten werden ausgeschlossen. Es handelt sich bei der Jugendkriminalität, wie auch in der PKS dargestellt, quantitativ vor allem um Diebstahlskriminalität. Eine beängstigende Entwicklung ist bei der Körperverletzung zu verzeichnen, was die Autorin dazu veranlasst, auch auf diesen Deliktbereich einzugehen.

Des Weiteren wird die Kriminalität Jugendlicher allein in Deutschland dargestellt. Obgleich es sehr interessant wäre, Vergleiche anderer Nationen heranzuziehen, wird die Autorin gezwungen, ihre Arbeit aufgrund des Umfangs einzugrenzen. Bevor sich der Leser auf die folgende Arbeit einlässt, sind noch einige Definitionen und Abgrenzungen zu folgenden Begriffen anzuführen. Begriffe, wie Delikt, Delinquenz oder Devianz werden teilweise synonym gebraucht, tatsächlich sind sie jedoch nicht kongruent. Ein Delikt bezeichnet eine Straftat, d.h. ein rechtwidriges schuldhaftes Verhalten. Die Delinquenz (straffälliges Verhalten) wird als Gegenstück zum Delikt bei Jugendlichen gebraucht.

Die Devianz schließlich umfasst jegliches abweichende Verhalten. Dieses ist nicht nur im Bereich der Kriminalität anzusiedeln, sondern bezieht sich ebenso auf Regelverstöße im zwischenmenschlichen Bereich, die nicht formell sanktioniert werden, d.h. keine Straftat darstellen. Kriminalität orientiert sich im wesentlichen an der Definition der Straftat. Mit Kriminalität sind sämtliche Rechtsverletzungen gemeint.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGEN 3
EINLEITUNG 4
1. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN JUGEND- UND ERWACHSENENKRIMINALITÄT 8
2. URSACHEN DER JUGENDKRIMINALITÄT 12
2.1 Soziale Ursachen 13
2.2 Jugendliche als Opfer familiärer Gewalt 19
2.3 Jugendliche in unserer heutigen Gesellschaft 24
3. BESCHAFFENHEIT DER JUGENDKRIMINALITÄT 26
3.1 Untersuchungen zur Jugenddelinquenz 26
3.2 Zur polizeilichen Kriminalstatistik 32
4. AMBULANTE MAßNAHMEN IM JUGENDSTRAFRECHT 34
4.1 Der Täter- Opfer- Ausgleich 35
4.2 Der Soziale Trainingskurs 42
4.3 Ambulante Maßnahmen vs. Strafrechtliche Maßnahmen 47
5. WIE IST ZUKÜNFTIG MIT STRAFFÄLLIGEN JUGENDLICHEN UMZUGEHEN? 52
5.1 Kriminalprävention im Vordergrund 53
5.1.1 Schulschwänzerprogramm 56
5.1.2 Jugendrechtshäuser 59
6. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION 62
LITERATURVERZEICHNIS 65
ANHANG 69

Arbeit zitieren:
Neubert, Corinna April 2004: Jugendkriminalität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
gefährdete vs. gefährliche Jugend, frühzeitiges Eingreifen, Kontrolle, Überwachung

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