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Jugendkriminalität

Tendenzen, Ursachen und Maßnahmen der Prävention im Rahmen sozialer Arbeit

Jugendkriminalität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Peter Scherk
  • Abgabedatum: Mai 2000
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 2,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5305-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5305-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5305-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Scherk, Peter Mai 2000: Jugendkriminalität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Anomietheorie, Delinquenz

Diplomarbeit von Peter Scherk

Einleitung:

In dieser Arbeit soll aufzeigt werden, in welche Richtung sich das Ausmaß der Jugendkriminalität momentan bewegt und eindringlich auf die möglichen Ursachen hingewiesen werden, die einen jungen Menschen zu Handlungen hinreißen lassen, welche ihn dann zum „Kriminellen“ machen.

Ich werde außerdem auf Maßnahmen eingehen, die es möglich machen sollen, Jugendliche von strafbaren Taten abzuhalten, bzw. das Ausmaß in Grenzen zu halten, denn so lange es Menschen gibt und diese auf engem Raum zusammen leben, zusammen konsumieren und agieren, so lange werden sie wohl die Gesetze, die sie machen auch brechen.

Das Thema „Jugend und Gewalt“ werde ich nur im Rahmen der Jugend-(gewalt)- kriminalität behandeln, nicht aber explizit, da es meiner Ansicht nach selbst genügend Diskussionsstoff für eine Diplomarbeit bietet. Das Themengebiet „Rechtsextremismus“ ist ebenfalls komplex genug, um den Rahmen dieser Arbeit zu sprengen. Die Handlungen jugendlicher rechtsradikaler Täter sind hier deshalb unter die der Jugendkriminalität allgemein zu subsumieren.

Als Sozialpädagoge hat man es in vielen Arbeitsfeldern immer wieder mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die aufgrund ihrer Entwicklung oder ihres psychosozialen Umfeldes und den damit einher gehenden Schwierigkeiten (z.B. schulischer Leistungsdruck, Partnerprobleme der Eltern, genetisch bedingte Verhaltensstörungen usw.) mehr oder weniger schwerwiegende Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Solche Verhaltensstörungen könnten sowohl Ursache, als auch Begleiterscheinung delinquenten Verhaltens sein, was wiederum ein beeinflussender Aspekt auf die Frage der richtigen Prävention sein dürfte. Außerdem werde ich der Frage nachgehen, welche Rolle soziale Ausgrenzung, Armut oder der Lebens- und Wohnraum für die Entstehung von Jugendkriminalität spielen. Am Ende soll deutlich werden, dass eine vernünftige Sozialpolitik die beste Kriminalpolitik darstellt.

Vorab möchte ich zudem noch erwähnen, dass Kriminalität als Begriff den unterschiedlichen und wandelbaren strafrechtlichen Bestimmungen unterliegt und somit selbst wandelbar ist. Ein noch immer aktuelles Beispiel dafür sind die liberalisierten gesetzlichen (strafrechtlichen) Bestimmungen hinsichtlich des Schwangerschaftsabbruches. Hinzu kommt, dass nicht jeder, der ein Gesetz bricht bzw. eine „kriminelle“ Handlung begeht von der Gesellschaft als „Krimineller“ bezeichnet wird, da es scheinbar akzeptierte, legitime „kriminelle“ Handlungen zu geben scheint, die hin und wieder der ein oder andere begeht und dadurch aber nicht zum „Verbrecher“ oder „Kriminellen“ degradiert wird. Man stelle sich beispielsweise einen Handelsvertreter oder Versicherungskaufmann vor, der einige Male im Jahr einen Freund zum Essen einlädt und diese Kosten als „Geschäftsessen“ steuerlich absetzt, oder sie als „Spesen“ deklariert. Es liegt uns fern, so jemanden bzw. solche Handlungen als kriminell zu bezeichnen, obwohl sich dieser („clevere“ Geschäfts-) Mann strafbar macht. Andererseits jedoch taucht ein 14-jähriges Kind, das einmal in einem Geschäft eine CD klaut, in der polizeilichen Kinder- und Jugendkriminalitätsstatistik auf, auch wenn es nicht zum Wiederholungstäter wird. Als weiteres Beispiel fallen mir die unzähligen Raubkopien von Musik-CDs oder Computerspielen ein, die heute in vielen Wohn- oder Kinderzimmern in Vielzahl vorhanden sind. Obwohl dies strafbar ist und vermutlich einen beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden anrichtet, wird es von jedem als legitim betrachtet. Nicht zu vergessen, der alljährliche wirtschaftliche Schaden durch den scheinbar „legitimen“ Versicherungsbetrug in der Kfz – Haftpflichtversicherung!

Raufereien auf dem Schulhof, dem Spielplatz oder auf der Straße sind schon immer gang und gäbe, jedoch könnte eine Sensibilisierung der Bürger durch eine massivere oder realitätsfremde Darstellung in den Medien evtl. ein höheres Anzeigeverhalten herbeiführen, welches wiederum zu steigenden Kriminalitätsquoten führt. Außerdem ist zu vermuten, dass eine höhere Polizeipräsenz zu höheren Aufdeckungsquoten führen könnte, was somit auch die Kriminalitätsstatistik selbst ansteigen läßt.

Es wird deutlich, dass es sich - wenn folgend in der vorliegenden Arbeit von Kriminalität die Rede ist - dabei um einen äußerst weitgefächerten, wandelbaren Begriff handeln kann.

Zu guter letzt soll diese Arbeit zum Nachdenken anregen, denn meiner Ansicht nach machen sich leider nur wenige Menschen Gedanken darüber, wie es überhaupt soweit kommt, dass ein Kind oder Jugendlicher sich „kriminell“ verhält und was man tun könnte, um dies zu verhindern.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
A. VORWORT 1
B. JUGENDKRIMINALITÄT – TENDENZEN, URSACHEN UND MAßNAHMEN DER PRÄVENTION IM RAHMEN SOZIALER ARBEIT 4
I. DEFINITIONEN ZUR JUGENDKRIMINALITÄT 4
1.1 ZUM BEGRIFF DER KRIMINALITÄT 4
1.2 WAS VERSTEHT MAN UNTER „ABWEICHENDEM VERHALTEN“? 4
1.3 DEFINITION I DER JUGENDKRIMINALITÄT 5
1.4 DEFINITION II DER JUGENDKRIMINALITÄT 5
1.5 ZUM DELINQUENZ-BEGRIFF 6
II. TENDENZEN UND ENTWICKLUNGEN DER JUGENDKRIMINALITÄT 7
2.1 STATISTISCHE ENTWICKLUNGEN 7
2.1.1 Quantitative Entwicklungen (Fallzahlen, Tatverdächtigenzahlen) 8
2.1.3 Geschlechtszugehörigkeit, Nationalität und Altersgruppen 10
2.1.2 Qualitative Entwicklungen und Deliktschwerpunkte 13
2.2 KRITISCHE BETRACHTUNG 17
III. URSACHEN VON JUGENDKRIMINALITÄT 25
3.1 BIOLOGISCHE MODELLE ZUR ENTSTEHUNG VON KRIMINALITÄT 26
3.2 DIE PSYCHOANALYTISCHE SICHTWEISE ZUR KRIMINALITÄTSENTSTEHUNG 28
3.2.1 Neurotische Formen der Kriminalität 30
3.2.2 Psychopathische Formen der Kriminalität 30
3.3 ENTSTEHUNG DER JUGENDKRIMINALITÄT AUS SOZIALISATIONSTHEORETISCHER SICHT 31
3.3.1 Die unvollständige Familie als Risiko-Faktor? 31
3.3.2 Schichtspezifische Ansätze 32
Die unterschichtspezifische Sozialisation 32
Die mittelschichtspezifische Sozialisation 33
3.4 ERKLÄRUNGSANSATZ DER VERHALTENS- UND LERNTHEORIE 34
3.5 SOZIALSTRUKTURELLE ANSÄTZE 36
3.5.1 Die Anomietheorie nach MERTON 36
3.5.2 Die Anomietheorie nach OPP 38
3.6 DIE INTERAKTIONISTISCHE SICHTWEISE 42
3.6.1 Der „Labeling-Approach-Ansatz 42
3.6.2 Das „Teufelskreis“-Modell nach QUENSEL 43
3.7 ALTERNATIVE ERKLÄRUNGSMODELLE ZUR ENTSTEHUNG VON JUGENDDELINQUENZ 47
3.7.2 Nahrungsmittelphosphat als Ursache abweichenden Verhaltens? 49
3.7.3 Der Einfluß des Fernsehens - insbesondere hinsichtlich Gewaltkriminalität 50
3.7.4 Konsumdruck als kriminalitätsfördernder Faktor 52
3.7.5 Gewalt in der Familie 53
3.7.6 Jugenddelinquenz im Zusammenhang mit Jugendarbeitslosigkeit, Armut und Wohnsituation 54
3.7.7 Jugenddelinquenz in Abhängigkeit von Disposition, Auslöser und Gelegenheit 58
IV. MAßNAHMEN DER JUGENDKRIMINALITÄTSPRÄVENTION IM RAHMEN SOZIALER ARBEIT 62
4.1 ENTWICKLUNG DES JUGENDSTRAFRECHTS 62
4.1.1 Historische Entwicklung 63
4.1.2 Das gegenwärtige Jugendgerichtsgesetz 64
4.2 BEGRIFF DER PRÄVENTION 65
4.2.1 Definition der Generalprävention 65
4.2.2 Definition der Spezialprävention 66
4.3 KRITIK AM PRINZIP DER BESTRAFUNG 67
4.4 JUGENDKRIMINALITÄTSPRÄVENTION IM RAHMEN SOZIALER ARBEIT 71
4.4.1 Diversion im Jugendstrafverfahren 72
4.4.2 Täter-Opfer-Ausgleich 73
4.4.3 Soziale Trainingskurse 74
4.4.5 „Erlebnispädagogik“ 77
4.4.6 Präventionsmaßnahmen sozialer Arbeit in Kooperation mit der Polizei 79
4.4.7 Sozialpolitik - Grundstock sinnvoller Jugendkriminalitätsprävention 80
V. FAZIT 82
C. QUELLENVERZEICHNIS 87
D. ANHANG: ZEITUNGSAUSSCHNITTE 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

Eine geradezu aufsehenerregende, sensationelle Entdeckung scheint HAFER gemacht zu haben, die die Entstehung von Verhaltensstörungen, Schulversagen und Jugendkriminalität auf die in Fachkreisen als „Minimale zerebrale Dysfunktion“ (MzD) bezeichnete Hirnfunktionsstörung, als Folge einer Nahrungsmittelintoxikation durch überschüssiges Phosphat, zurückführt. Die Autorin berichtet über die Erfahrungen mit ihrem Sohn, beschreibt „Fälle“ („Lebensgeschichten von MzD-Kindern“), die „die Entdeckung bestätigen“73 und weist darauf hin, dass immer wieder „Taten ohne Motiv“74 in Erscheinung treten, die einer Erklärung bedürfen. Angelehnt an verschiedene amerikanische Publikationen werden hier die Symptome für MzD aufgezeigt (und erläutert): Hyperaktivität, Konzentrationsschwäche, Kontaktunfähigkeit, Aggressionen, Mangel an Impulskontrolle; um nur einige zu nennen75. Über mehrere Seiten hinweg beschreibt HAFER die „Wirkungen des Phosphates“76 auf das „Zielorgan“ („das dreieinige Gehirn“ 77) um dann zum Zusammenhang von MzD und Kriminalität überzugehen. Bezug nehmend auf ältere Zwillingsforschungen und darauf hinweisend, dass neben der genetischen Veranlagung „die Nahrung als wichtigster Faktor für die Entwicklung des Menschen gelten muß“78, wagt die Autorin zu behaupten, dass „alle psychiatrischen und psychologischen Theorien über die Ursachen [von Kriminalität] und alle Vorgänge für eine wirksame Prävention in der Praxis weltweit gescheitert [sind]“79. Ihre These, dass „die Überzahl der Menschen phosphatgefährdet [ist]“80 schränkt sie selbst an anderer Stelle wieder ein: „Die Phosphatempfindlichkeit der besonderen Art, [...]

man Drogen unter Umständen als „Auslöser“ dafür betrachten, dass Jugendliche sich kriminell Verhalten. Als „Ursache“ von Jugendkriminalität allgemein möchte ist dieser Umstand jedoch nicht zu bezeichnen. Hinsichtlich der Prävention von Kriminalität ist allerdings zu beachten, dass in diesem Zusammenhang auf Prävention von Drogenkonsum abzuzielen ist. Auch der Alkohol spielt, wie überall in unserer Gesellschaft, bei Jugendlichen eine ernst zu nehmende Rolle. Die legalisierte und sozial tolerierte Droge mit all ihren verheerenden Wirkungen darf deshalb auch hinsichtlich der Jugenddelinquenz nicht unerwähnt bleiben. Im Zusammenhang mit kriminellem Verhalten spielt Alkohol eine nicht zu unterschätzende Rolle, gerade was den enthemmenden Einfluß beispielsweise bei Gewalttätigkeiten betrifft. In der PKS taucht Alkohol insofern auf, dass • • • 0,1% der tatverdächtigen Kinder 6,0% der tatverdächtigen Jugendlichen und 7,9% der tatverdächtigen Heranwachsenden [...]

Was den Zusammenhang zwischen „Drogenmißbrauch“ und Jugendkriminalität betrifft, ist die Literatur relativ dünn besiedelt. Die Kriminalitätsbelastung der Jugendlichen und Heranwachsenden bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) ist rund sechs mal so hoch als die der Erwachsenen, wobei die Dunkelziffer als recht groß einzuschätzen ist70. Drogengebrauch gehört schon allein deshalb zu den Erscheinungsformen heutiger Jugendkriminalität, da jeglicher Verkehr (d.h. Anbau, Herstellung, Erwerb, Handel, Ein- und Ausfuhr usw.) mit den unter das BtMG fallenden Stoffen strafbar ist. Zu betrachten wäre hier zum einen die sog. „Beschaffungskriminalität“ und andererseits die „Folgekriminalität“. Unter die Beschaffungskriminalität fallen Delikte wie beispielsweise der Apothekeneinbruch sowie das Fälschen von Rezepten bzw. der Diebstahl von Rezeptblöcken aus Arztpraxen oder Krankenhäusern. Bei der Folgekriminalität stehen Diebstahlsdelikte im Vordergrund, die begangen werden, um sich den Drogenkonsum finanzieren zu können. Es geht dabei von einfachem Diebstahl oder dem Handel mit Rauschgift, bis hin zu Einbruch, Autoaufbrechen oder Hehlerei. Da eine solche „Beschaffungskriminalität“ sowie die „Folgekriminalität“ nicht zu verleugnen ist und dies Folgen bzw. Begleiterscheinungen von Drogengebrauch sind, kann [...]

Arbeit zitieren:
Scherk, Peter Mai 2000: Jugendkriminalität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Anomietheorie, Delinquenz

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