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Jugendkriminalität aus psychologischer Sicht

Folgerungen für die Prävention und die Behandlung

Jugendkriminalität aus psychologischer Sicht
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Johann Teufel
  • Abgabedatum: November 1993
  • Umfang: 62 Seiten
  • Dateigröße: 586,7 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Regensburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5925-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5925-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5925-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Teufel, Johann November 1993: Jugendkriminalität aus psychologischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Psychologie, Jugendliche

Diplomarbeit von Johann Teufel

Einleitung:

In den letzten Jahren verzeichnet die Kriminalitätsrate ein stetiges Wachstum. Dabei ist der Anteil Jugendlicher erheblich. Die Diskussion über die Ursachen der Jugendkriminalität wird häufig einseitig und emotional geführt. Pauschalurteile wie verwahrlost, gefühllos, brutal, verantwortungslos usw. sind in der Umgangssprache vorherrschend. Diese Begriffe tragen aber weder zu einer Beschreibung der Wirklichkeit bei, noch geben sie Aufschluss über mögliche Ursachen von delinquenten Verhalten, sowie deren Prävention und Behandlung.

Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich die Auseinandersetzung um die Straffälligkeit im Kindes- und Jugendalter etwas versachlichen. Neben der Erklärung der Entstehungsursachen nach den verschiedenen psychologischen und sozialen Richtungen stelle ich die Folgerungen für die Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten, die sich für Eltern, aber in erster Linie für Personen, die beruflich mit Kindern und kriminellen Jugendlichen zu tun haben, dar.

In dieser Arbeit werden die grundlegenden Erklärungsansätze -Psychoanalyse, Individualpsychologie, Entwicklungspsychologie, Lerntheorie und Sozialpsychologie- dargestellt. Die Vielzahl der in der Fachliteratur vorfindbaren weiteren Erklärungsansätze für Jugendkriminalität, haben ihren Ausgangspunkt oder ihr Grundverständnis, in einer der dargestellten Richtungen.

Unter Kriminalität werden Abweichungen von strafrechtlichen Bestimmungen verstanden. Kriminalität gilt als „Inbegriff“ abweichenden - delinquenten - Verhaltens. Viele wissenschaftliche Erklärungen für abweichendes Verhalten sind anhand der Kriminalität entwickelt worden. Für die soziale Arbeit ist dabei interessant, dass bereits die Anfänge 1919 in Chicago von einem hohen Problembewusstsein gegenüber der Jugendkriminalität beeinflusst waren. Auch das alltägliche Verständnis für abweichendes Verhalten benutzt Kriminalität gern als Beispiel. Es ist jedoch dabei zu bedenken, dass das Strafrecht in seinen Bestimmungen Interpretationsspielräume und damit Unsicherheiten aufweist. Für eine genauere Betrachtung der Kriminalität ist es unter anderem erforderlich, eine Differenzierung nach Deliktarten vorzunehmen. So müssen z. B. die jugendtypischen Straftaten von den wirtschaftskriminellen Delikten unterschieden werden.

Die nachfolgende Übersicht soll den Umfang der Kinder- und Jugendkriminalität im Verhältnis zur Gesamtkriminalität für das Jahr 1979 in der BRD darstellen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Jugendkriminalität aus psychologischer Sicht 3
2.1 Die Grundannahmen der Psychoanalyse 3
2.2 Die neurotische Reaktion 5
2.3 Die Verwahrlosung 10
3. Jugendkriminalität aus individualpsychologischer Sicht 14
4. Jugendkriminalität aus entwicklungspsychologischer Sicht 18
4.1 Defizite in der Sozialisation 18
4.2 Mangelhafte Belastbarkeit 21
4.3 Krise durch Selbst- und Sinnfindung 22
5. Jugendkriminalität aus lerntheoretischer Sicht 24
5.1 Verhaltensaufbau durch Verstärkung - Lernen am Modell 24
5.2 Mangel an Verstärkung 26
6. Jugendkriminalität aus sozialpsychologischer Sicht 30
6.1 Merton's Anomietheorie 30
6.2 Die „Sündenbock-Theorie“ 32
6.3 Die Rollenunsicherheit bei Jugendlichen 33
7. Folgerungen für die Prävention und die Behandlung 37
7.1 Die Prävention bei Verwahrlosung 37
7.2 Präventive Maßnahmen bei Jugendkriminalität 39
7.2.1 Der Aufbau einer positiven Objektbeziehung 39
7.2.2 Psychohygienische Maßnahmen in der Erziehung 40
7.2.3 Anbieten von Orientierungshilfen 43
7.3 Behandlungsmethoden 44
7.3.1 Die Einzelfallhilfe 44
7.3.2 Die soziale Gruppenarbeit 47
7.3.3 Die Familienberatung 52
7.4 Inhaltliche Akzentsetzungen 53
Literaturverzeichnis 57

Automatisiert erstellter Textauszug:

Für die Familie oder die organisierte Gruppe bringt das Abstempeln zum Sündenbock erhebliche Vorteile. Die Gruppe wird dadurch äußerlich stabil gehalten, da es schwerwiegende Familien- oder Gruppenprobleme unterdrückt. Das in die Rolle des Sündenbock gedrängten Individuum empfindet Schmerzen. Es internalisiert die negativen Wahrnehmungen der anderen als Selbstverachtung. Dies führt zu einem destruktivem Verhalten. Viele dieser so etikettierten Personen, die ihren Zustand als unerträglich empfinden, schließen sich dann mit anderen devianten Personen zusammen, wobei die Faktoren der gemeinsamen Situation und des gemeinsamen Gegners über die Solidarisierung hinaus zu Gruppen mit einem festen inneren Zusammenhalt führen können. In dieser Gruppe entstehen zwar auch Aggressionen, diese werden jedoch in den meisten Fällen in der Außenwelt abgebaut. Dies wiederum stärkt den Zusammenhalt der Gruppe noch mehr, was zugleich einen größeren Abstand zu anderen Gruppen erzeugt. [...]

Der Vorgang, dass jemand zum Sündenbock gemacht wird, verläuft sowohl in der Familie als auch in organisierten Gruppen ähnlich ab. Der als abweichend etikettierte Status erfüllt wichtige Funktionen, sowohl für das einzelne Mitglied als auch für die Gruppe. Dem Gruppenganzen verhilft die Abweichung dazu, Verhaltensnormen zu klären, Gruppengrenzen zu verdeutlichen und die Solidarität zu stärken. So bietet dem einzelnen Mitglied der Kontakt zwischen ihm selbst und dem devianten Mitglied Sicherheit und Schutz vor der Angst, dass ähnliche Verhaltensweisen oder Eigenschaften bei ihm selbst auftreten könnten. Dem devianten Mitglied bereitet sein Status sowohl Befriedigung als auch Schmerz. Die Befriedigung ergibt sich daraus, da er oft im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Schmerzen bereiten ihm jedoch seine Hilflosigkeit, sowie die Art, wie er sich zum Sklaven im Interesse der anderen macht. Häufig ist der Sündenbock das verletzlichste Mitglied der Gruppe oder Familie. Z. B. kann ein Kind, dessen Familie sich in einer schwierigen Lebenslage befindet (Arbeitslosigkeit, Trennung der Eltern oder Scheidung, niedriger sozialer Status, geringes Ansehen...), in der Schule zum Sündenbock gemacht werden. Reagiert das Kind dann auf Provokationen der Mitglieder, so können diese zur Institutionalisierung dieses Prozesses führen. Es kann aber auch sein, dass weder die Gruppe noch der Deviante provoziert, aber die Unfähigkeit des Schwachen und desorientierten Mitglieds, sich zur Wehr zu setzen, versetzt die anderen Mitglieder in Wut und Schrecken, was weitere Attacken auslöst. Man ist sich heute darüber einig, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von deviantem Verhalten umso größer ist, je komplexer eine Gesellschaft wird und je mehr sich der Einzelne in eine Rolle gedrängt fühlt. Auf einen Delinquenten bezogen heißt dies, dass dieser umso krimineller und außenseiterhafter wird, je mehr man ihn in eine derartige Rolle drängt und je weniger er sich dagegen wehren kann. [...]

Tritt nun bei einem Jugendlichen ein bestimmtes Ereignis ein, zum Beispiel, dass er durch seinen Ausbilder kritisiert wird, so ist die Reaktion des Jugendlichen davon abhängig, wie er diesen Vorfall bewertet. Macht er sich Vorstellungen darüber, wie sein Ausbilder das Missgeschick anderen Arbeitskollegen erzählt und ihn somit bloßstellt oder lässt der Jugendliche einen inneren Monolog bei sich zu, zum Beispiel in der Art, dass er sich selbst sagt: "es ist sehr schlimm, dass mir das passiert ist, da bestätigt sich wieder einmal das ich unfähig und wertlos bin", dann ist unschwer abzusehen, dass die Konsequenzen, die der Jugendliche aus dieser Kritik zieht, ziemlich unangemessen sein werden. Als Grundlage für solche unangepassten Bewertungen von Ereignissen dienen irrationale Selbstanweisungen. Solche irrationalen Ideen sind: [...]

Arbeit zitieren:
Teufel, Johann November 1993: Jugendkriminalität aus psychologischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Psychologie, Jugendliche

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