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Wer die Jugend hat, hat die Zukunft

Die Ergänzungshefte in den Schulen als Träger der nationalsozialistischen Ideologie

Wer die Jugend hat, hat die Zukunft
Über dieses Buch
  • Art: Lizentiatsarbeit
  • Autor: Regula Stucki
  • Abgabedatum: Juli 2002
  • Umfang: 165 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Bern Schweiz
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6059-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6059-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6059-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stucki, Regula Juli 2002: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Drittes Reich, Erziehung, Politische Ideologie, Schule im Nationalsozialismus

Lizentiatsarbeit von Regula Stucki

Einleitung:

Als es den Nationalsozialisten im Jahre 1933 gelang, an die Macht zu kommen, wurden Hitlers Leitthesen in Richtlinien und Erlasse umgewandelt und damit zu Grundlagen für die NS-Erziehungspolitik. Unter den neuen Machthabern wurde die Schule zu einem Ort schulischer Sozialisation, die von der sogenannten „Vergemeinschaftung“ geprägt wurde. Vergemeinschaft meint gefühlsbetontes Erleben, in dem „die Grundsätze des Blutes und der Rasse“ eine bedeutende Rolle spielen. Begriffe wie „Volk und Volksgemeinschaft, Blut, Boden, Geist, Ehre, Wehr, Führertum, Gehorsam, Pflicht, Zucht und Gott“ stehen für die NS-Erziehungspolitik.

Ziel der Nationalsozialisten war die „Formung eines neuen deutschen Menschen“, des „nationalsozialistischen Menschen“, der kämpferisch, heroisch, voller Selbstvertrauen in sich und sein Volk und nicht zuletzt Angehöriger der Herrenrasse war. Eine Jugend ohne die Fähigkeit zur Kritik sollte herangebildet werden, die nur in der Volksgemeinschaft bestehen, und ohne sie nicht existieren konnte.

Mit ihrem Machtantritt konnten die Nationalsozialisten an eine Tradition von verschiedenen Ergänzungsheften anknüpfen, die am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden waren und in den Schulen benutzt wurden. Von den NS-Unterrichtsverwaltungen wurden nun aber neue Ergänzungshefte eingeführt, mit der Absicht, den Schülern die Erziehungsprinzipien der NSDAP zu vermitteln. Die Hefte hatten den offiziellen Zweck, als Ergänzung zu den alten Schulbüchern zu wirken, und die Zeit bis zum Erscheinen der neuen NS-Lehrbücher zu überbrücken. Inoffiziell wurden sie bald zu Trägern einer NS-Ideologie, die in keinem offiziellen Lehrbuch derart deutlich zum Ausdruck gebracht und veröffentlicht wurden. Im Hauptteil der Arbeit wird der Inhalt der Broschüren zuerst fächerspezifisch und danach anhand der NS-Ideologie untersucht. Das erste Thema behandelt das NS-Jugendbild bzw. das Bild, welches sich Hitler und seine Mitstreiter über die zukünftige Jugend und ihre Aufgabe im völkischen Staat machten. Das Thema Führerstaat bildet einen weiteren Teil der Untersuchung. Hitler bekräftigte mehrmals, dass dem Führerstaat gegenüber der Demokratie der Vorzug zu geben sei, und dies versuchten sie auch den Schülern zu vermitteln. Altnordische Dichtung, Ahnen-Verehrung und die verschiedenen NS-Feiern gehörten zum festen Bestandteil in der Erziehungspolitik der Nationalsozialisten für die unteren Jahrgänge der Schule und auch diese Thematik wird aufgearbeitet.

Die NS-Sozialpolitik sollte den Schülern das Überwinden der Klassengegensätze verständlich machen und in ihnen das Gefühl für die „Volksgemeinschaft“ wecken. Die Mythologisierung des Bauerntums als „Quelle des deutschen Blutes“ wird untersucht. Das Bauerntum lag im Interesse der NS-Regierung und wurde mit dem Schlagwort „Blut und Boden“ in Zusammenhang gebracht. Das Thema „Volk ohne Raum“ bzw. die Ostexpansion wird in den Ergänzungsheften oft erwähnt und gehörte zu Hitlers wichtigsten Ideologien, die er durchsetzen wollte. Der Rassismus/Antisemitismus sowie die Pflege der eigenen Rasse gehörten zu den wichtigsten Bestandteilen Hitlerschen Denkens. Diese Ideologien ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ergänzungshefte und auch ihnen wird je ein Kapitel gewidmet. Im letzten Kapitel wird auf die Stellung der Frau im Dritten Reich eingegangen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 4
1.1 Problem, Fragestellung und Methode 4
1.2 Literatur, Forschungsstand und Quellenlage 9
1.3 Entstehung und Aufbau der Arbeit 13
2. DAS DEUTSCHE SCHULSYSTEM ZU BEGINN DER MACHTERGREIFUNG 16
2.1 Die NS-Erziehungsgrundlagen 16
2.2 Die Gleichschaltung der Lehrerschaft 20
2.3 Die Richtlinien und Lehrpläne 22
2.4 Die Einführung neuer Lehrbücher 29
3. DIE ERGÄNZUNGSHEFTE 32
3.1 Der Zweck der Ergänzungshefte 32
3.2 Der Aufbau, der Inhalt und die Gestaltung der Ergänzungshefte 37
3.3 Ergänzungshefte für das Fach Deutsch 37
3.4 Ergänzungshefte für das Fach Geschichte 45
3.5 Ergänzungshefte für das Fach Erdkunde/Geographie 53
3.6 Einzelne Ergänzungshefte von verschiedenen Verlagen/Billige Reihen 57
4. DIE NS-IDEOLOGIE IN ERGÄNZUNGSHEFTEN 61
4.1 Das NS-Jugendbild 61
Erste Zwischenbilanz 68
4.2 Der Führerstaat 70
Zweite Zwischenbilanz 80
4.3 Die altnordische Dichtung, Die Ahnen-Verehrung, Die NS-Feiern 82
Dritte Zwischenbilanz 91
4.4 Die NS-Sozialpolitik 92
Vierte Zwischenbilanz 101
4.5 Das Bauerntum 103
Fünfte Zwischenbilanz 112
4.6 Die Ostexpansion/Das „Volk ohne Raum“ 114
Sechste Zwischenbilanz 122
4.7 Der Rassismus/Der Antisemitismus 123
Siebte Zwischenbilanz 132
4.8 Die Rassenpflege 134
Achte Zwischenbilanz 141
4.9 Die Stellung der Frau im Dritten Reich 142
Neunte Zwischenbilanz 146
5. SCHLUSSBETRACHTUNGEN 148
6. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 155
7. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 156

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen blossen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körperbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier aber wieder an der Spitze die Entwicklung des Charakters, besonders die Förderung der Willens- und Entschlusskraft, verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit, und erst als Letztes die wissenschaftliche Schulung.13 Heute ist die bewusste Entwicklung guter, edler Charaktereigenschaften in der Schule gleich Null. Dereinst muss darauf ganz anderes Gewicht gelegt werden. Treue, Opferwilligkeit, Verschwiegenheit sind Tugenden, die ein grosses Volk nötig braucht, und deren Anerziehung und Ausbildung in der Schule wichtiger ist, als manches von dem, was zur Zeit unsere Lehrpläne ausfüllt.14 [...]

Ehe wir uns auf die Nennung und Beschreibung der neuen Schulbücher für alle Fächer und Altersstufen einlassen, sei das folgende festgestellt: die grossen, dicken Schulbücher, wie wir sie kannten und wie wir etwa für jedes Fach und Jahr ein einziges besassen, "das Geographiebuch für die vierte Klasse", - "das Geschichtsbuch für die erste...", - diese Art also von gewichtigem, sehr wissenschaftlich aufgezogenem Schulbuch ist, wenn freilich nicht ganz aus dem Unterricht verschwunden, so doch vergleichsweise unwesentlich geworden. Was heute wesentlich, ja massgebend erscheint, ist das Zusatzheftchen, - die Broschüre, das Propagandapamphlet. [...] Die offiziellen Lehrbücher halten sich durchschnittlich im Rahmen des Weltmöglichen. Das neue "Reichslesebuch" etwa für die Oberklassen der Gymnasien ist, wie der Pariser Pavillon,3 nicht etwa gut; nicht etwa repräsentativ für wirkliches deutsches Geistesleben (vor Hitler, und, seit Hitler, ausserhalb Deutschlands). Es enthält viel patriotische Mittelmässigkeit, viel "Blut und Boden"-Kitsch, - einige Äusserungen des "Führers" und seiner Minister, - und nur sehr wenig von den Kostbarkeiten, die für solch ein Reichslesebuch zur Verfügung stünden, - fast nichts von Goethe und Lessing, natürlich nichts von Heine. Immerhin: das "Reichslesebuch" ist kein offener Skandal, es atmet Öde, Trübsinn und schlechten Geschmack, wie der Pariser Pavillon, aber es scheint ungefährlich und wird niemanden erschrecken. Aber die Zusatzheftchen! Die nicht offiziellen, nur halb- und viertelsoffiziellen, vom NS-Lehrerbund und verwandten Organisationen wie von ungefähr in den Unterricht gestreuten Propaganda-Broschürchen! Die haben es in sich! Und dem Führer ermöglicht diese seine "Taktik", dem Ausland eine relativ harmlose, wenig offensive Literatur von Reichslehrbüchern vorzulegen, während das Eigentliche hinter den schützenden Kulissen der offiziellen Bibliothek aus den Heftchen gelehrt wird.4 [...]

Im 14. September 1935 trafen sich rund 54'000 Jungen und Mädchen aus dem gesamten Reichsgebiet in Nürnberg. Dort erteilte Adolf Hitler der Jugend selbst einen erzieherischen Auftrag: "Unser ganzes Volk müssen wir erziehen, dass immer, wenn irgendwo einer bestimmt ist zu befehlen, die anderen ihre Bestimmung erkennen ihm zu gehorchen, weil schon in der nächsten Stunde vielleicht sie selbst befehlen müssen und es genauso nur dann können, wenn andere wieder Gehorsam leisten. Nie wollen wir vergessen, dass Freundschaft nur der Starke verdient und der Starke gewährt. Und so wollen wir uns denn stark machen, das ist unsere Losung. Und dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, dafür seid ihr verantwortlich. Ihr seid die Zukunft der Nation, die Zukunft des Deutschen Reiches." Zitiert nach Knopp, Guido: Hitlers Kinder, München 2000, S. 17. Flessau, Kurt-Ingo: Schule der Diktatur. Lehrpläne und Schulbücher im Nationalsozialismus, München 1977, S. 9. [...]

Arbeit zitieren:
Stucki, Regula Juli 2002: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Drittes Reich, Erziehung, Politische Ideologie, Schule im Nationalsozialismus

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