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Journalistische Recherche im Internet

Nutzung des World Wide Web als Recherchequelle durch Fachjournalisten der Bereiche Informations- und Telekommunikationstechnologie

Journalistische Recherche im Internet
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Matthias Wesselmann
  • Abgabedatum: September 2004
  • Umfang: 149 Seiten
  • Dateigröße: 3,0 MB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Ilmenau Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8512-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8512-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8512-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wesselmann, Matthias September 2004: Journalistische Recherche im Internet, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Systemtheorie, Recherchemethoden, Recherchephasen, Empirische Untersuchung, Medien

Diplomarbeit von Matthias Wesselmann

Zusammenfassung:

Journalistische Recherche – als Fundament journalistischer Berichterstattung – hat sich entlang der Verbreitung technischer Vermittlungsmedien wie Telefon, Fax oder Internet verändert. Nach der theoretischen Einordnung der Recherche in die Systemtheorie wurde in der Diplomarbeit „Journalistische Recherche im Internet“ empirisch untersucht, wie Fachjournalisten bei Informations- und Telekommunikationsfachmedien das World Wide Web als Recherchequelle nutzen. Die Arbeit bestätigt unter anderem die Hypothese, dass das Internet mittlerweile zum wichtigsten Recherchemedium für Journalisten geworden ist. Ferner stellt sie heraus, inwieweit Journalisten das World Wide Web generell, und verschiedene Webangebote speziell, in den wichtigsten Phasen der Recherche nutzen.

Problemstellung:

Gute Recherche, da sind sich Theoretiker und Praktiker einig, ist das Fundament kompetenter journalistischer Berichterstattung. Der Rezipient erwartet, dass ihm in den Medien keine Halbwahrheiten oder gar Lügen präsentiert werden, sondern profunde recherchierte und belegbare Inhalte. Hatten Journalisten anfangs nur die Möglichkeit, sich an Ort und Stelle des Geschehens ein Bild zu machen und auch vor Ort zu recherchieren, machen es die modernen Kommunikationsmedien wie Telefon, Fax oder Internet heute leicht, einen Großteil der Recherchearbeit vom Schreibtisch aus zu erledigen. Die E-Mail ist inzwischen zum „alltäglichen Arbeitsmedium der Journalisten geworden.“ So können heute in sekundenschnelle Dokumente, Texte, Bilder oder auch audiovisuelle Materialien aus dem Netz geladen und weiterverarbeitet werden. Es stellt sich folglich die Frage, welchen Einfluss das Internet auf die klassischen Tätigkeiten beziehungsweise „Verarbeitungsroutinen” des Journalismus „Recherchieren, Selektieren, Schreiben” hat. In dieser Arbeit wird dabei speziell der Einfluss des Internets auf die Verarbeitungsroutine journalistische Recherche empirisch untersucht.

Grundlage der Untersuchung ist ein systemtheoretischer Journalismusansatz, da sich der Fokus der Arbeit klar auf das Funktionssystem Journalismus bezieht. Da sich „Funktionsweisen und Einflußfaktoren im Journalismus [...] nicht allein aufgrund individueller Motive und Einstellungen der Journalisten” erklären lassen, also eine empirische Prüfung der systemtheoretisch geprägten Journalismustheorien durch die Ausklammerung der Handlung als „die elementare soziale Basiseinheit” schwierig wenn nicht gar unmöglich ist, wird für die in dieser Arbeit vorgesehene empirische Untersuchung eine „Rekurrierung auf Handeln” notwendig. Hierbei wird auf die Theorie journalistischer Programme zurückgegriffen und die Recherche unter der Prämisse der „Bearbeitungsprogramme” und „Selektionsprogramme” theoretisch eingeordnet.

Wenn man sich mit dem Thema journalistische Recherche in Deutschland auf praktischer Handlungs- oder Akteursebene beschäftigt, so stößt man in der Literatur dazu oft auf kritische Beiträge. Eine international vergleichende Studie ergab beispielsweise, dass in Deutschland lediglich 21 Prozent der Journalisten sehr viel Zeit für eigene Recherchearbeit verwenden, während diese Zahl in Großbritannien und den USA mehr als doppelt so hoch liegt. Auch bei qualitativer Betrachtungsweise ist immer wieder von nachlässiger, nicht selten fehlerhafter Recherche die Rede. Sicherlich lassen sich diese Unterschiede zum Teil historisch und kulturell begründen, doch es sind viele weitere mögliche Ursachen für die kritikwürdige Recherchesituation denkbar. Die starke Konkurrenz des Journalismus durch immer besseren Informationskampagnen der Public-Relations und Öffentlichkeitsarbeit, mangelhafte journalistische Ausbildung, unerbittliche Medienkonkurrenz und Medienkonzentration sowie die damit einhergehende allgemeine Aushöhlung klassischer journalistischer Prinzipien – zu denen die intensive Recherche zweifelsohne gehört – mögen ebenso dazugehören wie das Diktat der Kosten und Quoten sowie der um sich greifende Trend hin zu Beliebigkeitsjournalismus und Infotainment. In dieser Diplomarbeit soll und kann es jedoch nicht um mögliche Ursachen für die defizitäre Situation der Recherche gehen, denn diese sind so komplex und vielfältig, dass man sie an dieser Stelle kaum in angemessenem Umfang untersuchen kann. In der Arbeit wird die Recherche, welche „[...] im engeren Sinne ein Verfahren zur Beschaffung und Beurteilung von Aussagen über reales Geschehen, die ohne dieses Verfahren nicht preisgegeben, also nicht publik würden [...]”, ist, von der methodischen Seite mit Fokus auf das Internet als Recherchemedium oder Recherchetool betrachtet. Recherche, und darin sind sich die meisten Autoren einig, „[...] ist im Prinzip keine hohe Kunst, sondern schlicht Handwerk.” So sollen typische Verlaufspunkte und Methoden der Recherche im zweiten Schritt – nach der Einordnung der Recherche in eine Theorie des Journalismus als soziales System – betrachtet und erläutert werden.

Die Recherche wurde teilweise schon im Hinblick auf das Veränderungspotenzial durch das Internet untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden in der Exploration dieser Diplomarbeit dargestellt. Alle bisher bekannten Studien und Untersuchungen zum Thema Internetrecherche beziehungsweise Internet und Journalismus setzen die Recherche jedoch einerseits nicht in einen theoretischen Kontext einer Journalismustheorie, und betrachten das Feld zudem andererseits eher oberflächlich aus einer Perspektive des Einsatzes von Internetquellen während der verschiedenen Phasen der Recherche. Dieses soll schließlich im empirischen Teil der Arbeit untersucht werden. Nach expliziter Definition der Forschungsziele und Forschungsfragen wird der Untersuchungsgegenstand definiert und abgegrenzt. Aus den im empirischen Teil dargelegten Instrumenten der Offline- und Online-Recherche und den Ergebnissen der Exploration werden Hypothesen bezüglich der Nutzung der Online-Recherche aufgestellt. Diese gilt es, anhand der Ergebnisse der empirischen Untersuchung zu belegen oder zu widerlegen. Die Methode der empirischen Forschung soll dabei eine quantitative Befragung sein. Als Befragungsinstrument wird ein standardisierter Online-Fragebogen verwendet. Mit der Darstellung der Ergebnisse und dem Hypothesentest folgt die Auswertung der empirischen Erhebung. Die Arbeit wird mit einer Diskussion und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsfelder beendet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Ausgangsüberlegung und Aufgabenstellung 1
1.2 Vorgehen und Aufbau der Arbeit 1
2. Theorie 5
2.1 Journalismus als soziales System 9
2.1.1 Grundlagen der systemtheoretischen Journalismustheorie 11
2.1.2 Die Struktur des Funktionssystems Journalismus 18
2.1.2.1 Journalistische Organisation 21
2.1.2.2 Journalistische Programme 22
2.1.2.3 Journalistische Rollen 26
2.1.3 Einordnung der Recherche in die Programme des Journalismus 29
2.2 Betrachtung der Praxis der journalistischen Recherche 31
2.2.1 Die Recherche im praktischen journalistischen Arbeitskontext 31
2.2.2 Verfahren, Methoden und Quellen 33
2.2.2.1 Verlaufspunkte einer Recherche 33
2.2.2.1.1 Einschätzen der Themenrelevanz 34
2.2.2.1.2 Überprüfen der Basisinformationen (Rechercheimpuls) 37
2.2.2.1.3 Erweiterte Recherche 39
2.2.2.1.4 Motive und Einzelhypothesen ermitteln 40
2.2.2.1.5 Grundhypothese bilden 41
2.2.2.1.6 Motive und Einzelhypothesen überprüfen 41
2.2.2.1.7 Rechercheabschluss 42
2.2.2.1.8 Veröffentlichung 42
2.2.2.2 Recherchequellen 43
2.2.2.2.1 Internet 44
2.2.2.2.2 Telefon 47
2.2.2.2.3 Persönliches Archiv 47
2.2.2.2.4 Datenbanken 48
2.2.2.2.5 Zeitungs- und Zeitschriftenarchive 49
2.2.2.2.6 Post 49
2.2.2.2.7 Fax 50
2.2.3 Exploration: Forschungsstand zur journalistischen Online-Recherche 51
2.2.3.1 Akzeptanz der Online-Recherche 52
2.2.3.2 Vorgehensweise bei der Recherche 53
2.2.3.3 Recherchequellen 55
2.2.3.4 Bewertung und Verarbeitung der recherchierten Informationen 58
2.2.3.5 Fazit zur Online-Recherche 59
2.2.4 Fazit 60
3. Empirie 61
3.1 Forschungsziele, Forschungsfragen 61
3.1.1 Akzeptanz der Online-Recherche 62
3.1.2 Vorgehensweise bei der Online-Recherche 63
3.1.3 Recherchequellen 63
3.1.4 Bewertung und Verarbeitung der im Internet recherchierten Informationen 64
3.2 Hypothesen 64
3.2.1 Akzeptanz der Online-Recherche 65
3.2.2 Vorgehensweise bei der Online-Recherche 65
3.2.3 Recherchequellen 65
3.2.4 Bewertung und Verarbeitung der im Internet recherchierten Informationen 65
3.3 Untersuchungsgegenstand 66
3.4 Methode und Untersuchungsdesign 66
3.4.1 Instrument 66
3.4.2 Auswahl und Rekrutierung der Population 68
3.4.3 Datenerhebung 69
3.5 Ergebnisse 71
3.5.1 Stichprobenbeschreibung 71
3.5.1.1 Alter und Geschlecht 71
3.5.1.2 Journalistische Tätigkeit 72
3.5.1.3 Internetnutzung 74
3.5.1.4 Bildungsweg und journalistische Ausbildung 74
3.5.2 Hypothesentests 76
3.5.2.1 Akzeptanz der Online-Recherche 76
3.5.2.1.1 Hypothese 1 76
3.5.2.1.2 Hypothese 2 78
3.5.2.1.3 Hypothese 3 79
3.5.2.1.4 Hypothese 4 81
3.5.2.2 Vorgehensweise bei der Online-Recherche 83
3.5.2.2.1 Hypothese 5 83
3.5.2.3 Recherchequellen 87
3.5.2.3.1 Hypothese 6 87
3.5.2.3.2 Hypothese 7 90
3.5.2.4 Bewertung und Verarbeitung der im Internet recherchierten Informationen 91
3.5.2.4.1 Hypothese 8 91
3.5.2.4.2 Hypothese 9 93
4. Diskussion und Ausblick 96
5. Literatur 100
6. Eidesstattliche Erklärung 105
Anhang:
1. Texte zur Rekrutierung der Population 1
1.1 Einladung zur Teilnahme an der Befragung 1
1.2 Text zur Erinnerung an die Teilnahme 2
2. Fragebogen und Codierung 3
3. Screenshots 12
4. Tabellarische Detailübersicht der Ergebnisse 22
4.1 Akzeptanz der Online-Recherche 22
4.1.1 Frage 1 22
4.1.2 Frage 2 23
4.1.3 Fragen 3 und 4 24
4.2 Vorgehensweise und bei der Recherche genutzte Quellen 25
4.2.1 Frage 5 25
4.2.2 Frage 6 26
4.2.3 Frage 7 26
4.2.4 Frage 8 26
4.2.5 Frage 9 27
4.2.6 Frage 10 27
4.2.7 Frage 11 28
4.2.8 Frage 12 28
4.2.9 Frage 13 29
4.2.10 Frage 14 29
4.3 Bewertung und Verarbeitung der recherchierten Informationen 30
4.3.1 Frage 15 30
4.3.2 Frage 16 30
4.3.3 Frage 17 31
4.3.4 Frage 18 31
4.4 Demografische Daten 32
4.4.1 Frage 19 32
4.4.2 Frage 20 32
4.4.3 Frage 21 32
4.4.4 Frage 22 32
4.4.5 Frage 23 32
4.4.6 Frage 24 33
4.4.7 Frage 25 33
4.4.8 Frage 26 33
5. Danksagung 34

Automatisiert erstellter Textauszug:

Neben dem WWW ist der E-Mail der am häufigsten genutzte Dienst im Internet.197 Über das SMTP-Protokoll können damit elektronische Nachrichten versendet und empfangen werden. Erfinder der elektronischen Post war 1971 der Computertechniker Ray Tomlinson. Der Erfolg der E-Mail ist einerseits auf die hohe Geschwindigkeit zurückzuführen, mit der die elektronischen Nachrichten in der ganzen Welt verschickt werden können. Andererseits bietet die E-Mail die Möglichkeit, elektronische Dokumente als so genannte Anhänge mit zu senden. Eine der größten Nachteile der E-Mail ist, dass die meisten Nachrichten im Klartext versendet werden, und prinzipiell auf jedem Rechner, den die Nachricht auf ihrem Weg vom Absender zum Empfänger passiert, gelesen werden kann. „In der Analogie zur klassischen Post repräsentiert die E-Mail die Postkarte, nicht den durch einen Umschlag vor neugierigen Blicken geschützten Brief.“198 Ein weiteres Problem ist, dass eine E-Mail mit jedem beliebigen Absender versendet werden kann. Eine Absenderauthentifizierung ist nur über spezielle Programme, die eine digitale Signatur nutzen, möglich. Dieses wird jedoch in der Praxis noch sehr selten angewendet.199 [...]

Das World Wide Web wird umgangssprachlich häufig mit dem Internet gleichgesetzt, ist aber nur ein Dienst des Netzes. Seinen Ursprung hatte das WWW 1989 am CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire oder Centre Européenne pour la Recherche Nucléaire), dem europäischen Kernforschungszentrum, als Timothy J. Berners-Lee ein System zur Darstellung von Hypertexten entwickelte. „Als Hypertext bezeichnet man die nicht-lineare Organisation von heterogenen Objekten, deren netzartige Struktur durch logische Verbindungen (= Verweise, Links) zwischen atomisierten Wissenseinheiten (= Knoten, z.B. Texte oder Textteile) hergestellt wird (Verweis-Knoten-Konzept).“196 Das WWW ist dezentral organisiert und ist sozusagen wie weltweites Netz aus Websites, die teilweise durch Hyperlinks miteinander verbunden sind. Jeder, der über die notwendige Technik verfügt und das entsprechende Wissen zur Erstellung einer Website besitzt, kann diese im WWW zur Verfügung stellen. Dieses Konzept eines Informationsnetzwerks nahezu ohne Zugangsbarrieren macht die Informationsfülle des [...]

Das Internet – als Abkürzung für Interconnected Network – lässt sich grundsätzlich in zwei Bereiche unterteilen: Der erste Bereich ist das Übertragungsmedium Internet, technisch basierend auf dem „Internet Protocol“ (IP) und den darauf aufsetzenden Transportprotokollen „Transfer Control Protocol“ (TCP) beziehungsweise „User Datagram Protocol“ (UDP). Der zweite Bereich sind die auf diesen Protokollen aufsetzenden Dienste. Zu diesen Diensten gehören beispielsweise E-Mail (basierend auf dem Simple Mail Transfer Protocol, SMTP) und das World Wide Web (WWW), basierend auf dem Hypertext Transfer Protocol (HTTP).194 Die bekanntesten und von Journalisten am häufigsten genutzten Dienste im Internet sind das World Wide Web und die E-Mail.195 [...]

Arbeit zitieren:
Wesselmann, Matthias September 2004: Journalistische Recherche im Internet, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Systemtheorie, Recherchemethoden, Recherchephasen, Empirische Untersuchung, Medien

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