Die Jobsuche und die Personalrekrutierung von Führungskräften über soziale Netzwerke
Eine empirische Analyse aus zwei Perspektiven mit Optimierungsgedanken und einem praktischen Beispiel
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Florian Hochenrieder
- Abgabedatum: Juli 2005
- Umfang: 187 Seiten
- Dateigröße: 3,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9390-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9390-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9390-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2005 mit dem Studienpreis des Freundeskreises der Universität der Bundeswehr München prämiert.
- Arbeit zitieren: Hochenrieder, Florian Juli 2005: Die Jobsuche und die Personalrekrutierung von Führungskräften über soziale Netzwerke, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Vitamin B, Netzwerkrekrutierung, Mitarbeiterempfehlungen, Soziales Kapital, Soziale Ressourcen
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Diplomarbeit von Florian Hochenrieder
Problemstellung:
Eine Untersuchung der Jobsuche und der Personalrekrutierung über soziale Netzwerke aus personalwirtschaftlicher und netzwerkanalytischer Sicht verlangt nach einem entsprechenden Rahmen. Die ganzheitliche Bearbeitung der Thematik durch die Beschreibung, Erklärung und Gestaltung von Netzwerkprozessen stellt eine Herausforderung dar und erfordert geeignete theoretische Grundlagen und Konzepte, sowie einige Einschränkungen.
Die Beschreibung von wesentlichen Begriffen und theoretischen Ansätzen mit empirischer Überprüfbarkeit ist eine Voraussetzung, um dem Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit zu genügen. Die Idee des Beziehungsmanagements wird in der populärwissenschaftlichen Literatur teilweise trivial oder falsch interpretiert. Aus diesem Grund ist eine angemessene Definition zu formulieren, da bestimmte Aspekte bei der Jobsuche und der Personalrekrutierung über soziale Netzwerke relevant sind. Geeignete Konzepte aus dem umfassenden analytischen Instrumentarium zur Beschreibung, Erklärung und Gestaltung von Netzwerken sind zu identifizieren und in ihren Grundzügen vorzustellen, um Erkenntnisse aus empirischen Studien und Gestaltungsanregungen auf ein theoretisches Fundament zu stellen. Die Idee des sozialen Kapitals liefert Anhaltspunkte für eine ökonomische Interpretation von sozialen Netzwerken als Investition mit lukrativen Erträgen.
Die Erklärung von sozialen Netzwerken auf dem Arbeitsmarkt kann aus zwei Perspektiven erfolgen. Eine Herausforderung besteht in einer optimalen Netzwerkgestaltung aus der Sicht eines Arbeitnehmers und seines Unternehmens. Die quantitative und qualitative Analyse von Vorteilen, Mechanismen und Gestaltungskriterien erfordert zunächst die Generierung von Hypothesen. Experteninterviews und Resultate von empirischen Studien zur Jobsuche und zur Personalrekrutierung über soziale Netzwerke können einen Beitrag zur Überprüfung leisten. Eine Beschränkung auf eine ausgewählte Zielgruppe und eine differenzierte Selektion von entsprechenden Studien ist aufgrund der vorliegenden Kontingenz unbedingt erforderlich.
Auf dem Weg zur Gestaltung eines optimalen sozialen Netzwerks sind Aspekte der Stärke von sozialen Verbindungen, der Netzwerkstrukturen und der sozialen Netzwerkressourcen zu einem ganzheitlichen Ansatz zu integrieren. Das Konzept von effizient-effektiven Netzwerken bietet möglicherweise einen geeigneten Rahmen.
Die Prognose der zukünftigen Rolle von sozialen Netzwerken bei der Jobsuche und bei der Personalrekrutierung ist eine Herausforderung. Das Beispiel von sozialen Online-Netzwerken kann die zukünftige Rolle andeuten und praktische Umsetzungsmöglichkeiten für ein Beziehungsmanagement und für eine informelle Jobsuche bzw. Personalrekrutierung aufzeigen.
Die eigentliche Betrachtungsebene der Personalwirtschaft sind die einzelnen Mitarbeiter in Unternehmen. Die Konzentration auf demographische und persönlichkeitsbezogene Eigenschaften verhindert jedoch ein ganzheitliches Bild des betrachteten Individuums. Die strukturelle Perspektive der sozialen Netzwerke stellt eine Alternative zu klassischen Sichtweisen in der Personalwirtschaft dar. Untersuchungsobjekt sind dann nicht mehr individuelle Attribute, sondern Beziehungen zwischen Netzwerkakteuren. Individuen sind in soziale Netzwerke eingebunden, die neben den persönlichen Attributen zu Chancen oder Hemmnissen für individuelles Handeln führen.
Die Analyse der Jobsuche und der Personalrekrutierung über soziale Netzwerke betrachtet die Rolle des Kontaktnetzwerks eines Akteurs aus zwei Perspektiven. Arbeitnehmer verfolgen auf dem Arbeitsmarkt das Ziel einen guten oder besseren Job zu finden. Unternehmen versuchen als Arbeitgeber optimale Kandidaten für Stellen zu rekrutieren, um die soziale und ökonomische Effizienz der Organisation zu optimieren. Ein Netzwerkakteur profitiert möglicherweise von einer erfolgreicheren Jobsuche, und Unternehmen können von den sozialen Netzwerken ihrer Mitarbeiter durch Empfehlungen profitieren. Die Optimierung von individuellen Netzwerken bietet unter Umständen Vorteile für beide Seiten und lohnt sich dann aus personalwirtschaftlicher Sicht. Die theoretische Einordnung der Jobsuche und der Personalrekrutierung über soziale Netzwerke erfolgt vor dem Hintergrund von Arbeitsmarkttheorien und von personalwirtschaftlichen Theorien zur sozialen und ökonomischen Effizienz bei der Personalbeschaffung und Personalauswahl. Die Identifizierung und Interpretation von Netzwerkmechanismen zur gezielten Optimierung von sozialen Netzwerken, um potentielle Vorteile realisieren zu können, steht in der Tradition der sozialen Netzwerkforschung. Die Netzwerkanalyse und Konzepte zum sozialen Kapital liefern ein Instrumentarium zur Erklärung und Gestaltung von sozialen Netzwerken. Die personalwirtschaftlich relevanten netzwerkanalytischen Fragen richten sich darauf, welche Arten von Verbindungen bzw. Strukturen und sozialen Ressourcen in einem Netzwerk zu vorteilhaften Informationen, zu Einfluss und zu Empfehlungen führen. können. Zur Beantwortung dieser Fragestellungen bietet sich eine strukturalistische Netzwerkperspektive an.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit liefert keine allgemeingültigen Antworten und keinen universalen Leitfaden zur strategischen Optimierung eines sozialen Netzwerks. Der Leser soll durch die Analyse von Experteninterviews und von empirischen Resultaten vor einem wissenschaftlichen Hintergrund in die Thematik der sozialen Netzwerke eingeführt werden. Die Beschreibung wesentlicher Begriffe und Konzepte (Kapitel 2), die Erklärung von Netzwerkaspekten bei der Jobsuche (Kapitel 3) und bei der Personalrekrutierung (Kapitel 4) über soziale Netzwerke und daraus abgeleitete Gestaltungsanregungen (Kapitel 5) sollen ein Gefühl für die Netzwerkperspektive vermitteln. Die vorliegende Diplomarbeit fokussiert sich bewusst auf eine bestimmte Zielsetzung und Zielgruppe:
Netzwerkaktive Führungskräfte (bzw. Unternehmensberater) und (Personal-)Manager sollen das mögliche Potential von Kontaktnetzwerken erkennen und in der Lage sein, Netzwerke systematisch aufzubauen, zu pflegen und zu entwickeln, um Vorteile bei der eigenen Jobsuche bzw. bei der Personalrekrutierung ihres Unternehmens verwirklichen zu können.
Strukturelle Aspekte zur Stärke von Verbindungen, zu den Netzwerkstrukturen und zu den sozialen Ressourcen werden beleuchtet und analysiert, um anschließend Anregungen zur Optimierung der angesprochenen Kriterien zu liefern. Die Arbeit setzt sich dazu aus sechs Abschnitten zusammen:
Die Einführung mit einer Erläuterung des aktuellen und des wissenschaftlichen Bezugs von sozialen Netzwerken führt zum Thema hin und zeiget relevante Forschungsfragen auf (Kapitel 1).
Theoretische Definitionen von wesentlichen Begriffen und Erläuterungen von theoretischen Kriterien von sozialen Netzwerken bilden den Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit (Kapitel 2).
Die informelle Jobsuche über soziale Netzwerke wird anschließend vor einem arbeitsmarkttheoretischen Hintergrund quantitativ und qualitativ untersucht. Hypothesen werden aus Experteninterviews und empirischen Analysen generiert und überprüft, um Vorteile und strukturelle Gestaltungskriterien von Kontaktnetzwerken zu identifizieren (Kapitel 3).
Es erfolgt dann ein Perspektivenwechsel zu den Unternehmen. Vorteile und Möglichkeiten der Personalrekrutierung über soziale Netzwerke werden vor allem unter Effizienzgesichtspunkten anhand von Experteninterviews und empirischen Studien analysiert (Kapitel 4).
Die Erkenntnisse aus der Überprüfung von Hypothesen zur Jobsuche und zur Personalrekrutierung über soziale Netzwerke werden mit ausgewählten netzwerktheoretischen Ansätzen in Verbindung gebracht. Das integrative Konzept der effizient-effektiven Netzwerke und die strukturelle Autonomie werden vorgestellt, um Gestaltungsanregungen für die Praxis zu liefern (Kapitel 5).
Im vorletzten Abschnitt werden soziale Online-Netzwerke als zukunftsträchtiges Praxisbeispiel erläutert. Die Internetplattformen OpenBC.com und LinkedIn.com werden gegenübergestellt, um Möglichkeiten zum virtuellen Beziehungsmanagement und zur Jobsuche bzw. zur Personalrekrutierung über soziale Online-Netzwerke anzudeuten (Kapitel 6).
Das letzte Kapitel rundet diese Diplomarbeit methodisch ab. Die Beantwortung der Forschungsfragen und weitere wesentliche Erkenntnisse werden abschließend aus einer Netzwerkperspektive reflektiert und zusammengefasst. Impulse für weitere Forschungsfragen sollen Anregungen für weitere wissenschaftliche Untersuchungen von sozialen Netzwerken mit einem personalwirtschaftlichen Schwerpunkt liefern und verdeutlichen, dass in dieser Arbeit lediglich ein kleiner Ausschnitt aus einem sehr weiten Feld behandelt werden kann (Kapitel 7).
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Anhangsverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | IX | |
| Kapitel 1: Vitamin B oder „ich kenne da jemanden!“ | 1 | |
| 1.1 | Soziale Netzwerke in Vergangenheit und Gegenwart | 1 |
| 1.2 | Problemstellung der Diplomarbeit | 3 |
| 1.3 | Wissenschaftliche Einordnung der Problemstellung | 4 |
| 1.4 | Zielsetzung und Aufbau der Diplomarbeit | 5 |
| Kapitel 2: Networking: Soziale Netzwerke und soziales Kapital | 7 | |
| 2.1 | Networking als Beziehungsmanagement | 7 |
| 2.2 | Soziale Netzwerke aus wissenschaftlicher Sicht | 9 |
| 2.2.1 | Definition eines sozialen Netzwerks | 10 |
| 2.2.2 | Die Netzwerkanalyse als Werkzeugkasten | 11 |
| 2.2.3 | Gibt es eine Theorie der sozialen Netzwerke? | 13 |
| 2.3 | Soziales Kapital – Mehr als nur Investment in Kontakte | 17 |
| 2.3.1 | Definition von sozialem Kapital | 18 |
| 2.3.2 | Investitionen in soziales Kapital | 19 |
| 2.3.3 | Soziales Kapital und Arbeitsmarkt | 20 |
| Kapitel 3: Die informelle Jobsuche über soziale Netzwerke | 21 | |
| 3.1 | Arbeitsmarkt und informelle Jobsuche | 22 |
| 3.1.1 | (Neo-)klassische Arbeitsmarkttheorien und soziale Netzwerke | 22 |
| 3.1.2 | Ökonomische Rationalität einer informellen Jobsuche | 25 |
| 3.2 | Analyse der informellen Jobsuche über soziale Netzwerke | 26 |
| 3.2.1 | Vorgehensweise und Zielsetzung der Untersuchung | 26 |
| 3.2.2 | Hypothesen zur Jobsuche über soziale Netzwerke in der Praxis | 28 |
| 3.2.3 | Empirische Befragung von Führungskräften | 44 |
| 3.3 | Praxisimplikationen für Führungskräfte, Manager und Berater | 45 |
| Kapitel 4: Die informelle Personalrekrutierung über Empfehlungen | 47 | |
| 4.1 | Unternehmenseffizienz und Personalrekrutierung | 48 |
| 4.1.1 | Ökonomische und soziale Effizienz | 48 |
| 4.1.2 | Interne/externe Beschaffung und Auswahl von Personal | 49 |
| 4.2 | Analyse der informellen Personalrekrutierung über Empfehlungen | 51 |
| 4.2.1 | Vorgehensweise und Zielsetzung der Untersuchung | 52 |
| 4.2.2 | Hypothesen zur informellen Personalrekrutierung in der Praxis | 53 |
| 4.2.3 | Empirische Befragung von Personalmanagern | 63 |
| 4.3 | Praxisimplikationen für das Personalmanagement | 64 |
| Kapitel 5: Gestaltungsanregungen für ein optimales Kontaktnetzwerk | 67 | |
| 5.1 | Theoretische Impulse für Optimierungsgedanken zu sozialem Kapital | 68 |
| 5.1.1 | Die Stärke von schwachen Verbindungen | 69 |
| 5.1.2 | Die Stärke von strukturellen Löchern | 70 |
| 5.1.3 | Die Stärke der sozialen Ressourcen | 71 |
| 5.2 | Der Weg zu einem optimalen Kontaktnetzwerk | 73 |
| 5.2.1 | Strukturelle Voraussetzungen und Vertrauen | 73 |
| 5.2.2 | Konzeption eines effizient-effektiven Netzwerks | 77 |
| 5.2.3 | Die Idee der strukturellen Autonomie | 80 |
| 5.3 | Ein fiktives Beispiel des Managers „HiPo“ (High Potential) | 82 |
| Kapital 6: Beziehungsmanagement und soziale Netzwerke im Internet | 86 | |
| 6.1 | Cybernetzwerke und E-Networking | 87 |
| 6.2 | Soziale Business-Netzwerke im Internet | 89 |
| 6.2.1 | OpenBC.com – „We’re networking people!“ | 90 |
| 6.2.2 | LinkedIn.com – „People you want through people you trust!” | 90 |
| 6.3 | Praxisvergleich „OpenBC.com vs. LinkedIn.com“ | 92 |
| 6.3.1 | Beziehungsmanagement und E-Networking | 92 |
| 6.3.2 | Jobsuche und Personalrekrutierung (E-Cruiting) | 94 |
| 6.3.3 | Empirische Befragung zum Zukunftspotential | 97 |
| Kapitel 7: Kontaktnetzwerke in der Praxis – Ein zusammenfassendes Fazit | 98 | |
| Anhang | 102 | |
| Literaturverzeichnis | 156 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 179 |
Personalberatern, tragen zur Überprüfung der Hypothesen zur Rolle von sozialen Netzwerken bei der Jobsuche von Führungskräften bzw. von Unternehmensberatern aus der Sicht von Experten aus der Praxis bei 49 . Die Resultate (Consulting bzw. Konsumgüter) spiegeln die subjektiven Einschätzungen von Personalmanagern wieder, die im Rahmen dieser Arbeit als Experten zum Thema Jobsuche und Personalrekrutierung befragt wurden. Die folgenden Zahlen lassen sich nicht verallgemeinern oder auf gesamte Branchen übertragen, allerdings geben sie Hinweise auf Tendenzen und Unterschiede in der Praxis. In der Beratungsbranche wird sozialen Netzwerken von Führungskräften ein noch größeres Potential zugetraut als in der traditionellen Konsumgüterindustrie (94,1 % bzw. 65,2 %). Viele der befragten Personalmanager vermuten, dass Führungskräfte bzw. Berater einen neuen Job häufig (88,2 % bzw. 43,5 %) über ihr soziales Netzwerk finden. Die Möglichkeit, dass bei einem entsprechenden Netzwerk auch eine passive bzw. latente Suche zum Erfolg führen kann wird nicht verleugnet (82,4 % bzw. 34,8 %). Alle der befragten Führungskräfte, die von einem regelmäßigen Sucherfolg über Kontaktnetzwerke ausgehen, sehen Informationsvorteile für den Jobsucher und für das rekrutierende Unternehmen als positiven Nebeneffekt. Potentielle Vorteile durch die Mobilisierung von Einfluss, um möglicherweise Auswahlhürden zu umgehen, werden nicht ausgeschlossen (70,6 % bzw. 34,8 %). Etwa zwei Drittel der Interviewteilnehmer (70,6 % bzw. 65,2 %) gehen dabei davon aus, dass insbesondere starke Verbindungen auf der Basis von Vertrauen und Reziprozität verantwortlich für die Realisierung von Vorteilen für Führungskräfte bzw. Berater sind. Eine qualitative Analyse der Experteninterviews zeigt, dass viele Führungskräfte in verschiedenen Branchen alle erläuterten Hypothesen (s.o.) tendenziell bestätigen. Starke und schwache Verbindungen bieten jeweils spezifische Vorteile und eine Kombination ist zweckmäßig. Führungskräfte sollten sich allerdings auf starke Beziehungen zu ausgewählten Personen konzentrieren, da starke Verbindungen und Vertrauen häufig die Voraussetzungen sind, um indirekte soziale Ressourcen im Netzwerk tatsächlich mobilisieren zu können. Die Rolle von Headhuntern wird von vielen Führungskräften als bedeutend eingeschätzt, insbesondere wenn es um die Rekrutierung von höheren Führungskräften oder jungen Potentialträgern geht, die lediglich latent auf der Jobsuche sind. Die Integration in das Netzwerk erscheint zweckmäßig. [...]
Führungskräften kann in der Regel eine hohe Qualifikation unterstellt werden, die sich oft in einem akademischen Grad zeigt. Hoch qualifizierte Arbeitnehmer erreichen vorteilhafte Kontaktpersonen häufiger über starke Verbindungen. Bei einer Jobsuche müssen sie dann weniger auf ihre schwächeren Kontakte vertrauen, da sie Informationen und Einfluss über die hochwertigen sozialen Ressourcen im Netzwerk gewinnen können, zu denen stärkere Beziehungen bestehen (Granovetter 1985; Lin 2001) Ein akademischer Grad, der entsprechendes Humankapital signalisiert, trägt möglicherweise dazu bei, dass Akademiker bei einer Jobsuche weniger auf schwache Beziehungen angewiesen sind (Fairchild/Robinson 2004, o.S.). Allerdings ist eine klare Definition der Stärke von Beziehungen erforderlich, wenn es um die Gestaltung von sozialen Netzwerken geht. Die Kombinationshypothese wird ebenfalls als für Manager tendenziell bestätigt angesehen. In dieser Diplomarbeit werden Definitionen von Granovetter (1973) und von Bian (1997) integriert: [...]
Humankapital von Managern einen Einfluss auf das erreichbare Einkommen haben. Eine positive Rolle spielen dabei soziale Netzwerke mit starken Verbindungen (ebd., S. 383). Manager werden außerdem häufiger über starke Verbindungen rekrutiert. Rekrutierung über Empfehlungen schafft Vertrauen in beide Richtungen, um auf dieser Grundlage potentiell loyalere Mitarbeiter einzustellen. Einflussbasierte Netzwerke mit starken Verbindungen können dann zu höheren Löhnen führen. Vertrauen wird zum Ersatz für andere Auswahlkriterien von hohen Führungskräften, je mehr sich deren Verantwortungsbereich auf die Firmenleistung auswirken kann (Meyerson 1992). Vertrauen als „calculative trust“ 46 reduziert Risiko und basiert auf der Erwartung von positiven reziproken Gegenleistungen (Williamson 1992, S. 38), die besonders in starken Verbindungen zu erwarten sind. Je bedeutender die Rolle von Vertrauen als Auswahlkriterium wird, desto besser wird die Verhandlungsposition von Managern mit starken Verbindungen. Hohe Vertrauenswürdigkeit wird durch eine hohe Entlohnung kompensiert (Meyerson 1994, S. 387). Je wichtiger die Vertrauenswürdigkeit bei der Rekrutierung wird, desto weniger Bedeutung fällt dem Humankapital von Kandidaten zu (ebd., S. 387). [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832493905
Arbeit zitieren:
Hochenrieder, Florian Juli 2005: Die Jobsuche und die Personalrekrutierung von Führungskräften über soziale Netzwerke, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Vitamin B, Netzwerkrekrutierung, Mitarbeiterempfehlungen, Soziales Kapital, Soziale Ressourcen



