Japanische Direktinvestitionen in Deutschland ihre regionalwirtschaftlichen Wirkungen am Beispiel der Region Düsseldorf
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Volker Güttgemanns
- Abgabedatum: Juli 2008
- Umfang: 51 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
- Bibliografie: ca. 60
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1909-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Güttgemanns, Volker Juli 2008: Japanische Direktinvestitionen in Deutschland ihre regionalwirtschaftlichen Wirkungen am Beispiel der Region Düsseldorf, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Direktinvestition, Japan, Düsseldorf, Außenwirtschaft, Wirtschaftsgeographie
38,00 €
PDF-eBook Download: 38,00 €
Bachelorarbeit von Volker Güttgemanns
Einleitung:
Die weltwirtschaftliche Verflechtung zeichnet sich heute durch eine hohe weltumfassende Arbeitsteilung aus. Neben den traditionellen Formen der Internationalisierung, wie dem Güter- und Dienstleistungsverkehr sowie der Wanderung von Arbeitskräften, ist der internationale Austausch von unternehmerischem Kapital dabei zu einem zentralen Element der Weltwirtschaft geworden. Infolgedessen haben auch die theoretische Betrachtung sowie die empirische Analyse dieser häufig als Globalisierung bezeichneten Zunahme internationaler Wirtschaftsaktivitäten an Bedeutung und Aktualität gewonnen. Direktinvestitionen als ein Bestandteil dieses Kapitalverkehrs haben besonders im Verlauf der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts einen höheren Stellenwert erreicht und erzielen daher weitaus größere durchschnittliche Wachstumsraten als andere Formen der Arbeitsteilung. Seit den 1950er Jahren haben grenzüberschreitende Direktinvestitionen in vielerlei Hinsicht einen drastischen Bedeutungswandel erfahren. Während man ihnen in der Anfangsphase noch keinerlei Beachtung schenkte, weil sie in der wirtschaftlichen und politischen Diskussion weitgehend unbekannt waren, entbrannte in den 1960er und 1970er Jahren eine rege Debatte um die Auswirkungen von Direktinvestitionen. Bei vielen Kritikern herrschte eine negative Einstellung vor, da sie die Direktinvestitionen von international operierenden Unternehmen als Hauptelement einer Strategie zur Schaffung von Abhängigkeiten verstanden. Infolgedessen gab es in vielen Ländern eine Reihe protektionistischer Maßnahmen zur Eindämmung solcher Investitionen. Zwischenzeitlich hat sich die Beurteilung der Direktinvestitionen jedoch völlig verändert. So gelten diese seit den 1990er Jahren unbestritten als stärkster Motor der weltwirtschaftlichen Entwicklung und des Globalisierungsprozesses. Im World Investment Report der UNCTAD lautet die derzeitige Bewertung:
‘FDI flows are particularly important because FDI is a package of tangible and intangible assets, and because the firms – TNC’s – deploying them are now important players in the global economy. TNC’s can affect development, by com-plementing domestic investment and by undertaking trade and transfers of knowledge, skills and technology’.
Problemstellung:
Seit Mitte der 1980er Jahre bis zur Vollendung des gemeinsamen Binnenmarktes im Jahre 1992 sind Anzahl und Höhe japanischer Direktinvestitionen in Europa rapide gestiegen. Bei den Zielregionen kann nach anfänglichen Abwehrhaltungen zunehmend ein eifriges Werben um japanisches Kapital konstatiert werden. Während japanische Investoren den Marktzugang zum kommenden Binnenmarkt mit der Präsenz vor Ort sichern wollten, erhofften sich die Empfängerregionen neben fiskalischen Effekten vor allem positive Effekte auf die Beschäftigung. Im Zuge dieser Entwicklung konnte die Bundesrepublik in den 1980er Jahren und den Anfängen der 1990er Jahre zahlreiche Investitionsprojekte auf sich ziehen. Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat das Interesse japanischer Unternehmen an Europa mitunter stark nachgelassen. Vor allem China, Südostasien und die USA, im europäischen Raum auch Großbritannien, sind verstärkt in den Fokus japanischer Investoren gerückt. Nordrhein-Westfalen dagegen konnte innerhalb der deutschen Grenzen seine Position als eine der bedeutendsten Empfängerregionen behaupten, was vor allem auf den Raum Düsseldorf mit seiner bemerkenswerten japanischen Infrastruktur zurückzuführen ist. In den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für japanische Investoren geändert. Die anhaltend schwache Wirtschaftslage in Japan, die phasenweise das Niveau der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen hat sinken lassen, sowie die weitere Ausgestaltung des europäischen Binnenmarktes zählen zu den bedeutendsten Faktoren, die bei der Standortwahl mit einfließen. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit die Entwicklung der japanischen Direktinvestitionen in Deutschland im Allgemeinen und des Raumes Düsseldorf im Speziellen. Inhaltliche Schwerpunkte liegen vor allem in der Standortwahl und -entfaltung, den Branchenstrukturen und (regional)wirtschaftlichen Auswirkungen japanischer Unternehmensaktivitäten.
Gang der Untersuchung:
Die Bearbeitung dieser wirtschaftsgeographischen Arbeit erfolgt sowohl anhand einer literaturgestützten Ausarbeitung des thematischen Gegenstandes als auch anhand empirischer Methoden. In dieser Studie werden Daten aus der Sekundärstatistik mit qualitativen Informationen einer Primärerhebung komplementiert. So wurden teilstandardisierte, leitfadengestützte Experteninterviews geführt und durch eine Unternehmensbefragung vakanter Firmen aus dem Beobachtungsraum Düsseldorf ergänzt, um detailliert und kritisch auf die thematische Fragestellung einzugehen. Darüber hinaus werden zwecks Visualisierung komplexer Sachverhalte kartographische Darstellungen in die Arbeit eingebunden, die mit geographischen Informationssystemen erstellt wurden. Zunächst werden in Kapitel 2 die theoretischen Rahmenbedingungen behandelt, die eine Grundlage für das Verständnis der Thematik bilden. Neben der Definition wesentlicher Begriffe ist vor allem die Erfassungsproblematik von Bedeutung, da eine aufgrund uneinheitlicher Erfassungsmethoden und Begriffsabgrenzungen teilweise erheblich voneinander abweichende Datenbasis vorhanden ist. In Kapitel 3 werden schließlich die japanischen Direktinvestitionen in Deutschland erörtert. Ausgehend von den allgemeinen Entwicklungen ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland und den Grundzügen japanischer Investitionen im Ausland werden die Dynamik und räumliche Struktur der japanischen Direktinvestitionen in Deutschland beleuchtet. Schwerpunktthemen liegen in der Entwicklung, der gegenwärtigen Struktur und den Auswirkungen japanischer Direktinvestitionen. Daraufhin erfolgt in Kapitel 4 eine regionalwirtschaftliche Betrachtung am Fallbeispiel der Region Düsseldorf. Ziel ist es, anhand dieses speziellen Beispiels die Bedeutung und Auswirkungen japanischer Direktinvestitionen für diesen Wirtschaftsraum herauszustellen und diese anhand aktueller Trends und Entwicklungen zu bewerten. Abschließend erfolgt in Kapitel 5 eine Schlussbetrachtung mit den wesentlichen Erkenntnissen dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Ziel der Arbeit | 2 |
| 1.2 | Aufbau und Methodik der Arbeit | 2 |
| 2. | Theoretische Grundlagen | 4 |
| 2.1 | Der Direktinvestitionsbegriff und seine Klassifikation | 4 |
| 2.1.1 | Begriffsabgrenzung | 5 |
| 2.1.2 | Arten von Direktinvestitionen | 6 |
| 2.1.3 | Internationale Unternehmung | 8 |
| 2.2 | Theoretische Erklärungsansätze für Direktinvestitionen | 8 |
| 3. | Japanische Direktinvestitionen in Deutschland | 9 |
| 3.1 | Die Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland | 9 |
| 3.2 | Entwicklungsdynamik und räumliche Strukturen japanischer Direktinvestitionen im Ausland | 10 |
| 3.2.1 | Phasen der Kapitalverflechtung Japans mit dem Ausland | 11 |
| 3.3 | Entwicklungsdynamik und räumliche Strukturen japanischer Direktinvestitionen in Deutschland | 12 |
| 3.3.1 | Sektoral- und Branchenstruktur | 14 |
| 3.3.2 | Standortstruktur und Standortfaktoren | 17 |
| 3.3.3 | Der Diffusionsprozess japanischer Unternehmen | 19 |
| 3.3.4 | Auswirkungen der japanischen Direktinvestitionen | 22 |
| 4. | Fallbeispiel Region Düsseldorf – ‚Klein-Tokyo am Rhein’ | 24 |
| 4.1 | Standorteigenschaften des Großraums Düsseldorf | 26 |
| 4.1.1 | Wirtschaftliche Rahmenbedingungen | 26 |
| 4.1.2 | Standortstruktur und Standortfaktoren | 26 |
| 4.2 | Die Entwicklung Düsseldorfs zum japanischen Wirtschaftszentrum | 28 |
| 4.3 | Investitionsformen und Branchenstruktur | 30 |
| 4.4 | Regionalwirtschaftliche Ausprägungen und Auswirkungen der japanischen Direktinvestitionen | 33 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 36 |
| Anhang 1:Unterstützung bei der Primärerhebung | 38 | |
| Anhang 2: Branchenkarte und Clusterbildungen in Düsseldorf | 39 | |
| Anhang 3: Leitfaden der Experteninterviews | 40 | |
| Anhang 4: Befragung zum Standortverhalten japanischer Unternehmen in Düsseldorf | 41 | |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 43 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Entwicklungsdynamik und räumliche Strukturen japanischer Direktinvestitionen in Deutschland:
Zwar ist Deutschland innerhalb Europas immer noch der wichtigste Handelspartner Japans, jedoch hat die Anziehungskraft als Investitionsstandort mit dem Handelsvolumen nie Schritt halten können. Die Investitionstätigkeit der Japaner in Deutschland ist generell durch ein turnusmäßiges Auf und Ab der jährlichen Investitionsbeträge gekennzeichnet. Die quantitative Entwicklung der japanischen Investitionen in der Bundesrepublik erfährt in ihren Anfängen im Zeitraum von 1965 bis 1975 eine erste bedeutende Zunahme. So fiel auf das Intervall von 1965 bis 1971 lediglich ein Anteil von 14%, während dieser in den darauf folgenden vier Jah-ren auf 86% anstieg. Beschränkten sich die Direktinvestitionen Anfang der 1960er Jahre in Westdeutschland im Wesentlichen auf Generalhandelshäuser, die den Handel zwischen Japan und Deutschland nachhaltig beeinflussten, so entwickelte sich im darauf folgenden Jahr-zehnt ein eindeutiger Trend zur Gründung von Vertriebsorganisationen einzelner Hersteller. Damit einher ging eine zunehmende Loslösung der Firmen von den Sogo Shosha. Der rasante Aufschwung der japanischen Investitionen im Jahre 1972 war jedoch nicht allein für die BRD, sondern weltweit zu verzeichnen. Die Bundesrepublik hat dennoch als Standort aus der Sicht ausländischer Investoren merklich an Attraktivität eingebüßt. Erst Ende der 1980er Jahre stiegen die Direktinvestitionen wieder sprunghaft an. Diese Trendumkehr lässt sich einerseits mit den revolutionären Umbrüchen in Osteuropa und der damit einhergehenden deutsch-deutschen Wiedervereinigung erklären, in deren Kontext sich potentielle Investitionschancen in beiden Teilen Deutschlands ergaben, andererseits mit der Tatsache, dass sich neben der weltweit absoluten Ausdehnung des japanischen Produktionsengagements auch ein relativ deutlicher Bedeutungszuwachs Europas als Empfängerregion abzeichnete. Nachdem schon in den 1970er Jahren in einzelnen Ländern aufgrund von Handelsfriktionen Importbeschränkungen gegen Japan erlassen wurden, veranlasste die EG-Kommission im Jahr 1983 erstmalig länderübergreifend Importrestriktionen und weitere Einfuhrverschärfungen. Die Antizipation des gemeinsamen Binnenmarktes im Jahre 1992 ließ weitere protektionistische Maßnahmen befürchten, so dass aus japanischer Sicht Ende der 1980er Jahre in Europa besondere Produk-tionsanstrengungen notwendig geworden waren. Die beginnenden 1990er Jahre waren dagegen von einer krisenbedingten Zurückhaltung bestimmt, wofür neben der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung Japans auch die schlechtere Verfassung der Weltwirtschaft verantwortlich war. Des Weiteren haben sich die japanischen Unternehmen verstärkt auf kosten-senkende Produktionsverlagerungen in China und Südostasien konzentriert. Nicht zuletzt fungierte Deutschland Ende der 1990er Jahre nicht mehr wie in der Vergangenheit als Japans zentraler Außenposten in Europa, da japanische Firmen es sich mittlerweile leisten konnten, zusätzlich andere Märkte zu erschließen.
Dieser Negativtrend scheint jedoch überwunden zu sein. Deutschland ist mittlerweile der wichtigste Bestimmungsort für japanische Investoren innerhalb Europas. So existieren mittlerweile 1.200 japanische Unternehmen in Deutschland, welche über 70.000 Personen beschäftigen. Im Jahr 2005 investierten japanische Firmen ca. 10,8 Mrd. Euro in die deutsche Wirtschaft. Dies bedeutet einen Zuwachs seit 1999 um fast 30% (siehe Abb. 3). Die Grafik verdeutlicht weiterhin die erwähnte Erfassungsdiskrepanz von Direktinvestitionen (hier zwischen BUNDESBANK und JETRO), wenngleich ein steigender Trend in beiden Fällen zu erkennen ist. Auch der Saldo der japanischen Direktinvestitionen war 2006 nach einer negativen Bilanz im Vorjahr wieder positiv (631 Mio. Euro). Zugleich stiegen die Neuinvestitionen im gleichen Zeitraum um 80,4% auf 249 Mio. Euro und die Reinvestitionen um 52% auf 193 Mio. Euro Deutschland und Japan profitieren dabei vor allem von gemeinsamen wirtschaftlichen Stärken, die die Möglichkeiten der Kooperation und Joint Ventures begünstigen. Darunter fällt beispielsweise der Sektor der erneuerbaren Energien, der in Deutschland in den letzten Jahren zu einem der stärksten Erzeuger von Beschäftigung avancierte. Während die Entwicklung der rentablen Industrie der erneuerbaren Energie noch relativ neu ist, ist die Automobilindustrie schon seit vielen Jahren ein Eckpfeiler der japanisch-deutschen Wirtschaftskooperation.
38,00 €
PDF-eBook Download: 38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836619097
Arbeit zitieren:
Güttgemanns, Volker Juli 2008: Japanische Direktinvestitionen in Deutschland ihre regionalwirtschaftlichen Wirkungen am Beispiel der Region Düsseldorf, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Direktinvestition, Japan, Düsseldorf, Außenwirtschaft, Wirtschaftsgeographie



