Jakob Arjouni
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Ambros Waibel
- Abgabedatum: März 2000
- Umfang: 101 Seiten
- Dateigröße: 574,9 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2595-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2595-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2595-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Waibel, Ambros März 2000: Jakob Arjouni, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kriminalroman, Neuste Deutsche Literatur, Jakob Arjouni, Monografie
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Magisterarbeit von Ambros Waibel
Einleitung:
Diese als Monographie angelegte Magisterarbeit unterzieht das Werk eines der erfolgreichsten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller einer ersten kritischen Prüfung. Erfolgreich meint hier: Schon 1992 hatten sich von Jakob Arjounis (geb.1964) drei Kriminalromanen (1987-91) mit ihrem Helden Kemal Kayankaya 150 000 Exemplare verkauft. Sein Werk bringt der im deutschsprachigen Raum angesehenste Verlag für Kriminalliteratur heraus - Diogenes -, und seitdem Arjouni dort erscheint, besprechen es alle großen Zeitungen - und zwar ganz überwiegend hymnisch. Seine Bücher werden verfilmt (Happy Birthday, Türke! von Doris Dörrie), für das Radio und als Hörbuch bearbeitet. Sie sind in zehn Sprachen übersetzt, Arjouni erhält Preise und Auszeichnungen. Seine Stücke werden bei Erscheinen uraufgeführt und im In- und Ausland nachgespielt, seine Lesungen sind gut besucht.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil wird der Rahmen, im allgemeinen wie im besonderen, abgesteckt, innerhalb dessen sich Mitte der achtziger Jahre Jakob Arjouni als Schriftsteller etablierte. Im zweiten Teil untersuche ich - an Beispielen - die konkreten technischen Einflüsse und Adaptionen, die poetischen Mittel Arjounis. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Frage, wie neue Zeitumstände und neue Lektüreerlebnisse auf das jüngste Werk - den Roman „Magic Hoffmann“ (1998), das Theaterstück „Edelmanns Tochter“(1996) - sich ausgewirkt haben.
Inhaltsverzeichnis:
| EINLEITUNG | 1 | |
| A. | SICHTUNG DER LANDSCHAFT | 3 |
| I. | Generationen | 3 |
| 1. | Epochenbruch | 3 |
| 2. | Pop oder nicht Pop | 6 |
| 3. | Der eigentliche Ort | 10 |
| II. | 1983-1987: Schnittstelle der Generationen | 12 |
| III. | 1985/87 | 21 |
| 1. | Autor, Person und Pseudonym | 21 |
| 2. | Autor, Debütant, Talent, Begabung | 23 |
| 3. | Wer hat den Detektiv verraten? Sozialdemokraten? | 26 |
| 4. | Mainstream | 27 |
| IV. | Postmoderne | 35 |
| 1. | Postmoderne Moderne | 35 |
| 2. | Märchen | 40 |
| B. | SPURENSICHERUNG/KOMMENTARFRAGMENT | 45 |
| I. | Kopien von Originalen | 45 |
| 1. | Zwei Anfänge | 45 |
| 2. | Zwei Meinungen | 48 |
| 3. | Welche Satire, welche Melancholie? | 51 |
| II. | Moralische Spiele | 55 |
| 1. | Die Garagen | 56 |
| 2. | Nazim schiebt ab | 58 |
| III. | Unterwegs: Die Erzählungen | 61 |
| 1. | Kritik | 61 |
| 2. | Konstellationen und Verfahren | 65 |
| 3. | Dialogregie | 72 |
| C. | DAS JÜNGSTE WERK: MAGIC HOFMANN UND EDELMANNS TOCHTER | 74 |
| I. | Ein Unterhaltungschriftsteller | 74 |
| II. | Zwei Frauen: Schrecken, Bewunderung, Mitleid | 79 |
| D. | SCHLUSS | 86 |
| ANHANG: Biographischer Abriß | 89 | |
| Bibliographie zu Jakob Arjouni | 90 | |
| Erklärung | 94 |
1. Zwei Anfänge Wenn ein Detektiv von einer Fliege belästigt wird, kann das so klingen: Ich hatte die Schmeißfliege seit fünf Minuten verfolgt, ich wartete darauf, daß sie sich niederließ. Sie wollte sich nicht niederlassen. Sie wollte einfach Loopings machen und den Prolog zu ‘Bajazzo’ singen. Ich hielt die Fliegenklatsche hoch in der Luft, fertig zum Zuschlagen. Auf der Schreibtischecke war ein heller Fleck Sonnenlicht, und ich wußte, früher oder später würde sie dort landen. Aber als sie landete, sah ich sie nicht gleich. Das Surren hörte auf, und da saß sie. Und dann klingelte das Telefon. Langsam und geduldig, zentimeterweise, streckte ich meine linke Hand danach aus. Langsam nahm ich den Hörer auf und sprach sanft hinein: „Bitte warten Sie einen Augenblick.“ Ich legte den Hörer behutsam auf die braune FließpapierUnterlage. Die Fliege war noch da, glänzend, blaugrün und voller Schlechtigkeit. Ich holte tief Atem und schlug zu. Was von ihr übrig war, flog halb durch den Raum und fiel auf den Teppich. Ich [...]
aufs Individuum verschoben, das fragt: Wie bestehe ich in dieser Gesellschaft, wie kann mein Lebenwollen zumindest scheinhaft befriedigt werden? Eine Verschiebung von der Erkenntnistheorie zur Ethik also. Die phantastischen Elemente des Märchens, die Tricks und Techniken des Detektivromans, sind vom Standpunkt des postmodernen Autors nicht mehr „Mittel der Motivverknüpfung, die helfen, schneller auf den Punkt zu kommen“ 93. Der Punkt ist eben, daß es den archimedischen Punkt nicht mehr gibt. Wo früher an den Wendungen der Handlung sich Erkenntnis festsetzte, ist die Handlung heute sich selbst genug.: Die „Postmoderne“ jeder Sorte hegte grundlegende Zweifel an der Existenz einer objektiven Realität und/oder der Möglichkeit, überhaupt mit rationalen Mitteln zu einem allgemeingültigen Verständnis dieser Realität zu gelangen.94 Ethno-, Frauen-, Lesben- und Schwulenkrimi bedienen ideologisch diese Kapitulation der Pluralitäten. Sie verknüpfen Bedürfnisse mit einem Genre, dem Handeln Seinsprinzip ist. In Arjounis Sieb bleibt alles hängen, was sich die heutige deutsche Gesellschaft an Bürgersinn und Zivilität auf ihre Fahnen schreibt. Was unten rauskommt, ist Rassismus. Der wesentliche Reiz der KayankayaRomane liegt in den Reflexionen des Protagonisten, den Dialogen und Milieubeschreibungen. Dort liegt die kritische Schärfe. Die Handlung schreitet massiv und krachend voran: eine Superheldenhandlung, die nicht zufällig von den Krimis afro-amerikanischer Autoren herrührt.95 Aus Kirschs Analyse kann, wer Lust hat, eine Forderung ableiten. Wenn er die dann auf die Gestaltung des Materials ‘heutige Gesellschaft’ anwendet, wird er vielleicht [...]
ein aufdeckender, ein aufklärerischer; der Arjounis einer von oben herab, ethnographisch, verfremdend. So wird alles schön übersichtlich: Bei einer Anzahl neuerer Romane wird die Realität gleichsam durch ein Sieb gegossen, das sie zur Fabel ordnet (Konstruktion im schlechten Sinn). Statt daß die Gesamtheit des mitgeteilten Materials außer dem Selbstwert Gestimmtheit hervorbringt, produziert bei diesen Romanen gewissermaßen die Gestimmtheit Fakten, die sich aufs schlauste zu einer erbaulichen Fabel ordnen; dies bei eigenartig perfekter Schreibweise. Das eigentlich Perfekte daran ist die Selbstzensur, die fehlerfrei arbeitet und einen Stil herstellt, der beim Hinsehen als ein Ensemble von Tricks sich erweist, das auch bei halber Bewußtseinstrübung Produktion gestattet.90 Was Rainer Kirsch Tricks nennt, sind Zitate. Die Moral, die beim klassischen Märchen im Ganzen steckt („die Gesamtheit des mitgeteilten Materials, das außer dem Selbstwert Gestimmtheit hervorbringt“) - ambivalent, realistisch-grausam in der Entwicklung, beunruhigend -, ist hier als These vorgegeben. Echte Märchen sind „Versuche der Weltdeutung“ und insofern sind sie wahr.91 Diesen Gestus, eben den des klassischen Detektivromans, kann das postmoderne Kriminalmärchen nur noch zitieren, weil es ihm im Unterschied zu jenen Werken nicht mehr um die - nach Gehlen bekannten und unveränderbaren - Strukturen der Welt zu tun ist. Wenn das Märchen, wie Kirsch schreibt, “in real gemeinte Metaphern flüchtet,“ dort „wo immer sich Löcher im Erkenntnismaterial auftun“,92 so hat die Postmoderne kein Erkenntnis-, sondern ein Handlungsproblem. Die Metapher dient nicht der Weltdeutung, sondern der Eröffnung von Handlungsmöglichkeiten in einer ausgedeuteten Welt. Vom Kollektiv, dessen Frage ist: Wie erkenne ich die Gesellschaft, damit ich sie verändern kann, ist die Sache [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832425951
Arbeit zitieren:
Waibel, Ambros März 2000: Jakob Arjouni, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kriminalroman, Neuste Deutsche Literatur, Jakob Arjouni, Monografie



