Jahresabschlüsse als Grundlage für eine Insolvenzprognose
Systematische Darstellung und Beurteilung ausgewählter Verfahren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Gerald Wegner
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 62 Seiten
- Dateigröße: 3,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9466-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9466-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9466-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wegner, Gerald Februar 2006: Jahresabschlüsse als Grundlage für eine Insolvenzprognose, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Neuronale Netze, Diskriminanzanalyse, Bilanz, Liquidität, Statistik
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Diplomarbeit von Gerald Wegner
Einleitung:
In den Jahren nach der Jahrtausendwende hat die Zahl der Insolvenzen in der Bundesrepublik Deutschland immer neue Rekordwerte erreicht. Die vom statistischen Bundesamt gemeldeten Zahlen stiegen von 32278 im Jahre 2001 auf 39213 im Jahre 2004. Erst 2005 scheint sich mit geschätzten 37900 Firmenpleiten eine leichte Trendwende abzuzeichnen.
Auch Unternehmensexterne, wie Anteilseigner ohne Geschäftsführungskompetenz, Aktionäre und Schuldner, die Unternehmensanleihen oder andere Finanztitel halten, sind finanziell unmittelbar von einer Bestandsgefährdung betroffen. Vor allem ist an Kreditinstitute zu denken, die die künftige Entwicklung der Bonität von Unternehmen einschätzen wollen, um über die Einrichtung, Kündigung oder Verlängerung von Kreditlinien zu entscheiden. Eine frühzeitige Erkennung der Insolvenzgefahr kann Wertberichtigungen im Bankbereich vermeiden. Gerade für Außenstehende, die sich bei der Einschätzung der künftigen Unternehmenslage meist nur auf die in den Jahresabschlüssen publizierten Daten und andere allgemein zugängliche Informationen stützen können, bedeutet dies eine schwierige Situation.
Bilanzen und Erfolgsrechnungen sind stichtagsbezogen und enthalten Vergangenheitsdaten, die naturgemäß eine schlechte Ausgangsbasis für Prognosen sind. In die Zukunft weisen nur wenige Informationen, wie z. B. Restlaufzeiten von Forderungen und Verbindlichkeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Jahresabschlusspositionen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten durch bilanzpolitische Maßnahmen oder Sachverhaltsgestaltung manipuliert werden können. Die klassische Jahresabschlussanalyse bewertet Unternehmen auf logisch-deduktive Art und Weise an Hand einer Vielzahl von Kennzahlen. Dies erfordert sehr viel Erfahrung und weist je nach Analysten subjektive Züge auf.
Die praktische Erfahrung zeigt dann auch, dass eine zuverlässige Insolvenzprognose im Rahmen der klassischen Bilanzanalyse besonders problematisch ist. Auf die traditionelle Jahresabschlussanalyse soll daher in dieser Arbeit nur am Rande eingegangen werden. Neuere Methoden der Bilanzanalyse beurteilen Unternehmen auf empirisch-induktive Art an Hand statistischer Merkmale. Durch Verbreitung von PCs haben moderne, multivariate statistische Analyseverfahren auch in der betriebswirtschaftlichen Praxis Einzug gehalten. Unter den rechnergestützten Analysemethoden hat sich besonders die auf solche Klassifikationsleistungen zugeschnittene multivariate Diskriminanzanalyse bei der Insolvenzprognose etabliert.
Seit einem halben Jahrhundert knüpfen sich auch hohe Erwartungen an die „Künstliche Intelligenz“, kurz KI genannt. Erklärtes Ziel der KI-Forschung ist es, mit technischen Mitteln so viel wie möglich von den Fähigkeiten des menschlichen Geistes zu imitieren und ihn womöglich sogar eines Tages zu übertreffen. Während sich die klassischen KI-Verfahren mit der Informationsverarbeitung durch Manipulation von Symbolen sowie mit Bildverarbeitung und Robotik befassen, versucht der Konnektionismus mit Künstlichen Neuronalen Netzen (KNN) Intelligenzleistungen zu simulieren.
Auch komplexe wirtschaftliche Problemstellungen werden erfolgreich mit KNN bearbeitet. Es gibt inzwischen eine Anzahl von Publikationen, die sich speziell mit der Anwendung von KNN bei der Insolvenzprognose befassen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend und verdienen daher Beachtung.
Die vorliegende Arbeit soll zunächst den Begriff Insolvenzprognose definieren bevor sie einen bewertenden Überblick über moderne Verfahren der Insolvenzprognose aus Jahresabschlussdaten gibt. Dabei finden Frühwarnsysteme Berücksichtigung, die im deutschsprachigen Raum publiziert wurden. Der Schwerpunkt soll auf Studien liegen, die sich statistischer Trennverfahren wie der multivariaten Diskriminanzanalyse (MDA) und Künstlicher Neuronaler Netzanalyse (KNNA) bedienen. Die ausführliche Darstellung zweier entsprechender Verfahren des Instituts für Revisionswesen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster will demonstrieren, welch hohen Stand die Insolvenzprognose durch externe Analysten heute erreicht hat. Ein Vergleich von MDA und KNNA rundet den Überblick ab. Dabei dienen insbesondere die Klassifikationsleistung, der Aufwand bei der Entwicklung und Anwendung, sowie die ökonomische Interpretierbarkeit als Kriterien.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Symbolverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Definition der Insolvenzprognose | 3 |
| 3. | Statistische Klassifikationsmethoden | 4 |
| 3.1 | Diskriminanzanalyse | 7 |
| 3.2 | Künstliche Neuronale Netze | 7 |
| 4. | Übersicht über Methoden zur Insolvenzprognose | 10 |
| 4.1 | Logisch-deduktive Vorgehensweise | 11 |
| 4.1.1 | Jahresabschlußanalyse mit klassischen Kennzahlensystemen | 11 |
| 4.1.1 | Jahresabschlußanalyse mit kreativen Kennzahlensystemen | 11 |
| 4.2 | Empirisch-induktive Vorgehensweise | 11 |
| 4.2.1 | Mediane einzelner Kennzahlen | 12 |
| 4.2.2 | Regressionsanalyse | 12 |
| 4.2.3 | Diskriminanzanalyse | 13 |
| 4.2.4 | Verfahren der künstlichen Intelligenz | 15 |
| 5. | RISK-Früherkennungssystem von Prof. Baetge | 16 |
| 5.1 | Zielsetzung | 16 |
| 5.2 | Datenmaterial | 17 |
| 5.3 | Datenanalyse zur Erstellung der Diskriminanzfunktion | 19 |
| 5.4 | Ökonomische Interpretation der Diskriminanzfunktion | 19 |
| 5.5 | Bewertung der Klassifikationsleistung | 21 |
| 6. | Baetge-Bilanz-Rating | 22 |
| 6.1 | Zielsetzung | 22 |
| 6.2 | Datenmaterial | 22 |
| 6.3 | Datenanalyse zur Entwicklung des KNN | 23 |
| 6.4 | Ökonomische Interpretation des Baetge Bilanz Rating | 25 |
| 6.5 | Bewertung der Klassifikationsleistung | 29 |
| 7. | Vergleich von MDA und KNNA | 30 |
| 7.1 | Klassifikationsleistung | 30 |
| 7.2 | Aufwand | 32 |
| 7.3 | Ökonomische Interpretierbarkeit und Aussagekraft | 33 |
| 8. | Zusammenfassung und Ausblick | 34 |
| Anhang: Ausdrucke der zitierten Internetseiten | 36 | |
| Literaturverzeichnis | 40 | |
| Verzeichnis der verwendeten Gesetzestexte | 44 |
Bilanzstichtage sollten zudem nicht länger als 7-18 Monate davor datiert sein. Nach den Kriterien Branchenverteilung, Rechtsform und Unternehmensgröße wurde auch eine repräsentative Zufallsstichprobe von 90 „guten“ Unternehmen ausgesucht. Auch hier mußten drei aufeinanderfolgende lückenlose Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen vorliegen. 5.3 Datenanalyse zur Erstellung der Diskriminanzfunktion62 Aufgrund von logischen Überlegungen, Literaturrecherchen und dem im Bankbetrieb gewonnenen Erfahrungsschatz wurden 42 Jahresabschlußkennzahlen ausgewählt. Zu jeder Kennzahl wurde eine in der klassischen Bilanzanalyse bewährte Hypothese über ihre Aussagekraft bezüglich der Bonität aufgestellt. S > G bedeutet, daß diese Kennzahl bei schlechten Unternehmen größer sein sollte als bei guten, S < G umgekehrt, daß die Kennzahl bei schlechten Unternehmen im Durchschnitt niedriger liegen müßte als bei guten. Diese Hypothesen wurden zunächst für jede Kennzahl hinsichtlich ihrer Widersprüchlichkeit während der drei Jahre vor dem Eintreten der Leistungsstörung getrennt überprüft. [...]
5.1 Zielsetzung60 Das RISK-Früherkennungsystem auf der Basis einer MDA wurde vom Institut für Revisionswesen der Westfälischen Wilhemsuniversität Münster in Kooperation mit der Bayerischen Vereinsbank AG entwickelt. Das Ziel dieser Analysenmethode war bezüglich des Prognosezeitraums anspruchsvoll gewählt: Insolvenzgefährdete Unternehmen sollten bereits drei Jahre vor der Insolvenz zu mindestens 80% identifiziert werden können. Das Insolvenzkriterium ist hier wie in Kapitel 2 definiert. 5.2 Datenmaterial61 Für die Studie wurden von der Vereinsbank die Jahresabschlußdaten von Firmenkunden aus dem Zeitraum 1982 bis Mitte 1985 zur Verfügung gestellt. Banken und Versicherungsunternehmen unterscheiden sich bezüglich ihrer spezifischen Hauptfunktion und ihrer Bilanzstruktur deutlich von den anderen Branchen und wurden daher nicht berücksichtigt. Ausgeschlossen wurden auch sehr kleine Unternehmen mit einer Gesamtleistung unterhalb 0,5 Mio. DM wegen des hohen Einflusses qualitativer Faktoren wie z. B. der individuellen Fähigkeiten des Unternehmers. Nicht einbezogen wurden Unternehmen mit negativem Eigenkapital, da diese Größe für die Bonitätsprüfung als sehr bedeutsam betrachtet wird. In Konzerne eingegliederte Unternehmen, die etwa wegen eines Gewinnabführungsvertrages einen nicht aussagefähigen Einzelabschluß aufweisen, sowie Unternehmen, die wegen eines Besitzanteils der öffentlichen Hand von mehr als 75% einem wesentlich geringeren Insolvenzrisiko ausgesetzt sind, wurden ebenfalls aus dem Datenmaterial entfernt. Die Datenbasis von 500 leistungsgestörten Unternehmen wurde auf 90 geschmälert, da mindestens drei komplette Jahresabschlüsse vor Eintritt einer Leistungsstörung vorhanden sein sollten. Die letzten zugrundeliegenden [...]
für jede Variable zwei Trennwerte derart fest, daß sich oberhalb des höheren bzw. unterhalb des niedrigeren Trennwertes nur Objekte einer Klasse befinden53. Zuerst wird die trennstärkste Kennzahl verwendet. Auf Unternehmen, die sich in dem Graubereich zwischen den beiden Trennwerten befinden, wird danach die nächstbeste Kennzahl mit ihren beiden Trennwerten angewandt, usw. Empirische Untersuchungen ergaben jedoch unbefriedigende Klassifikationsleistungen. Sehr ähnlich verläuft die Insolvenzprognose mittels Entscheidungsbäumen54. Auch hier erfolgt eine konsekutive, univariate Trennung, allerdings gibt es für jede Kennzahl nur einen Trennwert. In der Praxis konnte zwar drei Jahre vor Insolvenzeintritt ein α-Fehler von 24 % bei einem β-Fehler von 31 % erreicht werden, die zeitliche Stabilität der Klassifikationsbäume blieb hinter der der MDA jedoch weit zurück55. Ebenfalls als von der Qualität der Ergebnisse her unbefriedigend erwiesen sich die verteilungsunabhängigen Verfahren der nichtparametrischen Kerndichteschätzung56, des Nearest-Neighbour-Verfahrens57 und das Mustererkennungsverfahren nach Linhart58, sie seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Es kann festgehalten werden, daß Unzulänglichkeiten des Datenmaterial bei der MDA in der Praxis vernachlässigbar sind und alternative Diskriminanzverfahren, die geringere Anforderungen an das Datenmaterial haben, meist andere schwerwiegende Nachteile aufweisen. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832494667
Arbeit zitieren:
Wegner, Gerald Februar 2006: Jahresabschlüsse als Grundlage für eine Insolvenzprognose, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Neuronale Netze, Diskriminanzanalyse, Bilanz, Liquidität, Statistik



