JUST4WOMEN - Eine linguistische Analyse erotischer Sprachverwendung in der ersten erotischen Hörspielserie für Frauen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Kirsten Gregus
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 171 Seiten
- Dateigröße: 4,9 MB
- Note: 2,1
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9401-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9401-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9401-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gregus, Kirsten September 2004: JUST4WOMEN - Eine linguistische Analyse erotischer Sprachverwendung in der ersten erotischen Hörspielserie für Frauen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sprachgebrauch, Sexualität, Linguistik, Erotik, Hörspiel
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Magisterarbeit von Kirsten Gregus
Problemstellung:
Der Wortschatz, mit dem weibliche und männliche Geschlechtsteile sowie sexuelle Handlungen bezeichnet werden, ist ausgesprochen groß. Zahlreiche Begriffe der Fachsprache, Standardsprache oder Umgangssprache sind für diese Bereiche verfügbar. Das Problem der Sexualsprache ist also nicht das Fehlen von Ausdrücken, sondern vielmehr die Unsicherheit, den ‚richtigen‘ Begriff im entsprechenden Umfeld zu wählen.
Da es sich beim Sprechen über Sexualität um eine private Angelegenheit handelt, und in unserer Gesellschaft von einem Tabu behaftet ist, fällt es vielen Sprechern nicht leicht, offen darüber zu kommunizieren. Es wird befürchtet, durch die Wortwahl intime Ansichten preiszugeben. Um dem zu entgehen, wird auf Metaphern oder Umschreibungen ausgewichen. Häufig werden Begriffe, die ein Geschlechtsteil oder eine sexuelle Praktik bezeichnen, nur angedeutet oder sogar weggelassen.
Auch in der Wissenschaft und Forschung hat sich die Tabuisierung von Sexualität entfaltet. Forscher, die sich mit dem Thema befassen, vermerken fast einheitlich zu Beginn ihrer Arbeiten, wie problematisch es ist, Kollegen zu finden, die an dem Thema mitarbeiten.
Ein weiters Problem ist, dass die Forschung wenige authentische Beschreibungen des Geschehens und Erlebens besitzt. Ein Grund hierfür liegt in der Privatisierung der Sexualität.
Sexualwissenschaftler und insbesondere Sexualpädagogen, die das Sprechen über Sexualität zum Grundsatz einer wünschenswerten Sexualerziehung erhoben haben, haben den Bedarf an linguistischen Forschungen deutlich erkannt und auch die Lexikographie nimmt sich allmählich der Komplexität des sexuellen Wortschatzes an, nachdem dieser auch in Wörterbüchern lange Zeit tabuisiert wurde.
Insgesamt finden sich jedoch nur sporadisch Beiträge zum Thema Sexualität und Sprache. Auch in den Medien ist demzufolge eine Problematik bei der Verwendung der Sexualsprache zu beobachten.
In dieser Arbeit geht es darum, die lexikalischen Mittel darzustellen, die beim Sprechen über Sexualität und beim Sprechen während einer sexuellen Handlung von Frauen verwendet werden. Auf eine strikte Trennung von Sprachwissen und Sprachanwendung wird verzichtet, da vorausgesetzt wird, dass die Bedeutung eines Ausdrucks klar ist, wenn dieser Ausdruck verwendet wird. Das Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, wie Frauen in welchem Kontext über Sexualität sprechen und wie sie sich während einer sexuellen Handlung ausdrücken. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet hierbei die Analyse und Bewertung der Begriffe, die in der ersten erotischen Hörspielserie für Frauen - JUST4WOMEN - für die Bezeichnung weiblicher und männlicher Geschlechtsorgane sowie einer sexuellen Handlung verwendet werden. Die Auswertung eines Fragebogens zu diesem Thema spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für die erotische Sprachverwendung in der Serie abgeleitet werden.
Da, wie schon gesagt, das Sprechen über Sexualität in unserer Gesellschaft noch immer mit einem Tabu behaftet ist, wird die These vertreten, dass in Gesprächen über Sexualität in der Hauptsache Begriffe aus dem fachsprachlichen oder normalsprachlichen Bereich verwendet werden. Je bekannter die Kommunikationspartner einander sind, desto mehr werden auch Begriffe aus dem umgangssprachlichen Bereich verwendet.
Weiterhin soll untersucht werden, ob sich die These, dass während einer sexuellen Handlung vermehrt Begriffe der Umgangssprache zum Einsatz kommen, bestätigt.
Zu Beginn der Arbeit wird ein Überblick über die Geschichte der Sexualsprache und deren Definition gegeben. Dies ist erforderlich, da es keine allgemeingültige Definition der Sexualsprache gibt.
In Kapitel 3 findet ein Vergleich statt, in dem die Unterschiede der Sprachverwendung von Frauen und Männern herausgearbeitet werden. Außerdem werden die erotischen Medien für Frauen dargestellt, die auf dem deutschen Markt vorhanden sind. Hierbei wird deutlich gemacht, welche Sprache in diesen Medien zum Einsatz kommt.
Eine Analyse der Drehbücher der erotischen Hörspielserie JUST4WOMEN und ein Fragebogen sollen zusätzlich Aufschluss über die Sprachverwendung von Frauen geben.
Nach einem knappen Überblick über das Medium ‚Hörspiel‘ und der kurzen Vorstellung der Serie JUST4WOMEN werden die erotischen Szenen der Drehbücher der bisher erschienenen vier Folgen analysiert. Hierbei beschränkt sich die Arbeit auf die Begriffe für weibliche und männliche Geschlechtsteile sowie Bezeichnungen von sexuellen Handlungen. Hierbei wird nicht nur unterschieden, ob über Sexualität gesprochen, sondern auch in welcher Situation bzw. mit wem über Sexualität gesprochen wird und welche Begriffe in den unterschiedlichen Kontexten bevorzugt werden.
Anschließend findet die Auswertung des Fragebogens nach den oben genannten Kriterien statt. Abschließend werden die Ergebnisse der Drehbuchanalyse und der Ergebnisse des Fragebogens miteinander verglichen. Es soll herausgefunden werden, ob die Wortwahl in den Drehbüchern den Anforderungen und Wünschen von Frauen an erotische Sprache entspricht.
Für die Analyse der Hörspielserie stellte der Verlag „Sounds of Seduction“ die Drehbücher der Episoden zur Verfügung. Außerdem half er bei der Verbreitung des Fragebogens.
Die Ergebnisse werden anschließend zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung und Methodik | 5 |
| 1.1 | Problemstellung | 5 |
| 1.2 | Ziel der Arbeit | 5 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 6 |
| 2. | Sexualsprache | 7 |
| 2.1 | Definition von Sexualsprache | 7 |
| 2.2 | Erotische Sprachverwendung | 12 |
| 2.3 | Geschichte der Sexualsprache | 13 |
| 3. | Erotische Sprachverwendung von Frauen in den Medien | 20 |
| 3.1 | Differenzierung von erotischer Sprachverwendung bei Frauen und Männern | 20 |
| 3.2 | Differenzierung von Pornographie und Erotik in den Medien | 23 |
| 3.3 | Frauenerotik in den Medien | 25 |
| 3.3.1 | Film und Fernsehen | 26 |
| 3.3.2 | Frauenliteratur | 28 |
| 3.3.3 | Hörspiel | 29 |
| 4. | Sprachliche Analyse der ersten erotischen Hörspielserie JUST4WOMEN | 30 |
| 4.1 | Hörspiele | 30 |
| 4.1.1 | Geschichte und Entwicklung von Hörspiele | 30 |
| 4.1.2 | Einsatz von Sprache in Hörspiele | 31 |
| 4.1.3 | Sprachliche Anforderungen an Erotik im Hörspiel | 33 |
| 4.2 | Darstellung von JUST4WOMEN | 34 |
| 4.2.1 | Konzept von JUST4WOMEN | 34 |
| 4.2.2 | Zielgruppe | 36 |
| 4.2.3 | Einsatz des Panels | 37 |
| 4.2.4 | Vermarktung und PR | 38 |
| 4.3 | Sprachliche Analyse der Drehbücher | 39 |
| 4.3.1 | Wortschatzanalyse der erotischen Szenen und der Gespräche über Sexualität | 39 |
| 4.3.1.1 | Wortschatzanalyse Folge 1 | 39 |
| 4.3.1.2 | Wortschatzanalyse Folge 2 | 41 |
| 4.3.1.3 | Wortschatzanalyse Folge 3 | 43 |
| 4.3.1.4 | Wortschatzanalyse Folge 4 | 44 |
| 4.3.1.5 | Gesamtüberblick der Folgen 1 bis 4 | 45 |
| 4.4 | Empirische Untersuchung der erotischen Sprachverwendung in der Hörspielserie JUST4WOMEN mit Hilfe eines Fragebogens | 47 |
| 4.4.1 | Zielsetzung des Fragebogens | 47 |
| 4.4.2 | Aufbau des Fragebogens | 47 |
| 4.4.3 | Auswertung des Fragebogens | 50 |
| 4.4.3.1 | Aussagen zu den Kontexten | 50 |
| 4.4.3.2 | Allgemeine Begriffsauswertung | 52 |
| 4.4.3.3 | Begriffsauswertung nach Altersklassen | 56 |
| 4.4.3.4 | Begriffsauswertung nach Sprachtypen | 58 |
| 4.4.3.5 | Alternative Nennungen | 59 |
| 4.5 | Sprachliche Bewertung der erotischen Hörspielserie | 61 |
| 4.5.1 | Erotische Sprachverwendung im Hörspiel JUST4WOMEN | 61 |
| 4.5.2 | Einsatz von Sexualsprache | 62 |
| 5. | Zusammenfassung | 65 |
| 6. | Fazit | 68 |
| 7. | Anhang | I |
| Anhang 1.1 | Auszüge aus der JUST4WOMEN-Präsentation für Kooperationspartner | III |
| Anhang 1.2 | Erotische Sprachverwendung in den Drehbüchern der Serie | XVII |
| Anhang 1.2.1 | Überblick über die erotische Sprachverwendung nach Kontext in den Drehbüchern | XVII |
| Anhang 1.2.2 | Erotische Sprachverwendung einzelner Begriffe in den Drehbüchern | XXVI |
| Anhang 1.3 | Aufbau des Fragebogens | XXVIII |
| Anhang 1.3.1 | Fragebogen Seite 1 | XXVIII |
| Anhang 1.3.2 | Fragebogen Seite 2 | XXIX |
| Anhang 1.3.3 | Fragebogen Seite 3 | XXXI |
| Anhang 1.3.4 | Fragebogen Seite 4 | XXXIII |
| Anhang 1.3.5 | Fragebogen Seite 5 | XXXV |
| Anhang 1.3.6 | Fragebogen Seite 6 | XXXVII |
| Anhang 1.4 | Auswertungen des Fragebogens | XXXIX |
| Anhang 1.4.1 | Soziodemografische Daten | XXXIX |
| Anhang 1.4.1.1 | Bildungsstand | XXXIX |
| Anhang 1.4.1.2 | Beruf | XXXIX |
| Anhang 1.4.1.3 | Partnerschaft | XXXIX |
| Anhang 1.4.1.4 | Balkendiagramm Bildungsstand | XL |
| Anhang 1.4.1.5 | Balkendiagramm Partnerschaft | XL |
| Anhang 1.4.1.6 | Balkendiagramm Beruf | XL |
| Anhang 1.4.1.7 | Altersklassen | XLI |
| Anhang 1.4.1.8 | Balkendiagramm Altersklassen | XLI |
| Anhang 1.4.1.9 | Alter der Befragten | XLI |
| Anhang 1.4.1.10 | Altersverteilung der Befragten | XLII |
| Anhang 1.4.1.11 | Auswertung: Bildungsstand und Altersklasse | XLII |
| Anhang 1.4.1.12 | Kreuztabelle: Bildungsstand und Altersklasse | XLIII |
| Anhang 1.4.1.13 | Symmetrische Maße Kreuztabelle: Bildungsstand und Altersklasse | XLIII |
| Anhang 1.4.1.14 | Kreuztabelle: Beruf und Altersklasse | XLIII |
| Anhang 1.4.1.15 | Symmetrische Maße: Kreuztabelle: Beruf und Altersklasse | XLIII |
| Anhang 1.4.2 | Auswertungen des Sprachkontextes | XLIV |
| Anhang 1.4.2.1 | Fragestellung: Mit wem sprichst du über Sex? | XLIV |
| Anhang 1.4.2.2 | Detailauswertung Sprachkontext: Partner | XLIV |
| Anhang 1.4.2.3 | Detailauswertung Sprachkontext: Freundin | XLIV |
| Anhang 1.4.2.4 | Detailauswertung Sprachkontext: Familie | XLIV |
| Anhang 1.4.2.5 | Detailauswertung Sprachkontext: Kollegen | XLV |
| Anhang 1.4.2.6 | Kreuztabellen-Diagramm: Sprachkontext nach Bildungsstand | XLV |
| Anhang 1.4.2.7 | Kreuztabellen-Diagramm: Sprachkontext nach Berufen | XLV |
| Anhang 1.4.2.8 | Kreuztabellen-Diagramm: Sprachkontext nach Partnerstatus | XLVI |
| Anhang 1.4.2.9 | Kreuztabellen-Diagramm: Sprachkontext nach Altersklassen | XLVI |
| Anhang 1.4.2.10 | Erotische Sprachverwendung: Gesamtübersicht nach Sprachkontext | XLVII |
| Anhang 1.4.2.11 | Erotische Sprachverwendung einzelner Begriffe im Gespräch unter Freundinnen | XLVII |
| Anhang 1.4.2.12 | Erotische Sprachverwendung einzelner Begriffe im Gespräch in der Öffentlichkeit | XLVII |
| Anhang 1.4.2.13 | Erotische Sprachverwendung einzelner Begriffe im Gespräch mit dem Partner | XLVIII |
| Anhang 1.4.2.14 | Erotische Sprachverwendung einzelner Begriffe beim Sex | XLVIII |
| Anhang 1.4.3 | Einzelauswertung erotischer Begriffe nach Kontext | XLIX |
| Anhang 1.4.3.1 | Verwendung erotischer Begriffe im Gespräch mit Freundinnen | XLIX |
| Anhang 1.4.3.2 | Verwendung erotischer Begriffe in der Öffentlichkeit | LVII |
| Anhang 1.4.3.3 | Verwendung erotischer Begriffe im Gespräch mit dem Partner | LXV |
| Anhang 1.4.3.4 | Verwendung erotischer Begriffe beim Sex | LXXIII |
| Anhang 1.4.4 | Verwendung der Begriffe nach Altersklassen und Kontext | LXXXI |
| Anhang 1.4.5 | Verwendung von Sprachtypen - Deskriptive Statistik | XCVII |
| Anhang 1.4.6 | Zuordnung einzelner Begriffe zu Sprachtypen aus dem Fragebogen | C |
| 8. | Literaturverzeichnis | CII |
Am nächsten Tag erkunden die vier Freundinnen die Insel, wobei Cora Malte kennenlernt, mit dem sie ab Szene 17 ein sexuelles Abenteuer am Strand erlebt. Auch hier tritt wieder der Aspekt des Beobachtet-Werdens auf. Im Unterschied zu den bisherigen sexuellen Abschnitten, wird nach einer Weile in eine andere Szene umgeblendet, in der Sylvia und Annica in einer Bar sitzen und sich unterhalten. Der erotische Moment wird erst in Szene 21 wieder aufgegriffen. Bei der Auswertung der verwendeten Begriffe fällt auf, dass, wie auch in der ersten Folge, ausschließlich normalsprachliche Begriffe für die weibliche Brust verwendet werden. Busen und Nippel werden während eines Sexualakts verwendet, während der Begriff Brüste in einem Gespräch unter Freundinnen vorkommt. Die Vagina wird zwei Mal mit den Personalpronomen ich/du umschrieben. Auch der umgangssprachliche Begriff Möse und der normalsprachliche Ausdruck Kitzler werden jeweils zwei Mal verwendet. Der Begriff Fötzchen, der der vulgären Umgangssprache zuzuordnen ist, wird ein Mal genannt. Bei der Bezeichnung des Penis fällt eine größere Begriffsvielfalt auf. So wird dieser vier Mal mit den Personalpronomen er/ihn und jeweils ein Mal mit was ich durch die Hose fühlen kann und pochende Spitze umschrieben. Des Weiteren tauchen die vulgärsprachlichen Begriffe Eier und Schwanz bzw. Prachtschwanz auf. Auch andere umgangssprachliche Ausdrücke wie Gemächt und Rohr finden Verwendung. Aus dem standardsprachlichen Bereich wird ein Mal der Begriff Eichel verwendet. Auffällig ist auch hier die einmalige Verwendung der Begriffe, mit Ausnahme der Personalpronomen und des Begriffs Schwanz, die jeweils 4 Mal genannt werden. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass sowohl die Vagina als auch der Penis nicht im Gespräch über Sexualität verbalisiert werden. Bei den Begriffen, die eine sexuelle Handlung oder Praktik bezeichnen, sieht dies anders aus. Während die Begriffe einen blasen, lecken, ihn in die Hand nehmen, sich um jmdn. kümmern und jmdn. reiten ausschließlich während einer sexuellen Handlung genannt werden, werden die Begriffe eine heiße Nacht bzw. die erste Nacht mit jmdm. verbringen ausschließlich im Gespräch unter Freundinnen verwendet. Dies gilt auch für die Bezeichnung Romanze, die drei Mal erwähnt wird. Der umgangssprachliche Begriff miteinanderschlafen wird sowohl während eines Sexualakts als auch im Gespräch mit Freundinnen verwendet. Der Ausdruck ficken bzw. Abschiedsfick findet während einer sexuellen Handlung und im Gespräch mit dem Partner Verwendung, während der Begriff jmdn. vernaschen im Gespräch mit Freundinnen oder mit dem Partner auftaucht. [...]
Für die Bezeichnung des männlichen Geschlechtsteils werden vorwiegend Begriffe der Umgangssprache gewählt. Neben dem Begriff Steifer, der jeweils ein Mal während des Sexualakts und im Gespräch mit der Freundin genannt wird, verwenden die Charaktere auch Begriffe der vulgären Umgangssprache wie Schwanz – ein Mal während einer sexuellen Handlung und zwei Mal im Gespräch mit Freundinnen – und Eier – ein Mal im Gespräch mit Freundinnen. Mit dem Begriff Anker, der ein Mal während des Sexualakts genannt wird, taucht ein Begriff auf, der nicht als Ausdruck für den Penis im Lexikon definiert wird. Wenn es um eine sexuelle Handlung oder Praktik geht, fällt auf, dass diese vorwiegend in Gesprächen über Sexualität benannt werden. Dies liegt daran, dass während einer sexuellen Handlung nicht mehr über den Akt als solchen gesprochen wird. Während bei einer sexuellen Handlung die umgangssprachlichen Begriff ficken, lecken sowie tauchen verwendet werden, verwenden die Freundinnen untereinander sowohl normalsprachliche Ausdrücke wie Bettgeschichte, jmdn. befriedigen, jmdn. nehmen und jmdn. lutschen oder umgangssprachliche Begriffe wie mit jmdm. in die Kiste gehen, jmdn. lutschen, einen Quickie hinlegen, jmdn. verführen, ‘was mit jmdm. anfangen, miteinander schlafen, jmdn. vögeln, Schweinerei oder flotter Vierer. Es fällt auf, dass bis auf die Ausnahmen ficken und tauchen, alle Begriffe jeweils nur ein Mal genannt werden. 4.3.1.2 Wortschatzanalyse Folge 2 Bei der zweiten Folge wird nicht mehr so viel Zeit darauf verwendet, die Charaktere der Serie vorzustellen. Die Hauptpersonen Cora, Sylvia, Moni und Annica sind bekannt. Gemeinsam fliegen sie für ein verlängertes Wochenende nach Ibiza, um dem Alltag zu entfliehen. Da die Teilnehmerinnen im Panel einstimmig der Meinung waren, dass man bei der ersten Folge zu lange auf die erste erotische Szene warten musste131, beginnt die zweite Episode Ibiza Nights mit einem erotischen Traum von Annica, bevor die Titelmusik ertönt. Sie träumt von Daniela, mit der sie in der ersten Folge ein sexuelles Erlebnis hatte. Die zweite sexuelle Handlung folgt ab Szene 11. Während Cora, Sylvia und Annica schon schlafen gegangen sind, will Moni noch eine Runde im Pool schwimmen. Als ihr Mann Michael anruft, kommt es zum Telefonsex. Wie auch in der ersten Folge, spielt hier die Angst, entdeckt zu werden, eine Rolle. [...]
Es findet ein Szenenwechsel statt und die Hörerinnen der Serie hören nun ‚live‘, was Moni und ihr Chef Tobias im Zug erleben. Diese Szenen werden unterbrochen von Monis Erzählerstimme aus dem Off, was dazu dient, die erotische Stimmung weiterzuführen. Der erotische Moment handelt davon, dass Moni mit ihrem Chef von einer Dienstreise im Zug nach Hause fährt. Rein verbal verführt Tobias sie, indem er sie an einen imaginären Strand entführt und ihr erzählt, wie er sie verführt. Moni teilt ihren Freundinnen mit, dass sie diese Phantasien erregt haben und fürchtete, vom Schaffner überrascht zu werden. Rein imaginär beschreibt Tobias den gemeinsamen Orgasmus. Die Szene endet abrupt, indem Moni erzählt, dass sie auch real kurz vor dem Orgasmus stand. Nun entsteht eine angeregte Unterhaltung zwischen den Freundinnen über ihre Beziehungen. In Szene 21 leitet Annica die zweite erotische Handlung des Hörspiels ein, indem sie von einem Besuch bei einem Freund berichtet, in dessen Haus sie ihr erstes sexuelles Abenteuer mit einer Frau erlebt. Auch hier hört die Hörerin live mit, was passiert, und wird durch Annicas Off-Stimme in erotische Stimmung gebracht: Annica besucht Krissie, einen alten Freund, im Haus seiner Eltern. Er erzählt ihr von Daniela, einer Frau, die er am Abend zuvor auf einer Party kennengelernt hat, und noch bei ihm im Haus ist. Annica, Krissie und Daniela machen sich einen gemütlichen Tag und testen die Sauna und den Whirlpool von Krissies Eltern. Im Whirlpool findet ein ‚flotter Dreier‘ statt. Bei der Auswertung der verwendeten Begriffe fällt auf, dass für die Bezeichnung der weiblichen Brust sowohl im Gespräch mit den Freundinnen oder dem Partner als auch während der sexuellen Handlung ausschließlich Begriffe der Standardsprache verwendet werden. So werden Busen und Brustwarze jeweils zwei Mal während der sexuellen Handlung und jeweils zwei Mal im Gespräch mit Freundinnen und ein Mal im Gespräch mit dem Partner genannt. Der Begriff Brüste wird fünf Mal im Gespräch mit der Freundin genannt und Nippel taucht in diesem Kontext ein Mal auf. Die weibliche Beckengegend wird vorwiegend mit den Personalpronomen du/dich oder mir/mich benannt. Dies findet man sechs Mal während einer sexuellen Handlung und drei Mal im Gespräch mit Freundinnen. Auch Begriffe, die nicht mit einer auf die Vagina bezogenen Definition im Lexikon zu finden sind wie Lust, Tal oder Schlucht werden jeweils ein Mal während des Sexualakts genannt. Ebenfalls ein Mal wird der fachsprachliche Begriff Schamlippen sowohl während der sexuellen Handlung als auch im Gespräch mit der Freundin genannt, was auch für den normalsprachlichen Begriff Kitzler gilt. [...]
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Arbeit zitieren:
Gregus, Kirsten September 2004: JUST4WOMEN - Eine linguistische Analyse erotischer Sprachverwendung in der ersten erotischen Hörspielserie für Frauen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sprachgebrauch, Sexualität, Linguistik, Erotik, Hörspiel



