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Inwiefern geben Geschäftsbanken Leitzinsänderungen in ihren Konditionen weiter?

Inwiefern geben Geschäftsbanken Leitzinsänderungen in ihren Konditionen weiter?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Roaya Roohani
  • Abgabedatum: Juli 2007
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 605,7 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 90
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0643-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0643-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0643-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Roohani, Roaya Juli 2007: Inwiefern geben Geschäftsbanken Leitzinsänderungen in ihren Konditionen weiter?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bankwirtschaft, Volkswirtschaftslehre, Bankenwettbewerb, Kreditvergabe, Leitzins

Diplomarbeit von Roaya Roohani

Problemstellung:

Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt mit der Entsendung monetärer Impulse, z.B. in Form einer Leitzinsänderung, das Ziel der Preisniveaustabilität der gesamten Eurozone. Die Übertragung der Leitzinsänderung erfolgt über mehrere komplexe Transmissionsmechanismen auf die Finanzmärkte und gelangt von dort in die reale Wirtschaft. Wesentlicher Transaktionspartner der Zentralbank bei der Übertragung geldpolitischer Impulse sind die Geschäftsbanken.

Da Geschäftsbanken jedoch eigene Ziele und Kalküle verfolgen, die nicht zwangsläufig mit denen der Zentralbank übereinstimmen müssen, können sie einen ersten Störfaktor bei der Übertragung von Leitzinsänderungen auf den realwirtschaftlichen Bereich darstellen. Für Zentralbanken wird es damit schwierig, die gewünschte Anpassung des Preisniveaus durch geldpolitische Interventionen zu erreichen.

Seit Ende 2005 wurden die Leitzinsen bereits sieben Mal in stetigen Zinsschritten von der EZB angehoben. Die letzte Erhöhung erfolgte im Juni 2007 um 25 Basispunkte auf 4 %, wobei noch weitere Zinsschritte in diese Richtung zu erwarten sind. Die EZB befindet sich damit auf einem restriktiven geldpolitischen Kurs. Wie Medien gegenwärtig berichten, werden diese Zinsanhebungen jedoch von den Geschäftsbanken nicht vollständig und zeitnah nachvollzogen.

So geben einige Geschäftsbanken an, keine oder nur geringfügige Zinserhöhungen für Einlagen durchzuführen. Kreditzinsen werden dagegen etwas stärker angehoben, aber immer noch geringer als die eigentliche Leitzinserhöhung. Mit dieser unvollständigen Weitergabe der Leitzinsen könnte der restriktive Impuls abgeschwächt werden. Zu befürchten wäre dann, dass sich in einigen Ländern des Euroraumes eine konjunkturelle ‘Überhitzung’ entwickelt. Über die Vergrößerung der „Outputlücke“ würde folglich eine Inflationserhöhung entstehen. Die gesamtwirtschaftliche Stabilität wäre gefährdet und das Ziel der Preisstabilität würde somit verfehlt werden.

Geldpolitisch interessant ist daher die Frage, inwiefern Geschäftsbanken Leitzinsänderungen in ihren Konditionen weitergeben. Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.

Gang der Untersuchung:

Die Frage beleuchtet vier miteinander zusammenhängende Teilaspekte. Der erste Teilaspekt bezieht sich auf den Grad der Zinsanpassung, d.h. ob und in welchem Ausmaß Bankzinsen unvollständig angepasst werden. Als zweiter Teilaspekt wird die Geschwindigkeit des Anpassungsprozesses durch Geschäftsbanken betrachtet. Die beiden letzten Teilaspekte beinhalten mögliche Asymmetrien bei der Zinsweitergabe.

Zu unterscheiden ist einerseits die Asymmetrie in der Anpassung von Kreditzinsen im Vergleich zu Einlagenzinsen, sowohl im Hinblick auf das Ausmaß als auch auf die Geschwindigkeit der Anpassung. Andererseits ist die Asymmetrie im Zinszyklus zu untersuchen, d.h. ob Leitzinserhöhungen auf andere Weise weitergegeben werden als Leitzinssenkungen der Notenbank. Für alle vier Aspekte sollen zur Klärung der Frage Theorien herangezogen werden.

Es wird wie folgt vorgegangen: für ein Verständnis der Zinsweitergabe im Gesamtkontext werden in Kapitel 2 transmissionstheoretische Grundlagen dargelegt. Dabei werden die für die vorliegende Arbeit relevanten Transmissionskanäle (Abschnitt 2.1) kurz beschrieben. In Abschnitt 2.2 wird auf die Phasen der Zinsweitergabe näher eingegangen, die den Übergang des geldpolitischen Impulses in den realen Sektor einleiten. Die letzte Phase der Zinsweitergabe - und zwar die durch Geschäftsbanken - ist Gegenstand der nachfolgenden Analysen.

In Kapitel 3 werden die Determinanten der Zinsweitergabe durch Geschäftsbanken untersucht. Anhand von theoretischen Modellierungen dieser Determinanten sollen Erkenntnisse über mögliche Unvollkommenheiten bei der Zinsanpassung gewonnen werden. Ausgehend von einer begrifflichen Definition der relevanten Bankkonditionen (3.1) werden in Abschnitt 3.2 die strukturellen Determinanten der Zinsweitergabe betrachtet. Untersucht wird der Einfluss unterschiedlicher Formen des Wettbewerbs auf die Preissetzung einer Bank, um daraus Implikationen für die Zinsanpassung herzuleiten. Als Ausgangspunkt wird der idealtypische Fall des vollkommenen Wettbewerbs gewählt (3.2.1.1). Anschließend erfolgt die Darstellung der unvollkommenen Wettbewerbsformen Monopol (3.2.1.2) und Oligopol (3.2.1.3). In Abschnitt 3.2.2 werden weitere strukturelle Determinanten, die Refinanzierungsstruktur und die Größe einer einzelnen Bank, untersucht.

Eine weitere Beeinflussung der Zinsanpassung ist im Kontext asymmetrisch verteilter Informationen (3.3) zu überprüfen. Ausgangspunkt der Überlegungen sind dabei die Phänomene moral hazard und adverse Selektion (3.3.1), die aus asymmetrisch verteilten Informationen zwischen Geschäftsbank und Kunden entstehen und die Konditionen der Kreditvergabe beeinträchtigen können. Anhand des Stiglitz-Weiss-Modells (3.3.2) soll gezeigt werden, inwiefern diese Probleme die Zinsanpassung von Geschäftsbanken beeinflussen können. Eine erweiterte dynamisierte Fassung des Stiglitz-Weiss-Modells (3.3.3) soll darüber hinaus mögliche Auswirkungen dieser Probleme auf die Geschwindigkeit der Zinsanpassung von Krediten im Vergleich zu Einlagen darstellen. Im Kontext asymmetrischer Informationsverteilung sind die in der Praxis eingesetzten Kreditsicherheiten in Kombination mit der Zinssetzung der Geschäftsbank (3.3.4) hinsichtlich ihres Einflusses auf die Zinsanpassung zu untersuchen. Da die Weitergabe der Leitzinsen durch eine Hausbankbeziehung (3.4) beeinflusst werden kann, ist ihre genaue Wirkung ebenfalls zu überprüfen. Die jeweiligen Einzelerkenntnisse der untersuchten Determinanten werden im Abschluss des Kapitels 3 in einem Zwischenfazit (3.5) zusammengetragen.

Die empirische Analyse der Zinsweitergabe durch Geschäftsbanken in Kapitel 4 erfolgt auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene gilt es, die theoretisch hergeleiteten Erkenntnisse zum Einfluss der Determinanten auf die Zinsanpassung empirisch zu überprüfen (4.1). Die Überprüfung der Determinanten folgt dabei der Untergliederung aus Kapitel 3 in Wettbewerbsstruktur und Marktmacht (4.1.1), asymmetrische Informationsverteilung (4.1.2) und Hausbankbeziehung (4.1.3). Auf der zweiten Ebene werden darüber hinaus konkrete Messergebnisse (4.2.2) zum Anpassungsgrad von Bankzinsen im Euroraum vorgestellt. Das auf den Messergebnissen beruhende empirische Basismodell wird in Abschnitt 4.2.1 erläutert.

Die Erkenntnisse aus den Messergebnissen sollen in Kapitel 5 für geldpolitische Handlungsempfehlungen genutzt werden.

Kapitel 6 schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Symbolverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis IX
1. Einleitung 1
2. Transmissionstheoretische Grundlagen der Zinsweitergabe 4
2.1 Transmission geldpolitischer Impulse 4
2.2 Phasen der Zinsweitergabe 6
3. Determinanten der Zinsweitergabe durch Geschäftsbanken 10
3.1 Relevante Komponenten von Bankkonditionen 10
3.2 Wettbewerbsstruktur und Marktmacht 13
3.2.1 Preissetzung auf dem Kredit- und Einlagenmarkt 13
3.2.1.1 Vollkommener Wettbewerb 13
3.2.1.2 Bankenmonopol (-monopson) 18
3.2.1.3 Bankenoligopol 25
3.2.2 Refinanzierungsstruktur und Bankengröße 29
3.3 Asymmetrische Informationsverteilung 31
3.3.1 Moral hazard und adverse Selektion 31
3.3.2 Kreditrationierung im Stiglitz-Weiss-Modell 33
3.3.3 Dynamisierte Fassung des Stiglitz-Weiss-Modells 37
3.3.4 Zins-Sicherheiten-Kombinationen 40
3.4 Hausbankbeziehung 44
3.5 Zwischenfazit 51
4. Empirische Analyse der Zinsweitergabe durch Geschäftsbanken 53
4.1 Empirische Relevanz der theoretischen Analyse 54
4.1.1 Wettbewerbsstruktur und Marktmacht 54
4.1.2 Asymmetrische Informationsverteilung 56
4.1.3 Hausbankbeziehung 59
4.2 Messungen der Zinsanpassung 60
4.2.1 Dynamisches Basismodell 60
4.2.2 Ergebnisse für den Euroraum 61
5. Geldpolitische Implikationen 66
6. Zusammenfassung 71
Literaturverzeichnis 73

Textprobe:

Kapitel 3.2.1.2, Bankenmonopol (-monopson):

Im Modell von Bester (1985) führt dagegen die Stellung von Kreditsicherheiten zur Lösung des Kreditrationierungsproblems aufgrund von Effekten adverser Selektion. Die Stellung höherer Sicherheiten wird in diesem Modell als Qualitätssignal gedeutet. Kreditnehmer guter Qualität werden aus dem Angebot verschiedener Zins-Sicherheiten-Kombinationen des Kreditgebers die Kombination aus höheren Sicherheiten und geringeren Zinsen bevorzugen, da sie bei weniger riskanten Projekten keine Verwertung der Sicherheiten befürchten müssen. Dagegen werden riskante Kreditnehmer aufgrund dieser Befürchtung geringere Sicherheiten und höhere Zinsen präferieren. Im Konkursfall würden sie durch die Liquidation geringerer Sicherheiten einen geringeren Verlust erleiden.

Die Auswahl einer bestimmten Zins-Sicherheiten-Kombination zeigt damit die Qualität des Kreditnehmers an. Der Kreditgeber kann folglich gute von schlechten Schuldnern unterscheiden. Darüber hinaus kann der Kreditgeber an ebenso schlechte Schuldner Kredite vergeben, indem er bei der Zins-Sicherheiten-Kombination mit geringeren Sicherheiten einen vergleichsweise höheren Zinssatz zur Kompensation des höheren Risikos setzt. Kreditrationierung aufgrund von adverser Selektion ist somit nicht erforderlich. Der Kreditnehmer erhält stattdessen eine Verzinsung, die seinem Risiko entspricht.

Daraus ergeben sich wiederum Implikationen für die Zinsweitergabe durch Geschäftsbanken. Der Einsatz von Sicherheiten mindert das Problem der adversen Selektion und ermöglicht in Kombination mit einer risikoabhängigen Verzinsung die Weitergabe höherer Zinssätze bei einer Leitzinserhöhung. Demzufolge sinkt der Mark-up bei einer Leitzinserhöhung nicht mehr so stark wie im Falle von Kreditrationierung. Der Einsatz von Sicherheiten begünstigt folglich eine nahezu vollständige Anpassung. Diese Feststellung lässt sich in noch verstärkter Form auf die riskanten Schuldner beziehen. Diese wünschen vergleichsweise höhere Zinssätze anstelle höherer Sicherheiten, so dass bei einer Anhebung des Leitzinses ein höherer Aufschlag gegen das steigende Ausfallrisiko gesetzt wird. Für riskante Schuldner wäre damit sogar eine übermäßige Anpassung denkbar.

Eine asymmetrische Anpassung im Zinszyklus wäre demnach nur bei riskanten Schuldnern anzunehmen, wobei der Mark-up in Leitzinserhöhungsphasen tendenziell höher wäre als in Zinssenkungsphasen. Bei weniger riskanten Schuldnern wäre infolge der vollständigen Anpassung keine Asymmetrie im Zinszyklus zu erwarten.

Da aber die Steuerung der Leitzinssätze für riskante und weniger riskante Schuldner nicht getrennt erfolgt, ist letztlich der Gesamteffekt entscheidend. Die Anpassung durch den Einsatz von Sicherheiten lässt sich nicht genau vorhersagen. Möglich sind eine vollständige und eine übermäßige Anpassung. Würde eine übermäßige Anpassung durch den Einsatz von Kreditsicherheiten bewirkt, so ergäbe sich eine asymmetrische Anpassung im Zinszyklus.

3.4 Hausbankbeziehung:

Im vorherigen Kapitel wurde der Einfluss der Informationsasymmetrie auf die Konditionensetzung der Bank erläutert. Eine enge und langfristige Beziehung zwischen Kunde und Bank, die sogenannte Hausbankbeziehung, hat ebenfalls Auswirkungen auf die Festlegung der Konditionen. Über die Dauer einer Hausbankbeziehung lässt sich die Informationsasymmetrie abbauen, da die Hausbank durch wiederholte Interaktionen mit dem gleichen Kreditnehmer dessen Qualität besser einzuschätzen weiß.

Anhand einiger Überlegungen nach dem Modell von Petersen/Rajan (1995) soll daher der Einfluss einer Hausbankbeziehung auf die Festlegung von Konditionen erläutert werden. Darüber hinaus werden durch die Darstellung zweier weiterer ausgewählter Modelle zusätzliche Aspekte der Hausbankbeziehung auf die Festlegung von Konditionen beleuchtet.

Im Modell von Petersen/Rajan existieren gute und schlechte Unternehmer. Sie besitzen kein Eigenkapital und fragen zur Durchführung ihrer Investitionen deshalb Kredite nach. Die Bank besitzt zu Beginn einer jeden Geschäftsbeziehung noch keine Informationen über die Qualität des Kreditnehmers. Zur Vermeidung der Effekte aus adverser Selektion wird sie allen Kunden zu Beginn der Geschäftsbeziehung Kredite zu niedrigen Zinsen, d.h. relativ zur durchschnittlich anzunehmenden Qualität, anbieten. Nach Ablauf der Periode erkennt die Bank die Qualität des Kunden anhand der Rückzahlungsfähigkeit. Gute Kreditnehmer sind in der Lage, den Kredit vollständig zurückzuzahlen. Schlechte Kreditnehmer werden den Kreditbetrag teilweise oder vollständig nicht zurückzahlen.

Da die Unternehmer kein Eigenkapital besitzen, werden sie zur Finanzierung ihrer Anschlussprojekte in t = 1 erneut Kredite anfragen. Die Bank gewährt jedoch nur den als gut klassifizierten Unternehmern einen weiteren Kredit. Zur Kompensation der Verluste aus Periode 1 wird sie guten Kreditnehmern in der nächsten Periode relativ zur Qualität höhere Zinsen berechnen. Eine Zinsberechung entsprechend der Qualität findet nicht statt. Sie orientiert sich vielmehr an einem Ausgleich der Risiken von schlechten Kreditnehmern durch gute Kreditnehmer. Diese Art der Zinsberechnung wird daher auch als kreditnehmerrisikoorientierte intertemporale Zinsglättung bezeichnet.

Arbeit zitieren:
Roohani, Roaya Juli 2007: Inwiefern geben Geschäftsbanken Leitzinsänderungen in ihren Konditionen weiter?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bankwirtschaft, Volkswirtschaftslehre, Bankenwettbewerb, Kreditvergabe, Leitzins

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