Investorenverhalten und Rationalität
Ein empirischer Überblick
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jens Murmann
- Abgabedatum: Juni 2001
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 882,0 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4816-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4816-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4816-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Murmann, Jens Juni 2001: Investorenverhalten und Rationalität, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Behavioral Finance, Dispositionseffekt, Overconfidence, Investorenverhalten, Rationaltiät
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Diplomarbeit von Jens Murmann
Einleitung:
In der modernen Kapitalmarkttheorie wird von effizienten Märkten und rational handelnden Investoren ausgegangen. Die „efficient market hypothesis“ (EMH) definiert einen effizienten Markt als einen, in dem Preise stets die verfügbare Information beinhalten. Von Investoren wird angenommen, daß sie rational sind und Wertpapiere rational bewerten. Selbst wenn einige Marktteilnehmer sich nicht rational verhalten sollten, sind ihre Trades zufällig und gleichen einander aus, ohne die Preise zu beeinflussen, weil ihre Handelsstrategien unkorreliert sind. Gibt es irrationale Investoren, existieren Arbitrageure am Markt, die den Einfluß auf die Preise eliminieren. Darüber hinaus impliziert Rationalität auch die Unmöglichkeit, Überrenditen zu erzielen.
In der Zwischenzeit gibt es zahlreiche Untersuchungen, die belegen, daß sich Investoren nicht rational verhalten und die EMH scheitert. Für Erklärungen dieses Investorenverhaltens werden verhaltenswissenschaftlich fundierte Ansätze wie die „Behavioral Finance“ herangezogen. Dieser Ansatz stellt die Rationalitätsannahme, die den Anlageentscheidungen zugrunde gelegt wird, in Frage. Dem seinen Nutzen maximierenden Individuum, das alle Alternativen korrekt in Betracht zieht, wird ein „menschlicher“ Entscheider entgegengesetzt, dessen tatsächliches Verhalten zu beschreiben ist. Voraussetzung ist, daß nur solche Phänomene des Entscheidens in Betracht gezogen werden, die zum Einen systematisch anfallen und sich zum Anderen nicht im Kollektiv aufheben oder durch Marktkräfte verschwinden.
Gang der Untersuchung:
Im Folgenden werden Phänomene des Investorenverhaltens aufgezeigt, die diesen Kriterien entsprechen. Hierbei fokussiere ich mich auf den Dispositionseffekt und Overconfidence. Zunächst werden Erklärungsansätze dargestellt, um anschließend auf entsprechende empirische Untersuchungen, die belegen, daß sich Investoren systematisch nicht rational verhalten, einzugehen und kritisch zu diskutieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf privaten Investoren und den dazugehörigien Untersuchungen von [Barber & Odean].
In einem Ausblick stelle ich das Verhalten privater Investoren dem institutuioneller Anleger gegenüber.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Erklärungsansätze für Ergebnisse der empirischen Evidenz | |
| 2.1 | Erklärungsansätze für den Dispositionseffekt | |
| 2.1.1 | Prospect Theory | 2 |
| 2.1.2 | Mental Accounting | 3 |
| 2.1.3 | Selbstkontrolle, Regretaversion und Pride Effekt | 4 |
| 2.2 | Overconfidence Bias und seine Erklärungsansätze | |
| 2.2.1 | Motivationale Ursachen | 6 |
| 2.2.2 | Kognitive Ursachen | 7 |
| 2.2.2.1 | Heuristiken als Mechanismen der Informationsverarbeitung | 7 |
| 2.2.2.1.1 | Verfügbarkeitsheuristik | 7 |
| 2.2.2.1.2 | Verankerungsheuristik (Anchoring) | 8 |
| 2.2.2.1.3 | Representativitätsheuristik | 8 |
| 2.2.2.2 | Kognitive Dissonanz | 9 |
| 3. | Evidenz | |
| 3.1 | Der Dispositionseffekt | 10 |
| 3.1.1 | Experimentelle Evidenz | |
| 3.1.1.1 | Methodik & Ergebnisse | 10 |
| 3.1.2 | Empirische Evidenz | |
| 3.1.2.1 | Untersuchung von (Shefrin & Statman( | 14 |
| 3.1.2.2 | Untersuchung von (Odean( | 16 |
| 3.1.2.2.1 | Daten | 17 |
| 3.1.2.2.2 | Methodik & Ergebnisse | 18 |
| 3.2 | Overconfidence | |
| 3.2.1 | Empirische Evidenz | 28 |
| 3.2.1.1 | Daten | 29 |
| 3.2.1.2 | Methodik & Ergebnisse | 31 |
| 3.2.2 | Momentumstrategien | 45 |
| 4. | Verhalten professioneller Anleger | 47 |
| 4.1 | Über- und Unterreaktionen von Finanzanalysten | 47 |
| 4.2 | Anlageverhalten privater und institutioneller Investoren im Vergleich | 52 |
| 5. | Zusammenfassung | 53 |
| Anhang | 55 | |
| Literaturverzeichnis | 58 | |
| Eidesstattliche Erklärung | IV |
2.1.3 Selbstkontrolle, Regret-Aversion und Pride Effekt Ein psychologisches Bedürfnis von Menschen ist es, Kontrolle auszuüben. Die Konzeption des Kontrollmotives geht davon aus, daß jeder Mensch ein Bedürfnis hat, sich als Verursacher von Änderungen seiner Umwelt wahrzunehmen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Kompetenz und eigener Wertigkeit, daß das Selbstwertgefühl eines Menschen positiv beeinflußt.12 Typisch für Finanzmärkte ist die Kontrolle, bei der man Ursachen, Einflüsse und Faktoren einer bestimmten Situation zu erkennen versucht, um sich auf künftige, ähnliche Geschehnisse besser einstellen zu können. Die wenigsten Anleger sind sich allerdings im Klaren darüber, wie wenig sich zum Beispiel das Kursgeschehen vorhersagen läßt. Vorhersagen vermitteln das Gefühl, den Markt kontrollieren zu können. Je logischer diese aufgebaut sind, umso eher hält man es für wahrscheinlich, daß sie auch eintreffen werden. Kontrollillusion tritt ein, wenn Menschen glauben, Herr einer bestimmten Situation zu sein, obwohl dies in der Realität nicht der Fall ist. Kontrollillusion bezogen auf die Vorhersehbarkeit von Ereignissen wird auch als Overconfidence bezeichnet, die im nächsten Abschnitt behandelt wird.13 [Thaler & Shefrin] betrachten Selbstkontrolle als ein intrapersonelles Problem, bei dem sich ein rationaler Part, der Prinzipal und ein emotionaler Part, der sogenannte [...]
2.1.2 Mental Accounting Während die Prospect Theory das Widerstreben aufzeigt, einen Verlust zu realisieren, kann sie nicht die Abneigung erklären, sich in einem „tax swap“ zu engagieren. Ein „tax swap“ ist eine Transaktion, bei der eine Position in einer Aktie mit Kursverlusten aufgelöst und durch eine andere mit identischer Auszahlungsstruktur bzw. ähnlichen Renditeaussichten ersetzt wird. Kann man den realisierten Verlust steuermindernd geltend machen, so hat man bei unveränderten Chancen einen zusätzlichen Vorteil in Höhe der Steuerersparnis. Die Alternative, eine Aktie mit Verlust zu behalten, wird also stochastisch dominiert. Entgegen der Vorteilhaftigkeit eines solchen Vorgehens wird diese Möglichkeit von einer Reihe von Anlegern nicht wahrgenommen.8 Eine Erklärung dieses Verhaltens basiert auf dem auf [Thaler] zurückgehenden Konzept des „mental accounting“. Laut Thaler betrachten Investoren häufig nicht ihr gesamtes Portfolio, sondern führen für einzelne Investments gedanklich getrennte Konten. Diese Konten werden dabei unabhängig voneinander gesehen.9 [Thaler & Johnson] haben festgestellt, daß Entscheider große Schwierigkeiten damit haben, ein mentales Konto mit einem Verlust abzuschließen.10 So hat der oben beschriebene „tax swap“ eindeutig Vorteile aus der Sicht des Gesamtportfolios, hat [...]
2.1.1 Prospect Theory In ihrer richtungsweisenden Arbeit zur Prospect Theory entwickelten [Kahneman & Tversky] eine deskriptive Theorie, wie Menschen angesichts von Risiken und Unsicherheit Entscheidungen treffen. Wesentlichste Charakteristika der Prospect Theory sind die Referenzpunktabhängigkeit und der Verlauf der Wertefunktion. In der Erwartungsnutzentheorie werden riskante Alternativen über ihre Endvermögensniveaus bewertet. In der Prospect Theory dagegen nicht, denn hier werden Ergebnisse, also Gewinne und Verluste, relativ auf einen Referenzpunkt bezogen. Laut Prospect Theory verwenden Entscheider eine S-förmige Wertefunktion, die im Gewinnbereich konkav und im Verlustbereich konvex ist.4 5 Ergebnisse genau in Höhe des Referenzpunktes werden als neutral empfunden. Ergebnisse oberhalb als relative Gewinne, unterhalb als relative Verluste.6 Die Krümmung der Wertefunktion bringt zum Ausdruck, daß sich der Entscheider im Gewinnbereich risikoavers und im Verlustbereich risikofreudig verhält. Bietet man beispielsweise einem Entscheider an, an einer Lotterie teilzunehmen bei der er einen bestimmten Geldbetrag mit einer Wahrscheinlichkeit von jeweils 0,5 gewinnen oder verlieren kann, wird seine Reaktion davon abhängen, in welchem Bereich der Wertefunktion er sich befindet. Ist er im Verlustbereich, so wird er an der Lotterie [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832448165
Arbeit zitieren:
Murmann, Jens Juni 2001: Investorenverhalten und Rationalität, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Behavioral Finance, Dispositionseffekt, Overconfidence, Investorenverhalten, Rationaltiät



