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Die Intervention der USA in Vietnam

Erklärungsmuster in westdeutschen und britischen Zeitungen 1964-1969

Die Intervention der USA in Vietnam
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Burkhard Fraune
  • Abgabedatum: November 2003
  • Umfang: 206 Seiten
  • Dateigröße: 952,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7844-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7844-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7844-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fraune, Burkhard November 2003: Die Intervention der USA in Vietnam, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medien, Krieg, Journalismus, Golfkrise, Berichterstattung

Magisterarbeit von Burkhard Fraune

Zusammenfassung:

Die Arbeit untersucht die Wahrnehmung der US-Vietnampolitik in westdeutschen Zeitungen und zieht zum Vergleich die britische Perspektive hinzu. Sie konzentriert sich dabei darauf, wie westdeutsche und britische Journalisten zwischen 1964 und 1969 die Frage beantworten: Warum führen die USA Krieg in Vietnam? Der Krieg in dem südostasiatischen Land war ein bedeutendes Ereignis in der westdeutsch-amerikanischen Beziehungsgeschichte. Je stärker das militärische Engagement der USA wurde, desto tiefer wurde in der westdeutschen Öffentlichkeit die Spaltung zwischen Befürwortern und Gegnern des Kriegs.

Obwohl die Sechziger in der Bundesrepublik wie in Großbritannien eine Zeit der Expansion audiovisueller Medien waren, konzentriert sich diese Untersuchung auf Zeitungen, denn sie hatten als „Leitmedien“ oder „Meinungsführermedien“ einen hohen Einfluss auf die anderen Medien und auf die Gesellschaft. (Wilke, Jürgen 1999) Diese Arbeit fragt sowohl nach expliziten Erklärungsversuchen deutscher Zeitungen für die Intervention in Vietnam als auch nach unausgesprochenen Annahmen über die Beweggründe der Vereinigten Staaten. Dabei wird auch auf die Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen zurückgegriffen, insbesondere der Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie der sozialwissenschaftlichen Kognitionsforschung. Neben der Suche westdeutscher und britischer Journalisten nach fest umrissenen, eindeutig fassbaren und explizit angesprochenen Gründen für das amerikanische Vorgehen – als Beispiel sei die „Domino-Theorie“ genannt – wird das manifest oder latent aufgebaute Image der USA und ihrer Bürger im Zentrum der Arbeit stehen, sofern dieses in Zusammenhang mit der Intervention in Vietnam gebracht wird. Es geht hierbei also auch um Erklärungsversuche nach folgendem Schema: Die Amerikaner betreiben diese Politik und keine andere, weil ihnen bestimmte Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften zu eigen sind.

Die leitende Frage, nämlich die nach westdeutschen und britischen Antworten auf die Frage „Warum führen die USA Krieg in Vietnam?“, schließt weitere ein: Welchen Quellen wird am meisten Vertrauen geschenkt? Wie verändern sich die Erklärungsmuster im Kriegsverlauf? Wie unterscheiden sich die Zeitungen in den vorgebrachten Ansätzen voneinander? Wie werden aktuelle Entscheidungen und konkretes militärisches Vorgehen in Vietnam beschrieben? Wie verhalten sich die Aussagen der Journalisten über die Intentionen der USA zu den Erkenntnissen der neueren historischen Forschung?

Es wird davon ausgegangen, dass die Massenmedien im Untersuchungszeitraum und gerade auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die meisten Menschen keine Möglichkeit hatten, sich ein eigenes Bild von den weit entfernt liegenden Kriegs- bzw. Entscheidungsschauplätzen Vietnam und Washington zu machen, ein wichtiger Faktor in der Bildung der öffentlichen Meinung waren. Sie waren aber bei weitem nicht der einzige meinungsprägende Faktor – eigene Erfahrungen und soziale Kontakte seien nur als zwei weitere Variablen genannt –, und zudem können dieselben Inhalte je nach Rezipient vollkommen verschieden wahrgenommen und verarbeitet werden, so dass sich lineare Wirkungshypothesen verbieten.

Was für die Wirkung von Medieninhalten gilt, ist auch bei Aussagen über ihr Zustandekommen zu berücksichtigen. Von journalistischen Selbstverständnissen über Informationsquellen bis hin zu bestimmten Ereignismerkmalen reicht die Spannbreite der zahlreichen Faktoren, die die Berichterstattung bestimmen und über nicht wenige von ihnen ist die Forschung uneins. Wenn Kapitel 13 also der Frage nachgeht, warum Journalisten die amerikanische Vietnampolitik so erklärten, wie sie sie erklärten, so sind die Erwägungen Hinweise über eine Reihe von Einflussfaktoren, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Die sechziger Jahre waren eine Zeit beispielloser Pressekonzentration und wachsender Konkurrenz durch den Rundfunk, der Vietnamkrieg der erste „television war“. (Mandelbaum, Michael 1982) Dennoch ist von einer großen Bedeutung der Zeitungen auszugehen. Denn Printmedien bestimmen als analysestarke Medien den öffentlichen Diskurs, weil sie werden bevorzugt von Entscheidungsträgern gelesen werden, und nach dem Thomas-Theorem ist ihr Einfluss schon deshalb hoch, weil ein solcher ihnen zugesprochen wird. Als „Leitmedien“ (oder „Meinungsführermedien“) richten sich die großen Zeitungen auch an andere Medien, indem sie Themen frühzeitig und nach Möglichkeit exklusiv aufgreifen. (Wilke, Jürgen 1999) Wegen ihres Einflusses sollen in dieser Arbeit daher Leitmedien untersucht werden: die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Wochenzeitung Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung. Von den englischen Zeitungen wurden die Tageszeitungen The Times und The Guardian sowie die Sonntagszeitung The Observer ausgewählt. Insgesamt liegen der Untersuchung 849 Artikel, Bilder und Zeichnungen zugrunde. Die Analysemethode vereint sowohl qualitative als auch quantitative Verfahren.

Inhaltsverzeichnis:

I. EINLEITUNG 1
1. Einführung 2
1.1 Fragestellung 2
1.2 Abgrenzung des Themas 4
1.3 Forschungsstand 4
2. Grundlagen der Arbeit 6
2.1 Gang der Untersuchung 6
2.2 Methodische Überlegungen 8
2.3 Informationen zu den Quellen und Begründung der Auswahl 11
2.4 Definition der Grundbegriffe 15
3. Konflikte um Vietnam bis 1964 21
II. UNTERSUCHUNG DES QUELLENMATERIALS 25
4. Die Krise im Golf von Tonking 26
5. Die Entsendung amerikanischer Bodentruppen und die Operation „Rolling Thunder“ 40
6. Johnsons Friedensoffensive und ihr Ende, 1966 52
7. Operation „Cedar Falls“ 67
8. Die Tet-Offensive 78
9. Der Bombenstopp und Johnsons Verzicht 102
10. Die Entscheidung zum Abzug 123
11. Exkurs: Bilaterale Beziehungen mit den USA und der Krieg in Vietnam 131
III. AUSWERTUNG UND EINORDNUNG 149
12. Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse 150
12.1 Entwicklungslinien in den untersuchten Zeitungen 150
12.2 Vergleich der Entwicklungen und weitere Ergebnisse 160
13. Mögliche Ursachen dieser Ergebnisse 164
13.1 Vergleich mit den bilateralen Beziehungen der USA mit der Bundesrepublik und Großbritannien 164
13.2 Quellen und Perspektiven der Berichterstattung 166
13.3 Amerikabilder 168
13.4 Journalistische Kultur in beiden Ländern 171
13.5 Biografische Stationen der Autoren 173
IV. SCHLUSSBETRACHTUNG 178
Abkürzungsverzeichnis 182
Anhang Quantitative Erhebungen 183
Literaturverzeichnis 195

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der Verweis auf Amerikas „vast superiority in arms“277 fiele zusammen mit wachsender Kampfeslust gegenüber Vietnam in der Bevölkerung, „approaching jingoism“; und es gäbe nur wenige, Intellektuelle und Geistliche, die diese annährend chauvinistische Einstellung nicht teilten.278 Diese Kombination – Macht und aus Ungeduld erwachsende Aggressivität – ließ das Land sogar bedrohlich erscheinen. Auch der Spruch, den der Observer als das inoffizielle Motto amerikanischer Offiziere in Vietnam erkannt haben wollte, unterstützt diesen Gedanken: „Though I dwell in the valley of the shadow of death, I shall fear no evil – because I am the meanest son of a bitch in the valley.“279 [...]

keit als zumindest halbautomatischer Vorgang erschien. Ähnlich wie die Times brachte der Observer charakterliche Eigenschaften Johnsons ins Spiel, die auch jetzt eine Rolle gespielt hätten: Es sei seine Technik der Entscheidungsfindung, alle Argumente anzuhören und dann einen Mittelkurs zu wählen.271 Dabei wurde Lyndon Johnson, porträtiert als gewiefter Kämpfer und Schlitzohr, großer Anteil an der Entscheidung zugesprochen.272 Anthony Howard erblickte sowohl die öffentliche Meinung Amerikas als auch Hanoi als Ziel der Signale, die LBJ mit den Angriffen aussandte. “The true political conjurer that he is“, so Howard, und deshalb sei es auch durchaus möglich, dass der Präsident schon bald wieder seinen Kurs ändere, um es wieder mit dem „olive-branch“ zu versuchen, das heißt, wieder das militärische Engagement teilweise anzuhalten oder es herunterzufahren und für Verhandlungen und Frieden zu werben.273 Frieden war in dieser Darstellung, das ist unübersehbar, kein Selbstzweck, und genauso wenig erschien Johnson als Idealist: Die Meinungsumfragen sind eine seiner wichtigen Antriebsfedern und folglich, in einem demokratisch verfassten Staat, auch der Machterhalt. Erneut unterschied sich der Observer sehr deutlich von den beiden tagesaktuellen Londoner Blättern. Er diskutierte ein von Johnson definiertes Ziel seiner Vietnampolitik, das in allen andern vorliegenden Zeitungen während der bisherigen Untersuchungszeiträume keine Rolle gespielt hatte: die Absicht, auch in Vietnam eine Art „Great Society“ aufzubauen oder dem Land zumindest einen Teil von deren Vorteilen zukommen zu lassen, die Johnson unter anderem im Frühjahr 1965 in seiner Rede an der Johns Hopkins Universität angekündigt hatte.274 Für den Observer war das eine Illusion. Und als ebenso unrealistisch sah die Zeitung die Johnson unterstellte Absicht an, „to create another South Korea, a non-Communist State, able more or less to stand on its [...]

The Observer Anders urteilte der Observer. Die Zeitung glaubte, die USA wollten Hanoi mit einer erdrückenden Demonstration ihrer militärischen Macht an den Verhandlungstisch zwingen. Eine solches Konsequenz aus der Bombenpause zu ziehen, sei jedoch falsch. Für den Observer war das eine Frage grundsätzlicher Auffassungen: Die USA glaubten immer noch, Südvietnam sei einer Aggression Nordvietnams ausgesetzt. Was sich in Vietnam ereigne, sei jedoch „essentially a civil war“ und nicht vergleichbar mit Korea.270 Die Entscheidung Johnsons sei vor allem vom Militär und von Vertretern der südlichen Bundesstaaten beeinflusst worden, mutmaßte der Washingtoner Korrespondent des Observer, Anthony Howard, ganz im Gegensatz zu seinen Kollegen von der Times, in der das Ende der Pause wegen Hanois Unbeugsam- [...]

Arbeit zitieren:
Fraune, Burkhard November 2003: Die Intervention der USA in Vietnam, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medien, Krieg, Journalismus, Golfkrise, Berichterstattung

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