Das Internet als Distributionsinstrument der Tronträgerindustrie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Frank Diedrichs
- Abgabedatum: April 2002
- Umfang: 51 Seiten
- Dateigröße: 529,0 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5980-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Diedrichs, Frank April 2002: Das Internet als Distributionsinstrument der Tronträgerindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Musiktauschbörsen, Marketing von Musik, E-Commerce, Musikmarkt, Kommunikationsmix
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Diplomarbeit von Frank Diedrichs
Einleitung:
Das Internet erfährt seit Mitte der neunziger Jahre eine fast explosionsartige Verbreitung. Es stellt nicht nur ein neues Massenmedium dar, das die Kommunikation zwischen Menschen ermöglicht, sondern zugleich auch einen virtuellen Marktplatz, auf dem sich Anbieter und Nachfrager treffen, untereinander Beziehungen aufbauen und pflegen sowie Transaktionen abwickeln.
In der vorliegenden Arbeit wird das Internet als Distributionsinstrument der Tonträgerindustrie untersucht. Die Verbreitung von Musik über das weltweite Computernetzwerk Internet und vorhandene digitale Speicherkapazitäten eröffnen zahlreiche neue Verwendungsmöglichkeiten für Distribution, Produktion, Präsentation und den Konsum von Musik. Die Erfassung und Darstellung dieser neuen Erscheinungen im Internet und ihre kritische Betrachtung hinsichtlich der sich ergebenden Konsequenzen für die bestehenden Strukturen der Musikwirtschaft stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit, die sich als Bestandsaufnahme einer relativ neuen, erst wenige Jahre andauernden Entwicklung versteht.
Die Tonträgerindustrie zählt zu jenen Branchen, die von dieser Art „digitalen Revolution“ und vom Entstehen eines virtuellen Marktes im Internet im besonderen Maße betroffen ist und sein wird, da sich nur wenige Produkte so gut für eine Vermarktung im Internet eignen wie Musik. Deshalb stellt das Internet eine neue Entwicklungsstufe in der Geschichte der Musikindustrie dar.
Der Ansatz dieser Arbeit soll aus Sicht einer Plattenfirma erfolgen und den Unterschied zwischen den Distributionswegen im bisher bestehenden traditionellen Musikmarkt und dem für die Tonträgerindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnenden virtuellen Musikmarkt aufzeigen. Die Untersuchung orientiert sich an der organisatorischen Ausrichtung der Plattenfirmen am nationalen Markt.
Eine qualitative Bewertungsgrundlage soll die Transaktionskostentheorie liefern, die im nächsten Punkt näher erläutert wird.
Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den bisher bestehenden Formen der Distribution im traditionellen Musikmarkt, führt dann über das Internet zum virtuellen Musikmarkt und deren Distributionswege und zeigt zum Schluss Problemkomplexe für das Marketing von Musik im Internet auf.
Durch das Internet und die damit verbundene Möglichkeit vieler Marktteilnehmer, den Konsumenten direkt zu erreichen, werden sich die Distributionswege und Wertschöpfungsketten in vielen Bereichen verändern.
Zu besonders drastischen Veränderungen kann es dabei in Branchen kommen, in denen das Endprodukt digitalisiert werden kann und somit direkt einen Zugang zum Internet findet. Dieses kann z.B. bei Musik, Zeitungen, Büchern oder Filmen geschehen. Die Distribution von Musik nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein, denn bereits heute treten erhebliche Veränderungen in den Konzepten der Musikindustrie auf.
Das wirtschaftliche Standbein der Musikindustrie stellt gegenwärtig der Absatz von vorbespielten Musiktonträgern dar, die über den Handel an den Endverbraucher gelangen.
Da aber bereits der deutsche Markt für Tonträger, der im weiteren als traditioneller Musikmarkt bezeichnet wird, seit mehreren Jahren nur noch ein geringfügiges Wachstum verzeichnet , werden sich die Plattenfirmen zukünftig verstärkt auf Distributionswege mit geringeren Transaktionskosten konzentrieren. Eine qualitative Bewertungsgrundlage liefert dabei die Transaktionskostentheorie:
Eine Transaktion beschreibt den Transfer eines Gutes oder einer Dienstleistung über eine technologisch separierbare Schnittstelle. Ungleiche Informationsverteilung verursacht einen hohen Koordinationsaufwand für die Durchführung von Transaktionen. Hiervon sind Kosten für die Vertragsanbahnung, Vereinbarung, Abwicklung, Kontrolle und Anpassung von Transaktionen betroffen. Es entstehen Kosten der Information und Kommunikation, die zusammenfassend als Transaktionskosten bezeichnet werden.
Transaktionen werden vertraglich geregelt und es gibt verschiedene Arten von Transaktionskosten, die sich wie folgt systematisieren lassen : a) Kosten der Vertragsanbahnung, b) Kosten des Vertragsschlusses, c) Kosten der Durchsetzung vertraglich geregelter Verfügungsrechte und d) Kosten der Anpassung an veränderte Bedingungen.
Die Hauptaufgabe für die Plattenfirma besteht in der Festlegung von Koordinationsmustern für Teilaufgaben, die unter Berücksichtigung verschiedener Bedingungen zu einer Minimierung der Transaktionskosten führen. Der Ansatz der Transaktionskostentheorie richtet sich dabei aber nicht auf eine exakte Bezifferung der Kosten, sondern stellt ein qualitatives Konzept dar. Dieses soll helfen, den effizientesten Koordinationsmechanismus zu finden. Mit diesem Optimierungsprozess verbunden sind Organisationskosten, die den Transaktionskosteneinsparungen gegenüberstehen.
Durch die immer mehr zunehmende Verbreitung von Musik über das Internet gibt es unterschiedliche Prognosen über die Zukunft der Musikindustrie.
Zum einen wird eine Ausschaltung der Musikindustrie und des Musiktonträgerhandels erwartet, da die Produktion und Distribution physischer Datenträger beim digitalen Vertrieb über das Internet nicht mehr benötigt werden.
Zum anderen wird ein drastischer Anstieg der Musikpiraterie erwartet, da das Internet die Verbreitung illegaler Musikkopien erheblich erleichtert und dieses kaum bekämpft werden kann.
Des Weiteren sehen andere die digitale Distribution als einen enormen Gewinn an. Durch den Wegfall der Produktion und des Transports physischer Datenträger würden Kosten eingespart, die Künstler wären weniger abhängig von der Musikindustrie und der Endverbraucher würde von den daraus resultierenden Preissenkungen profitieren.
Einigkeit herrscht dagegen in der Annahme, dass es in den nächsten Jahren erhebliche Veränderungen in der Distribution von Musik geben werde. Die Wertschöpfungs- und Distributionskette des digitalen Vertriebs über das Internet wird sich von der der physischen Datenträger deutlich unterscheiden.
Das Ziel dieser Arbeit ist es auch, die Veränderungen in der Distributionskette darzustellen. Es soll die Distribution von Musik, deren Wege und deren mögliche Problemkomplexe in diesem Zusammenhang erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Gliederung | I | |
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Problemstellung | 2 |
| 3. | Marketing | 5 |
| 3.1 | Begriff des Marketings | 5 |
| 3.2 | Marketingstrategien | 6 |
| 4. | Produkt Pop-Musik | 6 |
| 4.1 | Begriffsexplikation: Pop-Musik | 6 |
| 4.2 | Funktionen der Pop-Musik | 7 |
| 4.2.1 | Unterhaltungsfunktion | 7 |
| 4.2.2 | Symbolfunktion | 8 |
| 4.3 | Musiktonträger und Tonträgerformate | 8 |
| 5. | Die Tonträgerindustrie und deren Distributionsinstrumente im traditionellen Musikmarkt | 10 |
| 5.1 | Begriff des Musikmarktes | 10 |
| 5.2 | Begriff und Funktionen der musikproduzierenden Unternehmungen | 11 |
| 5.2.1 | Major Record Companies | 13 |
| 5.2.2 | Independent Record Companies | 13 |
| 5.3 | Distribution über den Musiktonträgerhandel | 14 |
| 5.4 | Nachfrager nach Musiktonträgern | 16 |
| 5.4.1 | Käuferschaft von Musiktonträgern | 16 |
| 5.4.2 | Kaufverhalten der Musiktonträgerkäuferschaft | 18 |
| 5.5 | Marketingstrategien im traditionellen Musikmarkt | 19 |
| 5.5.1 | Kommunikationsmodelle | 19 |
| 5.5.2 | Marktkommunikation der Pop-Musik | 20 |
| 5.5.3 | System der Charts | 22 |
| 6. | Die Tonträgerindustrie und deren Distributionsinstrumente im virtuellen Musikmarkt | 23 |
| 6.1 | Begriffsexplikation und Grundlagen zum Internet | 23 |
| 6.1.1 | Entwicklung des Internet | 24 |
| 6.1.2 | Das Internet als Medium und Marktplatz | 26 |
| 6.2 | Das System des E-Commerce | 27 |
| 7. | Marketing von Musik im Internet | 28 |
| 7.1 | Online-Marketingmix im Internet | 29 |
| 7.2 | Kommunikationsmix | 31 |
| 7.3 | Distribution von Musik über das Internet | 32 |
| 7.3.1 | Online-Musikversandhandel | 32 |
| 7.3.2 | Digitale Distribution von Musik | 33 |
| 7.3.3 | Kostenfreie Musiktauschbörsen | 36 |
| 7.4 | Gewinnsteigerungspotential im virtuellen Musikmarkt | 37 |
| 8. | Problemkomplexe für die Distribution von Musik im Internet | 39 |
| 9. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 40 |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | V |
Kommunikationskanal dar. Jeder Teilnehmer des Internet ist über eine weltweit gültige Domainadresse, die unverwechselbar ist, erreichbar. Das World Wide Web (WWW) ist der zur Zeit am meisten beachtete Dienst des Internet. Ihm kommt für das Marketing im Internet eine besondere Bedeutung zu. Das WWW ist ein weltumspannendes Geflecht, das sich an der modernen graphischen Benutzeroberfläche mit Fenstertechnik orientiert. Es ist aus Benutzersicht ein Hyper-Media-System, mit dem man auf multimediale Daten (Texte, Bilder, Töne, Filme usw.) zugreifen kann. Grundlage ist ein Browser, mit dem man weltweit die kaum überschaubaren Angebotspaletten durchsuchen kann. Diesen Vorgang nennt man auch Net-Surfing. 62 Gesteuert wird der Datenverkehr im Internet über ein spezielles Internet-Protocol. 63 Ein Protokoll wird als ein Satz von Vereinbarungen definiert, der festlegt, wie Daten von einem Programm zum anderen übertragen werden. Das StandardProtokoll für Internetanwendungen ist TCP/IP. Technologische Grundlage des Internet stellt das Hypertext Transfer Protocol (http) dar, mit dem sich hinter einzelne Worte und Graphiken sog. Hyperlinks legen lassen, die zu anderen Dokumenten führen können. 64 Das Internet wurde im Jahre 1969 im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums gegründet. Das sog. „APRA-Net“ (Advanced Research Projects Agency) als Verbund von amerikanischen Rechenzentren und Forschungsabteilungen sollte im Kriegsfall Kommunikationsverbindungen aufrecht erhalten. Immer mehr wurden auch zivile Institute und Universitäten an das Datennetz angeschlossen, so dass in den 80er-Jahren ein zweites Netz, das „Milnet“ (Military Network) eingerichtet wurde. Aus beiden Netzen entstand schließlich das Internet. Durch den Anschluss weiterer Computernetze über die Grenzen der USA hinaus wurde das Internet weltweit zugänglich und breitet sich seitdem immer weiter aus. 65 [...]
6. Die Tonträgerindustrie und deren Distributionsinstrumente im virtuellen Musikmarkt Nachdem im vorangegangenen Abschnitt ein Überblick über den traditionellen Musikmarkt und dessen Distribution gegeben wurde, soll nun der virtuelle Musikmarkt und dessen Distributionsinstrumente dargestellt werden. Dabei ist davon auszugehen, dass es sich beim traditionellen und beim virtuellen Musikmarkt um zwei voneinander unabhängige Märkte handelt. Als wesentliche Zielsetzungen der musikproduzierenden Unternehmungen wurden Umsatz-, Marktanteils- und Rentabilitätsziele festgestellt. Der virtuelle Musikmarkt hat sich daran zu orientieren, inwieweit diese Ziele auch in diesem Markt einen Beitrag zur Zielerreichung leisten können. Nach grundlegenden Informationen über das Internet und das System des E– Commerce wird erörtert, ob und inwieweit das Internet ein attraktives Marktfeld für die Distribution von Musik darstellt. 6.1. Begriffsexplikation und Grundlagen zum Internet Definitionen zum Begriff des Internet sind sehr komplex, weshalb hier nur auf die wichtigsten Funktionen hingewiesen werden soll. Zur Zeit muss man zwischen zwei verschiedenen Formen von Online-Medien unterscheiden, nämlich zum einem dem Internet als frei zugänglichem OnlineDienst und zum anderen den kommerziellen Online-Diensten wie z.B. AOL oder TOnline. Das Internet ist ein mittlerweile weltumspannendes Netzwerk, das zahlreiche lokale Computernetzwerke mit- und untereinander verbindet, weshalb es auch als das Netz der Netze bezeichnet wird. Das Internet stellt einen innovativen Informations- und [...]
Im Musikmarketing unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen der Marktkommunikation, nämlich die bezahlte Werbung und die unentgeltliche ProduktPromotion. Im Bereich der Werbung dominiert die Schaltung von Anzeigen bzw. Werbespots. Der Bereich der Promotion beschäftigt sich mit redaktionellen Beiträgen über Musikprodukte und Künstler in den Massenmedien und hat eine absatzfördernde Wirkung. Ziel der Promotion-Aktionen ist die Präsenz der Musik und des Künstlers in den Medien, womit Kaufimpulse ausgelöst werden sollen. 58 Die Promotion der Tonträgerfirmen ist jedoch nur bis zu einem bestimmten Grade sinnvoll und effektiv. Der gewünschte Promotioneffekt schlägt dann in einen Konkurrenzeffekt um, wenn eine Überpräsenz eines Musiktitels in den Medien eine Sättigung beim Konsumenten auslöst. 59 5.5.3. System der Charts Als Charts werden Rangfolge-Listen der Musikprodukte bezeichnet, die am besten verkauft, am meisten gehört oder am häufigsten aufgeführt werden. Die aus Sicht der Musikindustrie wichtigste Hitparade stellt die von Media Control wöchentlich erstellte Single- und Longplay-Hitparade („Top 100“) dar. Eine Platzierung spiegelt die Stückzahl der verkauften Musiktonträger eines Produktes wieder. Neben den „Top 100“ gibt es noch die Leser- und Redaktionscharts, die Meinungen von Fans und Experten wiedergeben. Angesichts der Masse an Produktveröffentlichungen und des schnelllebigen und unübersichtlichen Marktes spielen die Charts für die Distribution von Pop-Musik eine wichtige Rolle, da sie Orientierungsmittel für Handel und Medien darstellen. Daraus entwickelt sich folgende Eigendynamik : Eine Chart-Platzierung bewirkt vermehrte Bestellungen seitens des Handels und zunehmenden Einsatz in Medienprogrammen. Da sie von den Verkäufen und den Sendeeinsätzen bestimmt wird, verbessert sich die Chart-Platzierung erneut. Entsprechend wird die Nachfrage des Handels weiter gesteigert, zusätzliche Marketingmaßnahmen seitens des Handels angeregt und das Medieninteresse ausgeweitet. 60 Dabei kommt dem Format der Single eine besondere Bedeutung zu. Singles sind aus einem Album „ausgekoppelt“, d.h. der betreffende Titel ist auf einem parallel auf dem Markt erhältlichen Album desselben Interpreten enthalten. Die Plattenfirma versucht gezielt, diese Single-Auskopplung in den Medien zum Einsatz zu bringen [...]
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