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Das Internet als Börsenplattform für junge Unternehmen

Auktionsmodell zur Preisfindung im Wertpapierhandel auf engen Märkten

Das Internet als Börsenplattform für junge Unternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Veit Trunk
  • Abgabedatum: Juni 2000
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 713,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4752-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4752-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4752-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Trunk, Veit Juni 2000: Das Internet als Börsenplattform für junge Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Start-Up, Internet, Venture Kapital, VC, Aktienhandel

Diplomarbeit von Veit Trunk

Einleitung:

Die Entwicklung des Internets und die sich daraus entwickelnden elektronischen Handelsmöglichkeiten haben in den Vereinigten Staaten zu einer Vielzahl von Gründungen Junger Unternehmen in dem sich rasant entwickelnden Hochtechnologie-Markt geführt. Zwischen 1991 und 1995 wurden dort rund sechs Millionen Arbeitsplätze durch diese Unternehmen geschaffen. Durch geringe Markteintrittsbarrieren und vergleichsweise geringem Kapitalaufwand machten es die neuen Techniken möglich, dass eine ganze Generation im Unternehmerfieber heranwuchs. Mit dem Erfolg des Neuen Marktes an der Frankfurter Wertpapierbörse und dem Vorbild des nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwungs in Amerika, beginnt nun auch in Europa eine Welle von Unternehmensgründungen.

In Deutschland ist der Markt für Beteiligungskapital zwischen 1993 und 1998 um nahezu 100 % auf rund 5,4 Mrd. Euro angewachsen. Gründer, die mit einer guten Geschäftsidee vor Augen ein Start-Up Unternehmen aufbauen wollen, verfügen meist nicht über genug Eigenkapital um den Unternehmensaufbau und das anschließende Wachstum aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Als Alternative zur Fremdkapitalaufnahme hat sich die Eigenkapitalbeschaffung über Einzelinvestoren und Venture Capital Gesellschaften als Finanzierungsmöglichkeit innovativer Geschäftsideen herausgebildet.

Diese Form der Kapitalaufnahme hat für die Unternehmenseigner aber oft auch ungewollte Nebeneffekte. Venture Capital Geber gehen mit ihren Engagements hohe Risiken ein. Sie fordern daher in vielen Fällen umfangreiche Mitsprache und Kontrollrechte. Darüber hinaus bestehen zwischen den Beteiligungsgesellschaften und den Unternehmenseignern bei der Bewertung des kapitalsuchenden Unternehmens oftmals sehr unterschiedliche Ansichten.

Wie die Praxis zeigt, können im Vergleich zu einem Einzelinvestor an einer Börse bessere Preise für die Unternehmensanteile erzielt werden. Junge Unternehmen besitzen aber oft keinen ausreichenden Kapitalbedarf, der eine Platzierung in den traditionellen Börsensegmenten rechtfertigen würde. Als Ausweg hierzu steht solchen kapitalsuchenden Firmen die Möglichkeit der öffentlichen Platzierung von Aktien in vor- oder außerbörslichen Segmenten offen. Die Firmen platzieren hier Aktien, die von privaten Investoren gezeichnet werden. Der Vorteil dieser Art der Kapitalbeschaffung ist, dass das Kapital auf eine Vielzahl von Anteilseignern verteilt und so die Abhängigkeit von einem oder mehreren Großkapitalgebern vermieden wird. Durch den Trend hin zur Namensaktien, bei der die Aktiengesellschaften Ihre Aktionäre mit Namen, Adresse, Beruf und Anzahl der gehaltenen Aktien in ein elektronisches Aktienbuch eintragen, haben die Gesellschaften die Möglichkeit zur einfachen und effektiven Verwaltung Ihrer Aktionäre.

Problematisch ist die geringe Fungibilität der vorbörslichen Anteile. Während bei der klassischen Venture Capital Finanzierung die kapitalgebende Gesellschaft zumeist bis zu einem Börsengang des finanzierten Unternehmens investiert bleibt, ist dies bei privaten Anteilseignern nicht immer so. Meist existiert hier kein Sekundärmarkt, auf dem die erworbenen Anteile wieder veräußert werden können. Abhilfe können hier Emissionshäuser bieten, die selbst einen Markt schaffen, auf der die Wertpapiere nach der Emission gehandelt werden. Die Wertpapiere werden hier im außerbörslichen Telefonhandel veräußert oder erworben. Unternehmen, die mit außerbörslichen Aktien handeln verdienen hier am sogenannten Spread, dem Unterschied zwischen dem An- und Verkaufskurs. Neben der fehlenden Markttransparenz durch eine Vielzahl in diesem sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“ tätigen Gesellschaften ist auch das Fehlen von Überwachungsmöglichkeiten im außerbörslichen Handel bedenklich. Der Zugang zum Markt ist durch den Telefonhandel umständlich und die Marktteilnehmer müssen neben den Telefongebühren oft hohe Transaktionskosten hinnehmen.

Als innovative Plattform für einen Sekundärmarkt bietet sich das Internet an, da es als weltumspannendes Informations- und Handelsmedium auch für Privatpersonen einen leichten Zugriff bietet. Durch den einfachen direkten Marktzugang unter Umgehung der traditionellen Intermediäre wie den Handelsabteilungen der Finanzdienstleister oder den Börsenhändlern (Disintermediation) und niedrige technische Zugangsbarrieren können hier die Transaktionskosten gesenkt werden. Durch die einfache Informationsübermittlung können sowohl Intransparenz vermieden als auch Missbrauch und Manipulationsversuche erschwert werden. Die ersten Aktienemissionen über das Internet wurden bereits 1996 platziert.

Ziel dieser Arbeit ist es nun ein Handelsmodell zu entwickeln, das für den Handel von Anteilen an Jungen Unternehmen im Internet anwendbar ist. Dabei sind die besonderen Merkmale des Internets, wie die ständige Verfügbarkeit und die vollständige Digitalität der über das Internet gelieferten Dienste, genauso zu betrachten, wie die Eigenschaften eines solchen Marktes, die Marktbreite und das Verhalten der Marktteilnehmer.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis 6
Verzeichnis der Beispiele 7
Abkürzungsverzeichnis 8
Verzeichnis wichtiger Symbole 8
1. Einleitung 9
1.1 Risikokapital über das Internet 9
1.2 Aufbau der Arbeit 12
2. Elektronische Märkte als Plattformen für den Wertpapierhandel 13
2.1 Marktphasen auf elektronischenMärkten 13
2.2 Eigenschaften elektronischer Märkte 15
2.3 Das Internet als elektronischer Marktplatz 16
3. Die Börse als Markt für den Wertpapierhandel 18
3.1 Merkmale einer Wertpapierbörse 18
3.2 Die Phasen des Handelsprozesses im Wertpapierhandel 20
3.2.1 Informationsphase 20
3.2.2 Orderroutingphase 21
3.2.3 Abschlussphase 22
3.2.4 Abwicklungsphase 23
3.3 DieMarktphasen im Wertpapierhandel als digitale Wertschöpfungskette 25
3.4 Der börsliche Wertpapierhandel als Intermediationsleistung 27
3.5 Optimierungsmöglichkeiten beim elektronisierten Handel mit Wertpapieren 29
3.6 Das Marktmodell als Gestaltungsparameter des Wertpapierhandels 32
4. Die Auktion als möglicher Preisbildungsmechanismus im Internet 33
4.1 Die einseitige Auktion 35
4.2 Die zweiseitige Auktion 36
4.3 Wesensmerkmale der zweiseitigen Auktion 36
4.3.1 Preisfeststellungshäufigkeit 37
4.3.2 Preisfeststellungsverfahren 37
5. Theoretische Überlegungen zur Preisbildung auf Auktionsmärkten 39
5.1 Ein-Käufer-ein-Verkäufer Modell 45
5.1.1 Ein-Käufer-ein-Verkäufer-Modell bei vollständiger Informationsversorgung 46
5.1.2 Ein-Käufer-Ein-Verkäufer-Modell bei unvollständiger Informationsversorgung 48
5.2 n-Käufer n-Verkäufer-Modell 52
5.2.1 Zwei-Käufer-zwei-Verkäufer-Modell bei vollständiger Informationsversorgung 53
5.2.2 Zwei-Käufer-zwei-Verkäufer-Modell bei unvollständiger Informationsversorgung 56
6. Mögliche Effizienzkriterien bei der Preisfindung 59
6.1 Preiseffizienz 60
6.2 Transaktionseffizienz 61
6.3 Effizienzmindernde Anreizwirkungen auf engen Märkten 63
7. Die Marktphasen bei der zweiseitigen Auktion 66
7.1 Aufrufphase 67
7.2 Matchingphase 67
7.3 Marktausgleichsphase 67
7.4 Nachhandelsphase 68
8. Die optimale Informationsversorgung der Marktteilnehmer 70
8.1 Die Informationsversorgung als Gestaltungsparameter bei der Entwicklung eines Handelssystems für das Internet 71
8.2 Die Auswirkung der Informationsversorgung auf das Verhalten der Marktteilnehmer auf einer internetbasierten Börsenplattform 72
8.2.1 Die Marktteilnehmer erhalten keine Informationen 74
8.2.2 Die vollständige Informationsversorgung der Marktteilnehmer 77
8.2.3 Die Anreizwirkung umfassender Informationsversorgung auf das Verhalten der Marktteilnehmer 81
8.3 Der optimale Grad an Informationsversorgung 83
9. Das Zwei-Runden-Auktionssystem als Modell hybrider Informationsversorgung 85
9.1 Die Multi-Round Auktion 86
9.2 Die Auktion mit überlagerten Handelsphasen 86
9.3 Das One-Shot-Two-Round Double Auction Modell (TRDA) als mögliches Marktmodell für den Handel mit geringer Liquidität 87
9.4 Die Ausgestaltung der Marktphasen bei der One-Shot-Two-Round Double Auction 89
9.4.1 Order Entry 89
9.4.2 Order Management 90
9.4.3 Order Matching 91
9.4.4 Transaktionsmanagement 91
10. Zusammenfassung und Ausblick 94
10.1 Zusammenfassung 94
10.2 Die Zukunft der Internethandelsplattformen 96
Literaturverzeichnis 98
Verzeichnis der Onlinequellen 102

Automatisiert erstellter Textauszug:

Abb. 19: Darstellung der Handelsbereitschaft durch die Differenz |P(OX)i (P(RX)i| b). Die dem einzelnen Marktteilnehmer subjektiv zur Verfügung stehende Menge von Informationen. Die Marktteilnehmer sind schneller bereit Kauf- bzw. Verkaufsangebote abzugeben, wenn sie zumindest subjektiv über einen höheren als den oben angenommenen Informationsstand verfügen (Overconfidence)163. Da keiner der Marktteilnehmer die aktuellen Präferenzen seiner Mitbewerber kennt, drückt sich die ihm zur Verfügung stehende Menge von Informationen in seiner Bereitschaft am Handel teilzunehmen aus. Je größer sein subjektiver Informationsstand ist, desto größer ist seine Bereitschaft bei geeigneter Marktlage Kauf oder Verkaufaufträge zu platzieren. Natürlich kann es auch in einigen Fällen zu einer genau entgegengesetzten Verhaltensweise führen. So z.B. wenn ein Marktteilnehmer nicht investiert ist und Informationen vorliegen hat, die auf einen sinkenden Wert der Wertpapiere schließen lassen. In diesem Fall wird er sicherlich nicht bereit sein, am Handel teilzunehmen und lieber den weiteren Handelsverlauf abwarten. Bei den angestellten Überlegungen wird allerdings der Inhalt der Informationen nicht diskutiert, so dass solche Fälle vernachlässigt werden können. Allgemein wird ein Marktteilnehmer mit steigender Informationsversorgung auch handelsbereiter sein. [...]

Auch hier ist, wie bei dem weiter oben betrachteten Ein-Käufer-ein-VerkäuferModell, anzunehmen, dass die Marktteilnehmer in einem ersten Schritt den für sie günstigsten Preis wählen, den die alternierenden Parteien gerade noch mittragen. So werden sich die Käufer wohl zuerst ein Limit von 45 GE setzen, während die Verkäufer für ihre Wertpapiere mindestens 50 GE erzielen wollen. Da aber unter diesen Umständen kein gemeinsamer Preis gefunden werden kann, ist anzunehmen, dass sich die Marktteilnehmer in mehreren ”Schritten”, d.h. Auktionen, einander annähern. Die Situation hat aber hier, gegenüber dem zuerst besprochenen ”Zweiparteienmodell”, einen weitaus komplizierteren Charakter. Während im zuerst betrachteten Beispiel der Durchschnittspreis von den Parteien als akzeptable Kompromisslösung angesehen werden kann, besteht bei mehreren Käufern und Verkäufern das Problem, dass diese unterschiedlich hohe Zugeständnisse machen müssen, um zu einem gemeinsamen Preis zu kommen. Die Mitte des gefundenen ”Einigungskorridors” ( P* = ½ * (max(P(RA)) min(P(RB))) kann hier nicht als Ausführungspreis herangezogen werden. Damit würden nur die Marktteilnehmer belohnt, die ihrem Gegenpart möglichst wenig entgegenkommen. Setzt man z.B. im obigen Beispiel den Preis auf 47,5 GE fest so verzichten die Käufer B1 und B2 jeweils auf 2,5 Geldeinheiten, die sie, eine entsprechende Handelsbereitschaft auf der Verkäuferseite vorausgesetzt, erzielen könnten. Auf der anderen Seite wäre aber B2 bereit gewesen 5 Geldeinheiten mehr als B1 für das Wertpapier zu zahlen. Zum Preis von 47,5 hat er einen zusätzlichen Nutzen von 7,5 GE. Marktteilnehmer B1 kann hingegen nur 2,5 GE Nutzen für sich verbuchen. [...]

Informationsversorgung der Einigungsintervall bekannt ist, kann es für sie nur sinnvoll sein, Orderaufträge mit Limitpreisen innerhalb dieses Intervalls aufzugeben. Es macht für den Käufer also keinen Sinn eine Limitorder mit einem Preislimit, das unter dem niedrigsten Reservationspreis der Verkäufer liegt, aufzugeben. Umgekehrt macht es für die Verkäufer keinen Sinn, einen höheren Preis als den höchsten Reservationspreis der Verkäufer zu verlangen. Bei bekanntem Einigungsintervall, werden sie daher nur Orderaufträge, die innerhalb dieses Preiskorridors liegen, einstellen. Dabei scheint es für die Käufer am günstigsten, wenn sie sich an der unteren Grenze des Korridors - in Beispiel drei bei 45 GE - orientieren, während für die Verkäufer genau der entgegengesetzte Fall gilt. [...]

Arbeit zitieren:
Trunk, Veit Juni 2000: Das Internet als Börsenplattform für junge Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Start-Up, Internet, Venture Kapital, VC, Aktienhandel

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