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Internationalisierung chinesischer Unternehmen

Internationalisierung chinesischer Unternehmen
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Melanie Ta

Problemstellung:

China ist heute nicht nur als eines der weltweit attraktivsten Investitionsstandorte für ausländische Direktinvestitionen (FDI) bedeutend, sondern chinesische Unternehmen sind zunehmend auch als internationale Investoren weltweit tätig. Die jüngsten internationalen Akquisitionen und Kaufgebote großer bekannter multi-nationaler Unternehmen, z.B. der PC-Sparte von IBM, durch chinesische Unternehmen sind ein Indikator für deren aggressive Internationalisierung. Die Motive der Internationalisierung unterscheiden sich nicht signifikant von denen der Unternehmen aus anderen Ländern, wie z.B. die Suche nach neuen Märkten und Ressourcen. Zu betonen ist jedoch, dass das langfristige Hauptziel vieler chinesischer Unternehmen darin besteht, eines Tages zu Global Playern zu werden, und nicht nur ausländischen Geschäftspartner mit ihren Produkten zu beliefern. Ihre durchgeführten Auslandsinvestitionen konzentrieren sich zunehmend auf etablierte inter-nationale Marken, Know-how und fortgeschrittene Technologien, die alle zur Vorbereitung ihres Hauptziels dienen.

Karl P. Sauvant, der Direktor der UNCTAD Investitionsdivision sagte: „Chinese enterprises are at the threshhold of becoming major foreign direct investors in Asia and beyond.“ Nach den drei FDI-Wellen aus dem Westen (USA, Europa), Japan und aus den vier asiatischen Schwellenländern (Südkorea, Taiwan, Hong Kong und Singapur) könnten die chinesischen FDI potenziell in naher Zukunft die vierte Welle darstellen.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Analyse der Internationalisierung chinesischer Unternehmen. Der Schwerpunkt wird auf die Internationalisierung in den letzten Jahren gesetzt. Dabei werde ich im zweiten Kapitel zunächst auf relevante wirtschaftliche Fakten über den chinesischen Markt und seine Entwicklung in den letzten 30 Jahren eingehen, bevor die Rolle der chinesischen Regierung in Bezug auf Direktinvestitionen aus China aufgezeigt wird. Anschließend werden die unterschiedlichen Unternehmensarten in China charakterisiert. Im dritten Kapitel wird der Begriff der Internationalisierung erklärt, bevor Motive und relevante Ansätze zur Internationalisierung behandelt werden. Das vierte Kapitel befasst sich mit der Frage, wie chinesische Unternehmen internationalisieren, wobei der Schwerpunkt auf die Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategien der chinesischen Unternehmen liegt. Welchen Schwierigkeiten bzw. Herausforderungen chinesische Unternehmen bei ihrer Internationalisierung gegenüberstehen wird im Kapitel 5 dargestellt. Die Erläuterungen der vorangegangen Kapitel werden durch Praxisbeispiele – anhand Haier, TCL, Lenovo und D’Long - im Kapitel 6 verdeutlicht. Dabei soll gezeigt werden, wie einige chinesische Unternehmen eine erfolgreiche Internationalisierung, während andere mit einem Misserfolg enden. Die Diplomarbeit schließt mit einem kurzen Fazit ab.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Problemstellung 1
2. Grundlegende Informationen über China 3
2.1 Relevante Fakten über den chinesischen Markt 3
2.2 Direktinvestitionen und die Rolle der Regierung 4
2.3 Arten und Merkmale von chinesischen Unternehmen 6
3. Theoretische Grundlagen der Internationalisierung 8
3.1 Der Begriff der Internationalisierung 8
3.2 Motive der Internationalisierung 9
3.3 Erklärungsansätze der Internationalisierung 11
3.3.1 Überblick über die Internationalisierungstheorien 11
3.3.2 Eklektische Paradigma von Dunning 12
3.3.3 Ressourcenorientierter Ansatz in Verbindung mit Direktinvestitionen 13
3.3.4 Uppsala-Ansatz der Internationalisierung 15
4. Internationalisierungsstrategien 16
4.1 Überblick 16
4.2 Joint Ventures 16
4.2.1 Definition 16
4.2.2 Vor- und Nachteile von Joint Ventures 17
4.3 Tochterunternehmen durch Neugründung 20
4.3.1 Definition 20
4.3.2 Vor- und Nachteile von Neugründungen 21
4.4 Tochterunternehmen durch Akquisitionen 22
4.4.1 Definition 22
4.4.2 Vor- und Nachteile von Akquisitionen 23
5. Mögliche Probleme und Herausforderungen bei der Internationalisierung 26
5.1 Mangel an qualifiziertem Personal, Marketing und technologisches Know-how 27
5.2 Verbesserung des Corporate Governance 33
5.3 Kulturunterschiede und interkulturelle Probleme 39
6. Internationalisierung am Beispiel von chinesischen Unternehmen 46
6.1 Haier Group 46
6.2 TCL Corporation 48
6.3 Lenovo Group 51
6.4 D'Long Group 53
7. Fazit 54
8. Literaturverzeichnis 56

Textprobe:

Kapitel 3.3, Erklärungsansätze der Internationalisierung:

Überblick über die Internationalisierungstheorien:

Es existiert eine Vielzahl an Ansätzen, die das Entstehen von internationalen Unternehmenstätigkeiten zu erklären versuchen. Aufgrund der Komplexität des Themas schafft jedoch keine von ihnen, die Internationalisierung von Unternehmen umfassend zu erklären. Vielmehr beziehen sich die Ansätze auf verschiedene Aspekte der Internatio-nalisierung. Sie sind daher eher als Partialansätze zu verstehen. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die drei Ansätze, die sich für die Erklärung der Internationalisierung chinesischer Unternehmen am besten eignen.

Eklektische Paradigma von Dunning:

Das eklektische Paradigma integriert drei Ansätze, aus denen drei Vorteile abgeleitet werden, über die ein Unternehmen verfügen sollte, wenn es Direktinvestitionen durchführt:

- Unternehmen sollten über Eigentumsvorteile (Ownership specific advantages) gegenüber den ausländischen Unternehmen in Bezug auf die Bedienung des jeweiligen Marktes verfügen. Dies geht auf die Theorie des monopolistischen Vorteils von Hymer/Kindleberger zurück. Danach können Unternehmen durch ihre monopolistischen Vorteile die fremdheitsbedingten Nachteile im Auslandsmarkt kompensieren. Solche Vorteile können z.B. in Form von Markenrechten, patentierten Technologien, Know-how, günstigen Kapitalzugang, Größenvorteilen auftreten.

- Standortvorteile (Location specific advantages) lassen eine Produktion im Ausland vorteilhaft erscheinen. Nach Tesch gelten standortbedingte Wettbewerbsvorteile als zentrale Erklärungsfaktoren für FDI. Standortbedingte Vorteile umfassen z.B. die Rohstoffverfügbarkeit, Zugang zu immateriellen Werten, fortgeschrittene Technologien und Produkte, Marktgröße, Infrastruktur, etc. Da Standortentscheidungen neben spezifischen Standortfaktoren, auch von unterschiedlichen unternehmensinternen Faktoren und Internationalisierungs-motiven beeinflusst werden, sind eindeutige theoretische Aussagen kaum möglich.

- Bei Vorhandensein von Internalisierungsvorteile (Internalisation advantages) werden monopolistische Vorteile selbst genutzt, anstatt sie an ausländische Unternehmen zu verkaufen oder zu verpachten. Die auf Buckley/Casson zurückgehende Internalisierungstheorie basiert auf der Transaktionskostentheorie. Zu FDI kommt es dann, wenn der grenzüberschreitende Ressourcentransfer innerhalb einer hierarchischen Organisation zu geringeren Transaktionskosten führt als über den Markt.

- Dunning entdeckte, dass FDI nicht nur „a means to exploiting the existing O-specific advantages of the investing firms, but also as a vehicle for augmenting these advantages.“ Dieses „asset-seeking“ Motiv ist nach Dunning eine neue Dimension, die nur durch eine Rekonfiguration der traditionellen OLI Variablen erklärbar wird.

Ressourcenorientierter Ansatz in Verbindung mit Direktinvestitionen:

Nach dem ressourcenorientierten Ansatz sind nachhaltige Wettbewerbsvorteile von Unternehmen durch ein Bündel von einzigartigen Ressourcen zurückzuführen, die wertvoll, knapp, unvollständig imitierbar und unvollständig substituierbar sind. Der ressourcenorientierte Ansatz wurde in den letzten Jahren immer stärker in Zusammenhang mit der internationalen Wirtschaft gebracht. Mit zunehmendem internationalen Wettbewerb suchen Unternehmen nach strategischen Ressourcen, wie starke Markennamen, Technologien und Know-how, die in ihrem Heimatmarkt nicht verfügbar sind. FDI bieten dann eine Möglichkeit, um Zugang zu diesen Ressourcen zu erhalten mit dem Hauptziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu steigern bzw. ihre relativen Wettbewerbsnachteile zu kompensieren. Mit Hilfe des Ansatzes können „strategic asset-seeking FDI“, insbesondere FDIs in Form von internationalen JVs und Akquisitionen, erklärt werden. Deng und Makino et al. betonen, dass investierende Unternehmen Absorptionsfähigkeiten besitzen müssen, um die neuen Ressourcen aus dem Ausland übernehmen und wiederverwerten zu können. Unternehmen, die mit besseren Eigentumsvorteilen ausgestattet sind, tätigen daher eher „asset-seeking FDI“. Während das eklektische Paradigma die Verwertung der monopolitischen Eigentumsvorteile im Ausland und die starke Position des Unternehmens bereits vor der Internationalisierung hervorhebt, also eher für „asset-exploitation“ steht, betont der ressourcen-orientierte Ansatz die relativen Wettbewerbsnachteile eines Unternehmen, die es durch FDI zu stärken versucht.

Arbeit zitieren:
Ta, Melanie Mai 2006: Internationalisierung chinesischer Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Internationalisierungsstrategien, China, Markteintrittsstrategien, Corporate Governance, chinesische Unternehmen

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