Internationalisierung von Dienstleistungen aus Sicht der Außenhandelstheorie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Burger
- Abgabedatum: März 2007
- Umfang: 106 Seiten
- Dateigröße: 982,5 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
- Bibliografie: ca. 108
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0356-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Burger, Thomas März 2007: Internationalisierung von Dienstleistungen aus Sicht der Außenhandelstheorie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Dienstleistung, Reale Außenwirtschaftstheorie, Außenwirtschaft, Außenhandelstheorie, Gravitationsmodell
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Diplomarbeit von Thomas Burger
Einleitung:
Deutschland ist zum vierten Mal in Folge Exportweltmeister - was für Produkte gelten mag, stimmt für Dienstleistungen nur eingeschränkt. Die Exportspitzenposition bei Dienstleistungen geht traditionell an die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Deutschland ist zwar nach aktuellen Zahlen der Welthandelsorganisation (WTO) zum weltweit drittgrößten Exporteur von Dienstleistungen aufgestiegen, weist im internationalen Vergleich jedoch eine negative Bilanz bezüglich des Handels mit Dienstleistungen auf.
Insgesamt haben die Dienstleistungssektoren führender Volkswirtschaften im Zeitalter zunehmender Globalisierung einen Aufstieg in eine weltwirtschaftlich dominante Stellung erfahren und ihre Gesellschaften sind zu Beginn des 21. Jahrhundert im Dienstleistungszeitalter angekommen Der steigende internationale Handel mit Dienstleitungen ist ein Zeichen dieser zunehmenden Tertiarisierung der Weltwirtschaft und insbesondere die Exportfähigkeit von Dienstleistungen gewinnt auf internationaler Ebene immer mehr an Bedeutung. Der grenzüberschreitende Handel mit Dienstleistungen in Verbindung mit einem positiven Saldo in der Dienstleistungsbilanz gilt als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation im tertiären Sektor.
Dienstleistungen generieren heutzutage in weniger entwickelten Volkswirtschaften bis zu 35 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP), in Ländern, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angeschlossen sind, sogar über 70 Prozent. Der globale grenzüberschreitende Handel von Dienstleistungen mit einem Gesamtwert von über 2,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2005 hat inzwischen einen Anteil von nahezu 20 Prozent am gesamten Welthandel.
Die Gründe für das dargestellte Wachstum sind vielfältiger Natur. Häufig genannt werden die zunehmende Liberalisierung und Deregulierung internationaler Dienstleistungsmärkte, fortschreitende Entwicklungen bezüglich international einsetzbarer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), eine zunehmende Marktsättigung, strategische Überkapazitäten, das Eintreten neuer, oft branchenfremder Wettbewerber sowie die Multiplikation erfolgreicher Dienstleistungskonzepte.
Dieser wachsenden realwirtschaftlichen Bedeutung von Dienstleistungen im globalen Wirtschaftssystem steht eine mindere Berücksichtigung in der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Literatur gegenüber. Insbesondere der internationale Dienstleistungshandel findet erst seit kurzer Zeit Berücksichtigung in der wissenschaftlichen Diskussion. Traditionelle Lehrbücher behandeln Dienstleistungen als nicht handelbar. Die bisher entwickelten Handelstheorien berücksichtigen Dienstleistungen und deren charakteristische Merkmale demnach nicht.
Vor diesem Hintergrund wird der Ruf nach der Notwendigkeit einer eigenständigen Theorie für die Internationalisierung von Dienstleistungen laut, welche die Handelsmuster und Spezialisierung von Dienstleistungen erklärt. Eine allgemeine Theorie der Internationalisierung im Dienstleistungsbereich hat sich aus den bestehenden Erklärungsansätzen noch nicht entwickelt und steht bislang (noch) nicht zur Verfügung und kann beim derzeitigen Forschungsstand auch nicht entwickelt werden. Die theoretische Forschung hält mit den in der Realität stattfindenden Entwicklungen der Dienstleistungsinternationalisierung nicht Schritt. Erschwerend kommt hinzu, dass bis heute kein einheitliches Begriffsverständnis für Dienstleistungen existiert. Dienstleistungen blieben sowohl in der Nationalökonomie als auch in der Betriebswirtschaftslehre lange Zeit unbeachtet und wurden selbst in jüngster Zeit eher kursorisch als systematisch behandelt.
Ziel der Arbeit ist es, die Internationalisierung von Dienstleistungen mit Fokus auf die Außenhandelstheorie darzustellen, um einen Beitrag zum oben herausgearbeiteten Forschungsbedarf zu leisten. Insbesondere wird die Handelbarkeit bzw. die Exportfähigkeit von Dienstleistungen überprüft sowie den Fragen nachgegangen, ob die klassischen Außenhandelstheorien und das Gravitationsmodell die Internationalisierung von Dienstleistungen adäquat abbilden und die Modelle und ihre zugrundeliegende Theorie des komparativen Vorteils zur Formulierung einer eigenständigen Internationalisierungstheorie für Dienstleistungen beitragen können.
Damit dies gelingt, bedarf es der Klärung folgender Fragen, welche als Zwischenziele in die Bearbeitung eingehen:
- Was sind Dienstleistungen? Welche Analyseebenen gibt es? Welche charakteristischen Merkmale zeichnen Dienstleistungen aus?
- Sind Dienstleistungen handelbar? Welche Internationalisierungsformen stehen Dienstleistungen zu Verfügung? Welche Systematisierungsansätze der Internationalisierung von Dienstleistungen finden sich in der Literatur?
Gang der Untersuchung:
Diese Zielsetzungen bedingen eine logische Dreiteilung der Arbeit. Der erste Teil behandelt die theoretische Darstellung des Begriffs der Dienstleistung sowie deren Handelbarkeit und Internationalisierung. Abschnitt Zwei analysiert die Außenhandelstheorien inklusive deren Erweiterungsansätze und Abschnitt Drei befasst sich mit der empirischen Fundierung der Theorie komparativer Vorteile beim internationalen Handel von Dienstleistungen.
Die theoretische Darstellung erstreckt sich dabei über zwei Kapitel. Kapitel Zwei stellt zunächst die in der Literatur anzufindenden Definitionsansätze von Dienstleistungen vor. Nachfolgend wird in Kapitel Drei auf die Frage der Handelbarkeit und die Internationalisierungsformen von Dienstleistungen eingegangen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Konzepten der Klassifizierung der Internationalisierung von Dienstleistungen. Sie bilden die Grundlage für die theoretische Analyse der Außenhandelstheorie.
Abschnitt Zwei der Arbeit geht in Kapitel Vier der Frage nach, ob die Außenhandelstheorien, insbesondere das Ricardo-Modell, das Heckscher-Ohlin-Modell (HO-Modell) und das Gravitationsmodell die erarbeiteten und dargestellten Dienstleistungsbesonderheiten adäquat darstellen können und für die Formulierung einer eigenständigen Internationalisierungstheorie von Dienstleistungen geeignet sind. Die Analyse des Gravitationsmodells erfolgt dabei ausschließlich auf Basis aktueller empirischer Untersuchungen.
Abschnitt Drei schließlich beschäftigt sich in Kapitel Fünf mit folgenden Fragen:
- Welche Faktoren bedingen komparative Vorteile beim internationalen Handel von Dienstleistungen?
- Welche Länder weisen komparative Vorteile beim Handel von Dienstleistungen auf?
- Welche Spezialisierungsvorteile zeigt Deutschland auf?
Diesbezüglich werden basierend auf dem Konzept des ‚Revealed Comparative Advantage’ (RCA) komparative Vorteile ausgewählter Länder beim Handel in verschiedenen Dienstleistungssektoren anhand aktueller Studien dargestellt. Darauf aufbauend wird die Position Deutschlands im internationalen Dienstleistungswettbewerb ermittelt bevor die Arbeit mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Fazit schließt.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Relevanz des Themas | 3 |
| 1.2 | Ziele und Aufbau der Arbeit | 5 |
| 2. | Dienstleistungen | 8 |
| 2.1 | Analyseebenen von Dienstleistungen | 9 |
| 2.1.1 | Die institutionelle Perspektive | 10 |
| 2.1.2 | Die funktionale Perspektive | 11 |
| 2.1.3 | Die produktorientierte Perspektive | 12 |
| 2.2 | Begriff und Definitionsansätze | 13 |
| 2.2.1 | Positive Definitionen | 13 |
| 2.2.2 | Enumerative Definitionen | 14 |
| 2.2.3 | Negativdefinitionen | 16 |
| 2.2.4 | Definitionen anhand konstitutiver Merkmale | 17 |
| 2.2.4.1 | Potentialorientierte Ansätze | 18 |
| 2.2.4.2 | Prozessorientierte Ansätze | 19 |
| 2.2.4.3 | Ergebnisorientierte Ansätze | 19 |
| 2.2.4.4 | Konstitutive und weitere Merkmale von Dienstleistungen | 20 |
| 2.3 | Fazit | 22 |
| 3. | Die Internationalisierung von Dienstleistungen | 23 |
| 3.1 | Internationalisierungsformen | 23 |
| 3.2 | Die Internationale Handelbarkeit von Dienstleistungen | 25 |
| 3.2.1 | Kontinuumslösungen | 25 |
| 3.2.2 | Trägermedien und Informations- und Kommunikationstechnologien | 27 |
| 3.3 | Konzeptionelle Ansätze zur Systematisierung der Internationalisierung von Dienstleistungen | 29 |
| 3.3.1 | ‚Splintering’ und ‚Disembodiment’ von Dienstleistungen nach Bhagwati | 29 |
| 3.3.2 | Die Sampson - Snape - Box | 30 |
| 3.3.3 | Der Ansatz von Stern und Hoekman | 32 |
| 3.3.4 | Die Typologie von Dienstleistungen nach Vandermerwe und Chadwick | 34 |
| 3.3.5 | Der St. Gallener Ansatz | 37 |
| 3.3.6 | Dienstleistungen im General Agreement on Trade and Services | 39 |
| 3.4 | Fazit | 41 |
| 4. | Dienstleistungen in der Außenhandelstheorie | 43 |
| 4.1 | Untersuchungsrahmen | 44 |
| 4.2 | Arbeitsproduktivität und Komparativer Vorteil: das Ricardo-Modell | 45 |
| 4.2.1 | Erweiterter Ansatz mit Faktormobilität | 46 |
| 4.2.2 | Erklärungsgehalt für Dienstleistungen | 47 |
| 4.3 | Ressourcen und Außenhandel: das Heckscher-Ohlin-Modell | 49 |
| 4.3.1 | Der Ansatz mit Faktormobilität von Mundell | 50 |
| 4.3.2 | Der erweiterte Ansatz von Deardorff | 51 |
| 4.3.3 | Der erweiterte Ansatz von Melvin | 53 |
| 4.3.4 | Das Kernmodell für den Außenhandel von Dienstleistungen | 54 |
| 4.3.5 | Erklärungsgehalt für Dienstleistungen | 55 |
| 4.4 | Das Gravitationsmodell | 58 |
| 4.4.1 | Empirische Evidenz | 59 |
| 4.4.2 | Erklärungsgehalt für Dienstleistungen | 63 |
| 4.5 | Fazit | 65 |
| 5. | Komparative Vorteile beim internationalen Handel von Dienstleistungen | 68 |
| 5.1 | Einflussfaktoren auf komparative Vorteile bei Dienstleistungen | 68 |
| 5.2 | Das Konzept des Revealed Comparative Advantage | 70 |
| 5.3 | Ländervergleich anhand des Revealed Comparative Advantage | 71 |
| 5.4 | Die Position Deutschlands | 83 |
| 6. | Zusammenfassung der Ergebnisse, Fazit und Ausblick | 86 |
| Literaturverzeichnis | 89 |
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Relevanz des Themas | 3 |
| 1.2 | Ziele und Aufbau der Arbeit | 5 |
| 2. | Dienstleistungen | 8 |
| 2.1 | Analyseebenen von Dienstleistungen | 9 |
| 2.1.1 | Die institutionelle Perspektive | 10 |
| 2.1.2 | Die funktionale Perspektive | 11 |
| 2.1.3 | Die produktorientierte Perspektive | 12 |
| 2.2 | Begriff und Definitionsansätze | 13 |
| 2.2.1 | Positive Definitionen | 13 |
| 2.2.2 | Enumerative Definitionen | 14 |
| 2.2.3 | Negativdefinitionen | 16 |
| 2.2.4 | Definitionen anhand konstitutiver Merkmale | 17 |
| 2.2.4.1 | Potentialorientierte Ansätze | 18 |
| 2.2.4.2 | Prozessorientierte Ansätze | 19 |
| 2.2.4.3 | Ergebnisorientierte Ansätze | 19 |
| 2.2.4.4 | Konstitutive und weitere Merkmale von Dienstleistungen | 20 |
| 2.3 | Fazit | 22 |
| 3. | Die Internationalisierung von Dienstleistungen | 23 |
| 3.1 | Internationalisierungsformen | 23 |
| 3.2 | Die Internationale Handelbarkeit von Dienstleistungen | 25 |
| 3.2.1 | Kontinuumslösungen | 25 |
| 3.2.2 | Trägermedien und Informations- und Kommunikationstechnologien | 27 |
| 3.3 | Konzeptionelle Ansätze zur Systematisierung der Internationalisierung von Dienstleistungen | 29 |
| 3.3.1 | ‚Splintering’ und ‚Disembodiment’ von Dienstleistungen nach Bhagwati | 29 |
| 3.3.2 | Die Sampson - Snape - Box | 30 |
| 3.3.3 | Der Ansatz von Stern und Hoekman | 32 |
| 3.3.4 | Die Typologie von Dienstleistungen nach Vandermerwe und Chadwick | 34 |
| 3.3.5 | Der St. Gallener Ansatz | 37 |
| 3.3.6 | Dienstleistungen im General Agreement on Trade and Services | 39 |
| 3.4 | Fazit | 41 |
| 4. | Dienstleistungen in der Außenhandelstheorie | 43 |
| 4.1 | Untersuchungsrahmen | 44 |
| 4.2 | Arbeitsproduktivität und Komparativer Vorteil: das Ricardo-Modell | 45 |
| 4.2.1 | Erweiterter Ansatz mit Faktormobilität | 46 |
| 4.2.2 | Erklärungsgehalt für Dienstleistungen | 47 |
| 4.3 | Ressourcen und Außenhandel: das Heckscher-Ohlin-Modell | 49 |
| 4.3.1 | Der Ansatz mit Faktormobilität von Mundell | 50 |
| 4.3.2 | Der erweiterte Ansatz von Deardorff | 51 |
| 4.3.3 | Der erweiterte Ansatz von Melvin | 53 |
| 4.3.4 | Das Kernmodell für den Außenhandel von Dienstleistungen | 54 |
| 4.3.5 | Erklärungsgehalt für Dienstleistungen | 55 |
| 4.4 | Das Gravitationsmodell | 58 |
| 4.4.1 | Empirische Evidenz | 59 |
| 4.4.2 | Erklärungsgehalt für Dienstleistungen | 63 |
| 4.5 | Fazit | 65 |
| 5. | Komparative Vorteile beim internationalen Handel von Dienstleistungen | 68 |
| 5.1 | Einflussfaktoren auf komparative Vorteile bei Dienstleistungen | 68 |
| 5.2 | Das Konzept des Revealed Comparative Advantage | 70 |
| 5.3 | Ländervergleich anhand des Revealed Comparative Advantage | 71 |
| 5.4 | Die Position Deutschlands | 83 |
| 6. | Zusammenfassung der Ergebnisse, Fazit und Ausblick | 86 |
| Literaturverzeichnis | 89 |
Textprobe:
Kapitel 4.3.4, Das Kernmodell für den Außenhandel von Dienstleistungen:
Fritz Breuss integriert in seinem „Kernmodell für den Aussenhandel(!) von Dienstleistungen“ die Überlegungen der gerade skizzierten Modelle von Deardorff und Melvin insbesondere deshalb, weil sie seiner Ansicht nach die folgenden für die Darstellung des Außenhandels von Dienstleistungen notwendigen Voraussetzungen erfüllen:
- Das Modell muss allgemein gehalten sein und trotzdem die wichtigsten Dienstleistungscharakteristika abdecken.
- Es muss dem Wirken des Prinzips der komparativen Vorteile ohne Komplikationen genügen.
- Die Aussagen müssen in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Prinzip der komparativen Vorteile sowohl nach Ricardo als auch nach Heckscher-Ohlin sein.
Ausgangslage des Modells ist dabei analog zu Deardorff und Melvin die Notwendigkeit des Kontakts zwischen Anbieter und Konsument der Leistung. Dabei wird erneut vorausgesetzt, dass die Dienstleistung nicht direkt international gehandelt wird, sondern die zur Leistungserstellung notwendigen Produktionsfaktoren. Zusätzlich impliziert das Kernmodell die Elemente der internationalen Dienstleistungsaktivitäten multinationaler Unternehmen.
Das Kernmodell stellt sich ebenfalls als 2x2x2-Modell dar: es umfasst zwei gleich große Länder: A (Inland) und B (Ausland); zwei Güter: X (handelbares Gut) und S (nicht-handelbare Dienstleistung); sowie zwei Produktionsfaktoren: L (international immobile Arbeit) und K (teilweise bzw. temporär international mobile Kapitaldienste = Management Consulting). Ansonsten gelten die Annahmen des herkömmlichen HO-Modells.
Im Kernmodell ist Land A nun relativ reichlich mit K ausgestattet und hat einen komparativen Vorteil bei der Bereitstellung der nicht direkt handelbaren Dienstleistung S, Land B ist relativ reichlich mit L ausgestattet und hat einen komparativen Vorteil bei der Produktion von Gut X. S wird in B durch Wanderung inländischer Produktionsfaktoren (Management-Dienstleistungen, Know-how-Dienstleistungen) erstellt. Bei management-intensiven Dienstleistungen gibt es daher wie bei Deardorff und Melvin für A den Anreiz, S ins Ausland zu exportieren. K wandert temporär von A nach B und erbringt dort in Kombination mit dem dort angeworbenen Faktor L die Leistung S.
Kapitel 4.3.5, Erklärungsgehalt für Dienstleistungen:
Welche Auswirkungen haben die Ausführungen zum HO-Modell bzgl. dessen Aussagegehalts für Dienstleistungen? Vielfach wird angenommen, dass das HO-Modell grundsätzlich auf Dienstleistungen übertragbar ist. Dies ist jedoch nur für den Fall direkt handelbarer Dienstleistungen korrekt. Nicht-handelbare Dienstleistungen bzw. standortgebundene Dienstleistungen erfordern hingegen die örtliche und zeitliche Synchronität von Anbieter und Nachfrager der Leistung, und daher eine Modifizierung des herkömmlichen HO-Modells. Insbesondere muss diesbezüglich die Annahme der Immobilität der Produktionsfaktoren in der modelltheoretischen Analyse aufgehoben werden. Dann sind sowohl temporäre Wanderungen wie auch die Integration „abwesender Faktoren“ für die Leistungserstellung erklärbar. Ansätze, welche die Annahme der Immobilität der Produktionsfaktoren nicht aufgeben, sind auf die Internationalisierung von Dienstleistungen deshalb nur eingeschränkt oder gar nicht übertragbar.
Mundell integriert in sein Modell zwar vollkommene Mobilität der Produktionsfaktoren, berücksichtigt aber weder Dienstleistungen noch deren spezifische Merkmale. Diese werden erstmals von Deardorff, Melvin und auch Breuss in ein HO-Modell integriert. Allerdings berücksichtigen deren modelltheoretische Analysen die Faktormobilität wie bei Mundell nicht. Zudem zeigen die Dienstleistungsmodelle mit integrierter Anbieter-Nachfrager-Simultanität zum Teil dem herkömmlichen HO-Modell widersprechende Handelsmuster auf. Auch wenn die Modelle von zum Teil realitätsfernen Annahmen ausgehen, ist es fraglich, ob das Prinzip des komparativen Vorteils im HO-Modell die grenzüberschreitenden Aktivitäten von Dienstleistungen adäquat erfasst. Auch hier ist es zunächst auf standardisierte und homogene Dienstleistungen beschränkt. Van Welsum und Barth argumentierten jedoch, dass das Gesetz des komparativen Vorteils für Dienstleistungen in den Modellen von Deardorff, Melvin und Breuss durchaus allgemeine Gültigkeit besitzt. Die Ansätze von Deardorff, Melvin und insbesondere Breuss geben demnach Anhaltspunkte für die Darstellung der Handelsstruktur internationaler Dienstleistungsaktivitäten, deren Erklärungsgehalt über das Grundmodell von Ricardo und das herkömmliche HO-Modell hinausgehen.
Bezogen auf die einleitend gestellten Kriterien ergibt sich daraus folgendes Bild:
- 1. Im herkömmlichen HO-Modell werden ausschließlich handelbare Sachgüter betrachtet. Dies gilt ebenfalls für den Ansatz von Mundell, allerdings erweitert um die Annahme der Faktormobilität, welche eine Voraussetzung für die Analyse der Internationalisierung von Dienstleistungen ist. Dienstleistungen selber werden in den Ansätzen von Deardorff und Melvin erstmals modelltheoretisch integriert, indem zwischen handelbaren und nicht-handelbaren Gütern unterschieden wird. Breuss integriert die Ansätze von Melvin und Deardorff zu einem Kernmodell für den Außenhandel von Dienstleistungen.
- 2. Weder das HO-Grundmodell noch der Ansatz von Mundell berücksichtigen dienstleistungsspezifische Merkmale. Lediglich die Ansätze von Deardorff, Melvin und das Kernmodell von Breuss integrieren die Notwendigkeit der Anbieter-Nachfrager-Synchronität in ihre Analysen. Weitere besondere Charakteristika von Dienstleistungen wie beispielsweise die Immaterialität oder Qualitätsunterschiede finden keine Berücksichtigung.
- 3. Das herkömmliche HO-Modell betrachtet ausschließlich die Internationalisierungsform des Außenhandels. Erst Mundell integriert die Faktormobilität und damit die Möglichkeit der Darstellung von Faktorwanderungen und Direktinvestitionen. Auch in den Ansätzen von Deardorff, Melvin und Breuss können grenzüberschreitende Dienstleistungsaktivitäten über den Außenhandel und über Direktinvestitionen erklärt werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836603560
Arbeit zitieren:
Burger, Thomas März 2007: Internationalisierung von Dienstleistungen aus Sicht der Außenhandelstheorie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Dienstleistung, Reale Außenwirtschaftstheorie, Außenwirtschaft, Außenhandelstheorie, Gravitationsmodell



