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Der Internationale Währungsfonds (IWF)

Aktuelle Reformansätze mit Kritik

Der Internationale Währungsfonds (IWF)
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Robert Huber
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 108 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Rosenheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6730-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6730-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6730-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Huber, Robert Oktober 2002: Der Internationale Währungsfonds (IWF), Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Internationale Finanzwirtschaft, Finanzkrisen, Volkswirtschaft, Moral Hazard, Bail Out

Diplomarbeit von Robert Huber

Einleitung:

Der Internationale Währungsfonds wurde geschaffen um Wachstum und Wohlstand seiner Mitglieder zu sichern und zu mehren. Er sollte nach den Jahren der Weltwirtschaftskrise durch Bereitstellung von Hilfskrediten für Stabilität und Sicherheit sorgen. Doch für was steht der IWF heute?

Der Fonds ist nun seit über zehn Jahren ins Fadenkreuz der öffentlichen Kritik geraten. Er hat sich für viele zum Feindbild gewandelt. Er steht heute für einen ungerechten und unmenschlichen Globalisierungsprozess, gegen den, wie zuletzt in Genua, Hunderttausende auf die Straßen gehen. Die Aktionen des IWF stehen wie noch nie im Fokus der Öffentlichkeit und werden von allen Seiten harsch kritisiert. Zu den Dauergegnern des Fonds vom linken politischen Spektrum haben sich seit einigen Jahren auch Kritiker aus dem konservativem Lager gesellt und es scheint, als würden seine Aktionen bereits vorher zum Scheitern verurteilt. Für die einen ist er der Verkünder des amerikanischen „Raubtier-Kapitalismus“, für die anderen der „Geldautomat“ wirtschaftlich schlecht geführter Länder mit korrupten und diktatorischen Regimen. Praktisch für jede Seite ist der IWF eine „böse“ Institution. Regierungen sehen sich durch seine Kreditprogramme in ihrer Souveränität verletzt. Globalisierungsgegner kritisieren ihn für seine unsozialen Strukturanpassungs- und Sparprogramme. Marktfundamentalisten sehen in ihm den Brandstifter der letzten Wirtschaftskrisen, da er die Märkte am effizienten Funktionieren hindere. Politiker der G7 Staaten sehen ihre Gelder ohne Wirkung verschwendet. Man könnte sagen, der IWF ist der unbeliebteste „Feuerwehrmann“ der Welt. So hat es der IWF im vergangenen Jahrzehnt geschafft, fast alle negativen Schlagzeilen aus der Weltwirtschaft mit seinem Namen zu verbinden. Dabei sind vor allem die Wirtschaftskrisen der 1990er Jahre im Gedächtnis geblieben. Die Krisen in Mexiko, Russland , Südost-Asien, Brasilien und zuletzt, seit 2001 in Argentinien, führten zu Massendemonstrationen gegen Fonds und Länderregierungen. Durch die sozialen Folgen der IWF Programme kam es in Ländern wie Indonesien (1997) und Argentinien (2001) zu politischen Unruhen und Politikwechseln.

Die Kritik am IWF ist einhellig, wenn es aber um dessen Reform geht, scheiden sich die Geister. Von der Abschaffung des Fonds bis zur Ausweitung seiner Aufgaben ziehen sich zahllose Vorschläge hin. Aber wo befindet sich der derzeitige Stand der Diskussion und wo sollten Reformen ansetzen? Genau dazu soll diese Arbeit einen Beitrag leisten.

Zusammenfassung:

Diese Arbeit stellt die Debatte um eine Reform des Internationalen Währungsfonds und der internationalen Finanzarchitektur auf dem derzeitigen Stand dar. Dabei werden zunächst die internen Zusammenhänge und Funktionsweisen des Fonds erläutert. Um auf die Schwierigkeiten und die Kritik hinzuleiten wird weiter eine Analyse der vergangenen Finanzkrisen (Asien, Russland und Mexiko) unternommen.

In einer anschließenden Problemanalyse werden die Schwierigkeiten weiter herauskristallisiert und kategorisiert. Abschließend werden die wichtigsten der vorherrschenden Reformkonzepte erläutert und bewertet. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der generellen Klärung von Zusammenhängen der internationalen Finanzarchitektur und der Schlüsselrolle des IWF innerhalb dieses Systems. Darüber hinaus ist vor allem die Aktualität der verwendeten Literatur und die Breite der Meinungen zu diesem Thema von entscheidender Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 2
1.2 Abgrenzung des Themas 2
2. Der Internationale Währungsfonds (IWF) - Die Institution 2
2.1 Geschichte und Entstehung 3
2.1.1 Gründung 3
2.1.2 Der Wiederaufbau und die Goldene Ära 5
2.1.3 Der Kollaps des Bretton-Woods Systems und die 1970er Jahre 8
2.1.4 Die achtziger Jahre 9
2.1.5 Der Washington Konsens 11
2.2 Organisation, Aufgaben und Funktionsweise 13
2.2.1 Organisation und Beschlusstätigkeit 13
2.2.2 Aufgaben und Funktionalität 14
2.2.2.1 Finanzierung 15
2.2.2.2 Überwachung 18
2.2.2.3 Dienstleistung und technische Hilfe 20
3. Die Krisen der 1990er Jahre und die Rolle des IWF 20
3.1 Die Mexiko-Krise 22
3.1.1 Die Krise 24
3.1.2 Der „Tequilla-Effekt“ 27
3.1.3 Die Rettung 28
3.1.4 Fazit 28
3.2 Die Asien-Krise 30
3.2.1 Süd-Ost Asien vor der Krise 30
3.2.2 Der Verlauf der Krise 32
3.2.3 Fazit 38
3.3 Die Russland-Krise 39
3.3.1 Der Beginn der Transformation 40
3.3.2 Die Krise 41
3.3.3 Fazit 45
4. Der Internationale Währungsfond – Eine Problemanalyse 47
4.1 Organisation und Aufgaben 47
4.1.1 Die satzungsmäßigen Hauptaufgaben des Fonds 48
4.1.2 Die Aufgabenteilung mit Weltbank und WTO 48
4.1.3 Die Finanzinstrumente des Fonds 49
4.1.4 Die Rechenschaftspflicht des Fonds 50
4.2 Wirtschaftspolitische Ausrichtung 50
4.2.1 Die internationale Finanzarchitektur 51
4.2.2 Marktbeeinflussung durch „Bail-out“ (die „Moral Hazard“ Problematik) 54
4.2.3 Die wirtschaftspolitischen Empfehlungen des Fonds 56
4.2.4 Die Dimension heutiger Finanzmärkte und deren Kontrolle 57
4.2.5 Die Bedeutung von Institutionen im marktwirtschaftlichen Entwicklungsprozess 58
4.3 Politische Problematik 59
4.3.1 Demokratieverständnis und Machtverteilung in den BWIs 59
4.3.2 Konditionalitäten als Druckmittel und deren Wirksamkeit 61
4.3.3 Das „Good Governance“ Problem 62
5. Aktuelle Reformansätze mit Kritik 64
5.1 Einordnung der Reformansätze 65
5.2 Die Reformansätze mit Kritik – Ein Forderungskatalog 67
5.2.1 Demokratisierung der Machtverhältnisse 67
5.2.2 Verringerung der Handlungskompetenzen 69
5.2.3 Restrukturierung der Finanzierungsfunktion 73
5.2.4 Verringerung des „Moral Hazards“ 78
5.2.5 Einführung von Standards und Verhaltenskodizes 82
5.2.6 Neuordnung der Finanzarchitektur 84
5.3 Abschließende Einschätzung 90
6. Persönliche Schlußbetrachtung 91
Anhang Tabellen 94
Anhang Abbildungen 96
Anhang Definitionen 98
Literaturverzeichnis 100
Erklärung 108

Automatisiert erstellter Textauszug:

Südamerika ist äußerst kritisch. Die nun seit 2001 anhaltende Argentinien-Krise greift immer weiter um sich. Als Konsequenz gewährte der IWF den größten Kredit seiner Geschichte (30 Mrd. Dollar) an Brasilien, da er eine Ausbreitung der Krise in Argentinien fürchtete.279 Die Kritiker haben den IWF bereits wieder als Hauptschuldigen für die ArgentinienKrise ausgemacht. Der Fonds wiederum weist alle Kritik von sich und bezeichnet die Probleme als hausgemacht. Er argumentiert, die argentinische Regierung hätte ihre eigenen Vorgaben nicht eingehalten und könnte deshalb nicht mit weiteren Zahlungen rechnen. Die Haltung des IWF ist für mich allerdings nicht gerechtfertigt. Die Ursachen die zum Ausbruch der Krise führten, wie das weiter steigende Haushaltsdefizit mögen zwar der Regierung anzulasten sein. Die extrem hohe Auslandsverschuldung Argentiniens von nahezu 140 Mrd. Dollar allerdings, resultierte meiner Ansicht nach auch aus den Empfehlungen des IWF in den vergangenen 20 Jahren und stellt das eigentliche Problem dar. Bei derart riesigen Schuldendienstzahlungen wird es einem Land fast unmöglich einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Die Haltung des IWF kann ich nur dahingehend interpretieren, dass er den „Moral Hazard“-Kritikern einen Strich durch die Rechnung machen will, indem er eben nicht durch einen „Bail-out“ zur Hilfe kommt. Die Folgen für Argentinien und deren Bevölkerung sind aber katastrophal. Durch die Abwertung des Peso und das kurzzeitige Einfrieren der Bankkonten sind fast alle Ersparnisse vernichtet. Die Folge sind soziale Unruhen, die den Entwicklungsprozess Argentiniens um Jahre zurückwerfen. Ich teile in dieser Frage die Einschätzung des ehemaligen Chefvolkswirts des IWF Michael Mussa, der die Entscheidung des IWF in Argentinien als eine der schlimmsten bezeichnete die der IWF je getroffen habe.280 Es scheint als habe der IWF aus seinen Fehlern nur in sehr geringem Maße gelernt. Die Kritiker werden deshalb nicht aufhören, Reformen zu fordern und es bleibt zu hoffen, dass zumindest Teile davon umgesetzt werden. [...]

Vorschläge zur Demokratisierung.276 Ohne dieses Problem zu lösen werden die Erfolge von IWF-Programmen aber nach wie vor eher bescheiden ausfallen, denn dann werden die unterrepräsentierten Mitglieder den IWF immer als verlängerten Arm der G7 verstehen. Die USA spielen aufgrund ihres Veto-Rechts eine besondere Rolle, da praktisch keine einzige Veränderung ohne die Zustimmung des US-Kongresses möglich sein wird. Entsprechend wird von den USA darauf geachtet, dass keine Reform in irgendeiner Weise ihren Interessen zuwider läuft. Die meisten Vorschläge wurden von mindestens einem der G7-Staaten abgelehnt, deshalb wird auf absehbare Zeit keine große Reform, wie ich sie für dringend notwendig erachte, möglich werden. Wenn man das Reformpotential also realistisch betrachtet, kommt man zu der Einschätzung, dass bereits kleine Schritte wie die Einrichtung eines internationalen Insolvenzverfahrens für Staaten einen großen Erfolg bedeuten.277 Außerdem hat sich mit der Wahl Horst Köhlers zum IWF-Direktor auch die Rhetorik deutlich verbessert. Die Konditionen sollen nun - wie gefordert - auf ein Mindestmaß reduziert werden. Den Kreditauflagen solle ein Sozialanalyse vorangestellt werden, die mögliche negative Auswirkungen auf die Armut aufzeigt. Des weiteren wurde vom IWF bereits ein Evaluierungsbüro unter Leitung des indischen Wirtschaftswissenschaftlers Montek Ahluwalia gegründet, dass die Ergebnisse der IWF-Programme bewerten soll.278 Dies sind sicherlich kleine Schritte in die richtige Richtung, um grundlegende Reformen handelt es sich allerdings nicht. Nach meiner Einschätzung wären solche momentan auch nur aus Initiative der G7-Staaten und vor allem der USA möglich. Da die Politiker dieser Staaten aber ein ernsthaftes Interesse an einer Beibehaltung der bisherigen Machtverhältnisse haben, wird es auf absehbare Zeit keine Reformen geben. [...]

gedeckt werden.271 Dieser schnelle durch Herdenverhalten verstärkte Abfluß von Kapital hatte entscheidenden Anteil an den Krisen, sowohl in Asien als auch in Mexiko. Die Einsicht, dass die vollständige Liberlisierung der Kapitalmärkte in diesen Ländern, ohne einen hinreichend entwickelten regulativen Rahmen, durchaus schädlich sein kann, hat sich mittlerweile auch beim IWF durchgesetzt.272 Vorher müssen bestimmte Bedingungen geschaffen werden, unter denen die Finanz- und Kapitalmärkte effizient funktionieren können, ohne dass sie zu Überhitzung und anschließender Panik neigen. Die Möglichkeiten, den Kapitalmärkten Einhalt zu gebieten, bestehen in der Beschränkung des Kapitalverkehrs. Dies ist schließlich auch die Schlußfolgerung aus dem Konzept der “impossible Trinity”, wenn also stabile Finanzmärkte, ohne Einbußen der nationalen Autonomie, geschaffen werden sollen. Die Vorschläge zur Einschränkung des Kapitalverkehrs, die am Ende der 1990er Jahre vermehrt diskutiert wurden, stießen damals auf erbitterten Widerstand der westlichen Finanzwelt und des IWF. Mittlerweile beziehen einige der Reformer diese Überlegung in ihre Konzepte mit ein. Neben den Vorreitern Krugman und Stiglitz fordern auch andere mittlerweile Kapitalverkehrsregulierungen als temporäres Mittel zur Krisenvermeidung oder Krisenbewältigung. Dabei gibt es zwei mögliche Ansatzpunkte. Zum einen kann direkt bei den Kapitalimporten angesetzt werden. Als Paradebeispiel gilt dabei das sog. Chilenische Modell. Dort wurde auf kurzfristige Kapitalimporte (< ein Jahr) eine unverzinsliche Mindesteinlage eingefordert (10% 30%). Keine Einlage wurde für Direktinvestitionen und Import/Exportkredite angesetzt. Dies führte zu einer geringeren kurzfristigen Auslandsverschuldung, behinderte aber nicht, langfristige Engagements wie Direktinvestitionen.273 Die andere Möglichkeit liegt in der Behinderung kurzfristiger Kapitalabflüsse zur Krisenbewältigung, wie im Falle Malaysias, während der Asienkrise. Dort wurden eine 12-monatige Rückfuhrsperre für ausländisches Portfoliokapital und andere Regulierungsmaßnahmen eingeführt, um eine massive Kapitalflucht zu verhindern.274 Dadurch konnte das Ausmaß der Krise veringert werden. Diese Möglichkeiten der Kapitalverkehrsregulierung sind mittlerweile durchaus nicht mehr verpönt, wenngleich sie nicht grundsätzlich zu befürworten sind. Für sinnvoll halte ich eine flexible Gestaltung des “Chilenischen Modells”, um eine zu hohe kurzfristige Auslandsverschuldung zu vermeiden und stattdessen Anreize für [...]

Arbeit zitieren:
Huber, Robert Oktober 2002: Der Internationale Währungsfonds (IWF), Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Internationale Finanzwirtschaft, Finanzkrisen, Volkswirtschaft, Moral Hazard, Bail Out

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