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Internationale Beschaffung am Beispiel Mittel- und Osteuropa

Internationale Beschaffung am Beispiel Mittel- und Osteuropa
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Nijolé Langenstein

Einleitung:

Die Arbeit hat zum Ziel, mittelständischen Unternehmen Handlungs- und Gestaltungsempfehlungen für die Planung von Beschaffungsaktivitäten in Mittel- und Osteuropa zu geben.

In der Arbeit wird vor allem auf die Wahl der optimalen Strategie und der geeigneten Beschaffungsobjekte sowie die gezielte Auswahl der passenden Beschaffungsländer und -partner eingegangen.

Zudem werden die, für eine Beschaffung in Mittel- und Osteuropa kritischen Erfolgsfaktoren untersucht. Hierbei wird auf die Gestaltung der Zusammenarbeit mit dem Lieferanten, die Qualitätssicherung, das Logistikmanagement sowie einige Besonderheiten von Land und Leuten dieser Region eingegangen.

Die Arbeit bietet einen kompakten Überblick für eine erfolgreiche Beschaffungsplanung und gibt darüber hinaus zahlreiche Hinweise auf weitere Informationsquellen.

Der Wettbewerb hat sich in den letzten Jahren drastisch verschärft, vor allem durch ausländische Anbieter, die zunehmend auf den deutschen Markt drängen und ein Halten der Marktanteile erschweren. Jedes Unternehmen ist einem steigendem Leistungs- und Kostendruck ausgesetzt. Der Qualitätsanspruch der mit „Made in Germany“ verknüpft war, verschafft nicht mehr den gleichen Wettbewerbsvorteil, wie es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Zur Sicherung der Unternehmensexistenz sind auch die Möglichkeiten zur Absatzsteigerung begrenzt. Zudem hat sich die Differenz zwischen den deutschen und ausländischen Fertigungskosten weiterhin vergrößert. Immer mehrdeutsche Unternehmen sind deshalb gezwungen, ihre Kostenstruktur neu zu definieren. Neben der Produktion und dem Marketing gewinnen nun andere Bereiche, unter anderem das internationale Beschaffungsmanagement an Bedeutung. Früherdiente die Einkaufsabteilung nur zur Versorgung und zur Vermeidung von Engpässen. Heute kann das Beschaffungsmanagement zu einem Anstieg der Erfolgs-potentiale im Unternehmen beitragen, weil es wesentliche Kostenblöcke beeinflusst. Durch das internationale Beschaffungsmanagement kann man die Vorteile anderer Märkte, also deren günstigeren Rahmenbedingungen, ausnutzen. Die Öffnung von Mittel- und Osteuropa bietet dafür attraktive Standortpotentiale, wie z. B. niedrige Lohnkosten bei gleichzeitiger geografischer Nähe. Die Attraktivität dieser Wirtschaftsregion konnte eine empirische Untersuchung zeigen, nach der bereits 1994 57% der befragten deutschen Unternehmen in Mittel- und Osteuropa aktiv waren, und 64% der Unternehmen, die noch nicht in diesen Märkten tätig sind, die Möglichkeiten sahen dort einzukaufen. Die mittel- und osteuropäischen Märkte sind jedoch auch mit einem großen Risiko behaftet. Niedrige Produktivität, Ausbildungsdefizite, wirtschaftliche und politische Instabilität sowie Rechtsunsicherheit können im Einzelfall die Kostenvorteile aufwiegen. Ziel dieser Arbeit ist es, mittelständischen Unternehmen aufzuzeigen, wie einpassendes Beschaffungskonzept zu entwickeln ist, das ihnen hilft, Chancen zurealisieren und existierende Standortdefizite zu minimieren. Zudem werden einige Faktoren aufgezeigt, die für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit in Mittel- und Osteuropa von besonderer Bedeutung sind. Denn „ohne Neujustierung der typischen tradierten westlichen Verhaltensweisen hat der deutsche Materialmanagerwenig Chancen in Osteuropa.

Gang der Untersuchung:

Nach einer kurzen Erklärung der für diese Arbeit wichtigsten Begriffe im Rahmen der Einleitung, wird im zweiten Kapitel auf das strategische Beschaffungskonzepteingegangen. Es wird dargelegt, welche Anreize für eine Beschaffung in Mittel- und Osteuropa sprechen und welche strategischen Optionen ein Unternehmen dabei hat. Danach wird dargestellt, wie das Unternehmen mit möglichst geringem Aufwand herausfinden kann, welche Beschaffungsstrategie am sinnvollsten ist.

Im dritten Kapitel wird aufgezeigt, wie ein mittelständisches Unternehmen beigewählter Beschaffungsform vorzugehen hat, um die Chancen der mittel- und osteuropäischen Märkte optimal zu nutzen. Dabei wird beschrieben, welche Produkte für eine Beschaffung in dieser Region geeignet sind und wie die passenden Länder und Beschaffungspartner mit Hilfe eines dreistufigen Selektionsprozessesausgewählt werden können.

Im vierten Kapitel wird erklärt, wie die Geschäftsbeziehung mit dem gewählten Lieferanten zu gestalten ist. Das besondere Augenmerk liegt hierbei auf der Logistik und Qualitätssicherung.

Im letzten Kapitel der Arbeit werden die für eine erfolgreiche Tätigkeit in Mittel- und Osteuropa kritischen Faktoren geschildert. Zu Beginn werden die allgemeinen Erfolgskonzepte verschiedener Autoren dargelegt und ihre Eignung für das Beschaffungsmanagement in Mittel- und Osteuropa diskutiert.

In den anschließenden Abschnitten wird auf einige Faktoren detaillierter eingegangen, die von besonderer Bedeutung sind. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und ihre Implikationen für den deutschen Mittelstand dargelegt.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einführung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Vorgehensweise 2
1.3 Terminologie 3
2. Strategisches Konzept 6
2.1 Motive für die internationale Beschaffung 6
2.2 Internationale Beschaffungsstrategien 10
2.2.1 Direkter und indirekter Import 11
2.2.2 Passive Lohnveredelung 11
2.2.3 Einkaufsvertretung 12
2.2.4 Produktions-Joint-Venture 13
2.2.5 Produktionsniederlassung 14
2.3 Wahl der optimalen Strategie 15
2.3.1 Einflußfaktoren 15
2.3.1.1 Unternehmensspezifische Kriterien 15
2.3.1.2 Umweltspezifische Kriterien 17
2.3.2 Statische oder dynamische Strategiewahl 18
3. Ausarbeitung des Konzeptes 20
3.1 Auswahl geeigneter Produkte 20
3.1.1 Produktanalyse 20
3.1.2 Produktauswahl 21
3.2 Auswahl geeigneter Länder und Partner 24
3.2.1 Analyse der Informationsquellen 24
3.2.1.1 Sekundärquellen 24
3.2.1.2 Primärquellen 27
3.2.2 Selektionsprozess 27
3.2.2.1 Grobselektion 29
3.2.2.1.1 Politisch-rechtliche Rahmenbedingungen 29
3.2.2.1.2 Kulturelle Rahmenbedingungen 31
3.2.2.1.3 Natürlich-geographische und technische Rahmenbedingungen 33
3.2.2.1.4 Praktische Durchführung der Länderselektion 34
3.2.2.2 Feinselektion 37
3.2.2.2.1 Lieferantenuswahl 37
3.2.2.2.2 Anzahl der Lieferanten 40
4. Gestaltung der Lieferantenbeziehungen 42
4.1 Langfristige vs. kurzfristige Zusammenarbeit 42
4.2 Ausgestaltung des Logistiksystems 43
4.3 Qualitätssicherung 46
4.3.1 Maßnahmen der Qualitätssicherung 47
4.3.2 Kosten der Qualitätssicherung 48
5. Kritische Erfolgsfaktoren 51
5.1 Beurteilung westlicher Erfolgskonzepte 51
5.2 Erfolgsfaktoren in der Planungsphase 55
5.3 Erfolgsfaktoren bei der Zusammenarbeit 58
6. Fazit 61
Anhang VI
Literaturverzeichnis IX

Automatisiert erstellter Textauszug:

großen Wert auf Pünktlichkeit. Für eine ausführlichere Darstellung vergleiche Anhang 3. Nach dieser Einteilung sind deutsche Manager tendenziell zu den M-Zeit und mittel- und osteuropäische eher zu den P-Zeit Typen zu zählen. Es ist sicherlich falsch anzunehmen, alle Menschen eines Kulturkreises oder eines Landes hätten dieselbe Zeitauffassung. Aber das Wissen um diese Stereotypen kann helfen, den Kulturschock156 zu vermindern und Mißverständnisse zu umgehen. Entscheidend ist dies vor allem zu Beginn der Verhandlungen. Hierbei sollte nicht immer nur das Geschäft und die damit verbundenen Erwartungen im Vordergrund stehen, sondern auch der Aufbau einer partnerschaftlichen Geschäftsbeziehung.157 Nur über diesen Weg kann echtes Vertrauen aufgebaut und damit ein besonderes Engagement und eine hohe Motivation des Beschaffungspartners erreicht werden.158 Trotz der dargestellten Verhaltenstypen, sollte die oft in der Literatur erwähnte Kulturverwandschaft der mittel- und osteuropäischen Länder nicht überschätzt werden. Es ist zu betonen, daß zwar alle Republiken der damaligen Sowjetunion eine gemeinsame Vergangenheit im kommunistischen System besitzen, die durch die Einparteienherrschaft, die zentrale Wirtschaftsplanung und das staatliche, bzw. gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln gekenzeichnet ist.159 Jedoch besaßen und besitzen noch heute alle eine eigene Sprache und eine differenzierte kulturelle Identität. So wird z.B. fälschlicherweise das Baltikum meistens als eine Einheit dargestellt, obwohl zwischen den Esten und ihren baltische Nachbarn fast keine Verwandschaft besteht.160 Trotz ihre Gemeinsamkeit in der Sprache besteht auch zwischen Litauen und Lettland ein zu beachtender Unterschied, da Litauen mit dem polnisch-katholischen und russisch-orthodoxen Kulturkreis und Lettland mit der protestantisch-hanseatisch-skandinavischen Kultur verbunden ist.161 Die kulturellen Risiken der internationalen Beschaffung sind umso tiefgreifender, [...]

eingeschränkt werden kann.150 3.2.2.1.2. Kulturelle Rahmenbedingungen Auch die kulturellen Rahmenbedingungen wirken sich direkt (z.B. durch Sprachbarrieren) und indirekt (z.B. durch ein unterschiedliches Zeitverständnis) auf die internationale Beschaffung aus. So kann die Kultur eines Landes eine spürbare Wirkung auf den Lieferservice haben, da unterschiedliche Werte, Einstellungen, kulturelle Normen, Mentalitäten oder eine gewisse Lebenshaltung die Lieferzeit, -zuverläßigkeit, -beschaffenheit und -flexibilität beeinflussen.151 Das Verständnis der Kultur des jeweiligen Gastlandes ist also nicht nur ein Schlüsselfaktor im Marketing, sondern auch für eine erfolgreiche Lieferbeziehung.152 Ein kulturangepaßtes Beschaffungskonzept muß zum einen generelle Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa, zum anderen Differenzen zwischen den einzelnen Ländern in Mittel- und Osteuropa berücksichtigen.153 Bei ersterem müssen unbedingt die gegensätzlichen, kulturell bedingten Zeitvorstellungen beachtet werden. Das Zeitverständnis hat einen großen Einfluß auf die Kommunikation und Organisation einer Geschäftsbeziehung.154 Es erklärt beispielsweise, warum in einigen Ländern bei Verhandlungen eine gewisse Eile angemessen ist, diese in anderen jedoch als sehr negativ empfunden wird. HALL beschreibt zwei extreme Verhaltensweisen bei der Aufgabenplanung: Monochronismus (M-Zeit) und Polychronismus (P-Zeit).155 Während Menschen, die dem M-Zeit Typus zuzurechnen sind sich mit ihrer Arbeit identifizieren, geschiet diese Identifikation bei P-Zeit Typen über die Familie, den Freundeskreis oder die Geschäftspartner. Sie gehen in zwischenmenschlichen Beziehungen auf und ihr Handeln ist kurz entschlossen und spontan. M-Zeit Typen handeln demgegenüber eher bedächtig und legen dabei [...]

nalen Beschaffungsmärkten zu plötzlichen Lieferausfällen führen können.143 Die politische Stabilität eines Landes ist einerseits durch das politische System, anderseits durch spezifische Risikofaktoren wie z.B. politische Konflikte oder Souveränitätsbestrebungen nationaler Minderheiten bestimmt.144 Sie beeinflussen die internationale Beschaffung insofern, daß z.B. die Verfolgung einer Single-SourcingStrategie145 aus einem politisch unsicheren Land vermieden werden muß. Um sich vor einem totalen Lieferantausfall abzusichern, sind zusätzliche Lieferanten in anderen Ländern zu erschließen.146 Neben der politischen Stabilität des Gastlandes, müssen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Sie weisen auf die unterschiedlichen Auffassungen über die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs auf den Märkten hin. So hat beispielsweise die Handelspolitik eines Landes, aufgrund tarifärer (z.B. Zölle) und nicht tarifärer Handelshemnisse, Einfluß auf die Entscheidungen im Auslandsgeschäft. Zu letzteren zählen direkte (z.B. Einfuhrquoten) und indirekt protektionistische schutz).147 Auch die Währungspolitik eines Landes kann die Auslandsgeschäfte erschweren, indem sie stark schwankende Wechselkurse bzw. eine hohe Inflationsrate zuläßt.148 Wirkt sich dies erheblich zu Ungunsten eines Vertragspartners aus, so kann der die Lust am Geschäft verlieren und die Beziehung abbrechen. Zu den Wechselkursrisiken werden auch Transferrisiken und Konvertierungsrisiken gezählt.149 Das Transferrisiko bezieht sich auf die Möglichkeit, daß der Staat in internationale Zahlungsverkehrsabwicklungen eingreifen kann. Das Konvertierungsrisiko beinhaltet die Gefahr, daß der Austausch von Guthaben des Auslandes in inländische Währung und die freie Verfügbarkeit über Guthaben im Ausland [...]

Arbeit zitieren:
Langenstein, Nijolé November 1999: Internationale Beschaffung am Beispiel Mittel- und Osteuropa, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Informationsquellenanalyse, Kritische Erfolgsfaktoren, Internationale Beschaffung, Internationalisierungsstrategien, Mittel- und Osteuropa

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