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Interkulturelles Training am Beispiel Frankreichs

Interkulturelles Training am Beispiel Frankreichs
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jens Dreischmeier
  • Abgabedatum: März 2005
  • Umfang: 98 Seiten
  • Dateigröße: 695,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Bielefeld - University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8710-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8710-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8710-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dreischmeier, Jens März 2005: Interkulturelles Training am Beispiel Frankreichs, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Management, international, Kompetenz, Kulturstandard, Culture Assimilator

Diplomarbeit von Jens Dreischmeier

Einleitung:

Durch steigende internationale Geschäftstätigkeiten, die Gründung von Auslandstöchtern, Fusionen und grenzüberschreitender Joint Ventures wird die Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zunehmend wichtiger. Unternehmen schicken ihr Personal ins Ausland, Mitarbeiter arbeiten mit fremdkulturellen Interaktionspartnern zusammen und/oder haben viel Auslandskontakt.

Ein wichtiger Handelspartner für Deutschland ist dabei Frankreich. Sowohl bei dem Anteil deutscher Exporte als auch bei dem Anteil der Einfuhren nimmt Frankreich mit 10,6% bzw. 9,2% als deutscher Handelspartner die Spitzenposition 2003 ein. Aufgrund dieser intensiven bilateralen Geschäftsbeziehungen mit Frankreich kommt es in der Praxis häufig zu interkulturellen Kontaktpunkten. Die ohnehin schon bestehende Komplexität einer geschäftlichen Beziehung wird durch den „Kulturfaktor“ erhöht. So zeigen die Schwierigkeiten der aus internationalen Fusionen hervorgegangenen Unternehmen wie EADS oder Aventis, dass kulturelle Unterschiede immer noch massiv unterschätzt werden.

Problemstellung:

Obwohl zwischen Deutschland und Frankreich keinerlei unüberwindbare Grenzen mehr zu bestehen scheinen, stößt man im internationalen Business auf kulturelle Differenzen, die es zu beachten gilt. Menschen aus anderen Kulturen zeichnen sich durch unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen aus. Der Umgang mit kultureller Vielfalt kann sich sowohl negativ als auch durchaus positiv bemerkbar machen. Es gilt, Risiken zu vermeiden, aber auch Synergiepotentiale und Chancen zu nutzen, und sich durch diese Fähigkeit einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

In diesem Zusammenhang macht ein neues Schlagwort die Runde – Interkulturelle Kompetenz – als Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung der Arbeitswelt. Über die allgemeine Feststellung hinaus, dass Mitarbeiter neue Kenntnisse und Fähigkeiten benötigen, um interkulturelle Kompetenz aufzubauen, besteht noch wenig Einigung darüber, was „Interkulturelle Kompetenz“ ausmacht, und wie der Prozess des Kompetenzerwerbs zu verstehen ist.

An diesem Punkt setzt die vorliegende Arbeit an. Folgende Fragen sollen im Wesentlichen geklärt werden:

- Welche Fähigkeiten bedingen interkulturelle Kompetenz?

- Wie kann ein Unternehmen seine Mitarbeiter gezielt auf interkulturelle Herausforderungen vorbereiten?

- Welche möglichen Inhalte eines interkulturellen Trainings deutscher Mitarbeiter für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich sind sinnvoll?

- Wie kann ein deutsch-französisches Training modellhaft aussehen?

- Was kann ein interkulturelles Training leisten und wo liegen die Grenzen?

Im Rahmen dieser Arbeit wird keinerlei Anspruch erhoben, die umfassende Wirklichkeit von Überschneidungssituationen in ihrer Komplexität zu beschreiben. Zu betonen ist an dieser Stelle, dass zwischenmenschliche Kommunikation ein weitaus komplizierter Prozess ist, als hier dargestellt werden kann. Zudem kann die Arbeit der Komplexität des Phänomens „Kultur“ nicht gerecht werden.

Der Fokus der Betrachtung soll hier vor allem auf wesentliche Kulturstandards eines deutsch - französischen Trainings liegen.

Gang der Untersuchung:

Ziel dieser Arbeit ist einerseits am Beispiel kulturspezifischer Unterschiede Konfliktpotentiale zwischen Deutschen und Franzosen aufzuzeigen. Dazu werden typische Einstellungen und Stereotype zwischen Deutschen und Franzosen aufgezeigt. Andererseits wird nicht nur die interkulturelle Problematik an der Zielkultur (Frankreich) festgemacht, sondern es werden zu gleichen Teilen die Kulturstandards der eigenen Kultur (Deutschland) dargestellt.

Idealerweise bietet diese Arbeit für einen Trainer einen groben Leitfaden, welche Kulturstandards für ein deutsch-französisches interkulturelles Training gewählt werden können. Zudem soll der Leser auf mögliche Konfliktpotentiale zwischen Deutschen und Franzosen aufmerksam gemacht und sensibilisiert werden.

Zunächst wird als Basis der Kulturbegriff und interkulturelle Kompetenz vorgestellt. Anschließend wird auf die mögliche Problematik der interkulturellen Interaktion eingegangen und das Kulturstandardkonzept als eine Antwort auf die Herausforderungen diskutiert.

Des Weiteren werden die kulturspezifischen Eigenarten im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich betrachtet. Dazu wird zunächst auf die Stereotype und Vorurteile eingegangen, die die Deutschen von Franzosen und vice versa haben. Die französischen sowie deutschen Kulturstandards bilden anschließend einen wichtigen Teil dieser Arbeit. Diese Kulturstandards, zusammen mit den Stereotypen und Vorurteilen, sind integrierter Bestandteil eines interkulturellen Trainings.

Basierend auf dieser Erkenntnis geht es letztlich darum, interkulturelle Kompetenz zu erlangen.

Zum Abschluss der Arbeit wird daher über ein interkulturelles Training für Deutsche für einen Frankreichaufenthalt nachgedacht. Hierzu werden Überlegungen hinsichtlich der Trainingsteilnehmer und – ziele angestellt. Es werden verschiedene Trainingstypen vorgestellt, in ihren Ansätzen beschrieben und exemplarisch dargestellt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Vorgehensweise 3
2. Theoretische Grundlagen zum interkulturellen Lernen 4
2.1 Gegenstand 4
2.2 Interkulturelle Kompetenz 6
2.2.1 Ein Überblick theoretischer Modelle 8
2.2.1.1 Das Modell nach Hampden-Turner & Trompenaars 9
2.2.1.2 Das Modell nach Hofstede 10
2.2.1.3 Das Modell der Kulturstandardforschung 12
2.2.2 Kritische Anmerkungen 14
2.3 Interkulturelles Lernen 16
2.4 Zeitliche Dimensionen der Auseinandersetzung mit neuen Kulturen 17
3. Kulturelle Unterschiede im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich 20
3.1 Stereotype und Vorurteile 20
3.2 Bildungssysteme hinsichtlich der Ausbildung von Führungskräften 24
3.3 Die Rolle des Staates in der Wirtschaft 27
3.4 Deutsch-französische Kulturstandards 29
3.4.1 Macht und Einflusswege: externale vs. internale Autorität 30
3.4.2 Entscheidungsprozesse: Dissens vs. Konsens 33
3.4.3 Kommunikationsstile 34
3.4.3.1 Implizite, indirekte Botschaften vs. explizite, direkte Botschaften 35
3.4.3.2 Informeller Diskurs vs. formeller Diskurs 37
3.4.4 Personenorientierung vs. Sachorientierung 38
3.4.5 Zeitmanagement: Simultanität vs. Konsekutivität 40
3.5 Zusammenfassung/Ausblick 41
4. Interkulturelles Training am Beispiel Frankreichs 42
4.1 Notwendigkeiten eines interkulturellen Trainings 42
4.2 Didaktik 43
4.3 Begrifflichkeit und Trainingszeitpunkt 46
4.4 Trainingsteilnehmer 47
4.5 Trainer 49
4.6 Trainingsziele 50
4.6.1 Affektive, kognitive und verhaltensorientierte Ziele 52
4.7 Trainingstechniken 54
4.7.1 Der Culture-specific Assimilator 55
4.7.2 Critical Incidents Exercise 57
4.7.3 Die „Markhall“ - Simulation 59
4.8 Trainingsinhalte 60
4.8.1 Modellhafter Ablauf eines deutsch-französischen Trainings 62
5. Schlussfolgerungen und Perspektiven 74
6. Zusammenfassung 76
7. Literaturverzeichnis 77

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.4.3.1 Implizite, indirekte Botschaften vs. explizite, direkte Botschaften Im verbalen Bereich unterscheiden sich Deutschland und Frankreich vor allem darin, dass die Franzosen sehr viel mehr Gebrauch von impliziten Botschaften machen. Das kann allein schon an der jeweiligen Bedeutung dieses Wortes klar gemacht werden. Während für die Deutschen „implizit“ etwas nicht deutlich oder nicht ausdrücklich darstellt, verstehen die Franzosen „implicite“ als eine Art Einladung mitzudenken und die Botschaft durch eigenes Weiterdenken zu ergänzen. Die Information ist in der impliziten Botschaft somit durchaus enthalten, nur steckt die eigentliche Botschaft gerade nicht im Gesagten, sondern im Ungesagten.101 So beklagen sich oftmals Deutsche, die sehr gut Französisch sprechen, darüber, dass sie beim Gespräch mit Franzosen oft nur die Hälfte verstehen.102 Das liegt vor allem darin begründet, dass der gemeinsame Erfahrungshorizont als Interpretationshilfe herangezogen werden muss. Kommunikation basiert in Frankreich auf der (implizit) geteilten Grundannahme, dass jede explizite Äußerung von einem impliziten Teil begleitet wird, der sogar häufig die wesentlichen Informationen enthält. Der explizite Teil der Botschaft liefert nur den Aufhänger. Dabei werden besonders wichtige [...]

umgehen gilt. Des Weiteren ist Entscheidungsmacht stark konzentriert in der Hierarchiespitze vorzufinden.84 Französische Organisationen sind daher eher hierarchisch aufgebaut und ganz auf den PDG gerichtet.85 Die Aufgabe der Führungspersönlichkeiten ist es vornehmlich, die Mitarbeiter direkt oder mit Hilfe eines Stellvertreters zur Ausführung von Entscheidungen zu bewegen und sie dabei zu kontrollieren. Dazu bedarf es des ständigen Kontakts mit allen Beteiligten. Die Führungsspanne oder anders ausgedrückt, die Anzahl der geführten Mitarbeiter, ist dabei notwendigerweise gering. Das führt häufig zu der Notwendigkeit vieler Hierarchieebenen, was wiederum zu mehrfacher Brechung der ursprünglichen Entscheidung führen kann. Daher ist in einem System mit einer eher externalen Autorität der Aufwand der Umsetzung groß. Ferner ist eine strikte Trennung zwischen Management und der operativen Ebene zu beobachten.86 Es wird an dieser Stelle ein kurzer Exkurs auf die Begrifflichkeiten und Rollen des „Patron“ und des „Cadre“ gegeben, die die Hierarchie in einem französischen Unternehmen mitbestimmen: Wie bereits beschrieben ist es in Frankreich üblich, Autorität und Verantwortlichkeiten in die Hand von einzelnen Persönlichkeiten zu legen. Dabei fällt dem Patron (in Form des PDG) eine besondere Rolle im französischen Management zu. Denn sein Status hebt sich deutlich vom Rest des TopManagements ab. Ihm obliegen die Entscheidungen, er delegiert wenig und greift in alle Führungsebenen ein. Eine Delegation von Entscheidungen auf untergeordnete Ebenen würde als Führungsschwäche angesehen und wird daher vermieden. So herrscht in französischen Unternehmen unangefochten und in einsamer Größe der Patron.87 Gewöhnlich zieht er von Paris aus die Fäden. Falls die Firmenzentrale anderswo beheimatet ist, verfügt er ganz ohne Zweifel über eine Suite in der Hauptstadt.88 Der Begriff des so genannten Cadre, für den es kein geeignetes deutsches Synonym gibt, stellt in erster Linie einen Status dar, der sich hauptsächlich durch ein höheres Gehalt und bessere Absicherungen, z. B. in Form einer hohen [...]

3.4 Deutsch-französische Kulturstandards Im Folgenden werden einige deutsch-französische Kulturstandards, die möglicher Inhalt eines kulturspezifischen interkulturellen Trainings sein können, beschrieben. Die Liste der Kulturstandards erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit und ist jederzeit erweiterbar. Es wird zudem mit Hilfe von Verweisen deutlich gemacht, dass viele Kulturstandards miteinander verzahnt sind und nicht als einzelne Instanz gesehen werden können. Die Betrachtungsweise bezieht auch die deutschen Kulturstandards mit ein. Ihre Relevanz für interkulturelle Trainings macht folgendes, sinngemäßes Zitat von A. Thomas deutlich: Die wohl größten Probleme internationaler Kollaborationen sind nicht darauf zurückzuführen, dass die jeweiligen Partner zu wenig voneinander wissen. Vielmehr spielt die Tatsache eine Rolle, dass die Geschäftspartner zu wenig über die eigenen Werte und Normen wissen – wie sie empfinden, über etwas denken und Situationen einschätzen – weil sie ihre eigenen kulturellen Regeln und Verhal- [...]

Arbeit zitieren:
Dreischmeier, Jens März 2005: Interkulturelles Training am Beispiel Frankreichs, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Management, international, Kompetenz, Kulturstandard, Culture Assimilator

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