Interkulturelle Problemfelder und Perspektiven wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Raum Saarland-Lothringen
Sozio-kulturelle Implikatoren und interkulturelle Qualifikation in Aus- und Weiterbildung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Christian Wille
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 245 Seiten
- Dateigröße: 5,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität des Saarlandes Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7079-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7079-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7079-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wille, Christian Januar 2003: Interkulturelle Problemfelder und Perspektiven wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Raum Saarland-Lothringen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Interkulturalität, deutsch-französische Zusammenarbeit, interkulturelle Kompetenz, Europa
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Magisterarbeit von Christian Wille
Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit verfolgt die Zielsetzung, zentrale interkulturelle Problemfelder in den deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen zu identifizieren und zu analysieren am Beispiel der saarländisch-lothringischen Wirtschaftsverflechtungen. Die umfangreiche, sehr gut strukturierte und stilistisch gut formulierte Arbeit untergliedert sich in drei Teile, in denen zum einen Gegenstandsbereich, Vorgehensweise und methodische sowie theoretische Grundlagen der Interkulturellen Kommunikation (Teil I), interkulturelle Problemfelder in den saarländisch-lothringischen Wirtschaftsbeziehungen (Teil II) und schließlich ein interkulturelles Qualifikationsprofil für grenzüberschreitend tätige Wirtschaftsakteure entwickelt werden einschließlich Handlungsvorschläge für dessen Integration in die Bildungsprogramme der staatlich anerkannten Einrichtung der Aus- und Weiterbildung im Saarland.
Im Einleitungsteil der Arbeit wird Theorie und Methodik der Interkulturellen Kommunikation in sehr überzeugender Weise in Verbindung gebracht mit dem Untersuchungsgegenstand sowie der empirischen Vorgehensweise des Verfassers, die auf einer eigenen empirischen Untersuchungen bei saarländischen Wirtschaftsakteuren mit Frankreichkontakt (mit freundlicher Unterstützung der IHK Saarland), auf Spezialisteninterviews und auf einer sehr gut recherchierten Analyse von einschlägiger Fachliteratur und weiteren empirischen Befunden mit ähnlichen Fragestellungen beruht.
Im zweiten Teil der Arbeit werden zentrale interkulturelle Problemfelder der grenzüberschreitend wirtschaftlichen Zusammenarbeit erläutert, die sowohl unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen, Ausbildungssysteme, Sozialisations-, Organisations- und Kommunikationsstile in Deutschland und Frankreich umfassen. Der Verfasser arbeitet die nationenspezifischen Unterschiede geradezu in exemplarischer Anschaulichkeit heraus und analysiert diese kontrastiv in synchronischer Perspektive mit dem Ziel, kulturelle Entwicklungen bzw. Kontinuitäten in beiden Ländern als Erklärungsansätze für die phänomenologische Ebene herauszustellen.
Im letzten Teil der Arbeit wird auf der Grundlage der herausgearbeiteten Problemfelder und Desiderata ein interkulturelles Qualifikationsprofil erarbeitet, das sich an den Erkenntnissen der Kooperationsforschung sowie der Forschung zur Internationalisierung der Berufsbildung orientiert. Zugleich werden Lösungsmöglichkeiten für die Integration des Profils sowie seiner Teilkompetenzen in die Aus- und Weiterbildung im Saarland entwickelt. Hierbei konzentriert sich der Verfasser vor allem auf das Modell der dualen Berufsausbildung unter Berücksichtigung der schulischen und betrieblichen Ausbildung. Für den Weiterbildungsbereich wird ein flexibles und modularisiertes interkulturelles Bildungsangebot konzipiert, das den heterogenen Bedürfnissen unterschiedlicher Bildungsnachfrager entspricht und eine Zusammenarbeit von Institutionen der beruflichen Bildung sowie der allgemeinen und politischen Bildung erfordert.
Inhaltsverzeichnis:
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | 3 | |
| TABELLENVERZEICHNIS | 4 | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | 5 | |
| I. | EINLEITUNG | 6 |
| 1. | GEGENSTANDSBEREICH, ZENTRALE FRAGESTELLUNGEN UND AUFBAU | 9 |
| 2. | FORSCHUNGSLAGE UND THEORETISCHE KONZEPTE | 13 |
| 2.1 | Erweiterter Kulturbegriff und seine integrierende Betrachtung | 14 |
| 2.2 | Kulturerwerb und Sozialisationsinstanzen | 18 |
| 2.3 | Kulturelle Standardisierung und Individualität | 22 |
| 2.4 | Kulturelle Überschneidung und Interkulturalität | 25 |
| 3. | METHODIK UND UNTERSUCHUNGSDESIGN | 30 |
| 3.1 | Standardisierte Befragung | 30 |
| 3.1.1 | Fragebogenkonzeption - Durchführung - Auswertung | 31 |
| 3.1.2 | Stichprobenbeschreibung | 34 |
| 3.2 | Studienauswertung | 36 |
| 3.2.1 | Studienprofile | 37 |
| 3.2.2 | Überschneidungsbereiche - Synoptischer Überblick | 40 |
| II. | INTERKULTURELLE PROBLEMFELDER IN SAARLÄNDISCH-LOTHRINGISCHEN WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN | 42 |
| 1. | GRENZREGION SAARLAND-LOTHRINGEN | 42 |
| 1.1 | Gemeinsame Wirtschaftsgeschichte | 43 |
| 1.2 | Gemeinsamer Strukturwandel | 45 |
| 1.3 | Interregion Saarland-Lothringen | 47 |
| 2. | SYSTEMATISIERUNG UND POSITIONIERUNG VON PROBLEMFELDERN | 52 |
| 3. | RECHTSVORSCHRIFTEN UND ADMINISTRATION | 55 |
| 3.1 | Staat, Wirtschaft und Administration in Deutschland und Frankreich | 57 |
| 3.1.1 | Nationalisierung und territoriale Zersplitterung | 58 |
| 3.1.3 | Entwicklungen in Wirtschaft und Administration | 63 |
| 3.1.4 | Zusammenführung: zentralistische Mentalitäten | 67 |
| 4. | FREMDSPRACHE UND INTERPERSONALE KOMMUNIKATION | 70 |
| 4.1 | Fremdsprache, Fremdsprachenbedarf und Fremdsprachenkompetenz | 72 |
| 4.1.1 | Verhandlungs- und Korrespondenzsprache | 72 |
| 4.1.2 | Französischbedarf nach Tätigkeitsbereichen | 74 |
| 4.1.3 | Französischkenntnisse | 75 |
| 4.1.4 | Französischbedarf und -kompetenz nach Mitarbeitergruppe und Hierarchieebene | 76 |
| 4.1.5 | Zusammenfassung | 78 |
| 4.2 | Interpersonale Kommunikation in Deutschland und Frankreich | 79 |
| 4.2.1 | Gesprächsorganisation: Sprecherwechsel und Sequenzierung | 79 |
| 4.2.2 | Kulturspezifische Werte: Diskursästhetik | 83 |
| 4.2.3 | Informationsübermittlung: Kontextorientierung | 85 |
| 5. | KULTUR- UND SOZIALISATIONSUNTERSCHIEDE | 89 |
| 5.1 | Arbeitsstil und Projektmanagement | 89 |
| 5.2 | Berufsbildung in Deutschland und Frankreich | 95 |
| 5.2.1 | Geschichtlicher Rückblick | 96 |
| 5.2.2 | Bildung und Education als kulturelle Schlüsselwörter | 99 |
| 5.2.3 | Grundzüge der Berufsbildungssysteme | 103 |
| 5.2.4 | Relevante Merkmale für die Zusammenarbeit | 110 |
| 5.3 | Zusammenführung | 119 |
| III. | INTERKULTURELLE QUALIFIKATION UND PERSPEKTIVEN FÜR VERBESSERTE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT IM RAUM SAARLAND-LOTHRINGEN | 123 |
| 1. | INTERKULTURELLES QUALIFIKATIONSPROFIL | 123 |
| 1.1 | Fremdsprachenkompetenz | 126 |
| 1.2 | Interkulturelle Kompetenz | 129 |
| 1.3 | Fachliche Kompetenz | 135 |
| 1.4 | Zusammenfassung | 136 |
| 2. | INTERNATIONALISIERUNG VON AUS- UND WEITERBILDUNG | 138 |
| 2.1 | Internationalisierungstendenzen | 138 |
| 2.2 | Frankreichorientierung saarländischer Berufsschulen | 142 |
| 2.3 | Frankreichorientierung saarländischer Weiterbildungseinrichtungen | 145 |
| 3. | INTEGRATION INTERKULTURELLER QUALIFIKATION IM SAARLAND | 150 |
| 3.1 | Handlungsmöglichkeiten in der beruflichen Ausbildung | 151 |
| 3.2 | Handlungsmöglichkeiten in der Weiterbildung | 164 |
| 4. | STRATEGIE ZUR INTEGRATION INTERKULTURELLER QUALIFIKATION IM SAARLAND | 167 |
| 4.1 | IQ-Kampagne: Handlungsbedarf signalisieren | 167 |
| 4.2 | IQ-Plakette: Handlungsanreize schaffen | 168 |
| IV. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 170 |
| BIBLIOGRAPHIE | 171 | |
| ANHANG | 183 |
Die Ausführungs- bzw. Umsetzungsphase dient der Realisierung der in der Planungsphase erarbeiteten Strategien sowie der Koordination von Aufgaben und schließlich der Zielerreichung. Die deutsche Umsetzungsphase wird stringent auf ein präzise definiertes Ziel ausgerichtet und kennzeichnet sich durch die rasche Umsetzung der im Vorfeld ausgewählten Entscheidungen. Hierbei werden Kompetenzen, Aufgaben und Verantwortung an die Beteiligten verteilt, die zumeist Spezialisten auf ihrem Gebiet sind. Die starke Aufgabenteilung bewirkt wenig Flexibilität und eine schwach ausgeprägte Reaktivität, die jedoch erforderlich sind, um auf nicht vorhergesehene Ereignisse angemessen reagieren zu können.345 Beim französischen Projektmanagement bleibt durch die eingangs globale Planung eine gewisse Offenheit erhalten, die Anpassungen des Projekts an spontan auftretende und unvorhergesehene Umwelteinflüsse zulässt. Dies trägt dazu bei, neue Entwicklungen flexibel in die Umsetzungsphase zu integrieren bzw. das Projekt prozessorientiert an ihnen entlang auszurichten. Die globale Definition des Projektziels ermöglicht, das Projekt schließlich am Punkt der angestrebten Funktionalität zu Ende zu führen. In Situationen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bewirken diese unterschiedlichen Formen von Projektmanagement oft Missverständnisse und erschweren die Zusammenarbeit wie folgendes Zitat bestätigt: „[… ] der deutsche Techniker oder der deutsche Arbeiter akzeptiert es nur unter großen Schwierigkeiten, daß wichtige Ziele alle zwei, drei oder sechs Monate wieder in Frage gestellt werden.“346 Ferner wird das 'französische Vorgehen' von Deutschen oftmals als unzuverlässig, labil und unberechenbar gewertet. Eine rasche Entscheidung wirkt aus deutscher Sicht nicht professionell und kann das Vertrauen in den französischen Partner mindern. Dahingegen wird die 'deutsche Vorgehensweise' von Franzosen oft als langatmig, kompliziert und komplex wahrgenommen.347 Die skizzierten deutsch-französischen Unterschiede im Projektmanagement sind auf jeweils unterschiedliche Arbeitsstile bzw. Handlungsmuster zurückzuführen. Um der Frage nachzu344 345 [...]
ternativen zu durchdenken. Einzelschritte werden detailliert festgelegt, Einfluss- und Störungsgrößen, die eine in dieser Phase festgelegte Durchführung behindern können, genau abgeschätzt und weitgehend beseitigt. Diese Vorgehensweise ist von Sachlichkeit geprägt; abstrakte und komplizierte Denkmodelle werden zielgerichtet angewandt und emotionalen Faktoren sowie 'großen Ideen' wird wenig Platz eingeräumt. Im Gegensatz dazu ist die französische Planungsphase vom spielerischen Umgang mit außergewöhnlichen Ideen und von Innovation gekennzeichnet. Mit Kreativität, die sich durch bewährte Lösungen und bereits existierende Produkte nicht einengen lässt, werden Ideen erst nach Entwicklung des Gedankens auf ihre Realisierbarkeit überprüft. Dies bestätigt folgendes Zitat eines Saarländers: „Freude an der 80-Prozent-Lösung mit individueller Note versus Perfektion bis zur Langweile bei den Deutschen.“340 Der Fokus wird auf die rasche Umsetzung gelegt und französische Projekte weisen folglich eine kürzere Planungsphase auf, in der die Einflussgrößen und Handlungsalternativen nicht immer in ihrer Gesamtheit berücksichtigt werden. Dieses Vorgehen wird von der vergleichsweise groben Festlegung des Projektziels unterstützt, bei der nicht präzise eingegrenzt und abgesteckt, sondern eher global definiert wird. Der Begriff Entscheidungsfindung umfasst alle Faktoren, die zum Zustandekommen einer Entscheidung beitragen. Entscheidungen können rational oder intuitiv, gemeinsam oder einzeln, schnell oder langsam getroffen werden. Die in dieser Phase „[… ] getroffene Entscheidung ermöglicht die konkrete Umsetzung und Ausführung des theoretisch Möglichen.“341 Deutsche tendieren hierbei zu einem demokratischen Vorgehen unter Einbezug aller Beteiligten. Auf diese Weise kann jeder Spezialist sein Fachwissen einbringen und somit zur Beseitigung potentieller Reibungen in der Ausführungsphase beitragen. Bei einem solchen Entscheidungsprozess mit dem Ziel der Konsensfindung tragen alle Beteiligten die Verantwortung, was dem deutschen Gesellschaftsideal der Gleichheit und Harmonie entspricht.342 In Frankreich bewirkt der relativ geringe Partizipationsgrad der Beteiligten eine vergleichsweise rasche Entscheidungsfindung. Ausgeprägte Machtstrukturen führen die Entscheidung in Frankreich auf Führungskräfte zurück, die eher eine individualistische als eine konsensuale Entscheidung favorisieren, da sich hier die Freiheit des Individuums in der Möglichkeit ausdrückt, autonom Entscheidungen zu fällen.343 Somit erübrigen sich – wie in Deutschland – zeitaufwendige Diskussionen, um einen gemeinsam getragenen Konsens herbeizuführen. [...]
Gleichwertigkeit des jeweiligen Arbeitstils sowie das rationale Abwägen von Stärken und Schwächen im deutsch-französischen Vergleich. Analog dazu sind auch im Projektmanagement Synergien auszumachen. Projektmanagement bezeichnet nach DIN 69901 die Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mittel zur Abwicklung eines Projektes. Ein Projekt stellt hierbei eine Abfolge von Aktivitäten dar, die miteinander im Zusammenhang stehen und in einem begrenzten Zeitraum erfolgen mit dem Ziel, ein einmaliges und zuvor definiertes Ergebnis zu erreichen.336 Der folgende deutsch-französischen Vergleich bzgl. der Abwicklung von Projekten soll Unterschiede aufzeigen, die sich auf einzelne Projektphasen und den Faktor Zeit beziehen. Zu den im Folgenden berücksichtigten zentralen Phasen gehören Planung, Entscheidung und Ausführung, die wiederum Teilphasen enthalten. Nachstehende Abbildung (Abb. 23) illustriert im Zeitverlauf modellhaft die genannten Phasen des Projektmanagements, wobei die obere Zeile die idealtypische Abwicklung eines deutschen und die untere die eines französischen Projekts abbildet. Das Modell beruht auf Hypothesen und Arbeitsergebnissen, die anhand isolierter Beobachtungen und partiellen Umfragen bei Barmeyer gewonnen wurden.337 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832470791
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Wille, Christian Januar 2003: Interkulturelle Problemfelder und Perspektiven wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Raum Saarland-Lothringen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Interkulturalität, deutsch-französische Zusammenarbeit, interkulturelle Kompetenz, Europa



