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Interkulturelle Lernprozesse in bikulturellen Partnerschaften am Beispiel muslimisch-christlicher Ehen

Interkulturelle Lernprozesse in bikulturellen Partnerschaften am Beispiel muslimisch-christlicher Ehen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kristina Shamsi
  • Abgabedatum: Juli 2001
  • Umfang: 173 Seiten
  • Dateigröße: 5,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5031-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5031-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5031-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Shamsi, Kristina Juli 2001: Interkulturelle Lernprozesse in bikulturellen Partnerschaften am Beispiel muslimisch-christlicher Ehen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Interkulturelle Kompetenz, Binationale Ehen, Interethnische Ehen, Islam, Orientalismus

Diplomarbeit von Kristina Shamsi

Zusammenfassung:

Diese Arbeit befasst sich mit bikulturellen Partnerschaften, ein Thema, das in weiten Teilen dieser Welt aktuell ist, im deutschen Sprachraum allerdings erst seit zwei Jahrzehnten erforscht wird. Als spezielle Thematik wurde die muslimisch-christliche Partnerschaft ausgewählt, wobei als besonders brisant die gegenseitige Wahrnehmung von Islam und Christentum erscheint.

Historische Hintergründe, sowie die aktuelle politische Situation werden beschrieben. Desweiteren wird auf die Problematik der bikulturellen Ehen im allgemeinen, sowie im speziellen eingegangen.

Als wesentliches Element allerdings wird herausgearbeitet, ob auch interkulturelles Lernen möglich ist und welcher Voraussetzungen es bedarf. Vorgestellt werden sechs Biographien, die im Anhang vollständig transkribiert sind. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den Reaktionen von Familie, peers und Behörden auf die Partnerschaften.

Insgesamt bietet die Arbeit die Möglichkeit weiterer Forschung auf diesem Gebiet.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 5
I. Theoretischer Teil
1. Islam - Christentum 7
1.1 Kulturell-historische Hintergründe 7
1.1.1 Die Entstehung des Orientalismus 12
1.1.2 Deutscher Orientalismus 15
1.2 Die islamische Welt und der Westen 18
1.3 Aktuelle Situation im Westen 22
1.4 Aktuelle Situation im Osten 27
1.5 Zusammenfassung 31
2. Bikulturelle Ehe 31
2.1 Situation bikultureller Ehe 31
21.1 Gesetzliche Bestimmungen 34
2.2 Forschungsstand 35
2.2.1 Deutschsprachige Literatur 36
2.2.2 Thode-Arora 41
2.3 Zusammenfassung 46
3. Interkulturelles Lernen 46
3.1 Einführung 46
3.2 Phasen Interkulturellen Lernens 48
3.2.1 Voraussetzungen 51
3.3 Interkulturelle Kompetenz 53
3.3.1 Transkulturelle Kompetenz 53
3.4 Zusammenfassung 54
Zielsetzung der empirischen Arbeit 55
II. Empirischer Teil
1. Methodendarlegung 57
1.1 Auswahl der Methode 57
1.1.1 Grenzen 58
1.2 Kriterien zur Durchführung 59
1.2.1 Durchführung 61
1.3 Auswertungsverfahren 61
1.3.1 Grenzen 62
1.4 Interviewauswertung 62
2. Ergebnisse 63
2.1 Diana 63
2.1.1 Exkurs: Islam und Christentum als Institution 67
2.2 Joanna 67
2.3 Regina 72
2.4 Fereshte 75
2.5 Bülben 79
2.6 Sabine 82
3. Auswertung & Diskussion 85
3.1 Situation vor der Partnerwahl 85
3.2 Reaktionen von Familie und peers 87
3.2.1 Reaktionen der Familie und der Interviewten auf die islamische Situation 88
3.3 Behörden 89
3.4 Selbstdefinition 90
3.5 Davis-Merton-Hypothese des kompensatorischen Austausches 92
3.5.1 Summationstheorie 94
3.6 Konflikte 94
3.7 Kommunikation 95
3.8 Prozesse Interkulturellen Lernens 95
3.8.1 Voraussetzungen 95
3.8.2 Alltag 96
3.8.3 Kenntnisse und Verlaufsprozesse 97
3.8.4 Grenzen Interkulturellen Lernens 99
3.8.5 Zusammenfassung 99
Resümee 102
Literaturverzeichnis 107
Anhang 114

Automatisiert erstellter Textauszug:

Im Urlaub ist Joanna sehr aufmerksam und beobachtet, wie sich Menschen unterschiedlicher Kulturen verhalten. Sie merkt auch, wie sehr viel Unverständnis von beiden Seiten da ist: "... ich finde, wenn ich Akzeptanz finden möchte, auch im anderen Kulturkreis, dann muss ich mich erstmal so verhalten, dass die Leute auch Interesse an mir bekommen und wenn ich mich unverschämt zeige ... dann kann ich keine Akzeptanz erwarten, ich muss mich ja erstmal so geben, dass die Leute auf mich zugehen möchten und mich nicht unmöglich finden. Das ist doch auch, wenn man in den Urlaub fährt oder so. Ich find', das Schreckliche war in Tunesien die FKK-Leute, ich hab' mich in Grund und Boden geschämt für die deutschen Damen, die da "Oben Ohne" ... das war so schlimm und dann regen sich alle auf, dass die Tunesier immer die Frauen angraben...die denken ja auch, die Frauen wollen angegraben werden. Ihre eigenen Frauen, die würden ja nicht „Oben Ohne“ am Strand sitzen. Joanna ist der Meinung, dass man in der Partnerschaft über alles reden sollte Sie glaubt jetzt auch die Gedankengänge von türkischen Männern zu verstehen, die beispielsweise Schwierigkeiten haben, ihre Freundin oder Frau abends alleine wegzulassen. Joanna erzählt: "... da haben die Schwierigkeiten, aber das auch nicht, weil sie jetzt Macht haben wollen oder so oder irgend so'n Machogehabe, sondern die kämpfen wirklich mit sich, das ist dann auch, dass sie Angst haben. Bei Kemal war es wirklich ganz eindeutig, der macht sich Sorgen, ob mich da einer umhaut oder ob ich da vergewaltigt werde ..." Joanna versuchte ihrem Mann verständlich zu machen, dass sie auch mal mit einer Freundin oder alleine weggehen möchte, weil ihr manchmal die Decke auf den Kopf fällt. Das Arrangement sah dann so aus, dass Joanna immer ein Handy dabei hat und so erreichbar ist. Über ihr Ehekonzept sagt Joanna: "... wir haben uns ja selber was geschaffen in sechs Jahren, wir hören türkische Musik, wir essen türkische Sachen, wir essen deutsche Sachen ... wir haben uns das Beste genommen, was wir kriegen konnten und zur Zeit sind wir auf 'nem Spanien-Trip. Wir interessieren uns für alles, was mit Spanien zu tun hat." Nicht ganz klar wird bei Joannas Aussagen, welche anderen kulturellen Anteile außer Musik und Essen sich die Partner aus der deutschen und Kultur herausgesucht haben. Es entsteht eher der Eindruck einer Distanziertheit zu beiden Kulturen. [...]

schrecklich gewesen, wir haben das ganze Geld, was wir eigentlich für die Hochzeit nehmen wollten, haben wir nur für Papiere ausgegeben." In der Türkei musste zudem ein Ehefähigkeitszeugnis beantragt werden, dass er keinen Harem hat. Joanna fühlte sich auf dem Standesamt auch komisch angeguckt und die sagen dann auch, es kann ja sein, dass ihr Mann da noch eine Frau hat, das können sie ja gar nicht wissen. Nach der Heirat sprachen Joanna und ihr Mann viel miteinander, auch über verschiedene Verhaltensweisen und Gedankengänge. Joanna fing daraufhin an, bestimmte Sache anzunehmen, so raucht sie nicht vor ihren Schwiegereltern und umarmt auch nicht ihren Mann vor deren Augen. Auch ihr eigenes Verhalten aus der Jugendzeit nimmt sie nicht mehr als Maßstab und findet es in Ordnung, wenn die Tochter ihres Schwagers nicht mit Jungen in Kontakt kommt. In diesem Kontext erzählt sie über einen Begebenheit, die sich im Mietergarten des Schwagers abspielte. Ein zwölfjähriger deutscher Junge lief hinter der Tochter von Joannas Schwager hinterher. Daraufhin bat das Mädchen Joanna um Hilfe, denn von ihrer Erziehung her weiß sie, dass das nicht richtig ist, dass er ihr die ganze Zeit hinterherstiefelt und wenn mein Schwager das sieht, dann schimpft er auch. Daraufhin erklärte Joanna dem Jungen, dass der Papa oben steht am Fenster und runterschaut. Sie bat ihn, erst bei den Eltern zu klingeln, sie zu begrüßen und dann höflich anzufragen, ob er mit dem Mädchen unter ihrer Aufsicht spielen dürfe. In der Zwischenzeit hält sich der Junge daran und holt sich zuerst bei den Eltern die Erlaubnis. Joannas Meinung über deutsche Partnerschaftsbeziehungen hat sich nicht geändert. Sie findet die Beziehungen zu oberflächlich. Im Gegensatz dazu sagt ihr der türkische Kulturkreis, den sie abgegrenzt zum deutschen sieht, mehr zu, vor allem wenn es um Familienbeziehungen geht. Andererseits berichtet Joanna aber über gute Kontakte zu Deutschen im Kindergarten: "... die Deutschen, da hab' ich jetzt so schnell Kontakte gefunden. Die eine Mutter ist schon fast 'ne Freundin von mir, die nimmt dann meine Kinder mit, ich nehm' ihre Kinder mit. Mit den Deutschen ist es nicht so kompliziert, bei den Türken, da müssen die Vater und Mutter kennen lernen, dann muss die ganze Familie da hinkommen, dann muss man die Familie wieder gegeneinladen ..." Joannas Mann findet die Türken sehr kompliziert und kann vor allem Kopftuchträger und deren Angehörige gar nicht leiden. Er findet das konservativ, affig und hinterwäldlerisch. [...]

Joanna hält das erste Treffen mit ihrem späteren Mann für ein bisschen verrückt und erzählt ganz begeistert: "... meine Freundin war verabredet und meinte, komm doch mit ... und dann bin ich mitgegangen und der Igor hat den Kemal mitgebracht, meinen Mann (späteren) ... und dann habe ich den gesehen und dachte so oh, oh, der hat mir richtig gut gefallen, gleich so auf den ersten Blick und dann habe ich mich extra so hingesetzt, dass ich den nicht die ganze Zeit angucken musste, weil ich bin dann immer so verlegen und er hat sich dann extra umgesetzt, dass er mich angucken kann ... und dann sind wir noch irgendwie tanzen gegangen ... und dann habe ich zu ihm gesagt, wenn er was von mir möchte, dann muss er mich heiraten ... wir waren total verliebt ineinander ..." Joannas Faszination hatte auch etwas mit dem dunklen Aussehen des Partners zu tun und vor allem mit der Nationalität. So war für sie vornherein klar: "... ich will keinen deutschen Mann..." Mit der türkischen Kultur ihres Mannes verband Joanna auch noch etwas anderes, nämlich 'ne ganz intensive Beziehung, wo man auch füreinander verantwortlich ist und wo man auch Verpflichtungen gegeneinander hat." Joanna glaubte, dass es in der deutschen Kultur so etwas nicht gibt, weil jeder nur für sich selber verantwortlich ist. Die Nachricht der Heirat wurde von beiden Familien erst mal nicht so gut aufgenommen. Vor allem der Vater von Joanna war gar nicht einverstanden. Mit einem Engländer oder Franzosen wäre er einverstanden gewesen, aber nicht mit jemanden aus dem orientalischen Raum, denn da würde Joanna gleich den Vater und die Brüder mitheiraten und wäre nur noch eine Gebärmaschine. Auch historisch gewachsenen kollektive Ängste kamen beim Vater hoch, als er seiner Tochter zu bedenken gab, dass die Türken schon vor Wien standen. Eine Tante Joannas wiederum glaubte, die Heirat wäre eine Scheinheirat, bei der es dem Mann nur darum ging, den deutschen Pass zu beantragen. Die Schwiegerfamilie stand Joanna zu Anfang etwas skeptisch gegenüber und beobachteten sie genau. Mit Deutschen verbanden sie Begriffe wie Herzlosigkeit, Kälte und Rassismus. Sie hatte auch Angst vor ihnen. Schikanen ergaben sich auch beim Standesamt. Joanna berichtet: "... also, als wir heiraten wollten, mussten wir ziemlich lange kämpfen, um diese ganzen Papiere und Unterlagen - er hat keinen deutschen Pass - und das war [...]

Arbeit zitieren:
Shamsi, Kristina Juli 2001: Interkulturelle Lernprozesse in bikulturellen Partnerschaften am Beispiel muslimisch-christlicher Ehen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Interkulturelle Kompetenz, Binationale Ehen, Interethnische Ehen, Islam, Orientalismus

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