Interkulturelle Kompetenzen als Anforderung im internationalen Verhandeln
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Beata Janosz
- Abgabedatum: Januar 2010
- Umfang: 90 Seiten
- Dateigröße: 820,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- Bibliografie: ca. 52
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0824-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Janosz, Beata Januar 2010: Interkulturelle Kompetenzen als Anforderung im internationalen Verhandeln, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Interkulturelle Kompetenz, Weiterbildung, Empirisch, Methode, Verhandlung
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Diplomarbeit von Beata Janosz
Einleitung:
Die vorliegende Diplomarbeit ist eingebettet in die Debatte über die Multikulturalität der Gesellschaft und soll einen Beitrag dazu leisten.
In der Diplomarbeit zum Thema ‘Interkulturelle Kompetenzen als Anforderung im internationalen Verhandeln’ gehe ich der Frage nach, welche Relevanz die interkulturellen Fähigkeiten für einen Erfolg auf dem internationalen Arbeitsmarkt haben. Ausgehend von der Hypothese, dass die interkulturellen Kompetenzen heutzutage zu den unentbehrlichen beruflichen Qualifikationen gehören, wird untersucht, inwiefern die zur Verfügung stehenden Methoden diese Fähigkeiten vermitteln können. Diese Problemstellung setzt voraus, dass die interkulturellen Kompetenzen erlernbar sind, was ebenso zu überprüfen ist.
Damit die vielen Vorteile, die Globalisierung und Welthandel mit sich bringen, entsprechend genutzt werden können, soll den Menschen ein passendes Werkzeug an die Hand gegeben werden. Interkulturelle Kompetenzen werden heute immer häufiger als ein solches Werkzeug eingesetzt. In der interkulturellen Forschung wurden zahlreiche Methoden zur Förderung und zum Erwerb interkultureller Kompetenzen entwickelt, je nachdem, für welchen Bereich diese Schlüsselqualifikationen dienen sollten. Die interkulturelle Forschung beschäftigt sich unter anderem mit den linguistischen Aspekten (Fremdsprachenbereich), analysiert die Kompetenz aus der Sicht der Globalisierung und Multikulturalität (gesellschaftswissenschaftlicher Bereich) oder entwickelt Ansätze zur Förderung interkultureller Kompetenz durch Trainingsprogramme, Coaching, sowie durch ihre Anwendung in interkultureller Beratung und Konfliktlösung (Bereich der internationalen Personal- und Organisationsentwicklung). In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie groß das Interesse an solchen Maßnahmen bei Personen ist, die fast täglich in internationale Handelsbeziehungen treten, und wie die Methoden zum Erwerb interkultureller Kompetenzen von ihnen bewertet werden.
Interkulturelle Kompetenzen sollten aber nicht nur als Werkzeug für einen erfolgreichen Umgang mit Geschäftspartnern aus anderen Kulturkreisen betrachtet werden. Wissenschaftlich betrachtet ist ‘interkulturelle Kompetenz’ ein sehr komplexer Terminus, dessen Analyse zur Entstehung zahlreicher Modelle führte, in denen die Teilkomponenten interkultureller Kompetenz nach verschiedenen Kriterien kategorisiert und in unterschiedlichen Dimensionen platziert werden (in der affektiven, der kognitiven und der verhaltensbezogenen Dimension). Diese Kategorisierung liefert Informationen über die Persönlichkeitsmerkmale, die beim Erwerb und der Förderung interkultureller Kompetenzen eine entscheidende Rolle spielen. Abhängig davon, was der Berührungspunkt im interkulturellen Kontakt ist, kann anhand der kategorisierten Persönlichkeitseigenschaften entschieden werden, welche Methode am erfolgreichsten eingesetzt werden kann.
Für wen sind die interkulturellen Qualifikationen besonders unverzichtbar? Unter dem Gesichtspunkt des internationalen Verhandelns, das das Thema der Arbeit umfasst, sind die interkulturellen Kompetenzen für alle Mitarbeiter von international tätigen Unternehmen von sehr großer Bedeutung. Zwar ist der Übergang von einem nationalen Unternehmen zu einem internationalen Unternehmen nicht einfach, aber für dessen Erfolg sind nicht zuletzt die Mitarbeiter verantwortlich.
In der Literatur sind mehrere Ansätze zu finden, die den Ablauf des Internationalisierungsprozesses eines Unternehmens beschreiben. Die Praxis zeigt aber, dass es sich bei diesen Ansätzen nur um idealtypische Modelle handelt, die sehr selten oder nie in der beschriebenen Form stattfinden. Was allen Unternehmen im Laufe des Internationalisierungsprozesses gemeinsam ist, ist die Herausbildung einer Unternehmenskultur, die letztendlich durch die Mitarbeiter entsteht und nicht mit Gesetzen und Regelungen erzielt werden kann. Die Rolle der Mitarbeiter, nicht nur der Expatriates, sondern auch der im Inland tätigen Mitarbeiter, wird oftmals besonders hervorgehoben, weil sie sich im interkulturellen Raum bewegen und kommunizieren. Erfahrene Mitarbeiter wissen am besten, welche Qualifikationen unentbehrlich sind, welche interkulturellen Bereiche für ihre Tätigkeit relevant sind und welche Fähigkeiten sie noch ausbauen oder gar neu erwerben müssen, um sich erfolgreich in der multikulturellen Umgebung zu behaupten.
Die Analyse der für dieses Zweck durchgeführten Forschung soll zur Beantwortung der Frage dienen, ob die zahlreichen Methoden zur Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen zu hinreichendem Lernerfolg führen, und ob die Betroffenen hinterher diese Werkzeuge erfolgreich benutzen können. Die der Diplomarbeit zugrunde liegende Forschung basiert auf einer empirischen Untersuchung mittels Fragebogenverfahren. Der Gegenstand der Untersuchung ist die Einstellung der Probanden zu unterschiedlichen Kursen und Lernmaßnahmen im Bereich interkulturelle Kompetenzen. Befragt wurden Personen, die im internationalen Bereich tätig sind und sich zusätzlich berufsbegleitend weiterbilden. Die Untersuchungseinheit sowie die Forschungsmethode sind im empirischen Teil (Kapitel 5) ausführlich beschrieben.
Aufbau und Gliederung der Arbeit:
Im ersten Teil befasse ich mich mit der Bedeutung der interkulturellen Kompetenzen in der heutigen pluralisierten und multikulturellen Gesellschaft. Zunächst erkläre ich die Bedeutung der dieser Arbeit zugrundeliegenden Begriffe – Kultur und interkulturelle Kompetenzen. Ich stütze mich hauptsächlich auf den Kulturansatz von Hofstede. Darüber hinaus versuche ich zu ermitteln, welches Verständnis von Kultur dem Konzept interkultureller Kompetenz zugrunde liegt. Im Kapitel 3 wird aufgezeigt, wie der Stand der Forschung zu diesem Thema ist. Zurzeit existieren zahlreiche theoretische und empirische Arbeiten über den Einfluss der kulturellen Heterogenität auf das Zusammenleben der Menschen. Kapitel 4 befasst sich vollständig mit Methoden, Ansätzen und Verfahren zur Förderung und Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen. Dieses Kapitel stellt eine Art Übergang zum nächsten Teil dar, in dem ausführlich auf die bereits von mir durchgeführte Forschung und deren Ergebnissen eingegangen wird. Kapitel 5 besteht aus einem empirischen Teil, in dem nicht nur die Analyse der Ergebnisse durchgeführt wird, sondern detailliert die Methode und Fragestellung beschrieben wird. Aus der Analyse der Fragebögen wird beurteilt, wie wichtig diese Fähigkeiten vor allem für Menschen sind, die in einem international ausgerichteten Unternehmen arbeiten. Im Fazit werden meine Schlussfolgerungen über die Bedeutung der interkulturellen Kompetenzen in Anlehnung an die Ergebnisse der Forschung, zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 1.1 | Fragestellung | 3 |
| 1.2 | Aufbau und Gliederung der Arbeit | 5 |
| 2. | Grundbegriffe und Hypothesen | 6 |
| 2.1 | Was ist Kultur – Begriffserklärung | 6 |
| 2.2 | Interkulturelle Kompetenzen – Versuch einer Definition | 10 |
| 3. | Gesellschaftliche Rahmenbedingungen | 14 |
| 3.1 | Internationalisierung und Globalisierung | 14 |
| 3.2 | Die Entwicklung von Unternehmen auf den globalen Märkten | 15 |
| 3.3 | Individualisierung in der globalisierten Gesellschaft | 18 |
| 3.4 | Migration und Mobilität | 21 |
| 4. | Förderung und Vermittlung interkultureller Kompetenzen | 24 |
| 4.1 | Entwicklung und erste Ansätze zur Förderung interkultureller Kompetenzen | 24 |
| 4.2 | Methoden zur Förderung interkultureller Kompetenzen | 26 |
| 4.2.1 | Eignungsdiagnostik | 26 |
| 4.2.2 | E-Learning | 27 |
| 4.2.3 | Interkulturelles Training und Coaching | 28 |
| 4.2.4 | Interkulturelle Mediation und Konfliktlösung | 32 |
| 4.2.5 | Interkulturelles Consulting | 33 |
| 4.2.6 | Interkulturelle Beratung | 35 |
| 4.2.7 | Interkulturelle Studiengänge | 36 |
| 4.3 | Ziele der Maßnahmen zu Förderung und zum Erwerb interkultureller Kompetenzen | 38 |
| 5. | Empirische Untersuchung | 41 |
| 5.1 | Beschreibung und Begründung der Forschungsmethode | 41 |
| 5.2 | Durchführung der Untersuchung | 42 |
| 5.2.1 | Fragestellung | 42 |
| 5.2.2 | Auswahl der Untersuchungseinheit und Durchführung der Interviews | 47 |
| 5.3 | Auswertungsmethode | 49 |
| 6. | Ergebnisse der Untersuchung und ihre Auswertung | 57 |
| 6.1 | Allgemeine statistische Daten der Stichprobe | 57 |
| 6.2 | Ergebnisse zum Thema interkulturelle Weiterbildungsmaßnahmen | 59 |
| 6.3 | Einschätzung der eigenen interkulturellen Kompetenzen | 68 |
| 6.4 | Interkulturell kompetente Mitarbeiter - Charakterisierung | 73 |
| 7. | Zusammenfassung und Ausblick | 79 |
| 8. | Verzeichnisse | 81 |
| 8.1 | Literaturverzeichnis | 81 |
| 8.2 | Andere Quellen | 85 |
| 8.3 | Abbildungsverzeichnis | 86 |
| 8.4 | Tabellenverzeichnis | 87 |
| 8.5 | Abkürzungsverzeichnis | 88 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Individualisierung in der globalisierten Gesellschaft:
Nationale Wirtschaftsmärkte entwickeln sich rasch zu einer Weltwirtschaft. Analog dazu erfordert der allgemein genannte Prozess der Internationalisierung auch von den Menschen, sich in dieser Situation zurechtzufinden.
Ein grundlegender Diskussionspunkt ist die globale Mentalität als Konsequenz der Anpassung der Menschen an die Anforderungen der Internationalisierung. Gibt es so etwas wie eine globale Mentalität? Wenn ja, auf welcher Ebene ist sie zu finden?
Der heutige Stand der Forschung zeigt den Menschen als ein Individuum oder zumindest als ein Wesen, das sich nach Individualisierung sehnt. Sehr allgemein gesagt bedeutet Individualisierung die Ablösung eines Typus von Bindungen durch einen anderen und führt zur Unbegrenztheit der Wahlmöglichkeiten. Der Begriff ist schon in den 80-er Jahren letzten Jahrhunderts zu einem der zentralen sozialwissenschaftlichen Begriffe geworden. Entstanden auf der Grundlage der Schriften der Soziologie – Klassiker wie Simmel, Durkheim und Weber. Jedoch erst in den letzten Jahrzehnten beherrschte der Individualisierungsprozess in sehr großem Maße die moderne Gesellschaft. Dank Giddens und Ulrich Beck gewann dieser Prozess eine neue Universalisierung. Dadurch dass die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien einen weltweiten Austausch von Ideen und Symbolen und zugleich von Lebensstilen und Identitätsschablonen ermöglichen, verlieren Nation und Nationalkultur als Bezugspunkt für normativ gelegte Identitäten an Bedeutung. Der von den Herkunftsbindungen befreite Mensch kann sich seine Biographie selbst basteln, sagt Ulrich Beck. Kann sich der Mensch auch von der Kultur, die ihn von Geburt an prägte, komplett lösen? Will der Mensch überhaupt auf die Eigenheiten seiner Kultur verzichten und in einer globalisierten Einheitskultur leben?
In dieser Hinsicht ist es sinnvoll, den Zusammenhang zwischen der Identität eines Menschen und der sie prägenden Kultur tiefer zu analysieren. Inwieweit determiniert die Herkunftskultur das menschliche Wesen, und welche Gründe führen den Menschen dazu, dass er sich von den Bindungen lösen will?
Im Bezug auf das anfangs dargestellte Modell von Hofstede über die drei Ebenen der mentalen Programmierung des Menschen, ist die Persönlichkeit eines Menschen sowohl durch das Erlernte als auch durch das Geerbte geprägt. Das, was allen Gruppen und Kategorien von Menschen gemeinsam ist, ist die angeborene universelle menschliche Natur. Der Drang zur Individualisierung bedeutet somit nicht den Drang, sich von den grundlegenden Gemeinsamkeiten der menschlichen Natur zu lösen, sondern ist eher ein Versuch, sich von den kulturellen persönlichkeitsgestaltenden Eigenschaften zu lösen.
In den Zeiten, in denen es möglich ist, die eigene Biographie selbst zu erstellen oder zumindest partiell einen Einfluss darauf haben zu können, ist das Verlangen danach umso größer. Das neuste Phänomen, das zu einem beträchtlichen Teil den Individualisierungsprozess unterstützt, sind verschiedene soziale Online-Netzwerke (Social Network Sites) wie MySpace.com, Facebook.com oder StudiVZ.net. Der Mensch hat die Möglichkeit, seine Präsenz im Internet nach einem individuellen Identitätsentwurf zu gestalten. Auf diese Weise werden diejenigen Persönlichkeitsmerkmale, die aus dem Menschen ein einzigartiges Individuum machen, hervorgehoben. Ernst von Kardorff spricht von einem Zwang zur verstärkten Individualisierung und zur Darstellung ‘eines zurechenbaren biographischen Profils’, die zur Abschwächung der traditionsverankerten Bindungen in der realen Welt führen. Die Online-Netzwerke sind technologisch soweit fortgeschritten, dass ein Informations-,Video- und Bilderaustausch zwischen Menschen auf der ganzen Welt möglich ist. Zwar ist dieses Netzwerk-Phänomen bislang nur ansatzweise erforscht, da es eine relativ neue Erscheinung ist, aber zweifellos handelt es sich dabei um eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung. Die Online-Netzwerke geben ein Bild der Gesellschaft wieder – Manuel Castells charakterisiert die Weltgesellschaft als Netzwerkgesellschaft und andere Autoren sprechen sogar von einer neuen Qualität der Vergesellschaftung im virtuellen Raum. Die Mitglieder der Social Network Sites sind nicht nur Deutsche, Franzosen oder Amerikaner, sondern nennen sich selbst Europäer, Weltbürger etc. Diese, von Ulrich Beck genannte ‘säkulare Entwicklung der zweiten Moderne’ lässt sich im Kontext der Netzwerkforschung als ein Merkmal globalisierter Mentalität deuten. Auffallend widersprüchlich ist, dass die meisten Menschen, obwohl sie diese Erscheinungsform nutzen, um ihre spezifischen, individuellen Persönlichkeitsmerkmale zu betonen und sich von den in einigen Fällen veralteten Herkunftsbindungen zu lösen, letztendlich doch zu den alten und bewehrten Bindungen zurückkehren oder zumindest diese nicht ganz verlassen. Dieser Widerspruch äußert sich in Zugehörigkeiten zu verschiedenen Interessengruppen und der Suche nach Personen, mit denen sie Hobbys, Interessen und Weltansichten teilen können, also in der Suche nach Personen, mit denen sie etwas gemeinsam haben. In den meisten Fällen betreffen die Gemeinsamkeiten die kulturelle Ebene. Mit dem Beispiel von sozialen Online-Netzwerken wurde versucht aufzuzeigen, dass eine vollkommene Individualisierung nicht möglich und auch nicht notwendig ist.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842808249
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