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Interkulturelle Kompetenz als Anforderungsprofil in der psychosozialen Arbeit

Interkulturelle Kompetenz als Anforderungsprofil in der psychosozialen Arbeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexandra Buchal
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 2,5 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6245-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6245-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6245-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Buchal, Alexandra Oktober 2002: Interkulturelle Kompetenz als Anforderungsprofil in der psychosozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kultur, Beratung, Ressourcen, psychosozial, Kompetenz

Diplomarbeit von Alexandra Buchal

Einleitung:

Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Das Nebeneinander von Menschen, die verschiedenen Religionen und Ethnien angehören, verschiedene kulturelle Hintergründe haben, die voneinander verschiedene Interessen verfolgen und die sich nicht zuletzt in ihrem Aussehen unterscheiden, ist prägend für unsere Gesellschaft. Kalpaka nennt die Heterogenität das „prägende Merkmal dieser Gesellschaft“.

Wie geht eine Gesellschaft mit Heterogenität um?

Seitens der Politik ist sie noch nicht anerkannt worden. Wir leben zwar faktisch seit Jahren in einem Einwanderungsland, die Zahl von mehr als 11 Millionen Menschen anderer kultureller Herkunft belegt das, jedoch hat dieser Umstand nicht zu gleichzeitigen kulturellen und sozialen Konsequenzen geführt. Migranten bleiben in den Einrichtungen der psychosozialen Versorgung unterrepräsentiert. Die Zahl der sozialen Einrichtungen für Minoritäten sind verschwindend gering, wo Angebote existieren, fehlen Dolmetscher und qualifiziertes Personal (vgl. Anhang 1).

Voraussetzung für die Anerkennung der Pluralität unserer Gesellschaft auf allen Ebenen ist nach Mecheril deren Bejahung. Nur dann wird es möglich, sich mit dem „Fremden“ konstruktiv auseinander zu setzen und eine „Kultur des Dialoges“ zu fördern. Der Linoldruck am Anfang der Arbeit verweist auf diesen Umstand. Dieser Dialog ist sowohl in der Auseinandersetzung mit Menschen anderer Herkunft von Bedeutung, aber ebenso in der Arbeit mit Menschen aus eigenen kulturellen Bezügen.

Für die Berater, von denen in dieser Arbeit interkulturelle Kompetenz gefordert wird, bedeutet das, eine Haltung anzunehmen, die das Moment der Anerkennung des Anderen umschließt und offen ist für neue Erfahrungshorizonte. Nur dann werden psychosozial Tätige in der Lage sein, den Anforderungen interkultureller Kompetenz gerecht zu werden.

Für den Professionellen heißt das, sich mit Fragestellungen bezüglich der Kultur, des Fremden und der eigenen Fremdheit auseinanderzusetzen und seine Sensibilität im Umgang mit Menschen (fremder Kulturen) zu schärfen.

Gang der Untersuchung:

Ausgehend davon soll im ersten Kapitel das Thema Kultur angegangen werden. Über eine erste allgemeine Definition (1.1), soll in Punkt 1.2 auf die Problematik um Eigenes und Fremdes eingegangen werden. Es folgt eine Problematisierung um den Begriff Interkulturalität.

Die Diskussion um interkulturelle Kompetenz bewegt sich auf zwei Ebenen. Zum einen wird von den Professionellen die Erweiterung ihrer Kompetenzen um interkulturelle Fragestellungen verlangt, zum anderen kann interkulturelle Kompetenz nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn gleichzeitig die interkulturelle Öffnung der Regeldienste erfolgt.

Punkt 2 befasst sich mit dem Konzept interkultureller Kompetenz. Ausgehend von der Dreiteilung Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz, wie sie in der (psycho-) sozialen Arbeit gefordert wird, soll auf deren Erweiterung im Zuge der Anforderungen für interkulturelle Kompetenz eingegangen werden. Neben der Klärung des Begriffs Kompetenz unter Punkt 2, erfolgt die Aufteilung in Sachkompetenz (2.1), Sozialkompetenz (2.2) und Selbstkompetenz (2.3). Daneben erfolgt unter Punkt 2.4 der Verweis auf die interkulturelle Öffnung und unter Punkt 2.5 der Versuch, die Frage um den „Erwerb“ interkultureller Kompetenz zu klären.

Die Umsetzung des Anforderungsprofils „interkulturelle Kompetenz“ kann in den verschiedensten Kontexten erfolgen. Wenn Interkulturalität als Querschnittsaufgabe verstanden wird, und damit interkulturelle Kompetenz als ein Konzept, mit dem auf die wachsenden Anforderungen in der Gesellschaft reagiert werden soll, muss sie Grundstein jeglicher Ausbildung im psychosozialen Bereich sein. Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf die Umsetzung des Konzeptes im Zuge der Beratung.

Unter Punkt 3 wird das Thema interkulturelle Beratung erörtert. Neben einer anfänglichen Definition von Beratung allgemein, wird auf Spezifika interkultureller Beratung eingegangen. So wird unter Punkt 3.1 die Gegenüberstellung von psychosozialer und interkultureller Beratung vorgenommen. Daneben thematisiert Punkt 3.2 die interkulturelle Beratungspraxis. Aus der oben genannten Haltung des Beraters ergibt sich die Frage nach dem Verhältnis zwischen Berater und Klient, die unter Punkt 3.3 diskutiert werden soll. Die Heterogenität der Klientel muss sich auch in der Zusammensetzung des Teams widerspiegeln. Als Konsequenz wird unter Punkt 3.4 die Frage um multikulturelle Teams aufgegriffen. Abschnitt 3.5 befasst sich schließlich mit den Zielen interkultureller Beratung.

Das letzte Kapitel knüpft an die Überlegungen der Zielsetzung interkultureller Beratung an. Das Ziel Ressourcenaktivierung soll gesondert betrachtet werden. Um dessen Nutzen verständlich zu machen, wird ausgehend von einer Definition von Stress und Ansätzen der Bewältigungsforschung (4.1), die Bedeutung von Ressourcen unter Punkt 4.2 verdeutlicht. Hinter dem Ziel Ressourcenaktivierung steht die Haltung des Empowerment (4.3), die sich in Form der Partizipation von Klienten am Beratungsprozess konkretisiert (4.4).

Inhaltsverzeichnis:

Einführung 6
1. Kultur 8
1.1 Kulturverständnis 8
1.1.1 Begriff 8
1.1.2 Veränderungen im Kulturbegriff 9
1.1.3 Kulturuniversalismus und Kulturrelativismus 11
1.1.3.1 Kulturuniversalismus 12
1.1.3.2 Kulturrelativismus 12
1.1.4 Multikulturalität und multikulturelle Gesellschaft 13
1.1.5 Der Kulturbegriff aus interkultureller Perspektive 17
1.2 Das Eigene oder die „eigenkulturelle Thematik“vsdas Fremde oder die „fremdkulturelle Thematik“ 19
1.2.1 Kulturstandards 19
1.2.2 Das Eigene 21
1.2.2.1 Versuch einer Definition 21
1.2.2.2 Kulturelle Identität - Annäherung an einen problematischen Begriff 23
1.2.3 Das Fremde 24
1.2.3.1 Versuch einer Definition 24
1.2.3.2 Fremderleben und der Umgang mit Fremden 24
1.3 Das Interkulturelle 26
2. Interkulturelle Kompetenz - Annäherung an ein Konzept 28
2.1 Sachkompetenz 30
2.1.1 Wissen 31
2.1.2 Die Flexibilität des kognitiven Systems 32
2.1.3 Sprachliche Kenntnisse 32
2.2 Sozialkompetenz 32
2.2.1 Offenheit und Neugierde 33
2.2.2 Empathie 33
2.2.3 Inter- und intrakulturelle Kommunikation 34
2.3 Selbstkompetenz 38
2.3.1 Identitätsdarstellung 39
2.3.2 Rollenübernahme und Rollendistanz 39
2.3.3 Ambiguitätstoleranz 40
2.4 Interkulturelle Öffnung der Sozialen Dienste 41
2.5 „Erwerb“ interkultureller Kompetenz 45
3. Interkulturelle Beratung 47
3.1 Psychosoziale vs interkulturelle Beratung 51
3.1.1 Kennzeichen psychosozialer Beratung 51
3.1.2 Kennzeichen interkultureller Beratung 55
3.1.3 Geschichte der interkulturellen Beratung 57
3.2 Interkulturelle Beratungspraxis 62
3.2.1 Macht 63
3.2.2 Differenz 66
3.2.3 Beratungssituation 68
3.2.4 Grenzen und Fallen von Beratung 70
3.2.4.1 Klippen und Fallen in der Beratung 70
3.2.4.2 Grenzen von Beratung 71
3.3 Das Verhältnis zwischen Berater und Klient 73
3.3.1 Anforderungen an den Berater 73
3.3.2 Die Beziehung im Beratungsprozess 74
3.3.3 Sprache im Beratungsprozess 76
3.4 Multikulturelles Team 79
3.5 Ziele interkultureller Beratung 82
4. Ressourcenaktivierung als ein Ziel interkultureller Beratung 83
4.1 Stress 86
4.1.1 Das kognitiv-transaktionale Stressmodell 86
4.1.2 Das Modell der Salutogenese 88
4.2 Die Bedeutung von Ressourcen 90
4.2.1 Der Ressourcenbegriff 90
4.2.2 „Arten“ von Ressourcen 91
4.2.3 Ressourcenaktivierung 94
4.3 Die Haltung des Empowerment 96
4.4 Die Strategie der Partizipation 99
Schlussbemerkungen 102
Anhang 104
Literaturverzeichnis 111

Automatisiert erstellter Textauszug:

Einleitend wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Forderung nach Interkultureller Kompetenz auf einer personalen Ebene und auf der Ebene der Organisationen, sozusagen als Rahmenbedingung, vollzogen werden muss. Was wird aber unter Sozialen Diensten verstanden? Die Gastarbeiterära und die Migration haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, spezielle „Ausländerdienste“ zu etablieren. Daneben existieren die, für die kulturelle Mehrheit geschaffenen, Regeldienste. Die Unterschiede machen sich vor allem qualitativ bemerkbar – die so genannten „Spezialdienste“ für ausländische Bürger haben bedeutend weniger Ressourcen zur Verfügung als die Regeldienste. Die Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland, aber auch die Debatte um Partizipationsmöglichkeiten von Migranten, lassen die Rufe nach der Öffnung der Regeldienste für Migranten immer lauter werden. Wurde anfangs in diesem Zusammenhang die totale Abschaffung der Spezialdienste gefordert, ist mittlerweile deutlich ge- [...]

Die Ambiguitätstoleranz will diese Divergenzen nicht auflösen, aber eine Hilfestellung beim Aushalten der Widersprüche geben. Bei Krappmann heißt es: „ Ein Individuum, das Ich-Identität behaupten will, muss auch widersprüchliche Rollenbeteiligungen und einander widerstrebende Motivationsstrukturen interpretierend nebeneinander dulden. Die Fähigkeit, dies bei sich und bei anderen, mit denen Interaktionsbeziehungen unterhalten werden, zu ertragen, ist Ambiguitätstoleranz“ (Krappmann 1993, S. 155). Schon das Wort Ambiguität weist auf diesen Umstand hin: wörtlich übersetzt heißt es „Zweideutigkeit, Doppelsinnigkeit“ (Großes Wörterbuch – Fremdwörter 1998, S. 33). Zweideutigkeit im interkulturellen Kontext bedeutet die Ambivalenz zwischen Norm und Gegennorm. Für Krappmann ist diese Form der Ambivalenz, die in der Struktur der Rollenbeziehung festgelegt ist, unausweichlich mit der Frage nach dem Zusammenhang mit der Ich-Identität verbunden. Um diese Widersprüche auszuhalten bedarf es der Ambiguitätstoleranz. Der Begriff „Tolerance vs Intolerance of Ambiguity“ tauchte erstmals Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in Studien von Frenkel-Brunswik auf. Spätere Studien zeigen einen eindeutigen Zusammenhang von Vorurteilen und Ambiguitätstoleranz. Demnach korreliert ein hohes Maß an Vorurteilen mit Ambiguitätstoleranz und „mangelhaften Fähigkeiten der Begriffsbildung und deduktiven Logik“, wie es bei Krappmann heißt (Krappmann 1993, S. 152). Für Krappmann resultiert Ambiguitätstoleranz aus der Behauptung der Ich-Identität, [...]

in die Lage versetzt zu sein, verschiedene Erwartungen in den Prozess der Interaktion zu integrieren. Die Fähigkeit zur Rollendistanz verhilft dem Individuum außerdem dazu, mit Rollenkonflikten fertig zu werden, indem es ihm erlaubt, sich von gewissen Rollen in bestimmten Situationen zu distanzieren. Explizit heißt das für interkulturelle Interaktionen, dass „...man sich von Rollenerwartungen des eigenkulturellen Umfeldes vorübergehend distanziert, ohne dabei die soziale und kulturelle Identität gänzlich in Frage zu stellen“ (ebd., S. 145). Fördernd wirkt sich auch auf das Element Rollenübernahme und –distanz ein stabiles Selbstbild aus. Es wird möglich, neue Erfahrungen zu machen, die für die eigene soziale Identität übernommen werden können, ohne das Gleichgewicht der IchIdentität zu gefährden. Aber trotzdem erfährt das Individuum in interkulturellen Situationen noch Widersprüche, die nicht durch die Fähigkeit zur Rollendistanz und –übernahme aufgelöst werden können. Hier kommt ein sehr wichtiges Element von Selbstkompetenz ins Spiel – die Ambiguitätstoleranz. [...]

Arbeit zitieren:
Buchal, Alexandra Oktober 2002: Interkulturelle Kompetenz als Anforderungsprofil in der psychosozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kultur, Beratung, Ressourcen, psychosozial, Kompetenz

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