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Interkulturelle Erwachsenenbildung

Interkulturelle Erwachsenenbildung
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Oliver Schwab
  • Abgabedatum: Januar 2003
  • Umfang: 115 Seiten
  • Dateigröße: 1.003,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7189-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7189-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7189-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schwab, Oliver Januar 2003: Interkulturelle Erwachsenenbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Subjektorientierung, Lernen, Fremdheit, Praxiskonzepte, Vergleich

Magisterarbeit von Oliver Schwab

Problemstellung:

In meiner Magisterarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „Interkulturelle Erwachsenenbildung“. Meine Forschungsfrage lautet: „Was bedeutet die Programmformel ‘Interkulturelles Lernen’ für die Erwachsenenbildung und welche Interessen werden hier vorrangig vertreten?“ Detaillierte Unterfragen strukturieren die Arbeit, die grob aus einem theorie- und einen praxisbezogenen Teil besteht. Diese folgen auf einige einleitenden Überlegungen zur thematischen Gliederung und zur methodischen Vorgehensweise.

Gang der Untersuchung:

Im ersten, theoretisch-systematisierenden Teil der Arbeit formuliere ich auf der Grundlage der für das Thema essentieller Kategorien ‘Kultur’, ‘Wahrnehmung’ und ‘Kommunikation’ sowie aus der eingehenden Diskussion verschiedener wissenschaftlicher Zugänge zum Lern- und Bildungsbegriff heraus ein subjekttheoretisch begründetes Verständnis des Terminus „Interkulturelle Erwachsenenbildung“. Die Ergebnisse meiner Diskussion verdichte ich anschließend zu fünf grundlegenden Annahmen.

Von diesem theoretischen Standpunkt aus folgt eine empirische Analyse von Konzepten aus der Praxis der interkulturellen Erwachsenenbildung. Die curricularen Ansätze dieser zehn von mir untersuchten Ansätze werden anhand eines zuvor - auf der Basis des im ersten Teil der Arbeit begründeten Verständnisses der Materie - entwickelten Analyserasters systematisch nach makro- und mikrodidaktischen Gesichtspunkten hin erfasst. Das hermeneutisch-inhaltsanalytisch untersuchte Material besteht zum größten Teil aus unveröffentlichten Projektberichten. Anschließend werden mittels einer vergleichenden Betrachtung der Konzepte Hinweise auf Gemeinsamkeiten und Trends herauskristallisiert und der Versuch einer Kategorisierung von Maßnahmearten unternommen.

Zusammenfassung:

Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse widme ich mich in der abschließenden Interpretation der eingangs gestellten Forschungsfrage. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass sich die Bedeutungen und Interessen im Praxisbereich des interkulturellen Lernens Erwachsener nur schwer von den materiellen Voraussetzungen der Anbieter trennen lassen. Daher bleibt die Möglichkeit einer Funktionalisierung dieses Bereichs für partikulare Interessen sowie politische Machtkalküle bestehen. Auf methodischer Ebene werden Ansätze der sog. „Defizitorientierung“ langsam zugunsten einer ganzheitlichen Perspektive aufgegeben, in der jeder Teilnehmer als Experte seiner Situation angesehen wird. So können fruchtbare Ansätze gewonnen werden, in denen die gemeinsame reflexive Bearbeitung von affektiv aufgeladenen Deutungsmustern intensiver möglich wird.

Inhaltsverzeichnis:

1. Inhaltliche und Methodische Einführung 1
1.1 Anlass und Problem der Arbeit 1
1.2 Fragestellungen 2
1.3 Materialabgrenzungen 3
1.4 Zur Methode 4
1.5 Zum Aufbau 5
1.6 Angrenzende, aber nicht behandelte Themen 6
2. Annäherungen an Ein Verständnis interkultureller Erwachsenenbildung 7
2.1 Kultur und Interkulturalität 7
2.1.1 Kulturen als Deutungsmuster von Realität 7
2.1.2 Interkulturalität 9
2.2 Der Einzelne als Ausgangspunkt der Pädagogik 10
2.2.1 Der Subjektstandpunkt in der Wissenschaft 10
2.2.2 Subjektivität zwischen Zwang und Befreiung 11
2.3 Grundstrukturen menschlicher Wahrnehmung 13
2.3.1 Wahrnehmung als Konstruktion 14
2.3.2 Die Makroebene: Weltbilder 15
2.3.3 Die Mikroebene: Selbst- und Körperbilder 17
2.3.4 Der ‘Wahrnehmungscode’ 18
2.4 Der Andere als Bedingung von Identität 19
2.4.1 Die Dialektik von Selbst- und Fremdwahrnehmung 19
2.4.2 Entwicklungsanstöße 21
2.5 Kommunikation als eine Dimension interkultureller Wahrnehmung 23
2.6 Lernen und Bildung 25
2.6.1 Lernen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven 26
2.6.1.1 Der Behaviorismus 26
2.6.1.2 Der Kognitivismus 28
2.6.1.3 Der Konstruktivismus 29
2.6.1.4 Subjektwissenschaftliche Grundlegung des Lernens 31
2.6.2 Bildung 35
2.7 Fünf Annahmen zur interkulturellen Erwachsenenbildung 38
3. Die Praxis - Eine vergleichende curriculare Analyse 43
3.1 Methodisches Vorgehen 43
3.1.1 Erhebungsverfahren und Auswertungsprinzipien 43
3.1.2 Analysekriterien 45
3.2 Detailanalysen 47
3.2.1 Interkulturelle Gemeinwesenarbeit im „Frauentreff“ 47
3.2.2 Das „Empowerment-Training“ 50
3.2.3 Die „Braunäugig/Blauäugig“-Übung 53
3.2.4 Das Konzept „Eine Welt der Vielfalt“ 56
3.2.5 Das Projekt „Polizei in einer multikulturellen Gesellschaft“ 59
3.2.6 „Muslime in Wittlich - Wittlicher Muslime“ 62
3.2.7 Interkulturelle Kompetenz in der Verwaltung und in Organisationen von Migranten 65
3.2.8 Interkulturelle Kompetenz in der (Alten)Pflege 69
3.2.9 Interkulturelle Öffnung der Kinder- und Jugendhilfe 72
3.2.10 Das Training „Zivilcourage zeigen“ 75
3.3 Vergleich 78
4. Zusammenfassung 86
5. Interpretation und Ausblick 87
Literaturverzeichnis 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

Expansives Lernen ist dagegen durch den Wunsch des Subjekts gekennzeichnet, eine persönlich erfahrene Unzugänglichkeit bezüglich einer Handlungsproblematik durch die Erweiterung der eigenen Lebensmöglichkeiten zu überwinden. In einer solchen „ DiskreHandlungsproblematik „ PHKU ]X OHUQHQ gibt, als [ihm] MHW]W VFKRQ ]XJlQJOLFK ist“ (Holzkamp, 1995, S. 212). Die Differenz zwischen dem zu einem bestimmten Zeitpunkt sen erlebt das Subjekt als „ TXlOHQGH XQG EHODVWHQGH (UIDKUXQJVJHZLVVKHLW“ (Holzkamp, 1995, S. 216). Diese kann es nur durch Lernhandlungen überwinden. Von Dritten an ein Subjekt herangetragene Lernanforderungen können in expansive Lernbedürfnisse eingehen, wenn sie mit den persönlichen Diskrepanzerfahrungen des Lernenden übereinstimmen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es jedoch unter den Prämissen der Subjektwissenschaft unmöglich ist, Lernen allein durch Anforderungen zu initiieren oder zu steuern. Lernprozesse lassen sich als ein Fortschreiten von „ Flachheit“ zu „ Tiefe“ des Gegenstandsbezugs schildern (Holzkamp, 1995, S. 218ff). Diese Kategorien beschreiben die Art des Zugangs zu einem Lerngegenstand, der sich dadurch kennzeichnen lässt, dass sich das kann. Holzkamp bezeichnet dies als „ Durchdringung der 8QPLWWHOEDUNHLWVYHUKDIWHWKHLW der Subjekt anhand des konkreten Lerngegenstands allgemeinere Zusammenhänge erschließen erreichbaren Gegenstandaufschluss und der antizipierten Verfügungsmöglichkeit über diepanzerfahrung“ wird dem Lernsubjekt bewusst, dass es in Bezug zu einer primären [...]

Die Analyse des Lehr-/Lernverhältnisses vom Standpunkt des Lernsubjekts heißt nicht einfach, sich in den Lernenden hineinversetzen: Dies ist bekanntlich kaum möglich; ich bleibe letztendlich immer auf meinem Standpunkt. Jedoch berücksichtige ich von meinem Standpunkt aus notwendig auch den Standpunkt des Anderen, wenn ich nach dessen in seinen Lebensinteressen fundierten Handlungsgründen frage. Handlungsgründe sind nämlich immer erster Person, ,je meine’ Gründe. Lerntheorie vom Standpunkt des Subjekts ist also Lerntheorie im Begründungsdiskurs. (Holzkamp 1991, S. 7) Ein Mensch lernt, wenn er selbst gute Gründe dafür hat. Aus dem Begründungszusammenhang ergibt sich die Frage, „ ob und inwieweit außengesetzte Lernbedingungen tatsächlich in Lernen umgesetzt werden oder dieses sogar behindern“ (Holzkamp, 1996, S. 21). Von Lernen im subjektwissenschaftlichen Sinn kann nur dann gesprochen werden, „ wenn in der Lernintention die Gewinnung einer die jeweilige Situation überschreitenden Permanenz und Kumulation des Gelernten mitintendiert ist“ (Holzkamp, 1995, S. 183). Lernen ist eine „ 3UREOHPDWLN DXIJUXQG EHVWLPPWHU %HKLQGHUXQJHQ :LGHUVWlQGH 'LOHPPDWD QLFKW LP =XJH GHV MHZHLOLJHQ +DQGOXQJVYHUODXIV VHOEVW“ zu bewältigen vermag (Holzkamp, 1995, S. 183). Handlung, die das Subjekt aus einem primären Handlungsverlauf ausgliedert, wenn es eine [...]

vistischer Sicht auf eine individuelle Tätigkeit reduziert. Die sozialen und kulturellen Zusammenhänge werden analytisch ausgegrenzt: Kulturelle Bezugspunkte und Fragen menschlicher Orientierung, die sich Nützlichkeitserwägungen entziehen oder nur innerhalb eines kohärenten Weltbildes auf ihre Nützlichkeit hin überprüft werden können, sind auf diese Weise nicht zu entscheiden, vor allem nicht auf soziale Netzwerke bezogen. (Graf, 2002, S. 327) Die Prämisse der Wirklichkeitskonstruktion muss im Zusammenhang mit Lernen zudem in ihren politischen Implikationen reflektiert werden. Dies ist von Vertretern des Konstruktivismus vernachlässigt worden und führt dazu, dass Lernen, welches durch politische Machtausübung erzwungen, beeinflusst oder behindert wird, nicht konzeptualisierbar ist. Die konstruktivistische Analyse endet dort, wo es für die Frage nach der Selbstgestaltung des Lernens interessant würde: wo Lernanforderungen von Mächtigen--als spezifische Deutungen von Wirklichkeit--mit individuellen Lernbedürfnissen konkurrieren, wo individuelle Lernbegründungen und Lernhaltungen gesellschaftlich unterbunden oder erzwungen werden. (Ludwig, 1999, S. 66) Ein Lernbegriff, insbesondere in Hinsicht auf interkulturelle Lerninhalte und -situationen, erfordert jedoch die theoretische Einbeziehung von Machtverhältnissen. Zwar gelingt es in konstruktivistischen Ansätzen, Lernen als Subjektleistung zu konzipieren. Jedoch wird durch den Ausschluss des Sozialen der Lernbegriff auf individuell Nützliches reduziert. [...]

Arbeit zitieren:
Schwab, Oliver Januar 2003: Interkulturelle Erwachsenenbildung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Subjektorientierung, Lernen, Fremdheit, Praxiskonzepte, Vergleich

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