Interdisziplinäre Zusammenarbeit in Innovationsprojekten
Eine empirische Analyse von personenbezogenen Barrieren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Georg E. A. Stampfl
- Abgabedatum: August 2008
- Umfang: 77 Seiten
- Dateigröße: 550,4 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
- Bibliografie: ca. 115
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3092-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stampfl, Georg E. A. August 2008: Interdisziplinäre Zusammenarbeit in Innovationsprojekten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Innovation, Zusammenarbeit, Projekt, Team, Barrieren
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Diplomarbeit von Georg E. A. Stampfl
Einleitung:
Um den hohen Anforderungen, die ein Innovationsprojekt aufgrund seiner Neuartigkeit und Komplexität an das Projektteam stellt, gerecht zu werden, ist es erforderlich, unterschiedliche Kompetenzen und Wissen aus verschiedenen Fachrichtungen im Team zu bündeln. In einem Projekt zur Neuproduktentwicklung kommt es aus diesem Grund klassischerweise zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern aus den Bereichen Marketing und Technik. Die Teammitglieder bringen aber nicht nur Expertenwissen auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet, sondern auch unterschiedliche Erfahrungen, Denkweisen, Problemlösungsansätze und Zielorientierungen mit. Diese Diversifizierung stellt ein großes Erfolgspotential dar, wie bereits zahlreiche Studien dargestellt haben. Die Ergebnisse zeigen, dass heterogene Teams mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund der Teammitglieder Projekte erfolgreicher durchführen als homogene Teams mit geringerem Spektrum an aufgabenrelevanten Kompetenzen. Dies trifft für alle Arten von innovativen Vorhaben, sei es die Gründung eines innovativen Unternehmens, das Management von Innovationsprozessen in einem bestehenden Unternehmen oder die Durchführung eines Projekts zur Neuproduktentwicklung, zu.
Die effektive und effiziente Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen stellt also einen entscheidenden Erfolgsfaktor dar. Diesem Umstand wird auch in der Praxis des Innovationsmanagements Rechnung getragen. In einem Vortrag des international tätigen Strategieberatungsunternehmen A.T. Kearney zum Thema ‘Innovationsmanagement’ wird cross-funktionale Teamarbeit als die grundlegende Basis für das erfolgreiche Management von Produkt-, Prozess- und Serviceinnovationen beschrieben.
Die Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund gestaltet sich aber auch oft schwierig: Kulturelle Konflikte, inkonsistente ‘Team Skills’ und inadäquate Kommunikation zählen zu den häufigsten Ursachen für gescheiterte Projekte. In Studien wurden zahlreiche mögliche Ursachen für Probleme an interdisziplinären Schnittstellen identifiziert. Der Großteil dieser Faktoren, die einen negativen Einfluss auf die interdisziplinäre Kooperation haben, liegt im persönlichen Bereich der beteiligten Personen und hat ihren Ursprung in den inhärenten Unterschieden zwischen den einzelnen Disziplinen. Sowohl unterschiedliche Persönlichkeiten als auch Differenzen bei den Zielsetzungen, den Bedürfnissen und der Motivation (wie sie in der einleitend angeführten Anekdote plakativ dargestellt werden) machen interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht nur zu einem erfolgsentscheidenden, sondern auch diffizilen Unterfangen.
Problemstellung und Ziel der Arbeit:
Trotz einer Vielzahl an Studien zum Themenbereich ‘interdisziplinäre Zusammenarbeit’ gibt es bisher kaum wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie sich insbesondere personenbezogene Faktoren der Zusammenarbeit auf den Erfolg eines Innovationsprojektes auswirken. Die Methoden zur Messung des Erfolgs eines Teamprojekts sind vielfältig. Der überwiegende Teil der Studien verwendet ausschließlich outputbezogene, projektexterne Maßstäbe (z.B. finanzieller Erfolg des Produkts, Kundenzufriedenheit, Qualität). Es wird dabei aber übersehen, dass auch projektinterne Maßstäbe wichtige Erfolgskriterien darstellen. Die praktische Bedeutung des bereits im Verlauf des Projekts ermittelbaren internen Projekterfolgs wird evident, wenn man sich vor Augen hält, dass die outputbezogenen, projektexternen Erfolgsmaßstäbe zumeist erst nach Beendigung des Projekts angewendet werden können. Es besteht zu diesem Zeitpunkt aber keine Möglichkeit mehr, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, um die Erfolgswahrscheinlichkeit des Projekts zu erhöhen.
Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird, anhand von Daten aus einem universitären Kurs zur Erstellung eines Business Planes für die wirtschaftliche Nutzung einer technischen Innovation, eine empirische Untersuchung durchgeführt. Es wird ein Analysemodell vorgeschlagen, welches die Wirkung von personenbezogenen Schlüsselfaktoren auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit anhand projektinterner Performancemessung evaluieren soll. Die projektinterne Performancemessung basiert dabei auf dem Group Effectiveness Model, welches die ‘Zufriedenheit der Teammitglieder mit der Zusammenarbeit’ und die ‘Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung’ als maßgebliche Kriterien erfasst. Es wird ein positiver Effekt der vier personenbezogenen Faktoren Kommunikationshäufigkeit, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel bei der Kommunikation, Vertrautheit mit Kernproblemen der anderen Disziplin und Bereitschaft zum Rollenwechsel auf die Möglichkeit zur Weiterentwicklung der Teammitglieder (=Lerneffekte) und auf die Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit vermutet.
Die Auswertung der Daten erfolgt mit einem statistischen Verfahren, welches in der empirischen Forschung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Es handelt sich dabei um das Partial Least Squares-Verfahren (kurz PLS), ein varianzbasiertes Verfahren zur Schätzung komplexer Strukturgleichungsmodelle.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel. In Kapitel 2 wird eine umfangreiche Literaturanalyse durchgeführt, um den aktuellen Stand der Forschung zu ermitteln. Kapitel 3 geht näher auf das Analysemodell und die angewendete Methodik ein. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung werden in Kapitel 4 ausführlich beschrieben. In Kapitel 5 werden sowohl die Ergebnisse und deren Implikationen für die Praxis diskutiert als auch mögliche zukünftige Forschungsschwerpunkte aufgezeigt. Am Ende der Arbeit finden sich in Kapitel 6 der Anhang (Fragebögen) und in Kapitel 7 das Literaturverzeichnis.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| Tabellenverzeichnis | 6 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 1.1 | Hintergrund | 8 |
| 1.2 | Problemstellung und Ziel der Arbeit | 9 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 10 |
| 2. | Literaturanalyse | 11 |
| 2.1 | Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor in Innovationsprojekten | 11 |
| 2.2 | Dimensionen erfolgreicher Zusammenarbeit | 15 |
| 2.2.1 | Externer Projekterfolg | 16 |
| 2.2.2 | Interner Projekterfolg | 16 |
| 2.3 | Problemfelder interdisziplinärer Zusammenarbeit | 18 |
| 2.4 | Personenbezogene Barrieren bei interdisziplinärer Zusammenarbeit | 21 |
| 2.4.1 | Zu geringe Kommunikationshäufigkeit | 22 |
| 2.4.2 | Mangelnde Fähigkeit zum Perspektivenwechsel bei der Kommunikation | 25 |
| 2.4.3 | Fehlende Vertrautheit mit Kernproblemen der anderen Disziplin | 28 |
| 2.4.4 | Fehlende Bereitschaft, in die Rolle der anderen Disziplin zu schlüpfen | 30 |
| 3. | Methodik | 33 |
| 3.1 | Analysemodell und Hypothesen | 33 |
| 3.2 | Datenanalyse mit PLS | 36 |
| 3.3 | Untersuchungsfeld | 39 |
| 3.4 | Datenerhebung und Operationalisierung | 40 |
| 3.5 | Beschreibung der Stichprobe | 44 |
| 4. | Ergebnisse | 47 |
| 4.1 | Deskriptive Statistiken | 47 |
| 4.2 | Güte des Messmodells | 50 |
| 4.2.1 | Formative Indikatoren | 50 |
| 4.2.2 | Reflektive Indikatoren | 53 |
| 4.3 | Ergebnisse aus dem Strukturmodell | 54 |
| 4.3.1 | Einfluss der Kommunikationshäufigkeit auf den internen Projekterfolg | 56 |
| 4.3.2 | Einfluss der wahrgenommenen Fähigkeit zum Perspektivenwechsel auf den internen Projekterfolg | 57 |
| 4.3.3 | Einfluss der Vertrautheit mit den Kernproblemen der anderen Disziplin auf den internen Projekterfolg | 58 |
| 4.3.4 | Einfluss der Bereitschaft zum Rollenwechsel auf den internen Projekterfolg | 58 |
| 5. | Diskussion und Ausblick | 58 |
| 6. | Anhang | 58 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 58 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Untersuchungsfeld :
Die Datenerhebung erfolgte im Sommer- und Wintersemester 2003 im Rahmen eines interdisziplinären Kurses an der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Universität wurde aus den folgenden zwei Gründen als Untersuchungsfeld ausgewählt: Erstens stellt die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Rahmen eines universitären Kurses im Vergleich zur Zusammenarbeit im Geschäftsleben eine kontrollierte Situation dar. Im Business-Kontext kommen zahlreiche, hier nicht berücksichtigte Variable hinzu, die einen Einfluss auf das Ergebnis der Zusammenarbeit haben könnten. So können beispielsweise unternehmensbezogene Faktoren wie Entlohnungssysteme, Projekt- und Organisationsstrukturen oder Führungsstile den wahrgenommenen Projekterfolg beeinflussen. Darüber hinaus weisen Studenten typischerweise weniger Erfahrung in der interdisziplinären Zusammenarbeit auf als in NPD-Projekten erfahrenen Mitarbeiter. Dadurch können die Daten aus dem universitären Setting möglicherweise stärkere Effekte auf den internen Projekterfolg zeigen als dies bei einer Erhebung in einem Unternehmen der Fall wäre.
Bei der zur Datenerhebung herangezogenen universitären Lehrveranstaltung handelt es sich um einen Kurs, bei dem Wirtschaftsstudenten in Zusammenarbeit mit einem technisch-naturwissenschaftlich orientierten Partner aus der Praxis an einem realen Businessprojekt arbeiten. Die Projektpartner aus dem Bereich Wissenschaft oder Technik stellen ein neuartiges technisches Konzept vor. In Teams von 3-4 Studenten wird dann an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit dieses Konzepts gearbeitet und am Ende der einsemestrigen Zusammenarbeit in Form eines Business Plans oder Business Proposals dem Ideengeber übergeben. Die bearbeiteten Projekte stammen aus unterschiedlichen Branchen, z.B. medizinische und pharmazeutische Produkte, IT/Software, Biotechnologie, Elektronik.
Nach einem ersten Briefing-Termin mit dem Ideengeber beginnt das Studententeam mit der Arbeit am Projekt. Die Häufigkeit und Art der Kommunikation mit dem Ideengeber ist nicht vorgegeben, sondern wird von den Teammitgliedern selbst bestimmt. Die Bandbreite der Kommunikation reicht von einigen wenigen formellen Kontakten bis zur vollen Integration des Ideengebers in das Studententeam. Zum Ende des Kurses wird, zusätzlich zum Business Plan oder Business Proposal, das technische und wirtschaftliche Potential des technischen Konzepts einem breitengefächerten Publikum aus der Praxis präsentiert.
Datenerhebung und Operationalisierung:
Die Datenerhebung erfolgte mittels Fragebögen in einem neunmonatigen Zeitraum im Sommer- und Wintersemester 2003. Insgesamt wurden 117 Studenten befragt. Diese arbeiteten aufgeteilt in Projektteams von durchschnittlich fünf Wirtschaftsstudenten an einem vom Projektpartner aus dem technischen bzw. naturwissenschaftlichen Bereich zur Verfügung gestellten technischen Konzept.
Die Erhebung der personenbezogenen Erfolgsfaktoren und der wahrgenommenen Projektperformance erfolgte durch Multi-Item-Messung. Zum überwiegenden Teil wurde eine 5-stellige Bewertungsskala von ‘trifft völlig zu’ bis ‘trifft nicht zu’ bzw. ‘sehr oft’ bis ‘nie’ verwendet, um die einzelnen Items zu bewerten.
Die Datenerhebung wurde zu drei Zeitpunkten durchgeführt. Vor dem Beginn des Kurses wurden jene Daten erhoben, die im Hinblick auf die Vertrautheit mit den Kernproblemen der anderen Disziplin relevant sind. Es wurde dabei das technische Vorwissen der Studierenden evaluiert. Die Befragung in Bezug auf die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel wurde nach einem ersten Meeting zwischen dem Studententeam und dem Projektpartner aus dem technischen Bereich durchgeführt. Dieser Zeitpunkt lag noch relativ früh im Projekt, eignete sich aber gut zur Messung der Fähigkeit des Ideengebers, sein Kommunikationsverhalten bei der Erläuterung seines technischen Konzepts an die Adressaten anzupassen. Denn zu diesem Zeitpunkt war die technische Idee für das Studententeam noch komplett unbekannt. Eine klare Anpassung an die Informationsbedürfnisse des Projektteams bei der Vorstellung der technischen Idee war zu diesem Zeitpunkt also von besonderer Wichtigkeit. Die Erhebung der Daten in Bezug auf die Bereitschaft zum Rollenwechsel, die Kommunikationshäufigkeit sowie die Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit und das Entstehen von Lerneffekten wurden nach Beendigung des Kurses durchgeführt.
Die Konstrukte Vertrautheit mit den Kernproblemen der anderen Disziplin und Fähigkeit zum Perspektivenwechsel wurden auf Basis einer Gruppendiskussion mit sieben Wirtschaftsstudenten, die den Business Planning-Kurs in einem vorangegangenen Semester absolvierten, entwickelt. Die Studenten wurden nach jenen Faktoren gefragt, die ihnen das Verständnis der technischen Idee erleichtert und ihr Interesse an der Technik gesteigert hatten. Die meistgenannten Faktoren wurden dann als Items zur Konstruktbildung verwendet.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836630924
Arbeit zitieren:
Stampfl, Georg E. A. August 2008: Interdisziplinäre Zusammenarbeit in Innovationsprojekten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Innovation, Zusammenarbeit, Projekt, Team, Barrieren



