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Interaktive E-Participation bei Stadtplanungsprozessen

Interaktive E-Participation bei Stadtplanungsprozessen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jan Hendrik Lauffer
  • Abgabedatum: Februar 2006
  • Umfang: 267 Seiten
  • Dateigröße: 13,8 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Kaiserslautern Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9786-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9786-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9786-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lauffer, Jan Hendrik Februar 2006: Interaktive E-Participation bei Stadtplanungsprozessen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Öffentlichkeitsbeteiligung, Geographische Informationssysteme, Regionalplanung, Dynamischer Planungsprozess, Internettools

Diplomarbeit von Jan Hendrik Lauffer

Zusammenfassung:

Interaktive E-Participation ist mehr als das Kontaktieren eines Verwaltungsmitarbeiters per E-Mail. Interaktive E-Participation heißt, die Beziehung zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern neu zu gestalten. Die politisch beschlossenen Inhalte von Deutschland-Online besagen, dass in jährlichen Schritten bis 2008 alle geeigneten Verwaltungsverfahren online zu Verfügung gestellt werden sollen und dann auch alle Behörden untereinander auf diesem Wege kommunizieren.

Im Rahmen der Stadtplanung bieten neue IuK-Technologien enorme Potenziale, diese neue Form der Verwaltung umzusetzen. Hier können nicht nur Verfahren für die Beteiligten vereinfacht, sondern auch völlig neue demokratische Formen der Öffentlichkeitsbeteiligung etabliert werden: die E-Participation. Einerseits können die Bürger somit an kommunalen Entwicklungen einfacher teilhaben und andererseits kann die Planung Konzepte besser visualisieren. Die Grundlage hierfür ist ein onlinegestütztes Beteiligungstool, welches in dieser Arbeit entwickelt wird.

Ob ein solches Tool eine bessere, vereinfachte Partizipation erfüllen kann, wie es diese Aufgabe erfüllen kann und ob es diese Aufgabe erfüllen soll, sind dabei die zentralen Fragestellungen. Der erste Schritt zur E-Participation wurde bereits durch den neuen § 4a BauGB gemacht, welcher den Einsatz elektronischer Informationstechnologien zulässt. Nun können formelle Verfahren bei gegenseitigem Einverständnis auch online durchgeführt werden. Eine Erweiterung dieses Verfahrens vor allem für die Bürger birgt enorme Informations- und Visualisierungspotenziale, welche vorbereitend für die Partizipation genutzt werden können.

Einleitung:

Planungen waren schon immer geprägt durch unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen der Umwelt. Um die demokratischen Rechte der Bevölkerung in die Planung mit einfließen zu lassen, wurden nach und nach die Gesetze an die Belange der Betroffenen angepasst. In mehreren Schritten wurde so die heutige formelle zweistufige Öffentlichkeitsbeteiligung entwickelt, welche nun nach § 4a Abs. 4 BauGB auch erlaubt, „ergänzend elektronische Informationstechnologien“ bei der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden zu nutzen. Aber nicht nur das Planungsverständnis bei den Bürgern änderte sich, auch die Fachwelt erkannte die Potenziale einer umfassenden Beteiligung der Öffentlichkeit über die formellen Verfahren hinaus. Die Verbesserung der Planungsergebnisse durch endogene Informationen der Betroffenen ist daher als ausschlaggebendes Argument zu sehen, warum die Partizipation weiter entwickelt wurde und auch in Zukunft weiter zu entwickeln ist.

Die ursprünglich durch technische Schwierigkeiten bspw. bei der Planvervielfältigung und Informationsbereitstellung problematische Beteiligung kann heute mit Hilfe moderner IuK-Technologien wesentlich einfacher und umfassender durchgeführt werden.

Zur Ermittlung der Grundlagen der E-Participation werden in Kapitel 1 zunächst die rechtlichen und fachlichen Grundlagen erarbeitet.

Das Baurecht unterscheidet zwischen der Öffentlichkeit (§ 3 BauGB), den Behörden und den Trägern öffentlicher Belange (§ 4 BauGB). Die Aufgabe der in dieser Arbeit hauptsächlich betrachteten Öffentlichkeit, konkret den Bürgern, ist ein Beitrag von ortsspezifischem Wissen, wertvollen Hinweisen und Stellungnahmen zu Planungen und anderen kommunalen Entwicklungen. Gesetzlich wird die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung in den §§ 3 und 4a des BauGBs geregelt und in zwei Phasen durchgeführt. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit soll die Bevölkerung in einer ersten Phase sensibilisieren, indem sie über die Ziele, Zwecke und Auswirkungen sowie mögliche Planalternativen informiert. Dies ist durch Workshops, Pressearbeit, Aushänge oder Erörterungen, aber auch eine elektronische Informations- und Beteiligungsmöglichkeit denkbar.

Dies soll möglichst frühzeitig erfolgen. Die Ergebnisse dieser Diskussion sind die Grundlage für einen formellen und konkreten Planentwurf für das weitere Verfahren. Die Auslegung als zweite Phase erfolgt nach einem rechtsförmlichen Verfahren gemäß § 3 Abs. 2 BauGB nach einer mindestens einwöchigen ortsüblichen Bekanntmachung und dauert einen Monat. Während der Auslegung kann jedermann Änderungen oder Ergänzungen zur Planung vorbringen. Der Rat wägt nach § 1 Abs. 3 BauGB die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht ab und entscheidet über ihre Berücksichtigung oder Zurückweisung. Den Einsendern der Stellungnahmen muss das Ergebnis der Entscheidung schriftlich mitgeteilt werden (§ 3 Abs. 2 BauGB). Ergeben sich durch Stellungnahmen wesentliche Änderungen oder Ergänzungen des Planentwurfs, so muss eine erneute öffentliche Auslegung erfolgen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Vorwort VII
Zusammenfassung IX
Einführung 1
1. Das Internet und die Partizipation 2
2. Zunahme des Partizipationsinteresses und der Urban Governance bei Stadtplanungsprozessen 6
3. Ziel der Arbeit: Konzeption eines interaktiven E Participation-Tools 8
4. Vorgehensweise und Struktur der Arbeit 10
Kapitel 1: Zweck und Ziel von Partizipation im Kontext der Interaktivität 13
1. Baurechtliche Regelung der Beteiligung 16
1.1 Akteure im Beteiligungsprozess 16
1.2 Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit 17
1.3 Öffentliche Auslegung 17
2. Vermittlung von Planaussagen 19
2.1 Akteure und Planverständnis 20
2.2 Methoden der Planung, Plandarstellung und Partizipation 20
3. Partizipations- und Interaktionsbedarf beiPlanungsprozessen 23
3.1 Kommunikation mit der Öffentlichkeit 25
3.2 Interaktive Verzahnung der Beteiligten im Planungsprozess 27
4. Erkenntnisse des ersten Kapitels 28
Kapitel 2: Potenziale und Grenzen, Herausforderungen und Ziele der interaktiven E-Participation 30
1. Planungstools und Geoinformationssysteme 32
1.1 GIS: Die zentralen Datenspeicher 35
1.2 SIS: Interaktive Landkarten 41
1.3 CAD: Digitale Entwurfsmethoden 45
1.4 3-D: Animationen und Visualisierungen 46
2. Verfügbarkeit elektronischer Medien 50
2.1 Anschluss-Situation und technische Verfügbarkeit 51
2.2 Einbeziehung von Randgruppen 52
3. Eine Änderung der klassischen Beteiligungsprozesse für die interaktive E-Participation? 57
3.1 Fachliche Hintergründe 59
3.2 Finanzielle Hintergründe 60
3.3 Juristische Hintergründe 62
4. Dynamisierungspotenziale im Partizipationsprozess 64
4.1 Vermeidung von Medienbrüchen 65
4.2 Formelle und informelle Planungsprozesse 66
4.3 Frühzeitiger Nutzen modularer Werkzeuge 67
4.4 Potenzielle Dynamisierungsbereiche in der Öffentlichkeitsbeteiligung 68
5. Erkenntnisse des zweiten Kapitels 71
Kapitel 3: Fachliche und technische Anforderungen an die interaktive E Participation 73
1. Fachliche Anforderungen aus Sicht der Planung 74
1.1 Partizipation als demokratisches Grundelement 74
1.2 Legitimation der Planung 75
1.3 Aktivierung des bürgerlichen Sachverstandes 75
1.4 Sammlung innovativer Ideen und Konzepte 75
1.5 Aufspüren von Fehlentwicklungen 76
1.6 Verbesserung der E-Governance 77
1.7 Diskursivität und Konfrontation mit Planinhalten 77
1.8 Identifikation mit der Planung 77
2. Technische Anforderungen für Internetseiten aus Nutzersicht 79
2.1 Strukturen und Elemente einer Webseite 79
2.2 Zielgruppenspezifisches Seitenkonzept 85
2.2.1 Das interaktive E-Participation-Tool für Anwender 85
2.2.2 Hilfsmittel und Tutorials für Anfänger und Experten 87
2.3 Merkmale einer funktionalen Website 89
2.3.1 Optische Seitenaufteilung 89
2.3.2 Anforderungen an die Darstellung von Inhalten 92
2.3.3 Protokollierung des Planungsverlaufs 95
2.4 Interaktive Module 95
3. Erkenntnisse des dritten Kapitels 99
Kapitel 4: Auswertung ausgewählter Internetauftritte bezüglich digitaler Planung, Plandarstellung und Partizipation 101
1. Analyse wegweisender Web-Angebote 102
1.1 Auswahlgründe für die Betrachtung eines Web-Angebotes 102
1.2 Vorgehensweise der Betrachtung 103
2. Erkenntnisse der Untersuchung 104
2.1 Kriterienblock 1: Benutzerfreundlichkeit der Internetpräsenzen 104
2.2 Kriterienblock 2: Planerische Inhalte 106
2.3 Kriterienblock 3: Technische Umsetzung der Navigation und Kommunikation 111
3. Erkenntnisse des vierten Kapitels 115
Kapitel 5: Konzeption der interaktiven E-Participation bei Stadtplanungsprozessen 117
1. Interaktive E-Participation als Teil der Systematik des E Governments 120
1.1 Die Position des interaktiven E-Participation-Tools in der vernetzten Welt 120
1.2 Die Position des interaktiven E-Participation-Tools im E-Government 122
2. Grundlegende Bausteine eines interaktiven Planungstools 124
2.1 Fachliche Definition eines interaktiven Angebotes 124
2.2 Technische Bausteine eines interaktiven Planungstools 124
2.3 Rechtliche Verortung der interaktiven E-Participation 125
3. Leistungsspektrum der interaktiven E-Participation 127
4. Funktionsspektrum des interaktiven E ParticipationTools 128
4.1 Eingangsseite als Benutzerinterface 129
4.2 Textbasierte Informationselemente 131
4.2.1 Hilfesystem 132
4.2.2 Knowledgebase 133
4.2.3 Dokumentenserver 134
4.2.4 Newsserver 135
4.3 Kartenbasierte Partizipationselemente 136
4.3.1 Darstellung verschiedener Planungsebenen 138
4.3.2 Handlungsspielräume der interaktiven Partizipation 141
4.3.2.1 Betrachten und Recherchieren 142
4.3.2.2 Betrachten und Initiieren 143
4.3.2.3 Betrachten und Kommentieren 144
4.3.2.4 Betrachten und Diskutieren 146
4.3.2.5 Betrachten und Kommunizieren 146
4.4 Kommunikationsorientierte Kooperationselemente 147
4.4.1 Formular zur Stellungnahme 148
4.4.2 Forum 148
4.4.3 E-Mail 150
4.4.4 Chat 150
4.4.5 Befragung 150
5. Erfolgsfaktoren der interaktiven E-Participation 152
5.1 Moderation für eine erfolgreiche interaktive E-Participation 152
5.2 Non-Cyber-Veranstaltungen und interaktive E Participation 153
5.3 Einbindung in den Gesamtprozess 154
Kapitel 6: Fazit und Ausblick 155
1. Ist das interaktive E-Participation-Tool nur einneues Werkzeug? 157
2. Was sind die zukünftigen Aufgaben derStadtplanung? 159
3. Hat die interaktive E-Participation Auswirkungen auf Stadtplanungsprozesse? 160
4. Welche gesellschaftlichen Potenziale birgt die interaktive E-Participation? 161
Anhang 163
1. Abkürzungen 164
2. Fachbegriffe 166
3. Abbildungsverzeichnis 175
4. Tabellenverzeichnis 182
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 183
6. Analyse der Online-Partizipationsangebote 202
7. Verfassererklärung 221

Automatisiert erstellter Textauszug:

tet werden. Die Perspektiven der örtlichen Anwohner leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Sammlung komplexer Planungskonstanten und möglicher Problemlösungen. MÄRKER betont in seinem Vortrag im Rahmen des Workshops „E-Partizipation – Elektronische Bürgerbeteiligung in badenwürttembergischen Kommunen“ explizit die für die Experten möglichen Lernprozesse durch die Beiträge der Beteiligten und den für weitere Planungen wertvollen und nicht zu unterschätzenden „Zugewinn an Entscheidungssicherheit“. SELLE spricht sogar von einer gegenseitigen „Qualifizierung“, bei der die Beteiligten einen wechselseitigen Lernprozess anstreben, anstelle persuativ ausgerichteten Planungen durchzusetzen [Selle 2005: 313]. Daher ist ein wesentlicher Motivationsgrund für die Öffentlichkeitsbeteiligung, eine möglichst breite Informations- und Entscheidungsbasis zu bekommen [Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hg.) 2003: 18]. „Zur Verbreiterung der Informationsbasis ist es erforderlich, dass eine möglichst umfassende Beteiligung stattfindet, damit Argumente vieler potenziell Betroffener in das Abwägungsverfahren einfließen können“ [Meinke 1983: 223]. Somit kann man nicht nur von einem Informationsgewinn sprechen, sogar eher von einer hochwertigen Interessenberücksichtigung [Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hg.) 2003: 18]. [...]

Nicht nur bei der Identifizierung rechtlicher Unstimmigkeiten können die Beteiligten einen wertvollen Beitrag leisten, auch die Aktivierung des bürgerlichen Sachverstandes bei komplexen örtlichen Zusammenhängen bringt relevante planbeeinflussende Fakten zum Vorschein. Niemand kennt schließlich das Plangebiet so gut wie dessen Bewohner. Den Planern ist das Plangebiet „nur flüchtig bekannt“ und sie „kennen es nicht aus eigener Nutzung“ [Bischoff/Selle/Sinning 2005: 21]. Da Planen im Bestand in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, werden die Meinungen und Informationen der Betroffenen für ortsunkundige Planer eine wesentliche Rolle spielen. Die Planer werden sich daher in Zukunft um multiple Plandarstellungen, also allgemeinverständliche Visualisierungen und Erklärungen, bemühen müssen. Die Bürger werden ebenfalls ihre Bedürfnisse formulieren und dies als Leitlinien an die Planung weitergeben. Dies kann die Planung durch eine gezielte Nutzer- bzw. Zielgruppenorientierung fördern, um mit entsprechenden Bevölkerungskreisen oder Interessengruppen in den Dialog zu treten und deren Sichtweisen zu hinterfragen. [...]

Im Bereich des Verfahrensrechtsschutzes spielt die Partizipation eine wesentliche Rolle. Da zum Zeitpunkt des Inkrafttretens eines Planes oder einer Satzung die Klagemöglichkeiten bereits ausgeschöpft sind, können bei vorgeschalteter Beteiligung die Pläne besser auf die Bedürfnisse aller Beteiligten angepasst werden. So kann nicht nur den Bürgern mehr Sicherheit bezüglich ihrer Wünsche und Wahrung ihrer Rechte bei der Planaufstellung gegeben werden, auch die Planer und Experten werden darin bestätigt, ihr Vorgehen in die richtige Richtung zu entwickeln [Selle 2005: 395]. In Anbetracht der sich momentan abzeichnenden strukturellen Änderungen bei Planungsprozessen, ausgelöst durch „Entstaatlichung, Privatisierung und Aufgabenkritik angesichts leerer Kassen“ [Selle 2005: 398] kann durch kooperative plebiszitäre Elemente wie der elektronischen Partizipation ein wichtiger Teil der Gestaltungs- und Lenkungsmacht der Gemeinden bewahrt und beeinflusst werden und trotz konträrer Meinungen eine gewünschte und für alle rechtmäßige Planung herbei geführt werden. [...]

Arbeit zitieren:
Lauffer, Jan Hendrik Februar 2006: Interaktive E-Participation bei Stadtplanungsprozessen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Öffentlichkeitsbeteiligung, Geographische Informationssysteme, Regionalplanung, Dynamischer Planungsprozess, Internettools

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