Integration operativer Risiken in das interne Rechnungswesen von Banken
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marina Kast
- Abgabedatum: Juni 2002
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 742,8 KB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6091-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6091-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6091-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kast, Marina Juni 2002: Integration operativer Risiken in das interne Rechnungswesen von Banken, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Operational Risk, Deckungsbeitragsrechnung, BASEL II, Einzelkostenrechnung, Eigenkapitalkosten
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Diplomarbeit von Marina Kast
Einleitung:
In der letzten Zeit sind die Banken durch die spektakulären Verluste einiger Finanzinstitute auf die operativen Risiken aufmerksam geworden. So z.B. der Zusammenbruch der Barings-Bank im Jahr 1995, der durch fehlende Trennung der Verantwortlichen und mangelhafte Kontrolle eines Händlers in Singapur verursacht wurde und einen Verlust in Höhe mehr als 1,3 Mrd. $ nach sich gezogen hat.
Durch die zunehmende Komplexität der Bankgeschäfte, die wachsende IT- Abhängigkeit, die Globalisierung und den verstärkten Konkurrenzdruck erhöht sich die Anfälligkeit der Banken für Fälle solcher Art. Das operative Risiko ist zum zweitwichtigsten Risikobereich nach dem Kreditrisiko geworden. Um diesen Bedingungen Rechnung zu tragen, sieht der Baseler Ausschuss für Bankaufsicht eine Unterlegung der operativen Risiken mit dem Eigenkapital vor. Das operative Risiko soll jetzt gemessen und explizit bei der Ermittlung des ökonomischen Eigenkapitals berücksichtigt werden. Dadurch versucht der Baseler Ausschuss aus externer Sicht, für die Banken Anreize für die Reduzierung des bei ihr vorhandenen operativen Risiko zu schaffen. Es ist aber nur dann zu erreichen, wenn die Eigenkapitalanforderung an eine Bank wirklich von der Höhe des operativen Risikos, das bei ihr vorhanden ist, abhängt. Inwieweit es bei den von BASEL II vorgeschlagenen Ansätzen zur Messung des operativen Risikos und zur Ermittlung der Eigenmittelunterlegung zutreffend ist, muss noch diskutiert werden.
Gleichzeitig verlangt die Erkenntnis, dass operative Risiken als gleichberechtigt mit den Markt- und Ausfallrisiken anzusehen sind, von Kreditinstituten die Schaffung geeigneter Planungs- und Kontrollmechanismen für operative Risiken. Aus der internen Sicht steht vor den Banken eine große Herausforderung, die operativen Risiken in das interne Rechnungssystem zu integrieren. Weil es in der bankbetrieblichen Praxis noch kein Konsens gibt, wie das interne Rechnungswesen der Banken aussehen muss, scheint es an dieser Stelle notwendig zu sein, kurz zu skizzieren, welche Form des Internen Rechnungswesens als Grundlage für die weiteren Auseinandersetzungen mit dem Thema der Arbeit verwendet wird.
Das Interne Rechnungswesen stellt ein Informationsinstrument der Unternehmensleitung zur Gestaltung und Überwachung des Betriebsprozesses dar. Es muss in der Lage sein, einschlägige Vorgänge und Zusammenhänge abzubilden, die für die Gestaltung und Kontrolle einer Bank durch die Bankleitung bedeutend sind. Man kann drei traditionellen Aufgabengruppen des internen Rechnungswesens unterscheiden: Erfolgsrechnung, Wirtschaftlichkeitskontrolle und Selbstkostenermittlung. Ab Ende der 70er Jahre wurden die Planungs- und Steuerungsaufgaben dem internen Rechnungswesen zugewiesen.
Als Form des internen Rechnungswesens mit Planungs- und Steuerungsaufgaben wird von Ratzlaff das controlling-adäquate System der Bankkalkulation von Schierenbeck bezeichnet. In diesem System wird auch ein integriertes Rechnungskonzept der drei Kalkulationsebenen (Geschäftsarten-, Geschäftstellen, Konten- und Kundengruppenkalkulation) ausgearbeitet. Das controlling-adäquate System der Bankkalkulation von Schierenbeck stellt eine umfassende und geschlossene Konzeption des internen Rechnungswesens dar. Deshalb wird es als Basis für die weiteren Untersuchengen verwendet. Wegen der Komplexität des Themas wird in der Arbeit überwiegend auf die Aufgabe des internen Rechnungswesens Erfolgsrechnung (Erlös- und Kostenrechnung) abgestellt. In Anlehnung an Schierenbeck wird hier ein Deckungsbeitrags-Schema (DB-Schema), das für die Steuerung der Geschäftsarten, Geschäftsstellen und Kundengruppen dient, verwendet. Das Ziel der Untersuchung besteht jetzt darin, die Fragen zu beantworten, wo die operativen Risiken in diesem Rechnungskonzept abgebildet werden können, welche Auswirkungen die Einbeziehung des operativen Risikos auf die Kostenstellenrechnung, Stückleistungskalkulation sowie Geschäftsarten-, Geschäftsstellen-, Konten- und Kundekalkulation haben kann.
Die Fragen der Quantifizierung des operativen Risikos wurden aus der Arbeit bewusst ausgeklammert, damit man bei der Untersuchung nicht immer wieder auf das Problem stößt, wie man die Daten dafür bekommt. Zuerst sollen die theoretischen Rahmenbedingungen für die Integration operativer Risiken in das interne Rechnungswesen geschaffen werden, wie es im Idealfall aussehen sollte. Bei der Umsetzung in der Praxis können natürlich bestimmte Kompromisse eingegangen werden. Das theoretische Konzept wird aber als anzustrebendes Zielergebnis bleiben. Gleichzeitig soll das hier ausgearbeitete Konzept der Integration operativer Risiken in das interne Rechnungswesen die Anforderungen an die Messung operativer Risiken stellen, so z.B. welche Informationen dafür bei der Erhebung der Verlustdaten aus den operativen Risiken notwendig wären.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | II | |
| Inhaltsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| A. | Einführung | 1 |
| 1. | Relevanz des Themas und Problemstellung | 1 |
| II. | Gang der Untersuchung | 3 |
| B. | Begriff und Ausprägungen des operativen Risikos | 5 |
| 1. | Begriff operatives Risiko | 5 |
| II. | Abgrenzung gegen andere Risiken | 8 |
| C. | Übertragung des Ansatzes zum Ausfallrisiko im Kreditgeschäft auf die operativen Risiken | 9 |
| 1. | Erwartete und unerwartete Verluste aus dem operativen Risiko | 9 |
| 1. | Verlustverteilung der operativen Risiken | 9 |
| 2. | Deckung von Verlusten aus den operativen Risiken | 11 |
| a) | Ex-ante-.Deckung | 12 |
| (1) | Standardrisikokosten | 12 |
| (2) | Ökonomisches Kapital | 12 |
| (a) | Value-at-Risk | 13 |
| (b) | Eigenkapitalkosten | 15 |
| (3) | Versicherung bei Dritten | 17 |
| b) | Ex-post-Deckung | 17 |
| (1) | Ist-Risikokosten | 17 |
| (2) | Risikoergebnis | 18 |
| II. | Integration der operativen Risiken in die Deckungsbeitragsrechnung | 19 |
| 1. | Deckungsbeitragsrechnung in einer Bank | 19 |
| 2. | Standardrisikokosten für operative Risiken im Deckungsbeitragsschema | 22 |
| 3. | Eigenkapitalkosten für operative Risiken im Deckungsbeitragsschema | 22 |
| D. | Übertragung des Ansatzes zur prozessorientierten Standard-Einzelkostenrechnung auf die operativen Risiken | 24 |
| I. | Zurechenbarkeit der Kosten von operativen Risken zum Einzelgeschäft | 24 |
| II. | Merkmale des Verfahrens | 26 |
| 1. | Prozessorientierung | 26 |
| 2. | Orientierung an den prozessabhängigen operativen Risiken | 27 |
| 3. | Standardisierte Werte als Grundlage der Kostenrechnung für operative Risiken | 28 |
| 4. | Konstruktion der Kostenrechnung für operative Risiken als Deckungsbeitragrechnung | 29 |
| III. | Umsetzungsschritte für den Aufbau der Kostenrechnung für operative Risiken in Banken | 30 |
| 1. | Durchführung von Risikoursachenanalysen | 30 |
| a) | Gliederung von operativen Risiken nach dem Bezug zum Leistungserstellungsprozess | 30 |
| b) | Identifikation der Risikoursachen | 32 |
| 2. | Ermittlung der Prozess-Einzelkosten für operative Risiken | 33 |
| IV. | Implementierung ins Deckungsbeitragsschema | 35 |
| 1. | Operative Risiken mit direktem Bezug zum Leistungserstellungsprozess | 35 |
| 2. | Operative Risiken mit indirektem Bezug zum Leistungserstellungsprozess | 37 |
| E. | Eignung der beiden Ansätze für die Integrierung operativer Risiken in das interne Rechnungswesen von Banken | 43 |
| I. | Zur Frage der Existenz operativer Risiken im Wertbereich | 43 |
| II. | Probleme der Doppelrechnung bei der Ermittlung von Standardrisikokosten für operative Risiken | 45 |
| III. | Risikogerechte Eigenkapitalkosten für operative Risiken der Geschäftsbereiche | 48 |
| IV. | Zusammenfassung und Ausblick | 52 |
| Literaturverzeichnis | 55 |
In der PSEK wird eine neue erweiterte Definition der Einzelkosten eingeführt, die das Grenzprinzip in Kombination mit dem Einzelkostenprinzip1 durch das Prinzip der Einzelkostenzurechnung und normierten Leistungsinanspruchnahme ersetzt. Durch das Prinzip der normierten Leistungsinanspruchnahme lassen sich auch solche Kosten „verursachungsgemäß“ auf das Einzelgeschäft zurechnen, die ohne prozessorientiertes Denken als Gemeinkosten fungiert hätten (z.B. die fixen periodenbezogenen Personalkosten). Mit Hilfe von verschiedenen Zeitstudien kann man feststellen, in welchem Umfang ein Geschäftsvorfall den Produktionsfaktor Personal in Anspruch nimmt und welche Kosten ihm dafür zugerechnet werden können.2 Damit werden alle Kosten, die innerhalb der Leistungserstellungsprozesse (LEP) auf normierter Basis angefallen sind, den Bankleistungen als Standardeinzelkosten (Standardstückkosten) zugeordnet. Letztendlich darf man nur diejenige Kosten einem Bankprodukt zurechnen, die auf der Basis der Prozessbeschreibung direkt mit der Produktion und/oder dem Vertrieb verbunden sind.3 Wird dieser Gedanke auf die operativen Risiken übertragen, so lassen sich jetzt alle Kosten infolge von operativen Risiken, die innerhalb des ganzen Prozesses von „Produkt anbieten“, einschließlich „Produkt herstellen“ und bis zur „Nachbearbeitung“ anfallen, direkt einem Bankgeschäft zuordnen (s. Abb. 6). So können auch alle Kosten wegen der operativen Risiken, die bei der Abwicklung des Geschäfts entstanden, direkt dem Bankprodukt zugerechnet werden. [...]
25 Es ist auf jeden Fall fragwürdig, ob alle operativen Risiken direkt einem Kundengeschäft zugerechnet werden können. Bei diesem Problem stößt die Übertragung des Ansatzes zum Ausfallrisiko auf die operativen Risiken an ihre Grenze, weil dieses Problem beim Ausfallrisiko nicht auftritt. Das Ausfallrisiko ist ein produktspezifisches Risiko. Daher wird es auch im direkten Zusammenhang mit dem Produkt bestimmt und kann eindeutig dem Einzelgeschäft zugeordnet werden.1 Es stellt sich die Frage, welche operativen Risiken sich einzelgeschäftsbezogen bestimmen lassen und welche nicht, und wo die beiden Arten der operativen Risiken im DB-Schema zu berücksichtigen sind. Mit der Frage der Zurechenbarkeit dem Einzelgeschäft allerdings bezüglich der Kosten beschäftigt sich schon lange die Bankostenrechnung. Deshalb wäre es sinnvoll, an dieser Stelle zu schauen, zu welchem Ergebnis die Kostenrechnung bei solcher Diskussion kommt und wie dort diese Fragen beantwortet werden. Die prozessorientierte Standard-Einzelkostenrechnung (PSEK) stellt eine der wichtigen Komponenten des controlling-adäquaten Systems der Bankkalkulation von Schierenbeck dar. Die PSEK ist ein Verfahren der Stückleistungsrechnung, die sowohl die Nachteile einer reinen Vollkosten- als auch einer reinen Teilkostenrechnung vermeidet.2 Deshalb wird im folgenden Abschnitt der Arbeit der Ansatz zur PSEK auf die operativen Risiken, wo es möglich ist, übertragen. Hier wird die Struktur der Prozesssicht, die in den Lehrbüchern über die PSEK zu treffen ist, übernommen und auf die operativen Risiken angewendet.3 Dabei wird keine Unterteilung in Standardrisikokosten und Eigenkapitalkosten für operative Risiken vorgenommen, sondern allgemein über die Kosten für das operative Risiko gesprochen, d.h. Standardrisikokosten und Eigenkapitalkosten werden zusammen betrachtet. Die Fragen zu den Standardrisikokosten und Eigenkapitalkosten für operative Risiken werden im Kapitel E betrachtet. [...]
Im vorigen Kapitel wurde angenommen, dass die operativen Risiken genauso wie die Ausfallrisiken dem Einzelkundengeschäft direkt zurechenbar sind. Diese Annahme erscheint nicht in allen Fällen zutreffend. So hat z.B. ein Rechnerausfall in der Controllingabteilung, der erhöhte Kosten zur Folge haben kann, nichts mit einem bestimmten Kredit oder mit einem bestimmten Wertpapiergeschäft zu tun. Deswegen kann man dies auch nicht einem bestimmten Produkt zuordnen. Ein anderes Beispiel: Ein Rechenzentrumsausfall verursacht einerseits die Kosten für dessen Wiederherstellung, anderseits entstehen dadurch auch entgangene Erlöse, weil dann mehrere Geschäfte unabhängig von der Produktart nicht zustande kommen können. Oder wegen einer Grippenwelle werden auf einmal mehrere Mitarbeiter krank und deshalb müssen jetzt Teilzeitarbeiter eingestellt werden. Das führt zu höheren Kosten. Diese Kosten sind nicht mehr dem Einzelgeschäft zurechenbar. Im Schrifttum trifft man oft auf die Aussage, dass die Risiken des Betriebsbereichs nicht Einzelgeschäften zugerechnet werden können, weil sie nicht durch Kunden, sondern durch interne geschäftspolitische Entscheidungen zustande gekommen sind.1 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832460914
Arbeit zitieren:
Kast, Marina Juni 2002: Integration operativer Risiken in das interne Rechnungswesen von Banken, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Operational Risk, Deckungsbeitragsrechnung, BASEL II, Einzelkostenrechnung, Eigenkapitalkosten



