Die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum
Eine Analyse der außenwirtschaftlichen Verflechtungen Ungarns
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Peter Matthias Trick
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 76 Seiten
- Dateigröße: 1,9 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Mainz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7295-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7295-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7295-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Trick, Peter Matthias Juli 2003: Die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Ungarn, Außenwirtschaft, FDI, Osterweiterung, Integration
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Diplomarbeit von Peter Matthias Trick
Einleitung:
12. April 2003: Die ungarische Bevölkerung ist in einem Referendum aufgerufen über den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union zum 1. Mai 2004 abzustimmen. Trotz einer niedrigen Wahlbeteiligung von 45,6% entscheidet sich eine gewaltige Mehrheit von 83,8% der abgegebenen Stimmen für den Beitritt Ungarns zur EU.
Die EU-Osterweiterung ist in den letzten Jahren eines der vorherrschenden Themen innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft gewesen. Jetzt steht sie kurz vor dem Abschluss. Mit Ungarn werden aller Voraussicht nach noch neun weitere, zum Teil ebenfalls ehemalige Ostblockstaaten diesem Wirtschaftsraum beitreten. Die Ausdehnung nach Osten erscheint, rückblickend, nur die logische Konsequenz zu sein.
Mit der friedlichen Revolution 1989 rückten die mittel- und osteuropäischen Beitrittskandidaten in den Blick der Weltöffentlichkeit. Vor allem für westliche Industrienationen, allen voran europäische, erschlossen sich neue, frei zugängliche Märkte mit unterschiedlichen Risiken und Chancen. Der Neuaufbau und die Neuorientierung in diesen Ländern konnte jedoch nur mit materieller Hilfe gelingen. Das westliche Europa hatte dabei aus politischen, geographischen und vor allem wirtschaftlichen Gründen größtes Interesse an einer europäisch geprägten volkswirtschaftlichen Ausrichtung. Es sind nicht nur neue, unerschlossene Absatzmärkte in unmittelbarer Nähe entstanden, sondern auch im Sinne des Triade-Modells bot sich für Europa eine historische Chance im Wettlauf mit den großen Konkurrenten aus Amerika und Asien.
Heute steht Ungarn kurz vor der Aufnahme in die Europäische Union. Es ist ein politischer Schritt der gedanklich die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum, i. d. F. der EU, abschließt. Jedoch stellt sich die Frage in wie weit Ungarns Wirtschaft schon oder überhaupt in diesen integriert ist.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum mit Hilfe der außenwirtschaftlichen Verflechtungen zu untersuchen und zu beschreiben. Dafür soll die Entwicklung des Außenhandels (Ex- und Importe) und der Direktinvestitionen in und aus Ungarn der letzten Jahre genauer untersucht werden, um festzustellen, ob es in diesen Bereichen zu Verflechtungen und integrativen Ausbildungen gekommen ist.
Nicht in dieser Arbeit betrachtet werden sollen politische und rechtliche Aspekte der Integration sowie des Rechts- und Steuersystems Ungarns.
Gang der Untersuchung:
Zunächst werden in Kapitel 2 die ungarische Wirtschaftsentwicklung und der derzeitige Stand aufgezeigt. Dafür wird mit einem kurzen wirtschaftshistorischen Abriss der Zeit zwischen 1945 und 1990 begonnen, um die Besonderheiten des ungarisch-sozialistischen Wirtschaftssystems zu verdeutlichen. Anschließend wird die Entwicklung ausgewählter volkswirtschaftlicher Indikatoren seit der „Wende“ bis heute beleuchtet.
Schwerpunkt der Arbeit sind die Kapitel 3 „Der ungarische Außenhandel“ und 4 „Direktinvestitionen“. Jeweils zu Beginn der Kapitel befindet sich eine kurze Abhandlung der theoretischen Grundlagen des Themenbereichs.
Im 3. Kapitel wird anschließend der Offenheitsgrad der ungarischen Wirtschaft ermittelt und dessen Ausbildung bewertet. In den folgenden Arbeitsschritten werden die Entwicklung der Ex- und Importe, die Verteilung nach Handelspartner und Gütern sowie der intra-industrielle Handel untersucht.
Kapitel 4 befasst sich nach den theoretischen Grundlagen mit den ungarischen Direktinvestitionen im Ausland unter besonderer Berücksichtigung der Zielländer. Die sich daran anschließende Analyse der ausländischen Direktinvestitionen in Ungarn umfasst die Untersuchung der Herkunftsländer, der Wirtschaftsbereiche und der Bedeutung von multinationalen Unternehmen.
Die Arbeit stützt sich dabei auf landesinterne und externe Informationsquellen. Vor allem ungarische Behörden und internationale Organisationen konnten das benötigte Datenmaterial zur Verfügung stellen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung | 2 |
| 1.3 | Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung Ungarns | 3 |
| 2.1 | Wirtschaftsentwicklung zwischen 1945 | und 1990 |
| 2.1.1 | Ende des II. Weltkrieges und Wiederaufbau | 3 |
| 2.1.2 | Anfängliche Reformen | 4 |
| 2.1.3 | Kádárismus und das „goldene Zeitalter“ | 5 |
| 2.1.4 | Rezentralisierung des „Neuen Ökonomischen Mechanismus“ | 6 |
| 2.1.5 | Verfall der sozialistischen Wirtschaftsordnung | 6 |
| 2.2 | Ungarns Wirtschaft von 1990 | bis heute |
| 2.2.1 | Bruttoinlandsprodukt | 8 |
| 2.2.2 | Strukturwandel | 9 |
| 2.2.3 | Beschäftigungssituation | 10 |
| 2.2.4 | Löhne und Gehälter | 11 |
| 2.2.5 | Der ungarische Forint | 12 |
| 2.2.5.1 | Unabhängigkeit der Zentralbank | 12 |
| 2.2.5.2 | Inflation | 13 |
| 2.2.5.3 | Wechselkursregime | 13 |
| 2.2.5.3.1 | Anbindung und Währungskorb | 13 |
| 2.2.5.3.2 | Bandbreiten und Crawling Peg | 14 |
| 2.2.6 | Leistungsbilanzsaldo und Auslandsverschuldung | 16 |
| 3. | Der ungarische Außenhandel | 18 |
| 3.1 | Theoretische Grundlagen | 18 |
| 3.1.1 | Gründe für die Aufnahme von Außenhandelsbeziehungen | 18 |
| 3.1.2 | Außenhandelstheorie | 20 |
| 3.1.2.1 | Klassische Außenhandelstheorie | 20 |
| 3.1.2.2 | Neoklassische Außenhandelstheorie | 20 |
| 3.1.2.3 | Weitere Außenhandelstheorien | 21 |
| 3.1.3 | Außenhandel und Wechselkurs | 23 |
| 3.2 | Entwicklung von Ungarns Außenhandel | 26 |
| 3.2.1 | Offenheitsgrad der ungarischen Wirtschaft | 26 |
| 3.2.2 | Exporte | 27 |
| 3.2.2.1 | Exportentwicklung nach 1990 | 27 |
| 3.2.2.2 | Entwicklung der Exportgüterstruktur | 28 |
| 3.2.2.3 | Exportstruktur nach Handelspartnern | 30 |
| 3.2.3 | Importe | 33 |
| 3.2.3.1 | Importentwicklung nach 1990 | 33 |
| 3.2.3.2 | Entwicklung der Importgüterstruktur | 34 |
| 3.2.3.3 | Importstruktur nach Handelspartnern | 36 |
| 3.2.4 | Ungarns intra-industrieller Handel | 37 |
| 3.2.5 | Erklärungsansätze für die Entwicklung des Außenhandels | 40 |
| 4. | Direktinvestitionen | 41 |
| 4.1 | Theoretische Grundlagen | 41 |
| 4.1.1 | Direktinvestitionen in der Außenhandelstheorie | 41 |
| 4.1.2 | Theorie der Direktinvestitionen | 42 |
| 4.1.2.1 | Definition | 42 |
| 4.1.2.2 | Theoretische Erklärungsansätze | 44 |
| 4.1.2.3 | Vor- und Nachteile von Direktinvestitionen | 45 |
| 4.2 | Ungarns Direktinvestitionen im Ausland | 46 |
| 4.3 | Direktinvestitionen in Ungarn | 49 |
| 4.3.1 | Entwicklung der Direktinvestitionszuflüsse nach Ungarn | 49 |
| 4.3.2 | Direktinvestitionen nach Herkunftsländern | 51 |
| 4.3.3 | Direktinvestitionen nach Wirtschaftsbereichen | 52 |
| 4.3.4 | Investoren im Bereich der multinationalen Unternehmen | 54 |
| 4.3.5 | Bedeutung von ausländischen Direktinvestitionen für Ungarn | 56 |
| 5. | Fazit | 57 |
| Literaturverzeichnis | 59 | |
| Anhangsverzeichnis | 66 | |
| Anhang | 67 |
Die Ausweitung des Exportes in den Jahren vor 1993 wird auf verschiedene zusammenhängende Faktoren zurückgeführt. Vor allem der Export in die EU wurde ausgeweitet. Dies ist einerseits auf den Zusammenbruch der RGW-Märkte, die nur noch wenige Waren aufnehmen konnten und den kollabierenden Binnenmarkt zurückführbar. Positiv für die Exporte dürfte sich außerdem die starke Abwertung des Forints um 15,0% im Januar 1991 ausgewirkt haben. Eine besondere Bedeutung kommt dem in dieser Zeit zwischen Ungarn und der damaligen EG geschlossenen Freihandelsabkommen zu.60 Der Einbruch der Exporte 1993 hat verschiedene Ursachen. Negativ haben sich Probleme in der Umstrukturierung des damals noch für den Export wichtigen Agrarbereiches ausgewirkt haben, die zudem mit einer Trockenperiode und einer von [...]
Währungen auf langfristige Sicht die Inflationsdifferenzen der Länder aus.56 Dieser Ausgleichsmechanismus funktioniert bei festen Wechselkurssystemen nicht, bei vorhandenen Bandbreiten nur begrenzt. Kommt es in den betrachteten Ländern nun zu verschieden starken Inflationsraten, müsste das Land mit der höheren Preissteigerungsrate seine Währung abwerten, kann es aber wegen der festen Wechselkursbindung nicht. Aufgrund des stärker gestiegenen inländischen Preisniveaus wirkt diese unterlassene Abwertung wie eine reale Aufwertung, mit denselben negativen Auswirkungen auf den Außenhandel: sinkender Export, steigender Import. Bei bestehenden unterschiedlichen Inflationsraten muß also ein System gefunden werden, um den realen Wechselkurs zu stabilisieren bzw. die Inflationsraten anzugleichen. Eine Möglichkeit zur gleichzeitigen Stabilisierung des Wechselkurses und der Inflationsrate besteht in der Schaffung eines Currency-Board-Systems, wie es in verschiedenen Ländern praktiziert wird. Dabei wird die Landeswährung vollständig an eine international anerkannte Währung, z. B. US-Dollar oder Euro gebunden. Es besteht vollkommene Konvertibilität der Währung und die Geldmenge der Zentralbank ist komplett durch die ausländische Währung gedeckt. Dies verbessert die Stabilität der Währung und wirkt sich in diesen Ländern positiv auf Inflationserwartung und Außenhandel aus.57 Eine andere Möglichkeit ist der oben schon am Beispiel Ungarns angesprochene Crawling Peg. Die Zentralbank wertet dabei regelmäßig, in vorher festgelegten und veröffentlichten Schritten die Währung ab, um so den realen Wechselkurs möglichst stabil und die Inflationserwartungen gering zu halten. Der Vorteil des Crawling Peg gegenüber des Currency Boards liegt darin, dass weiterhin, in gewissem Rahmen, eine nationale Geldpolitik möglich ist, die im Currency-Board-System an die Zentralbank der Ankerwährung abgegeben wird. [...]
Export die Nachfrage auf den ausländischen Märkten nach bestimmten Produktdiversifikationen bedient. Die Wohlfahrtssteigerung, auf denen der Außenhandel fußt, liegt in dieser Theorie nicht in der gesteigerten Versorgungsmöglichkeit der Länder, sondern hauptsächlich darin, dass die Nachfrage nun diversifizierter befriedigt werden kann. 3.1.3 Außenhandel und Wechselkurs Neben vielen realwirtschaftlichen Faktoren hat der Wechselkurs einer Währung im Außenhandel eine zentrale Bedeutung. Für Unternehmer bergen Wechselkursschwankungen ein nicht zu unterschätzendes Verlustrisiko, welches erhebliche Auswirkungen auf den Fortbestand der Unternehmung haben kann. Um dieses Risiko zu vermeiden, können diese über derivative Finanzinstrumente abgesichert werden. Dieser Kostenfaktor wird letztlich auf den Preis des Gutes aufgeschlagen bzw. schmälert die Gewinnmarge. Ist eine Abwälzung der Kosten nicht möglich, oder wird der Export durch das Wechselkursrisiko unwirtschaftlich (individuelle KostenNutzen-Analyse), kann es zur Einstellung des Exports seitens der Unternehmung kommen. Gerade auch in Zeiten von zunehmendem global sourcing spielt der Wechselkurs für die Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Für die Volkswirtschaft eines Landes bergen Veränderungen des Wechselkurses weitere Risiken in Hinblick auf den Leistungsbilanzsaldo und die Finanzierung eines eventuellen Defizits. Die Auswirkungen der Wechselkursänderungen können durch den Einfluß auf Im- und Export zu einem Devisenmangel in der Volkswirtschaft führen, der im Zweifel durch Kreditaufnahme im Ausland gedeckt werden muss. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, kann es zu wirtschaftlichen Problemen führen, sofern nicht Kapitalimporte (z. B. Direktinvestitionen) das Leistungsbilanzdefizit „finanzieren“ können. Im Folgenden sollen kurz die Effekte von Wechselkursänderungen auf die Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft diskutiert werden. Betrachtet man exemplarisch die Abwertung einer Währung, so kommt es durch Verbilligung der [...]
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