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Integration von Migrantenkindern in die bayerische Grundschule

Integration von Migrantenkindern in die bayerische Grundschule
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Anna Senczakova
  • Abgabedatum: Oktober 2007
  • Umfang: 98 Seiten
  • Dateigröße: 416,4 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 66
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2059-8
  • ISBN (CD) :978-3-8366-2059-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Senczakova, Anna Oktober 2007: Integration von Migrantenkindern in die bayerische Grundschule, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Migration, Integration, Bildungswesen, Grundschule, Bayern

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Magisterarbeit von Anna Senczakova

Einleitung:

Als vor mehr als 40 Jahren die ersten so genannten ‘Gastarbeiter’ nach Deutschland kamen, rechnete niemand damit, dass manche von ihnen auf Dauer in der Bundesrepublik bleiben würden. Neben den Migranten aus den ehemaligen Anwerbeländer, die die größte Gruppe der ausländischen Wohnbevölkerung in Deutschland bilden, gewannen im Laufe der 1980er und 1990er Jahre zwei weitere Migrantengruppen an Bedeutung. Dabei handelt es sich um (Spät-)Aussiedler und um Flüchtlinge. Heutzutage, in der Zeit des kulturellen Pluralismus und der Globalisierung, spielen noch andere Formen der Migration eine wichtige Rolle, die so genannte Globalisierungsmigration und außerdem die Beziehungsmigration.

Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2005 in der Bundesrepublik Deutschland 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Im Alter von unter 25, das vor allem durch die Ausbildung und Vorbereitung auf das spätere Leben geprägt ist, hat in Deutschland, nach dieser Erhebung, jeder Zehnte eine nicht deutsche Staatsangehörigkeit. Im Vorschulalter (0 bis 6 Jahre) haben mehr als 30 von 100 Kindern, das bedeutet mehr als 30%, einen Migrationshintergrund und in den nachfolgenden Altersgruppen (6 bis unter 10, 10 bis unter 16, 16 bis unter 25) sind es immerhin noch zwischen 24% und 29%..

Was bedeuten eigentlich diese Zahlen für die deutsche Gesellschaft, welche Bedeutung haben sie für die Zukunft des Landes und was bedeutet dies für die Menschen mit Migrationshintergrund selbst, für ihre Identität? Wie kam es überhaupt zu dieser Situation, wie befasste sich die Politik mit den Folgen der Zuwanderung? Was bedeuten diese Zahlen für das Bildungswesen? Was wurde bisher unternommen, damit diese Menschen die gleichen Chancen haben wie die Deutschen ohne Migrationshintergrund? Wie werden diese Kinder in die deutsche, speziell die bayerische Grundschule integriert? Wie werden sie gefördert und gefordert? Welche Rolle spielt heutzutage die interkulturelle Erziehung in der Schule?

Das Thema der Migration war in der Bundesrepublik schon immer ein heikles Thema und wird spätestens seit dem 1. Januar 2005, als sich Deutschland faktisch mit dem Zuwanderungsgesetz dazu bekannte, ein Zuwanderungsland zu sein, immer mehr diskutiert. Die damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, sagt dazu: ‘Wir haben mit dem neuen Zuwanderungsgesetz eine Schneise geschlagen in dem Sinne, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und sich auch den integrationspolitischen Herausforderungen stellt’.

Mit meiner Arbeit möchte ich zu dieser Diskussion beitragen und mich mit den oben genannten Fragen auseinandersetzen und sie diskutieren, eventuell offene Fragen und Vorschläge geeigneter Intervention für Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch für Lehrer oder Eltern bearbeiten.

Die Arbeit besteht aus zwei Teilen: Im ersten, theoretischen, Teil werden die Phänomene der Migration und Integration näher erläutert. Es wird an dem historischen Abriss der Migration in Deutschland dargestellt, wie es zu diesen Phänomenen gekommen ist. Im Weiteren wird die Diskussion um kulturelle Identität skizziert. Im nächsten Abschnitt wird die Antwort auf die Frage, welche Bedeutung die Migration überhaupt für das Bildungswesen heutzutage hat, gesucht. Der theoretische Teil ist lediglich als Einleitung für den empirischen Teil zu sehen, wobei dem Kapitel über die Migrationsgeschichte besonders viel Raum gewidmet ist, weil hierin das grundlegende Wissen zu finden ist, das man braucht, um die Problematik besser verstehen zu können.

Anzumerken ist noch, dass es im Hinblick auf den begrenzten Rahmen der Arbeit nicht möglich ist, alles in dem Maße zu behandeln, wie es wünschenswert wäre.

Im zweiten, empirischen, Teil wird ein Integrationskonzept dargestellt und anhand von Theorien diskutiert.

Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung habe ich mich dafür entschieden, in der vorliegenden Arbeit ausschließlich männliche Personenbezeichnungen zu verwenden.

Fragestellungen der Arbeit:

Das Jahr 2007 wurde von der Europäischen Kommission zum ‘Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle’ erklärt. Chancengleichheit bedeutet, jedem Einzelnen, unabhängig von ethnischer und kultureller Herkunft, die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft sowie den Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dabei haben Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland bislang deutlich schlechtere Startbedingungen.

Die Pisa-Studie zeigte, wie sehr der soziale Hintergrund und die Leistung der Schüler zusammenhängen. Zu dieser Problematik äußerte sich unter anderem der UN – Sonderberichterstatter Vernor Muñoz, nachdem er seinen Bericht zum Recht auf Bildung vorgelegt hatte, folgendermaßen: ‘Sozioökonomische Beschränkungen hängen mit Beschränkungen im Bildungsbereich zusammen, die sich auf die schulische Kompetenz und die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler auswirken. Wie die PISA-Studien zeigen, spiegelt sich soziale Ungleichheit in den schulischen Erfolgschancen wider. […] Es ist offenkundig, dass die frühe Einstufung Auswirkungen für weniger begünstigte Kinder und Jugendliche hat, also für Schüler aus armen Verhältnissen sowie Schüler mit Migrationshintergrund oder Behinderung.’ Im Bildungsbericht 2006 steht einerseits, dass angesichts der demographischen Entwicklung Förderung und (Aus-)Bildung junger Migranten – als Kinder der einzig wachsenden Bevölkerungsgruppe – für künftige Produktivität und gesellschaftlichen Wohlstand von großer Bedeutung seien, andererseits findet man ein Paar Seiten weiter, dass die Analysen aus IGLU und anderen Studien zeigten, dass die migrationsspezifische Benachteiligung schon in den Noten, die in der Grundschulzeit gegeben werden, angelegt ist. Nach Angaben des Bildungsberichts erhalten somit Schüler mit Migrationshintergrund in der Grundschule, manchmal sogar bei derselben Leistung, etwas schlechtere Noten als ihre Mitschüler.

Aus diesen Aussagen geht hervor, dass in der Bundesrepublik eine gewisse Diskrepanz zwischen den Wünschen, also dem ‚Soll’, und der Realität, also dem ‚Ist’, entsteht.

Die erste wichtige Frage ist also die nach dem Umgang der Grundschule, im Hinblick auf die hier vorgelegte Arbeit, in Bayern, mit den Migrantenkindern. Gibt es irgendwelche Konzepte, um diese Kinder sinnvoll integrieren zu können? Warum beenden so viele Migrantenkinder bereits an den Hauptschulen ihre Schullaufbahn und schaffen den Übergang in die weiterführenden Schulen nicht? Was tut die Grundschule, damit dies nicht in diesem Maße passiert und damit diese Menschen eine bessere Chance für ihre Zukunft in dieser Gesellschaft haben?

Die zweite wichtige Frage ist die nach der effektiven Förderung der Migrantenkindern in der Grundschule. Was könnte noch für eine bessere Integration getan werden?

Ziel und Methodik der Arbeit:

Damit die Integration in der Schule erfolgreich stattfinden kann, ist es wichtig, einiges zu wissen: Was bedeuten die Begriffe Migration und Integration? Wie kam es überhaupt dazu, dass Kinder mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik präsent sind? Welche integrationspolitischen Bildungsmaßnahmen wurden ergriffen? Wie findet heutzutage Integration im Bildungswesen statt?

Die vorliegende Arbeit möchte diese Fragen aufgreifen und den bisherigen Umgang des Bildungssystems, speziell der Grundschule, mit Migrantenkindern und inwieweit dieser zu deren Integration beitrug, präsentieren und die eventuellen Möglichkeiten der Förderung dieser Kinder unter Einbeziehung einer empirischen Untersuchung diskutieren.

Die Untersuchung erfolgte an einer Grundschule in der Fürther Innenstadt, die einen hohen Ausländeranteil aufweist und deren Name hier wegen des Gesichtspunktes der Anonymität nicht genannt wird. Weiter im Text als ‘Grundschule in Fürth’ genannt. Die Schulleitung reagierte auf die Anfrage, dort ein Praktikum, verbunden mit einer Hospitation, zu machen, offen und hilfsbereit. In dieser Zeit konnten unter anderem wichtige Gespräche mit den Lehrkräften geführt und das Schülerverhalten in Vorschulkurs, Sprachlern- und Regelklassen beobachtet werden. In diesen Gesprächen wurden acht Punkte diskutiert, wodurch Kenntnisse darüber gewonnen werden sollten, wie die Lehrkräfte an der oben genannten Grundschule mit dem Thema Integration von Migrantenkindern in die bayerische Grundschule umgehen. Es wurde diskutiert, wie die Lehrkräfte die Migrantenkinder in ihren Klassen erleben und ob sie Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern nach ihrer kulturellen Herkunft sehen und nach welchem Konzept sie versuchen, sie zu integrieren. Außerdem, inwieweit sie die Integrationsangebote dieser Schule für sinnvoll bzw. ausreichend halten, nämlich die Sprachlernklasse, den Vorschulkurs und über den Unterricht hinausgehende Veranstaltungen, wie zum Beispiel Schulfeste. Die Erfahrungen, die die Lehrkräfte mit den Kindern aus der Sprachlernklasse gemacht hatten, und ihre Meinung zum Thema Sprachlernklasse überhaupt waren sehr aufschlussreich. Aus den Gesprächen gingen auch positive Erfahrungen hervor; es war die Rede davon, aus welcher Richtung sie Unterstützung erhalten und wie sie die Zusammenarbeit mit den Eltern dieser Kinder erleben. Am Ende standen Wünsche dazu, wie die Integration besser funktionieren könnte.

All dem war sehr viel zu entnehmen, wenn es darum ging, sich Gedanken darüber zu machen welche Empfehlungen man dazu abgeben könnte, wie die Integration von Migrantenkindern zu verbessern wäre.

Die Hospitation dauerte vom Mitte März bis Ende des Schuljahrs 2006/2007. Das Lehrpersonal hatte sich damit einverstanden erklärt, sich im Rahmen von Lehrergesprächen befragen zu lassen, die in Form von offenen Interviews stattfanden. Gleichfalls stimmten sie zu, dass die Gespräche und die daraus resultierenden Ergebnisse, die durch weitere Eindrücke aus unsystematischen Beobachtungen ergänzt werden, in dieser Arbeit verwendet werden.

Die Beobachtung erfolgte in Form von teilnehmender Beobachtung und dauerte eine Woche. Die Beobachtungswoche fand während einer gewöhnlichen Schulwoche gleich am Anfang des Praktikums statt und umfasste vor allem die Stunden der Sprachlernklasse und dann diejenige Stunden der Stammklasse, in denen die Kinder aus der Sprachlernklasse Unterricht hatten. Die Aktivitäten, die im Klassenzimmer stattfanden, wurden schriftlich festgehalten. In der Stammklasse lag das Augenmerk auf dem Verhalten der Kinder aus der Sprachlernklasse. Aus dieser Beobachtung wurden einige Beispiele für die vorliegende Arbeit ausgewählt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
1.1 Vorwort 6
1.2 Der Ausgangspunkt: Die zentralen Fragestellungen der Arbeit 8
1.3 Ziel und Methodik der Arbeit 9
2. Theoretischer Teil 11
2.1 Definitionsansätze 11
2.1.1 Migration 11
2.1.2 Integration 13
2.2 Migration in Deutschland 19
2.2.1 Historischer Abriss zur Migration in Deutschland 19
2.2.2 Arbeitsmigration: Die drei Phasen der Gastarbeitermigration 22
2.2.3 Aussiedlermigration 26
2.2.4 Fluchtmigration 27
2.2.5 Beziehungsmigration 28
2.2.6 Die Situation heute 29
2.3 Geschichte der Integrationspolitik - Bildungspolitische Maßnahmen 31
2.4 Kulturelle Identität 36
2.5 Die Bedeutung der Migration für das Bildungswesen 39
2.5.1 Bildungsbeteiligung und -verläufe von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund 39
2.5.2 Umgang des Bildungssystems mit Migration 44
2.5.3 Integrationskonzepte 44
2.5.3.1 Kindergarten 45
2.5.3.2 Grundschule 47
2.5.3.3 Außerschulische Initiativen 48
3. Empirischer Teil: Ein Beispiel für ein Integrationskonzept an einer Grundschule in Fürth 50
3.1 Die Grundschule in Fürth 51
3.1.1 Schulumgebung 52
3.1.2 Statistische Angaben 53
3.1.3 Pädagogisches Personal 55
3.1.4 Die Klasse 1a 55
3.2 Die Migrantenkinder im Unterricht an der Grundschule in Fürth 56
3.2.1 Vorschulkurs 56
3.2.2 Die Sprachlernklasse 57
3.2.3 Förderunterricht 59
3.3 Beobachtung des Unterrichts 59
3.4 Darstellung der Lehrergespräche 61
3.5 Theoriediskurs versus Praxisdiskurs 80
3.6 Schlussfolgerung 83
4. Ausblick 84
5. Schlusswort 87
6. Literaturverzeichnis 90
6.1 Printmedien 90
6.2 Internetseiten 94
6.3 Weiterführende Literatur 97
7. Abbildungsverzeichnis 100

Textprobe:

Kapitel 2.5.3, Integrationskonzepte:

Anhand der Recherche lässt sich feststellen, dass trotz der langen Migrationsgeschichte in Deutschland kein einheitliches Integrationskonzept als solches entwickelt worden ist. Es entsteht der Eindruck, dass das deutsche Schulsystem von einer Homogenität ausgeht, die aber in keiner Hinsicht besteht, und dies schon seit mindestens 35 Jahren. Es gab und gibt verschiedene Ansätze, die zu der Integration von Migrantenkindern beitragen sollen. Seien es die Kommunen oder die verschiedenen sozialen oder christlichen Einrichtungen, die schulische Beratung, Nachhilfe oder Hausaufgabenbetreuung für Kinder mit Migrationshintergrund organisieren. Im Rahmen der schulischen Beratung beschäftigen sich Schulpsychologen mit Kindern mit erhöhtem Förderungsbedarf, worunter sich erfahrungsgemäß viele Kinder mit Migrationshintergrund befinden. Die Mehrheit dieser Aktivitäten basiert jedoch auf Freiwilligkeit und ist oft auf die ehrenamtliche Mitarbeit, nicht selten von engagierten aber nicht professionell ausgebildeten Mitbürgern, angewiesen.

Im Folgenden wird näher auf das Angebot zur Integration von Seiten des Bayerischen Arbeitsministeriums im vorschulischen Bereich, das heißt im Kindergarten, und von Seiten des Bayerischen Kultusministeriums im Bereich der Grundschule eingegangen.

Kindergarten:

Aufgabe des Kindergartens ist die ganzheitliche Bildung, Erziehung und Betreuung des Kindes (§ 22 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII). Der Kindergarten soll als familienergänzende und -unterstützende Einrichtung bestmögliche Entwicklungs- und Bildungschancen für alle Kinder bieten. Alle Kinder, d.h. deutsche Kinder, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder mit Behinderung, Kinder mit erhöhtem Entwicklungsrisiko und Kinder mit besonderen Begabungen sollen im Kindergarten gemeinsames Leben und Lernen erfahren. Das Spiel ist dabei das wichtigste Bildungsmittel und die elementare Form des Lernens.

Im Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG), das am 1. August 2005 in Kraft getreten ist, findet man Folgendes: ‘Kindertageseinrichtungen sollen die Integrationsbereitschaft fördern und Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund zur Integration befähigen. Für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, die über keine oder unzureichende Deutschkenntnisse verfügen, sowie für Kinder mit sonstigem Sprachförderbedarf ist eine besondere Sprachförderung sicherzustellen. Das pädagogische Personal hat die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit Sprachförderbedarf bei seiner pädagogischen Arbeit zu berücksichtigen (Art. 12 BayKiBiG) .’ Zur Verdeutlichung, wie die Förderung der Integrationsbereitschaft und -befähigung der Kinder und Familien mit Migrationshintergrund in der Realität funktionieren kann, wird an dieser Stelle die Arbeit des Kindergartens ‘Flohkiste’ in Fürth gezeigt. Die Wahl ist nicht zufällig, denn dieser Kindergarten arbeitet mit der im empirischen Teil dargestellten Grundschule in Fürth zusammen.

Die folgenden Informationen stützen sich auf ein Gespräch, zu dem sich die Leitung des oben genannten Kindergartens bereit erklärt hat.

Früher war dieser Kindergarten ein Schulkindergarten, den vorwiegend zurückgestellte Kinder besuchten. Seit 2000 gehört dieser Kinderkindergarten zu den Regelkindergärten. Da dieser Kindergarten nicht über viele Räumlichkeiten verfügt, gibt es hier kleine Gruppen, die max. 15 Kinder umfassen. Es werden vorzugsweise Kinder aufgenommen, die schon 4 oder 5 Jahre alt sind, also ein oder zwei Jahre vor dem Schulbeginn, und noch nie einen Kindergarten besucht haben. Die meisten Kinder kommen aus dem Innenstadtgebiet, und das heißt, dass es sich oft um Migrantenkinder handelt. Die Mehrheit dieser Kinder hat geringe oder gar keine Deutschkenntnisse. Die Kinder erleben im Kindergarten zum ersten Mal eine Trennung von der Mutter und durch ihre Sprachprobleme ist es für sie schwieriger, mit der Situation klarzukommen als für deutsche Kinder. Am Anfang sind viele apathisch und unmotiviert. In diesem Kindergarten ist eine Mitarbeiterin türkischer Abstammung tätig, die den ‘türkischen’ Kindern behilflich sein kann. So können manche Probleme der Kinder besser aufgefangen werden.

Der Kindergarten versucht, diese Kinder folgendermaßen sprachlich zu fördern: Von Anfang an werden standardisierte Sätze verwendet, das gibt den Kindern gewisse Sicherheit, da sie wissen, ohne ganz verstanden zu haben, was diesen Sätzen folgen wird. Da sich in dieser anfänglichen Phase nicht verhindern lässt, dass die Kinder miteinander in ihrer jeweiligen Muttersprache reden, wird aber in der weiteren Phase der Entwicklung, circa ein Vierteljahr später, extra darauf hingewiesen, dass da nun auf Deutsch gesprochen wird. ‘Viele Eltern bringen ihr Kind zum Kindergarten mit dem Ziel, dass es Deutsch lernt, weil es in die Schule kommt’, so die Leiterin des Kindergartens. In diesem Jahr besuchen den Kindergarten ungefähr 85% Migrantenkinder und 15% deutsche Kinder. Diese Zahlen variieren von Jahr zu Jahr. In den letzten Jahren besteht die Mehrheit der Kinder aus türkischsprachigen.

Der Kindergarten arbeitet mit den Kindern mit Sprachdefiziten folgendermaßen: Die Kinder werden je nach Kenntnissen in Sprachgruppen aufgeteilt. Eine Gruppe für diejenigen, die schon ein bisschen Deutsch können; die machen ein bestimmtes Programm durch, mit Themen wie Kleidung, meine Familie usw. In der zweiten Gruppe sind Kinder, die noch sehr wenig oder überhaupt kein Deutsch können. Hier werden in der Regel die gleichen Themen behandelt wie in der vorigen Gruppe, jedoch in einer sehr vereinfachten Form. In der letzten Gruppe sind Kinder, die sehr gut Deutsch beherrschen oder deren Muttersprache Deutsch ist. In dieser Sprachpflegegruppe wird das deutsche Sprachgut vermittelt. Hier werden Märchen, Lieder, Geschichten usw. aufbereitet. Dieses Angebot findet wöchentlich statt und beträgt 45 Minuten. Die Gruppen werden immer mit den gleichen Ritualen angefangen und beendet. Die Vermittlung der deutschen Sprache findet eigentlich in der Kindergartenzeit ständig statt.

Kindergärten gehören zu den Privatträgern und sind somit auch nicht verpflichtet, sich an einem bestimmten Konzept zu orientieren und sich daran zu halten.

Das wäre nur ein Beispiel, das zeigt, wie man das von Arbeitsministerium Empfohlene umsetzen kann.

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Arbeit zitieren:
Senczakova, Anna Oktober 2007: Integration von Migrantenkindern in die bayerische Grundschule, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Migration, Integration, Bildungswesen, Grundschule, Bayern

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