Intangible Ressourcen in der unternehmerischen Berichterstattung
Status quo und Entwicklungstendenzen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Anika Bollinger
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 1.004,1 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Bayreuth Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5538-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5538-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5538-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bollinger, Anika Mai 2002: Intangible Ressourcen in der unternehmerischen Berichterstattung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Intagible Ressourcen, Reporting, Berichterstattung, Value, Immateriell/e
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Diplomarbeit von Anika Bollinger
Einleitung:
Intangible Ressourcen, d.h. nicht-monetäre, körperlose Werte, sind letztendlich nicht nur das Bedeutendste im Leben eines Menschen, sondern auch die entscheidenden Werte einer betrieblichen Existenz. Seit langer Zeit ist sich die Betriebswirtschaftslehre der Bedeutung der intangiblen neben den materiellen und finanziellen Gütern bewusst. Schon GUTENBERG erkannte etwa die Geschäfts- und Betriebsleitung, die Planung und die Organisation des Unternehmens als dispositive Faktoren an, durch die materielle Faktoren erst kombiniert werden und ohne die ein geordneter betrieblicher Prozess nicht zustande kommen kann.
Die Veränderung der Wirtschaftslandschaft von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Hochtechnologiewirtschaft zieht heute eine verstärkte Wissens-, Technologie-, Service- und Markenorientierung sowie eine Dynamisierung des Wettbewerbs- und Kapitalumfeldes nach sich. Besonders die jungen Unternehmen des Neuen Marktes, die zusätzlich auf Wachstumsmärkten mit einer hohen Dynamik des Marktumfeldes, verstärkter Zukunftsorientierung und einem erhöhten Chancen-Risiken-Potenzial agieren, verkörpern diesen Wandel. Aber auch etablierte Unternehmen mit verstärkter Wissens- oder Markenausrichtung gründen ihren Erfolg auf die Qualität ihrer zentralen intangiblen Werttreiber, wie etwa das Wissen der Mitarbeiter, gute Kundenbeziehungen, Innovationsreichtum oder starke Marken. Untersuchungen zeigen, dass die intangiblen Ressourcen sich zu den zentralen Determinanten des Unternehmenswertes entwickelt haben und von Führungskräften als wertvoll eingestuft werden.
Nun wird traditionell von Aktiva, die in der Bilanz erscheinen, angenommen, dass diese in ihrer Gesamtheit das Wertschöpfungspotenzial des Unternehmens darstellen und Gewinne nach sich ziehen. Materielle Aktiva wie Maschinen oder Büroausstattung sind offensichtlich im Unternehmen existent und lassen sich problemlos quantitativ erfassen und damit bilanzieren. Intangible Ressourcen dagegen sind durch ihre spezielle Natur nur schwer zu definieren, zu messen und zu quantifizieren. Auf Grundlage der gesetzlichen, externen Berichterstattungspflichten, können und dürfen die Unternehmen den Kapitalmarktteilnehmern daher nur sehr eingeschränkt entscheidungsrelevante Informationen bezüglich dieser Werte im Rahmen der Bilanz bereitstellen.
Die intangiblen Ressourcen wurden aus diesem Grund schon früh als „ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts“ bezeichnet. In sämtlichen Bilanzrechtskreisen stellt die Rechnungslegung dieser Werte - als Sonderproblem mit klärungsbedürftigen Fragen - ein kontrovers diskutiertes Gebiet dar. Eine international einheitliche Regelung, ob und inwieweit die fraglichen Werte abzubilden sind, existiert nicht. Jedes Rechnungslegungssystem gibt hierzu anderslautende Antworten.
Eine Berichterstattung, die der zunehmenden Wichtigkeit der intangiblen Ressourcen gerecht wird und damit über die gesetzlichen Rechenschaftspflichten hinausgeht, gewinnt in der externen Unternehmenskommunikation daher zunehmend an Bedeutung.
Rechnungslegungsinstitutionen, Wissenschaft und Praxis arbeiten diesbezüglich bereits an Konzepten einer erweiterten Unternehmenspublizität. Mit diesen sollen v.a. die zunehmenden Informationsbedürfnisse der Kapitalmarktteilnehmer befriedigt und die internen und externen Berichterstattungslücken minimiert werden. Dem Widerspruch zwischen dem Bedeutungsgewinn der intangiblen Ressourcen für die Unternehmen einerseits und deren nachlässiger Behandlung durch die Bilanzierungspraxis andererseits, sowie der sich entwickelnden Lösungsmöglichkeiten, will sich diese Arbeit annehmen.
Gang der Untersuchung:
Um die Reformnotwendigkeit der externen Berichterstattung in Richtung einer verstärkten Berücksichtigung intangibler Ressourcen zu begründen, werden in der theoretischen Grundlegung des zweiten Kapitels, Entwicklungen erläutert, die eine Neuorientierung bedingen und fordern. Ausgegangen wird von dem Bedeutungsgewinn intangibler Ressourcen für den Unternehmenserfolg, den der ressourcenbasierte Ansatz theoretisch feststellt.
Anschließend wird anhand der ansteigenden Marktwert-Buchwertlücken der Unternehmen der zunehmende Einfluss der intangiblen Ressourcen auf den Unternehmenswert aufgezeigt.
Abschließend werden die informationstechnischen Herausforderungen an die externe Berichterstattung dargestellt, die aus der verstärkten Kapitalmarktorientierung und den steigenden Informationswünschen der Berichterstattungsadressaten resultieren.
Das dritte Kapitel befasst sich daraufhin mit dem wesentlichen Problem der begrifflichen Definition, der Klassifikation und den Bewertungsmöglichkeiten intangibler Ressourcen, dem sich dieses Themengebiet gegenübersieht. In einem ersten Unterpunkt - der bilanziellen Klassifikation - wird eine Grundlage für die anschließende Diskussion der bilanziellen Erfassbarkeit im vierten Kapitel gelegt. Die sich daran anschließende generelle Klassifikation untergliedert die intangiblen Ressourcen, um der Erfassung durch die neuartigen Instrumente der wertorientierten Berichterstattung im fünften Kapitel eine definitorische Basis zu geben.
Im vierten Kapitel wird erörtert, inwieweit die drei ausgewählten Rechnungslegungssysteme überhaupt in der Lage sind, intangible Ressourcen abzubilden. Neben der Erfassungspraxis des deutschen Bilanzrechts, werden die länderübergreifend bedeutsamsten International Accounting Standards (IAS) und die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) auf deren Regelungen zu intangiblen Ressourcen untersucht. Dabei werden zuerst der jeweilige Status quo des Regelwerks, sowie die daraus resultierende Bilanzierungspraxis beleuchtet. Daran schließt sich die Darstellung der bisherigen Reformbestrebungen und Entwicklungstendenzen der Rechnungslegungssysteme in Bezug auf die Berichterstattung intangibler Ressourcen an. Die Erörterung der Frage, welches Rechnungslegungssystem in Zukunft international verbindlich sein könnte, sowie ein hieran anschließendes Zwischenfazit beenden das vierte Kapitel.
Schließlich werden im fünften Kapitel bereits existierende Lösungsansätze für die Berichterstattung intangibler Ressourcen aus Wissenschaft und Praxis vorgestellt. Einleitend werden Indikatoren dargestellt, durch die einzelne Teilbereiche der intangiblen Ressourcen abgebildet werden können. Daraufhin finden Berichterstattungsinstrumente Beachtung deren Ziel es ist, das gesamte Spektrum der intangiblen Ressourcen eines Unternehmens abzubilden.
Das letzte Kapitel betrachtet die Thematik abschließend und will sowohl mögliche Hemmnisse und weiterführende Problematiken als auch Triebfedern der zukünftigen Entwicklung aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 3 |
| 2. | Theoretische Grundlegung | 4 |
| 2.1 | Resource-based View - Orientierung an den intangiblen Ressourcen des Unternehmens | 4 |
| 2.2 | Unternehmenswandel - Marktwert-Buchwert-Spreizung | 6 |
| 2.3 | Kapitalmarktorientierung - Herausforderung der externen Rechnungslegung | 7 |
| 2.3.1 | Abbau der Informationsasymmetrie | 9 |
| 2.3.2 | Reputationsaufbau durch Signaling | 11 |
| 3. | Klassifikation und Bewertung intangibler Ressourcen | 13 |
| 3.1 | Bilanzielle Klassifikation intangibler Ressourcen | 14 |
| 3.2 | Generelle Klassifikation intangibler Ressourcen | 16 |
| 3.2.1 | Mitarbeiter-Ressourcen | 18 |
| 3.2.2 | Beziehungs-Ressourcen | 19 |
| 3.2.3 | Strukturelle Ressourcen | 21 |
| 3.3 | Bewertungsmöglichkeiten intangibler Ressourcen | 23 |
| 4. | Status quo und Entwicklungstendenzen der bilanziellen Erfassung intangibler Ressourcen | 27 |
| 4.1 | Intangible Ressourcen in der deutschen Rechnungslegung | 27 |
| 4.1.1 | Status quo der deutschen Rechnungslegung | 27 |
| 4.1.2 | Entwicklungstendenzen der deutschen Rechnungslegung | 30 |
| 4.2 | Intangible Ressourcen in der Rechnungslegung nach IAS | 32 |
| 4.2.1 | Status quo der Rechnungslegung nach IAS | 32 |
| 4.2.2 | Entwicklungstendenzen der Rechnungslegung nach IAS | 34 |
| 4.3 | Intangible Ressourcen in der Rechnungslegung nach US-GAAP | 35 |
| 4.3.1 | Status quo der Rechnungslegung nach US-GAAP | 35 |
| 4.3.2 | Entwicklungstendenzen der Rechnungslegung nach US-GAAP | 38 |
| 4.4 | Internationale Harmonisierungstendenzen | 39 |
| 4.5 | Zwischenfazit | 41 |
| 5. | Möglichkeiten wertorientierter Berichterstattung - Value Reporting | 44 |
| 5.1 | Berichterstattung über einzelne Kategorien intangibler Ressourcen | 46 |
| 5.1.1 | Berichterstattung über Mitarbeiter-Ressourcen | 46 |
| 5.1.2 | Berichterstattung über Kunden-Ressourcen | 49 |
| 5.1.3 | Berichterstattung über strukturelle Ressourcen | 51 |
| 5.1.3.1 | Technologiebilanz | 52 |
| 5.1.3.2 | Technologie-Portfolio | 55 |
| 5.2 | Kategorieübergreifende Berichterstattung intangibler Ressourcen | 57 |
| 5.2.1 | Balanced Scorecard | 57 |
| 5.2.2 | Intangible Ressourcen-Berichte | 60 |
| 5.2.2.1 | Intangible Asset Statement | 60 |
| 5.2.2.2 | Intellectual Capital Navigator | 62 |
| 5.2.2.3 | Intellectual Asset Monitor | 64 |
| 5.2.2.4 | Wissensbilanzen an Hochschulen | 65 |
| 5.2.3 | Kategorieübergreifende Ansätze der Beratungspraxis | 67 |
| 5.2.3.1 | Value Reporting(tm) | 67 |
| 5.2.3.2 | Value Dynamics(r) | 69 |
| 5.2.3.3 | Value Explorer(r) | 70 |
| 5.3 | Kritische Würdigung | 71 |
| 6. | Schlussbetrachtung und Entwicklungsperspektive | 73 |
| Anhang | VII | |
| Literaturverzeichnis | X | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | XXVII |
5.1.3 Berichterstattung über strukturelle Ressourcen Strukturelle Ressourcen unterstützen - wie bereits in Kapitel 3.2.3. erwähnt - als Infrastruktur des Unternehmens die Mitarbeiter-Ressourcen. Sie sind von geringem Wert für das Unternehmen, wenn sie schlecht oder falsch eingesetzt werden. Diesen Aspekt sollte eine Erfassung der strukturellen Ressourcen mitberücksichtigen. Eine Berichterstattung über den Besitz von Software, die nicht von den Mitarbeitern bedient werden kann, macht bspw. keine aussagekräftigen Angaben über den Wertbeitrag dieser Ressource. Strukturelle Ressourcen können die unterschiedlichsten Formen annehmen (siehe Abbildung 9). Während Verfahren zur Bewertung des geistigen Eigentums im Rahmen von Verkäufen existieren, stellt sich die monetäre Wertermittlung weniger konkretisierter struktureller Ressourcen schwieriger dar.239 Indikatoren, die vermitteln sollen, inwieweit und ob ein Unternehmen die ihm zur Verfügung stehenden strukturellen Ressourcen - bspw. Forschungsergebnisse und Informationssysteme - zur Wertschöpfung einsetzt, sind in Abbildung 17 beispielhaft aufgelistet.240 [...]
Die aufgelisteten Kennzahlen liefern objektivere Anhaltspunkte dafür, ob und an welcher Stelle im Unternehmen sich potenziell Mitarbeiterwissen und -fähigkeiten befinden und durch welche Instrumente diese gefördert und integriert werden.234 5.1.2 Berichterstattung über Kunden-Ressourcen Der Wertbeitrag, der durch die Kunden entsteht, ist relativ einfach quantitativ auszudrücken, da die Einkünfte des Unternehmens direkt und offensichtlich mit den Aktivitäten der Kunden zusammenhängen. Größen wie die Preissensibilität, der Marktanteil oder die saisonal bedingten Nachfrageschwankungen lassen sich objektiv messen und als anschauliche Information intern und extern bereitstellen. Eine monetäre Kundenbewertung anhand der Marktkapitalisierung und der Anzahl der Kunden wird im Rahmen der Ermittlung von Unternehmenswerten junger Unternehmen vorgenommen.235 Um den Wert einer Kundenbeziehung zu bestimmen wird auch der [...]
Ungenauigkeiten in der Messung hinaus - bezieht sich auf moralische Bedenken bei der Behandlung der Mitarbeiter als „Gegenstände“.229 Eine Humanvermögensrechnung sollte grundsätzlich situationsund fragestellungsbezogen erfolgen. Die Metrik und die Zielsetzung der Meßsysteme sollten einheitlich festgelegt werden, sorgfältig entwickelt sein und teleologisch die bedeutenden Größen abbilden, damit Fälschungen und grobe Fehler vermieden werden.230 Eine monetäre Quantifizierung des Wertes der Mitarbeiter-Ressourcen ist allerdings mit vielerlei Problemen behaftet. Das Know-how, das Leistungspotenzial und die Qualifikation, sowie die Loyalität, der Geist und die Hingabe der Mitarbeiter können nicht objektiv in Geldeinheiten ausgedrückt werden. Eine Mitarbeiter-Ressource wird nicht durch eine einmalige Zahlung erworben. Arbeitsverträge sind auch von Mitarbeiterseite kündbar, wodurch die Nutzungsdauer der Ressource nicht sicher abzuschätzen ist. Weiter ist die Qualität der Arbeitsleistung bei Vertragsabschluß nicht garantiert. Mitarbeiter-Ressourcen sind also nur begrenzt durch das Unternehmen kontrollierbar.231 Die Veränderung der Arbeitsmarktstruktur und der Arbeitswelt der letzten Jahre bedingt ein weiteres Problem der Erfassung der eigentlich wertvollen Mitarbeiter-Ressourcen. Verstärkte Heim- und Telearbeit und der wachsende Trend zu der sog. „Contingent work“232 kappen die Verbindungen der Mitarbeiter zu den Unternehmen. Dies ist v.a. der Fall bei Mitarbeitern, die nur zeitlich und sachlich begrenzt für das Unternehmen arbeiten, wie etwa freie Mitarbeiter, Teilzeitarbeiter oder Berater. Diese haben nicht die gleichen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten wie Festangestellte und arbeiten möglicherweise zudem für unterschiedliche Unternehmen. Die Einschätzung der dem jeweiligen Unternehmen entgegengebrachten Loyalität wird hierdurch erschwert und es besteht das Risiko eines Wissensabflusses. Eine Bewertung der Mitarbeiter-Ressourcen muss sich daher auf die entscheidenden Mitarbeiter konzentrieren, die das Schlüsselwissen des Unternehmens besitzen, die Unternehmensphilosophie aufrechterhalten, die langfristigen Kundenbeziehungen pflegen und ausbauen und somit das Herz des Unternehmens bilden.233 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832455385
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Bollinger, Anika Mai 2002: Intangible Ressourcen in der unternehmerischen Berichterstattung, Hamburg: Diplomica Verlag
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Intagible Ressourcen, Reporting, Berichterstattung, Value, Immateriell/e



