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Die Inszenierung des Paradieses

Eine qualitative Inhaltsanalyse von künstlichen Erlebniswelten

Die Inszenierung des Paradieses
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frederic Goronzy
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 170 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6883-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6883-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6883-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Goronzy, Frederic Oktober 2002: Die Inszenierung des Paradieses, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Erlebniswelt, Freizeitparks, Erlebniszoos, Museen, Erlebnis

Diplomarbeit von Frederic Goronzy

Einleitung:

Das Paradies – die Vorstellung vom Garten Eden, einem Ort wo alle Menschen glücklich sind, an dem es keine Sorgen gibt und wo an jeder Stelle schöne Erlebnisse geschehen hat die Menschheit seit Jahrtausenden fasziniert. Im Laufe der Zeit waren immer weniger Menschen bereit, sich damit abzufinden, dass das Paradies im Jenseits liegt. Sie begannen bereits im Diesseits den „Himmel auf Erden“ zu verwirklichen. Angefangen mit den königlichen Lustgärten im 16. Jahrhundert über die Tivolis zu Beginn des letzten Jahrhunderts bis zum Disneyland in der heutigen Zeit wurden künstliche Erlebniswelten immer raffinierter und aufwendiger in Szene gesetzt.

Eigentlich hätte die Kirche diese Entwicklung als Frevel werten müssen. Doch Papst Johannes XIII (1881-1963) legitimierte diese Erlebniswelten, in dem er Mitte des 20. Jahrhunderts verkündetete: „Es ist kein Blumenbeet zu schade dafür, dass man nicht darauf ein Karussell für Kinder bauen könnt.“ Aus weltlicher Sicht blieb die sich entwickelnde Erlebnisindustrie jedoch nicht ohne Widerspruch. Kritiker warnten immer wieder vor der Gefahr „sich zu Tode zu amüsieren“ (Postman 1985) oder dem „kulturellen Tschernobyl“ (Mnouchkine 1993). In der Zwischenzeit scheinen sich die künstlichen Erlebniswelten etabliert zu haben. Mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg und dem großen Zuspruch in der Bevölkerung sind die Stimmen der Kritiker ruhiger geworden. Die Tatsache, dass „Orte des Glücks“ künstlich in Szene gesetzt werden, scheint heutzutage gemeinhin akzeptiert.

Doch mit diesem Ergebnis ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema noch lange nicht abgeschlossen, sondern beginnt erst interessant zu werden. Der Frage nach dem „ob“ folgt nun die Frage nach dem „wie“. Wie sollte das Karussell, von dem Papst Johannes XIII sprach, aussehen? Sollte es sich eher schnell oder langsam drehen? Sollte dabei Musik gespielt oder eine Geschichte erzählt werden? Reicht ein Karussell überhaupt aus, oder sollten die Betreiber für zusätzliche Unterhaltung sorgen? Würde ein Karussell den Kindern überhaupt am meisten Spaß machen, oder wäre ein Blumenbeet nicht viel interessanter? Vielleicht würde ein Wildgarten, in dem die Kinder toben oder gemeinsam Spiele spielen könnten, zu schöneren Erlebnissen führen! Vielleicht hätten die Kinder aber auch Spaß an einem Blumenbeet, wo sie etwas über den Lauf der Natur erfahren oder sich am Duft der Pflanzen erfreuen könnten. Doch wer denkt auch immer nur an die Kinder? Sollten die Erwachsenen nicht auch Möglichkeiten für Entspannung und Erholung haben? Diesen und anderen Fragen widmet sich die vorliegende Arbeit.

Problemstellung Das Produkt künstliche Erlebniswelten hat auf dem Freizeit- und Erlebnismarkt heutzutage seinen festen Platz. Die meisten sind wirtschaftlich erfolgreich und weisen hohe Besucherzahlen auf. Der Erfolg der Anlagen und der anhaltende Erlebnistrend haben zu Euphoriewellen in der Industrie geführt. So wurden seit Mitte der 1990er Jahre immer neue Erlebniswelten geschaffen, und weitere sind in der Realisierung. Auch das Spektrum der Erlebniswelten hat sich erweitert. Früher wurden hauptsächlich Freizeitparks als Erlebniswelten verstanden. Heute fasst man unter diesen Begriff auch Einrichtungen wie erlebnisorientierte Bäder, Zoos und Museen.

Dieser Boom hat dabei zu einer neuen Unübersichtlichkeit geführt und wirft neue Fragen auf, die in der bisherigen wissenschaftlichen Diskussion in dieser Form noch nicht behandelt wurden.

Was genau macht eine Erlebniswelt zu einer Erlebniswelt?

Gibt es Unterschiede oder beinhalten sie alle das gleiche Angebot?

Welche Aspekte des Erlebens sind in diesen Anlagen zu finden?

Auf welche Weise versuchen die Anlagen diese Erlebnisse zu vermitteln?

Stehen einzelne Erlebnisaspekte miteinander im Zusammenhang?

Für die weitere Planung und Realisierung der Erlebniswelten der Zukunft liefert die Beantwortung dieser Fragen wichtige Erkenntnisse. Als Ergebnis dieser Arbeit werden Thesen entwickelt, die auf die folgenden Fragestellungen eingehen. Welche Aspekte sind für die einzelnen Arten von Erlebniswelten elementar? Stehen einzelne Erlebnisaspekte möglicherweise in einen notwendigen Zusammenhang mit anderen? Wurden bei der Gestaltung der bisherigen Anlagen möglicherweise Aspekte vernachlässigt und wenn ja, welche?

Die betriebswirtschaftliche Relevanz des Themas ergibt sich aus zwei unterschiedlichen Punkten. Zunächst sind die Ergebnisse für Marketingzwecke interessant, da die gewonnen Erkenntnisse Aufschluss über die Verbesserung von Werbematerialen bieten können. Bedeutender ist allerdings der zweite Punkt, der sich aus dem gewonnen Überblick über die einzelnen Erlebnisaspekte und ihre Zusammenhänge ergibt. In Zeiten, in denen für die Realisierung von neuen Projekten Investitionsvolumen zwischen EUR 25 Mio. und EUR 850 Mio. veranschlagt werden müssen, ist es sehr vorteilhaft eine gute Kenntnis von den existierenden Erlebnisangeboten am Markt zu haben. Des Weiteren können die in der Untersuchung gewonnen Thesen Möglichkeiten für die Weiterentwicklung erfolgreicher Angebote aufzeigen. So ist diese Arbeit als ein neuer Ansatz auf diesem Forschungsgebiet zu verstehen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 2
1.2 Wissenschaftstheoretischer Ansatz und Untersuchungsmethodik 3
1.3 Vorgehensweise 4
2. Erlebniswelten und ihre Rahmenbedingungen 6
2.1 Erlebnis und Erlebnismärkte 7
2.2 Künstliche Erlebniswelten als Produkte von Erlebnismärkten 9
2.3 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen 10
2.3.1 Erlebnisorientierung und Erlebnisrationalität 10
2.3.2 Individualisierung 12
2.3.3 Freizeitorientierung 12
2.3.4 Wandel der Arbeits- und Lebensbedingungen 14
2.4 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen 14
2.4.1 Wohlstandszuwachs 14
2.4.2 Marktsättigung und Produktausreifung 15
2.4.3 Mobilitätszuwachs 16
3. Künstliche Erlebniswelten 18
3.1 Definition Erlebniswelt 18
3.2 Freizeit- und Erlebnisparks 21
3.2.1 Struktur des Marktes 23
3.2.2 Besucherkennzahlen 24
3.3 Freizeit- und Erlebnisbäder 25
3.3.1 Struktur des Marktes 26
3.3.2 Besucherkennzahlen 28
3.4 Erlebniszoos 28
3.4.1 Struktur des Marktes 29
3.4.2 Besucherkennzahlen 31
3.5 Erlebnisorientierte Lernorte 31
3.5.1 Struktur des Marktes 33
3.5.2 Besucherkennzahlen 34
3.6 Überblick über die ausgewählten Erlebniswelten 34
4. Erlebnisbezogene Aspekte des Angebots von Erlebniswelten 37
4.1 Ansätze zur Charakterisierung des Erlebnisangebots von Erlebniswelten 37
4.1.1 Ansatz der Stiftung Warentest 38
4.1.2 Der Ansatz von Reinhard Bachleitner 39
4.1.3 Der Ansatz von H. Jürgen Kagelmann 40
4.1.4 Der Ansatz von Russel B. Nye 41
4.1.5 Weitere Ansätze 43
4.2 Zusammenfassung der Ansätze und Entwicklung des eigenen Ansatzes 45
4.3 Inszenierung von Erlebniswelten 47
4.3.1 Vermeidung von Unzufriedenheit 49
4.3.2 Thematisierung 50
4.3.3 Storytelling 52
4.4 Einzelne Aspekte des Erlebens in Erlebniswelten 53
4.4.1 Exploratives Erleben 55
4.4.2 Biotisches Erleben 57
4.4.3 Soziales Erleben 58
4.4.4 Emotionale Aspekte des Erlebens 59
4.5 Graphische Darstellung der Herleitung des Kategorienschemas 61
5. Ergebnisse der Untersuchung 62
5.1 Anmerkungen zur Untersuchung 62
5.2 Freizeit- und Erlebnisparks 65
5.2.1 Europa-Park 65
5.2.2 Heide-Park 71
5.2.3 Phantasialand 76
5.3 Freizeit- und Erlebnisbäder 81
5.3.1 Blub 81
5.3.2 Therme Erding 86
5.3.3 Alpamare 91
5.4 Erlebniszoos 95
5.4.1 Zoo Hannover 95
5.4.2 Zoo Leipzig 100
5.4.3 Burgers´ Zoo 105
5.5 Erlebnisorientierte Lernorte 110
5.5.1 Haus der Geschichte 110
5.5.2 Universum 115
5.5.3 Volkswagen Autostadt 120
6. Auswertung der Ergebnisse 126
6.1 Qualitative Auswertung 126
6.2 Quantitative Auswertung 132
7 Fazit 138
7.1 Erkenntnisse für die Praxis 138
7.2 Weiterer Forschungsbedarf 139
7.3 Ausklang 139
Anhang 142
Literaturverzeichnis 151
Verzeichnis der Internetquellen 158
Verzeichnis der Sonstigen Quellen 159

Automatisiert erstellter Textauszug:

auf ein spezielles Thema begrenzt. Daher können sie bestimmte Aspekte des Angebots sehr prägnant ansprechen. Bei der Analyse werden zunächst der Flyer und der Prospekt untersucht. Bei unzureichenden Informationen wird der Inhalt der jeweiligen Internetauftritte oder Pressemitteilungen mit in die Analyse aufgenommen Bei der Ergebnispräsentation werden die Einschätzungen der Erlebniswelten für jede Kategorie begründet. Dabei wird die Argumentation mit prägnanten Zitaten oder Bildern untermauert. Im Hinblick auf die Zitierweise sei folgendes angemerkt: • • Zitate in denen bestimmte Stellen fett hervorgehoben sind, werden im Untersuchungsmaterial ebenfalls in gewisser Weise hervorgehoben. Zitate, in denen bestimmte Stellen kursiv hervorgehoben sind, sind vom Autor vorgenommen und sollen die Argumentation im Hinblick auf die Untersuchungskategorie verdeutlichen. [...]

Im Hinblick auf die Analyse sei außerdem noch folgendes angemerkt: • Wichtig zum Verständnis der Ergebnisse ist der positive Ansatz dieser Untersuchung. Aus diesem Grunde können die vorliegenden Ergebnisse nicht als normative Bewertung der jeweiligen Erlebniswelt verstanden werden, sondern nur als eine Feststellung, was das jeweilige Angebot der Anlage ausmacht. So kann es durchaus möglich sein, dass eine Anlage im Rahmen der Untersuchung nur in einer Kategorie stark ausgeprägt ist, dennoch wirtschaftlich sehr erfolgreich ist und die Bedürfnisse der Gäste trifft. Obwohl die untersuchten Erlebniswelten sich in der Art des Angebots doch erheblich unterscheiden, werden bei der Einschätzung der Intensitäten die gleichen Maßstäbe angelegt. Zum Teil erfolgt die Einschätzung einiger Erlebniswelten im Vergleich mit anderen. Dabei ist es allerdings nicht von Bedeutung festzustellen, welche Anlage besser ist, sondern ob sich die Ausprägung einer Anlage im Verhältnis mit einer anderen rechtfertigen lässt. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, wird nur das ständige Angebot des jeweiligen Untersuchungsgegenstands berücksichtigt. Außergewöhnliche Angebote, wie bspw. Events oder Sonderausstellungen fließen nicht in die Einschätzung mit ein. Die Ausprägungen von Angeboten, die nur speziellen Personen, wie bspw. Gruppenreisenden oder Hotelgästen zur Verfügung stehen, werden nicht mit in die Analyse aufgenommen. Dies gilt nicht für gastronomische Angebote. Diese müssen zwar zusätzlich bezahlt werden, stehen aber in allen Anlagen für alle zur Verfügung. Die Einschätzung der Intensitäten ist nicht im Hinblick auf eine Normalverteilung vorgenommen. Einzelne Kategorien befinden sich z. T. auf gegensätzlichen Polen einer Dimension. Diese müssen sich dennoch in einer Anlage nicht gegenseitig ausschließen. So kann Vergnügen und Entspannung bspw. in einer Anlage genauso gut möglich sein. Die Untersuchung wurde im Juli 2002 durchgeführt. Die Untersuchung bezieht sich somit nur auf das Werbe- und Kommunikationsmaterial, das zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stand. [...]

Wie bereits bemerkt, handelt es sich bei der Untersuchung um eine qualitative Inhaltsanalyse. Dabei wird anhand der Aussagen im Werbe- und Kommunikationsmaterial der Erlebniswelten auf die Ausprägungen der einzelnen Kategorien geschlossen. Die Ausprägungen werden in drei Intensitäten - stark, mittel und schwach bis gar nicht - unterteilt. Die jeweiligen Interpretationsregeln sind im Kategorienschema der Untersuchung im Anhang der Arbeit vermerkt. Hilfskonstruktionen zur Analyse wurden bereits im Kapitel 4.4 vorgestellt. Zu bemerken ist an dieser Stelle, dass sich die Analyse nur auf die Aussagen der Betreiber stützt und z. T. von der subjektiven Einschätzung des Autors abhängt. So wurden die Anlagen weder besucht, noch wurden Besucher zu ihren tatsächlichen Erlebnissen befragt. Daher sind die Resultate der Untersuchung nur als eine Annäherung an den Forschungsgegenstand zu verstehen. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse durchaus in der Lage sind, den Charakter einer Anlage zu beschreiben. Da es das Forschungsinteresse der Arbeit ist, explorativ Thesen für weitere Forschungen auf diesem Gebiet zu generieren, reicht die Qualität der Ergebnisse vor diesem Hintergrund völlig aus. In Hinsicht auf das weite Spektrum, dass die Untersuchung abdeckt, würden höhere Ansprüche an die Validität den Rahmen der Arbeit bei weitem übersteigen. [...]

Arbeit zitieren:
Goronzy, Frederic Oktober 2002: Die Inszenierung des Paradieses, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Erlebniswelt, Freizeitparks, Erlebniszoos, Museen, Erlebnis

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