Institutionen und Vertrauen
Verhaltensauswirkungen im interkulturellen Kontext
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Katja Naujox
- Abgabedatum: März 2006
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 1,9 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- Bibliografie: ca. 104
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0393-5
- ISBN (CD) :978-3-8366-0393-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Naujox, Katja März 2006: Institutionen und Vertrauen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Verhaltensökonomie, Institution, Kultur, Vertrauensbildung, Verfahrensfairness
In den Warenkorb
58,00 €
Diplomarbeit von Katja Naujox
Einleitung:
Das oben genannte Zitat ist sehr populär, wenn institutionelle Regelungen, die das Verhalten von Menschen steuern, gerechtfertigt werden sollen. Hält es aber auch einer wissenschaftlichen Analyse stand? Die vorliegende Arbeit widmet sich dieser Frage und untersucht, welche Wirkungen bestimmte Institutionen auf vertrauensvolles Verhalten haben. Es soll analysiert werden, wie dieser institutionelle Einfluss gegebenenfalls auch die Überzeugungen und Präferenzen von Menschen ändert, die Vertrauen motivieren. Dabei wird Vertrauen als ein zentrales Organisationsprinzip zwischenmenschlicher Interaktionen angesehen.
Die Arbeit bezieht sich insbesondere auf Kontexte, die in der Ökonomie von großer Bedeutung sind und unterzieht die ökonomische Sichtweise menschlichen Verhaltens mit Hilfe psychologischer Erkenntnisse einer kritischen Betrachtung. In diesem Zusammenhang wird Bezug genommen auf die in der Institutionenökonomie getroffenen Modell-Annahmen über menschliche Verhaltensweisen, die auf Rationalität und Eigennutz basieren. Institutionen sind ein zentrales Element der ökonomischen Theorie, sie bestimmen die „Spielregeln“, indem sie Anreize setzen, das Verhalten der Akteure koordinieren und selektieren. Mit Hilfe der Sozialpsychologie können diese stark vereinfachten Annahmen präzisiert werden. Neue Entwicklungen in der Verhaltensökonomie, die auf Erkenntnissen der Kognitiven – und der Sozialpsychologie beruhen, weisen daraufhin, dass Institutionen noch weitere Funktionen haben – sie gewähren Informationen über ergebnisrelevante Abläufe, ermöglichen Attributionsprozesse und beeinflussen die Präferenzen der Beteiligten.
Für die Analyse der o. g. Fragestellung soll u. a. auf die Ergebnisse verschiedener von Verhaltensökonomen durchgeführten, interkulturellen Experimente zurückgegriffen werden. Diese zeigen z. B. auf, dass sehr strikte institutionelle Beschränkungen (Kontrolle!), insbesondere der Einsatz von materiellen Strafmaßnahmen, intrinsisch motiviertes Vertrauen verdrängen. In Anbetracht des aufgefundenen Zusammenhangs zwischen dem intrinsisch motivierten Vertrauen der Individuen einer Gesellschaft, ihrem ökonomischen Wohlfahrtsniveau und der Existenz von Demokratie, scheint diese Untersuchung von besonderer Aktualität.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 2 werden Institutionen und Vertrauen in Bezug auf die Fragestellung begrifflich abgegrenzt. Die Bestimmung des Vertrauensphänomens erfolgt umfangreicher über die Darstellung verschiedener Sichtweisen, da eine eindeutige Definition nur schwer möglich ist bzw. nur annähernd über eine Abgrenzung zu verwandten Konstrukten erfolgen kann. Eine Differenzierung zwischen personalem und systemischen Vertrauen sowie eine Darstellung verschiedener Vertrauenstypen wird ebenfalls in Kapitel 2 vorgenommen.
In Kapitel 3 werden, sowohl zu den Institutionen und ihren Aufgaben, als auch zur Sicht des Vertrauens aus ökonomischer und psychologischer Perspektive, einzelne theoretische Ansätze vorgestellt.
Die Vertrauensbildung steht im Mittelpunkt des 4. Kapitels, in dem zunächst ein subjektbezogenes Modell der Vertrauensbildung vorgestellt wird, um im Anschluss daran einen Aspekt der Vertrauensbildung in Organisationen zu fokussieren, der für die Vertrauensbildung maßgeblich ist: die Verfahrensgerechtigkeit. In der zweiten Hälfte des 4. Kapitels werden zwei Modelle dargestellt, die z. T. die theoretischen Ansätze integrieren und auf schlüssige Art und Weise die Entstehung von Vertrauen in verschiedenen Kulturen zu erklären versuchen. Das darauf folgende Kapitel 5 stellt exemplarisch ein vertrauensökonomisches Laborexperiment vor, das eine Beurteilung der theoretischen Ansätze ermöglicht und eine differenzierte Antwort auf die o. g. Fragestellung liefert. In Kapitel 6 werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| Abstract | i | |
| Abkürzungsverzeichnis | iii | |
| Abbildungsverzeichnis | iv | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Begriffliche Abgrenzung | 2 |
| 2.1 | Institutionen | 2 |
| 2.1.1 | Der kulturalistische Ansatz | 3 |
| 2.1.2 | Der individualistische Ansatz | 4 |
| 2.1.3 | Institutionen als eigenständige Einheiten | 5 |
| 2.1.4 | Der institutionelle Organisationenbegriff | 7 |
| 2.2 | Vertrauen | 8 |
| 2.2.1 | Begriff und Bedeutung | 9 |
| 2.2.1.1 | Vertrauen und Risiko | 11 |
| 2.2.1.2 | Vertrauen, Vertrautheit und Zutrauen | 11 |
| 2.2.1.3 | Vertrauen und Abhängigkeit | 11 |
| 2.2.1.4 | Vertrauen und Reziprozität | 12 |
| 2.2.1.5 | Vertrauen und Misstrauen | 12 |
| 2.2.2 | Personales und systemisches Vertrauen | 15 |
| 2.2.2.1 | Determinanten interpersonalen Vertrauens | 15 |
| 2.2.2.2 | Bestimmung systemischen Vertrauens | 16 |
| 2.2.2.3 | Typen personalen und systemischen Vertrauens | 17 |
| 3. | Theoretische Ansätze | 21 |
| 3.1 | Institutionen und ihre Funktion aus ökonomischer und psychologischer Sicht | 21 |
| 3.1.1 | Neue Institutionenökonomie | 21 |
| 3.1.1.1 | Der Transaktionskostenansatz | 23 |
| 3.1.1.2 | Der Property-Rights-Ansatz | 23 |
| 3.1.1.3 | Die Prinzipal-Agent-Theorie (Agenturtheorie) | 24 |
| 3.1.2 | Der gestaltpsychologische Ansatz | 25 |
| 3.1.3 | Institutionen und Verhalten | 28 |
| 3.2 | Vertrauen aus ökonomischer und psychologischer Sicht | 33 |
| 3.2.1 | Vertrauen aus Sicht der Ökonomie | 33 |
| 3.2.2 | Die Psychoanalytische Tradition | 35 |
| 3.2.3 | Vertrauen in der sozialen Lerntheorie | 35 |
| 3.2.4 | Zielerwartungstheorie | 37 |
| 4. | Vertrauensbildung | 39 |
| 4.1 | Vertrauensentwicklung nach Petermann (1996) | 39 |
| 4.2 | Vertrauensbildung durch faire Entscheidungsverfahren in Organisationen | 42 |
| 4.3 | Vertrauensbildung im interkulturellen Kontext | 48 |
| 4.3.1 | Modell der Verhaltensannahmen der Vertrauensentwicklung von Doney, Cannon und Mullen (1998) | 50 |
| 4.3.2 | Das integrative Modell der Vertrauensbildung von Huff und Kelley (1999) | 52 |
| 5. | Vertrauen und Institutionen im interkulturellen Kontext | 56 |
| 5.1 | Methode: Design und konzeptuelle Rahmenbedingungen des Laborexperimentes von Bohnet und Baytelman (2005) | 59 |
| 5.1.1 | Design des Vertrauensexperimentes | 59 |
| 5.1.2 | Konzeptuelle Rahmenbedingungen | 61 |
| 5.2 | Darstellung und Interpretation der Ergebnisse | 65 |
| 5.3 | Diskussion der Ergebnisse | 70 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 72 |
| Anhang | 76 | |
| Anhang A | 76 | |
| Versuchsanleitung | 76 | |
| Anhang B | 79 | |
| Tabelle B.1 | 79 | |
| Tabelle B.2 | 80 | |
| Tabelle B.3 | 81 | |
| Tabelle B.4 | 82 | |
| Tabelle B.5 | 83 | |
| Literaturverzeichnis | 84 | |
| Eidesstattliche Versicherung | 90 |
Inhaltsverzeichnis:
| Abstract | i | |
| Abkürzungsverzeichnis | iii | |
| Abbildungsverzeichnis | iv | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Begriffliche Abgrenzung | 2 |
| 2.1 | Institutionen | 2 |
| 2.1.1 | Der kulturalistische Ansatz | 3 |
| 2.1.2 | Der individualistische Ansatz | 4 |
| 2.1.3 | Institutionen als eigenständige Einheiten | 5 |
| 2.1.4 | Der institutionelle Organisationenbegriff | 7 |
| 2.2 | Vertrauen | 8 |
| 2.2.1 | Begriff und Bedeutung | 9 |
| 2.2.1.1 | Vertrauen und Risiko | 11 |
| 2.2.1.2 | Vertrauen, Vertrautheit und Zutrauen | 11 |
| 2.2.1.3 | Vertrauen und Abhängigkeit | 11 |
| 2.2.1.4 | Vertrauen und Reziprozität | 12 |
| 2.2.1.5 | Vertrauen und Misstrauen | 12 |
| 2.2.2 | Personales und systemisches Vertrauen | 15 |
| 2.2.2.1 | Determinanten interpersonalen Vertrauens | 15 |
| 2.2.2.2 | Bestimmung systemischen Vertrauens | 16 |
| 2.2.2.3 | Typen personalen und systemischen Vertrauens | 17 |
| 3. | Theoretische Ansätze | 21 |
| 3.1 | Institutionen und ihre Funktion aus ökonomischer und psychologischer Sicht | 21 |
| 3.1.1 | Neue Institutionenökonomie | 21 |
| 3.1.1.1 | Der Transaktionskostenansatz | 23 |
| 3.1.1.2 | Der Property-Rights-Ansatz | 23 |
| 3.1.1.3 | Die Prinzipal-Agent-Theorie (Agenturtheorie) | 24 |
| 3.1.2 | Der gestaltpsychologische Ansatz | 25 |
| 3.1.3 | Institutionen und Verhalten | 28 |
| 3.2 | Vertrauen aus ökonomischer und psychologischer Sicht | 33 |
| 3.2.1 | Vertrauen aus Sicht der Ökonomie | 33 |
| 3.2.2 | Die Psychoanalytische Tradition | 35 |
| 3.2.3 | Vertrauen in der sozialen Lerntheorie | 35 |
| 3.2.4 | Zielerwartungstheorie | 37 |
| 4. | Vertrauensbildung | 39 |
| 4.1 | Vertrauensentwicklung nach Petermann (1996) | 39 |
| 4.2 | Vertrauensbildung durch faire Entscheidungsverfahren in Organisationen | 42 |
| 4.3 | Vertrauensbildung im interkulturellen Kontext | 48 |
| 4.3.1 | Modell der Verhaltensannahmen der Vertrauensentwicklung von Doney, Cannon und Mullen (1998) | 50 |
| 4.3.2 | Das integrative Modell der Vertrauensbildung von Huff und Kelley (1999) | 52 |
| 5. | Vertrauen und Institutionen im interkulturellen Kontext | 56 |
| 5.1 | Methode: Design und konzeptuelle Rahmenbedingungen des Laborexperimentes von Bohnet und Baytelman (2005) | 59 |
| 5.1.1 | Design des Vertrauensexperimentes | 59 |
| 5.1.2 | Konzeptuelle Rahmenbedingungen | 61 |
| 5.2 | Darstellung und Interpretation der Ergebnisse | 65 |
| 5.3 | Diskussion der Ergebnisse | 70 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 72 |
| Anhang | 76 | |
| Anhang A | 76 | |
| Versuchsanleitung | 76 | |
| Anhang B | 79 | |
| Tabelle B.1 | 79 | |
| Tabelle B.2 | 80 | |
| Tabelle B.3 | 81 | |
| Tabelle B.4 | 82 | |
| Tabelle B.5 | 83 | |
| Literaturverzeichnis | 84 | |
| Eidesstattliche Versicherung | 90 |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Vertrauen aus ökonomischer und psychologischer Sicht:
Kapitel 3.2.1, Vertrauen aus Sicht der Ökonomie:
Im Fokus der ökonomischen Theorie stehen die zwischenmenschlichen Transaktionen von knappen Ressourcen sowie die Institutionen, die im Rahmen dieser Austauschbeziehungen entstehen. Die Erklärung von Vertrauen als ein elementares Organisationsprinzip zwischenmenschlicher Interaktionen, sollte daher auch in der ökonomischen Analyse eine große Rolle spielen. Trotz der zentralen Bedeutung von Vertrauen für die Organisation ökonomischer Austauschbeziehungen, hat bisher keine theoretische Auseinandersetzung mit dem Vertrauensphänomen in der Ökonomik stattgefunden.
Wie in Kapitel 3.1.1 gezeigt werden konnte, werden in der Ökonomik moralische Handlungsintentionen wie Vertrauen oder Misstrauen, bevorzugt durch Regeln substituiert, die unabhängig von den zugrunde liegenden Motiven sicherstellen sollen, dass die gewünschten Handlungsfolgen eintreten.
Einen kritischen Ansatz vertritt diesbezüglich Bowles, indem er konstatiert:
But if […] markets make fewer demands on people’s elevated motivations, the impersonal and ephemeral nature of market interactions also affect the benefits and costs of acquiring cultural traits affecting socially valued behaviours. Markets thus affect not only demand for, but also the supply of cultural traits. Among these are reputations for trustworthiness, generosity and vengefulness.
Diskutiert wurde Vertrauen in der Ökonomik bisher vorrangig in der Neuen Institutionenökonomie als ein Mechanismus im Rahmen der Agenturtheorie, um kooperatives Verhalten zu erklären, welches nicht durch explizite Steuerungsmaßnahmen herbeigeführt wurde. Ein weiterer Bereich ist die Spieltheorie, die Vertrauen häufig als Synonym für Kooperation verwendet und Vertrauen als Phänomen sichtbaren kooperativen Verhaltens ansieht bzw. es mit ihm gleichsetzt. Diese Annahme wird in Kapitel 3.2.5 kritisch beleuchtet.
In den letzten Jahren häufen sich indes die wirtschaftswissenschaftlichen Publikationen, die eine Erklärung des Vertrauens und seiner Rolle in der Ökonomie thematisieren, obgleich es sich dabei eher um eine Öffnung der ökonomischen Denktradition für psychologische und soziologische Erkenntnisse handelt als um eine eigenständige Theorie.
Die Verhaltensökonomik stellt im Rahmen dieser Entwicklung innerhalb der Wirtschaftswissenschaften ein neues Forschungsfeld dar, das eine interdisziplinäre Ausrichtung hat und sich insbesondere mit Hilfe psychologischer Erkenntnisse, z. B. um eine Widerlegung der Wirkungsweise materieller Anreize, wie sie die Neue Institutionenökonomie unterstellt, bemüht oder empirisch zu belegen sucht, dass Vertrauen in andere Menschen deutlich mit dem Investitionsniveau und dem Einkommen bzw. der ökonomischen Entwicklung eines ganzen Landes korreliert. Empirisch konnten beispielsweise von Verhaltensökonomen auch die Annahmen bestätigt werden, dass sich Vertrauen positiv sowohl auf die Verhandlungskosten und die Konfliktvermeidung als letztendlich auch auf die Leistung der interorganisationalen Transaktionen auswirkt.
Ernst Fehr konstatiert, in Anbetracht dieser Entwicklungen in einem Artikel der Neuen Züricher Zeitung (2001), dass das Menschenbild der traditionellen Wirtschaftswissenschaft durch diese Untersuchungen widerlegt wird, da sie zeigen, dass die Richtschnur ökonomischen Handelns nicht nur von Eigennutz und Rationalität geprägt ist, sondern oft Präferenzen wie Fairness und Reziprozität (oder menschliche Schwächen wie Ungeduld und Wankelmut) das Handeln leiten.
Nach wie vor, so Fehr: ...fehlt jedoch … eine allgemeine Theorie beschränkt rationalen Verhaltens … Trotz dieser ungelösten Probleme gibt es deutliche Hinweise, dass der bisherige Konsens über das Menschenbild in den Wirtschaftswissenschaften zunehmend ausgehöhlt wird. Die Anzahl der Fachbeiträge in den weltbesten wissenschaftlichen Zeitschriften, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen …. Führende Theoretiker … wenden sich dieser Thematik zu, und die Hauptvorträge auf großen internationalen Tagungen behandeln in zunehmenden Maße Themen aus dem Grenzbereich von Psychologie und Ökonomie … Die Umwälzung gewinnt also an Fahrt, aber niemand weiß genau, wo die Fahrt enden wird.
Bevor auf eine dieser verhaltensökonomischen Arbeiten detailliert eingegangen wird, soll nun folgend eine Darstellung verschiedener Theorien von Vertrauen in der Psychologie gegeben werden. Die hier getroffene Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr werden Beiträge betrachtet, die für die Argumentation dieser Arbeit relevant sind.
Kapitel 4.2, Vertrauensbildung durch faire Entscheidungs-verfahren in Organisationen:
Für die Vertrauensbildung in Organisationen ist dieser Zusammenhang von grundlegender Bedeutung. Müller (1997, S. 192) weist darauf hin, dass die verbreitete Ansicht, dass Vertrauen sich in erster Linie in schwierigen Situationen (z. B. Restrukturierungen, Beilegung von Konflikten, Verteilung knapper Ressourcen etc.) beweisen muss, hierdurch bestätigt wird. Durch die Implementierung und den Einsatz fairer Entscheidungsverfahren kann dieses Vertrauen erbracht werden und können Frustrationsreaktionen auf unfaire Entscheidungsverfahren wie Formen von Sabotage, Diebstahl, verdeckter Arbeitsverweigerung etc. vermieden werden. Lind und Tyler geben diesbezüglich weitere praktische Empfehlungen auf der Grundlage ihrer umfangreichen eigenen Analysen und Auswertungen anderer Studien zu diesem Themenkomplex. Sie fordern eine stärkere Gewichtung der Aspekte fairer Verfahrensprozesse im Rahmen der Organisationsabläufe. Sie bedauern, dass die Organisationsforschung insgesamt primär ergebnisorientiert ausgerichtet ist, was zu der, ihrer Meinung nach, falschen Annahme geführt hat, dass die Einstellungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder stärker durch Vergütungs- und Kostenaspekte determiniert wird, als dies tatsächlich der Fall ist. Sie attestieren dem Gros der diese Annahme modellierenden Arbeiten, dass sie wichtige Erkenntnisse der Sozialpsychologie auslassen, da die Ergebnisse der Gerechtigkeitsforschung darlegen, dass die Wahrnehmung fairer Entscheidungsprozesse ein entscheidender Faktor dafür ist, wie Personen Organisationen wahrnehmen, bewerten, wie sie auf sie reagieren, also letztlich auch, ob Vertrauen in sie entwickelt werden kann.
Vertrauen bezieht sich, wie in Kapitel 2 ausgeführt wurde, auf den Glauben über das zukünftige Verhalten einer Person oder eines Systems. Bei der Entscheidung für oder gegen den Zuspruch von Vertrauenswürdigkeit greifen Individuen auf Informationen über die Beteiligten zurück, die sie als stabil einschätzen und prognostizieren über das erlebte Verhalten in der Vergangenheit, das Verhalten von Beteiligten in der Zukunft. Die Art und Weise wie Entscheidungen in einer Organisation gefällt werden, ist so eine Quelle für eine Prognose zukünftigen Verhaltens. Daraus folgt, dass wenn gegenwärtige Verfahrensprozesse als fair (oder unfair) angesehen werden, es vernünftig ist, gleiches auch von zukünftigen Verfahrensprozessen anzunehmen. Vertrauen wird in diesem Zusammenhang folglich beeinflusst von der Einschätzung der Betroffenen, wie hoch das Niveau der prozeduralen Gerechtigkeit in der Zukunft ausfallen wird.
Diejenigen, die Organisationsstrukturen entwickeln, sollten demnach auf die Ergebnisse der Gerechtigkeitsforschung zurückgreifen und effektive Maßnahmen finden, die die Qualität des Arbeitslebens verbessern und den inneren Zusammenhalt von Organisationen vertiefen können. Denn eine höhere Arbeitszufriedenheit, weniger Konflikte, eine höhere Partizipations- sowie Leistungsbereitschaft und Akzeptanz von Verfahren und Entscheidungen durch vertrauensbildenden Maßnahmen sind mit weitaus weniger Aufwand und Kosten verbunden als die meisten anderen Maßnahmen, die diesbezüglich eine Veränderung der Organisationspraxis einzuleiten in der Lage sind.
In den Warenkorb
58,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836603935
Arbeit zitieren:
Naujox, Katja März 2006: Institutionen und Vertrauen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Verhaltensökonomie, Institution, Kultur, Vertrauensbildung, Verfahrensfairness



