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Die Institution Eigentum und wirtschaftliche Entwicklung

Eigentumsformalisierung als entwicklungspolitische Chance

Die Institution Eigentum und wirtschaftliche Entwicklung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Denis Drechsler
  • Abgabedatum: März 2003
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 777,7 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6798-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6798-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6798-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Drechsler, Denis März 2003: Die Institution Eigentum und wirtschaftliche Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Entwicklungszusammenarbeit, Institutionelle Reform, Institutionenökonomik, Weltbank, Nachhaltigkeit

Diplomarbeit von Denis Drechsler

Problemstellung:

Nach unbefriedigenden Ergebnissen der Strukturanpassungsmaßnahmen ist in der internationalen Entwicklungspolitik seit einiger Zeit ein Wandel feststellbar, der den Staat sowie das institutionelle Gefüge der Projektländer verstärkt ins Zentrum der verfolgten Strategie rückt. Im Unterschied zur neoliberalen Politik des „Washingtoner Konsensus“, der maßgeblich die automatische Steuerungsfähigkeit des freien Marktaustausches betonte, zielen entwicklungspolitische Maßnahmen jetzt vor allem auf die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Veränderungen. Institutionelle Reformen, die eine umfassende Neugestaltung sozioökonomischer Rahmenbedingungen anstreben, versuchen daher, möglichst alle Determinanten eines effizienten Marktsystems adäquat anzupassen, um wirtschaftliche Entwicklungsprozesse zu ermöglichen. Bei diesem Ansatz kommt insbesondere dem Eigentumssystem einer Volkswirtschaft große Bedeutung zu, da gesicherte Eigentumsrechte die Transaktionskosten von Wirtschaftsprozessen verringern sowie einen Anreiz schaffen zu wirtschaftlicher Aktivität.

Ohne leistungsfähige staatliche Strukturen, die eine effiziente Eigentumsverwaltung garantieren, sinkt nicht nur die ausländische Investitionsbereitschaft, sondern zugleich die inländische Wirtschaftsdynamik. Richtig durchgeführt, kann die Reformierung eines Eigentumssystems in Entwicklungsländern wichtige Kapitalressourcen freisetzen und damit das volkswirtschaftliche Leistungspotenzial signifikant steigern. Am Beispiel eines Formalisierungsprojektes in Peru wird in dieser Arbeit verdeutlicht, dass eine erhöhte Eigentümersicherheit über Grund und Boden positiv auf die Bereitschaft wirkt, Investitionen am eigenen Haus oder Geschäft vorzunehmen sowie Arbeitskraft außerhalb der eigenen vier Wände anzubieten. Zudem kann eine staatliche Anerkennung von eigentumsrechtlichen Tatbeständen das Verhältnis so genannter informeller Landbesetzer zum Staat verbessern und einen Beitrag leisten zur Sicherung des sozialen Friedens und zur Herausbildung einer aktiven Bürgergesellschaft.

Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch die Möglichkeiten und Grenzen einer institutionellen Reform, die bei der Formalisierung bestehender informeller Besitzverhältnisse ansetzt. Ausgehend von den Mängeln eines rein neoklassischen Reformmodells verdeutlicht ein institutioneneökonomischer Ansatz, welche Faktoren insbesondere bei Veränderungsprozessen in Entwicklungsländern beachtet werden müssen. Für die internationale Entwicklungszusammenarbeit ergeben sich hieraus wichtige Erkenntnisse, um zukünftige Reformen nachhaltig und wirksam zu gestalten.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
Danksagung VIII
1 Einleitung 1
2 Entwicklungspolitik und institutionelle Reform 4
2.1 Grundzüge der klassischen Entwicklungspolitik 5
2.2 Was ist Entwicklung? 6
2.3 Ansätze einer neuen Entwicklungspolitik 7
2.4 Zusammenfassung 10
3 Institutionen und ihre Bedeutung in der Gesellschaft 10
3.1 Mängel der neoklassischen Wirtschaftstheorie 11
3.1.1 Präferenzbildung unter eingeschränkter Rationalität 12
3.1.2 Institutionen und ihr Einfluss auf Informationskosten 13
3.2 Wie wirken Institutionen - eine konzeptionelle Betrachtung 14
3.2.1 Grundzüge der Institutionenökonomik 15
3.2.2 Institutionenökonomik und der Aufbau von Märkten 15
3.2.3 Einfluss der Kultur auf Entwicklungspfade 16
3.2.4 Institutionenökonomik und Transaktionskosten 18
3.3 Zusammenfassung 19
4 Die Institution Eigentum 20
4.1 Die Institution Eigentum im historischen Wandel 21
4.1.1 Eigentum als Naturrecht 21
4.1.2 Kritische Positionen zu einem unbeschränkten Zugang zu Eigentum 23
4.1.3 Eigentum in der Industriellen Revolution - Anspruch und Wirklichkeit 24
4.1.4 Machtinstitutionen und die Schaffung und Erhaltung von Eigentumsrechten 25
4.1.5 Grenzen des liberalen Eigentumsbegriffes - die soziale Dimension 27
4.2. Eine ökonomische Theorie des Eigentums 27
4.2.1 Eigentumsrechte und individuelle Rationalität 28
4.2.2 Transaktionskosten senkender Effekt von Eigentumsrechten 29
4.3 Zusammenfassung 31
5 Eigentum und Entwicklungspolitik 32
5.1 Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Eigentumsformalisierung 33
5.1.1 Die besondere Bedeutung des Grundeigentums für die internationale Entwicklungspolitik 33
5.1.2 Einfluss gesicherter Grundeigentumsrechte auf die wirtschaftliche Entwicklung 39
5.1.3 Legitimationsbasis für gesicherte Eigentumsrechte 44
5.1.4 Die Rolle des Staates bei der Schaffung und Sicherung von Eigentumsrechten 45
5.1.5 Reformen im Eigentumssicherungssystem 49
5.1.6 Zusammenfassung - Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Entwicklungspolitik im Bereich der Eigentumsformalisierung 50
5.2 Kernelemente eines effizienten Eigentumssicherungssystems 51
5.2.1 Organisatorische Ebene gesicherter Eigentumsrechte 51
5.2.2 Gesetzliche Ebene gesicherter Eigentumsrechte 53
5.2.3 Zusammenfassung - Elemente gesicherter Eigentumsrechte an Grund und Boden 54
5.3 Erkenntnisse aus bisherigen Reformvorhaben in Entwicklungsländern 55
5.3.1 Eingeschränkter entwicklungspolitischer Blickwinkel 56
5.3.2 Mehrebenen-Ansatz der Eigentumsformalisierung 59
6 Eigentumsformalisierung in Peru 63
6.1 Die Studie des Instituto Libertad y Democraciaund das Pilotprojekt 64
6.2 Die Schaffung einer eigenständigen Formalisierungsbehörde 65
6.3 Das Peru Urban Property Rights Project 67
6.4 Erfolge und Misserfolge der Eigentumsformalisierung in Peru 68
6.4.1 Umfang der Reformen 68
6.4.2 Konsolidierungsmaßnahmen 69
6.4.3 Arbeitsangebot 70
6.4.4 Krediteffekt 71
6.5 Bewertung des PUPRP 72
6.5.1 Formalisierungsansatz 73
6.5.2 Aspekt der kritischen Masse 74
6.5.3 Bottom-up und Pro-aktiv Ansatz 74
6.5.4 Kostenfaktor 75
6.5.5 Reformwille 76
6.6 Replizierbarkeit des peruanischen Reformprojekts 77
7 Schlussbemerkungen 79
Literatur 83
Anhang 93
Eidesstattliche Erklärung 97

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wirtschaftsteilnehmer ausübt. Die Formalisierung von Eigentum bzw. die Einführung von formal-rechtlichen Strukturen, die verbindlich eingehalten werden müssen oder für den Fall der Nichteinhaltung einen Rechtsweg eröffnen, kann die Sicherheit potenzieller Anleger erhöhen und damit die wirtschaftliche Entwicklung fördern. Wie BESLEY (1995) in einer Studie über die Investitionsanreize in Ghana erklärt seien Eigentumsrechte damit „central issues in the political economy of investment” (ebd., S. 103). Gesamtgesellschaftliche Möglichkeitsstrukturen Gesicherte Eigentumsrechte unterstützen die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft jedoch nicht alleine dadurch, dass sie investives Verhalten fördern. Vielmehr erweitern sie zugleich den Möglichkeitsbereich der Wirtschaftssubjekte, sich für diese Investitionen die nötigen Mittel beschaffen zu können. Investitionen umfassen alle Maßnahmen, die darauf zielen, durch Anlage von Geldkapital die Bereitstellung eines Leistungspotenzials zu bewirken. Als solche sind sie gewöhnlich nur zu einem Teil aus Mitteln gedeckt, die dem Investor zum Investitionszeitpunkt auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Aufgrund des erwartet positiven Rückflusses einer Investition, die eine schnelle Rückzahlung aufgenommener Mittel möglich macht, werden Investitionen oft zu einem Teil oder sogar vollständig aus Fremdkapital finanziert. Um Fremdkapital von einem Kreditgeber zu erhalten, verlangt dieser in der Regel Sicherheiten. Zwar bestehen insbesondere in Entwicklungsländern angesichts des unzureichenden formal-institutionellen Systems ebenfalls Kreditverträge, die ohne formale Sicherheiten geschlossen werden; allerdings sind diese gewöhnlich sehr begrenzt im Hinblick auf die Höhe und die Einsatzmöglichkeiten des geliehenen Geldes, hängen stark ab von den persönlichen Beziehungen zwischen Geldgeber und Kreditnehmer und reduzieren sich auf einen kleinen Wirtschaftsraum, in dem die aufgenommenen Finanzmittel investiert werden können. Eine Studie über die Kreditvergabe in Entwicklungsländern (BOND/RAI, 2002) identifiziert als mögliche Alternativen zur formalen Kreditbesicherung den Gruppendruck über soziale Sanktionen sowie die Androhung einer zukünftigen Kreditverweigerung. Für Kreditgeschäfte im formalen Finanzmarkt ist die Verwendung von Sicherheiten jedoch unerlässlich. Eigentum – und hier insbesondere Grundeigentum, „[that] plays the central role in increasing the liquidity of liabilities and in determining the ... capacity to fund investments“ (HOLMSTRÖM, 1996, S. 208) – ist eine derartige Sicherheit, die allerdings speziellen Kriterien genügen muss, damit ein Geldgeber sie auch tatsächlich akzeptiert. Eine Kreditbesicherung mittels materieller Sicherheiten erfolgt durch die bedingte Überlassung von Rechtsansprüchen auf Eigentumsgegenstände, d.h. dass erst im Fall der Nichterfüllung der Rückzahlungsverpflichtung der Anspruch auf die als Sicherheit verwendete Sache entsteht. Ob und in welcher Höhe eine Sache als Sicherheit akzeptiert wird, hängt ab von den zum Zeitpunkt der Kreditvergabe bestehenden sowie in der Zukunft erwarteten Transaktionskosten des Geldgebers. Diese ergeben sich u.a. durch den Umstand, den möglichen Rechtsanspruch auch tatsächlich geltend machen zu müssen oder einen geldwerten Vorteil daraus ziehen zu können. Im Falle des Grundeigentums ist hier zu denken an die Reihenfolge und die Höhe des [...]

Die Formalisierung von Grundeigentum würde also das Arbeitsangebotes in den jeweiligen Siedlungsgebieten erhöhen; gesamtgesellschaftlich unbedeutend (und angesichts der unrealistischen Annahme einer starren Nachfrage nach Arbeit nur beschränkt aussagekräftig) ist hierbei der gesunkene Lohnsatz w*2. Wie gesehen ergäbe sich für eine Volkswirtschaft durch den gesteigerten Wert ihrer Eigentumsressourcen eher die Möglichkeit einer kapitalintensiveren Produktion bei wahrscheinlich gesteigertem Lohnniveau. Neben diesen arbeitsmarktspezifischen Überlegungen lassen sich zwei weitere Ebenen unterscheiden, in denen die Formalisierung von Grundeigentum wirtschaftliche Vorteile generiert: (i) eine akteursspezifische Dimension, die Anreizstrukturen und Sicherheitsüberlegungen von Wirtschaftssubjekten beinhaltet und (ii) eine gesamtgesellschaftliche Dimension, die sich auf volkswirtschaftliche Möglichkeitsstrukturen konzentriert. Anreizstrukturen und Risikominimierung Als Grundlage einer jeden Marktwirtschaft können wirtschaftliche Austauschprozesse nur stattfinden, wenn die transferierten Güter und Dienstleistungen auch individuell zuordenbar sind. Der Handel mit Gütern, der Verkauf von Produkten oder der Verleih von Sachgegenständen wäre ohne das Konzept des Privateigentums nicht oder nur schwer vorstellbar. Darüber hinaus hat das Eigentum eine wichtige Anreizfunktion, die bereits von den klassischen Ökonomen aufgezeigt wurde. Ohne die Aussicht auf die Erlangung von Eigentum würde kein Individuum Arbeit investieren, die über die Sicherstellung der täglichen Bedarfsdeckung hinausgeht. Folge wäre eine Wirtschaft, in der sich niemand über die zukünftige Entwicklung Gedanken machen würde bzw. dies angesichts der bestehenden Unsicherheiten auch gar nicht könnte. Die Möglichkeit des intergenerativen Transfers von Eigentumsgütern weitet diese Funktion sogar auf kommende Generationen aus, da hierdurch ein Anreiz geschaffen wird, Arbeit selbst über die individuelle Lebensdauer hinaus zu investieren. Zudem wird über [...]

Die Formalisierung von Grundeigentum kann diesen Teufelskreis von zwei Seiten durchbrechen: (i) erweitert sie die geringe Kapitalausstattung um den Wert der formalisierten Grundstücke; (ii) fördert sie die wirtschaftliche Entwicklung, indem sie zusätzlich die Investitionsneigung der Marktteilnehmer positiv beeinflusst. Im folgenden Abschnitt wird insbesondere dieser zweite Aspekt genauer analysiert. 5.1.2 Einfluss gesicherter Grundeigentumsrechte auf die wirtschaftliche Entwicklung Der positive Einfluss von gesicherten Grundeigentumsrechten auf die individuelle und gesamtgesellschaftliche Wirtschaftsentwicklung lässt sich anhand verschiedener Aspekte aufzeigen. MCLAUGHLIN/PALMER (1996, S. 12f.) verweisen z.B. auf ein verbessertes Ressourcenmanagement sowie eine erhöhte Arbeitsmobilität der Grundeigentümer, die sich aus der gesteigerten Rechtssicherheit über ihr Eigentum ergibt. Die größere Eigentümersicherheit dürfte damit insgesamt zu einer Anhebung des Arbeitsangebots führen. Trotz der auch von McLaughlin und Palmer erwarteten Wertsteigerung individueller Vermögensressourcen, die sich normaler Weise restriktiv auf das Arbeitsangebotes auswirkt, würde der (teilweise oder vollständige) Abbau des subjektiv wahrgenommenen Enteignungsrisikos neue Arbeitskapazitäten freisetzen und somit einer möglichen Verminderungstendenz entgegen wirken. Die folgende Grafik veranschaulicht diesen Effekt und demonstriert die möglichen Auswirkungen einer Eigentumsformalisierung auf den gleichgewichtigen Lohnsatz (w*) sowie den gleichgewichtigen Beschäftigungsgrad (L*). Neben der Höhe der Entlohnung beeinflussen im dargestellten Modell die zur Verfügung stehende Zeit (t) sowie das individuelle Vermögen (v) das Arbeitsangebot eines Individuums (LS); LS ist somit eine Funktion aus w, t und v: [...]

Arbeit zitieren:
Drechsler, Denis März 2003: Die Institution Eigentum und wirtschaftliche Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Entwicklungszusammenarbeit, Institutionelle Reform, Institutionenökonomik, Weltbank, Nachhaltigkeit

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