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Innovative Methoden zur Steuerung operationeller Risiken

Innovative Methoden zur Steuerung operationeller Risiken
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Strahwald
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 72 Seiten
  • Dateigröße: 473,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Bayreuth Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9651-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9651-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9651-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Strahwald, Stefan August 2005: Innovative Methoden zur Steuerung operationeller Risiken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Basel II, Risikomanagement, Versicherung, Derivate, Risiko

Diplomarbeit von Stefan Strahwald

Problemstellung:

Das Vorhandensein operationeller Risiken ist, auch wenn es manchmal den Anschein haben mag, keinesfalls eine neue Erkenntnis. Sie zählen vielmehr zu den ältesten Risiken überhaupt, da sie untrennbar mit jeder Art wirtschaftlichen Handelns verbunden sind. Folglich haften sie auch einem jeden Unternehmen an, unabhängig von dessen Geschäftstätigkeit. Während operationelle Risiken bei Industrieunternehmen schon seit je her Beachtung finden, wurden sie in der Bankbranche wegen der scheinbaren Dominanz der Kredit- und Marktrisiken lange Zeit vernachlässigt. Dabei ist der Finanzsektor ganz besonders von der Gefahr durch operationelle Risiken betroffen, wie zahlreiche darauf zurückzuführende Verlustfälle zeigen. Exemplarisch sei hier der Bankrott des britischen Bankhauses Barings, verursacht durch nicht autorisierte und mangelhaft überwachte Handelsgeschäfte eines Mitarbeiters namens Nick Leeson, genannt.

Ereignisse wie dieses veranlassten den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht operationelle Risiken in die Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute neu mit aufzunehmen. Zukünftig müssen diese Risiken also auch mit angemessenen Eigenmitteln unterlegt werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit ein eigenständiges Instrumentarium zur Handhabung dieser Risiken zu entwickeln. Die diesbezüglichen Bemühungen der Banken drehen sich bisher hauptsächlich um die Identifizierung und Quantifizierung von operationellen Risiken. Dabei kommt die Risikosteuerung als wesentlicher Bestandteil des gesamten Risikomanagementprozesses derzeit noch zu kurz. Gerade aber die Beherrschung und systematische Steuerung von operationellen Risiken gilt als einer der strategisch entscheidenden Erfolgsfaktoren im Konkurrenzkampf zwischen den Banken. Schließlich kann durch eine situationsbedingte Vermeidung, Verminderung oder Abwälzung der Risiken eine entsprechende Wertsteigerung erzielt werden.

Operationelle Risiken haben die Eigenschaft, dass sie nur zum Teil beeinflussbar sind, so dass die Methoden der Risikovermeidung und -verminderung letztendlich nur in begrenztem Umfang anwendbar sind. Der Einsatz von Methoden des Risikotransfers, die finanzielle Konsequenzen von schlagend werdenden Risiken auf Dritte abwälzen, scheint dagegen auf breiterer Basis möglich zu sein. Hier besteht allerdings das Problem, dass die bereits in der Praxis verwendeten Instrumente – hauptsächlich traditionelle Versicherungslösungen – wesentliche Schwachstellen aufweisen. Deswegen werden neuartige, innovative Transfermethoden benötigt, um in der Folge eine optimale Risikobewältigung zu gewährleisten.

Zielsetzung dieser Arbeit ist zum einen die Darstellung von innovativen Methoden zur Steuerung operationeller Risiken und zum anderen deren Bewertung aus unternehmerischer Perspektive.

‚Innovativ’ sollte in diesem Zusammenhang nicht als ‚revolutionär’, sondern vielmehr als ‚evolutionär’ verstanden werden. Durch das Aufzeigen der Grenzen traditioneller Instrumente wird die Notwendigkeit für neue, weiterentwickelte Produkte aufgezeigt.

Den Schwerpunkt der Analyse bilden die Methoden des Risikotransfers. Dabei besteht allerdings nicht der Anspruch auf eine abschließende Vorstellung aller denkbaren Varianten, sondern eher auf eine detaillierte Erläuterung wesentlicher Grundkonzepte.

Weiterhin ist anzumerken, dass sich die Ausführungen in dieser Arbeit vorwiegend auf Kreditinstitute beziehen. Daher wird stets auch auf Besonderheiten und Probleme im Zusammenhang mit Basel II hingewiesen. Insgesamt wurde aber versucht, die Arbeit so allgemeingültig wie möglich zu halten, da die dargestellten Steuerungsmethoden grundsätzlich auch für andere Dienstleistungs- und Industrieunternehmen anwendbar sind.

Gang der Untersuchung:

Um eine entsprechende Arbeitsgrundlage zu schaffen, erfolgt in Kapitel 2 zunächst eine Definition operationeller Risiken. Dies beinhaltet auch eine Abgrenzung zu anderen Risikoarten sowie eine knappe Zusammenstellung charakteristischer Eigenschaften. Außerdem wird kurz aufgezeigt, welche (aufsichts-)rechtlichen Anforderungen an das Management operationeller Risiken bestehen und wie dessen Ablauf ist.

In Kapitel 3 folgt dann die Beschreibung des Steuerungsprozesses als Teil des allgemeinen operationellen Risikomanagements. Neben den Zielen werden dabei insbesondere die verschiedenen Bewältigungsstrategien erläutert.

Kapitel 4 stellt mit der Darstellung der Methoden zum Transfer operationeller Risiken den Kern der Arbeit dar. Hier wird ausführlich die Funktionsweise der einzelnen Konzepte dargelegt und anschließend deren Vor- und Nachteile gegenüber traditionellen Versicherungen, die anfangs vorgestellt werden, herausgearbeitet. Am Ende findet sowohl aus unternehmerischer, als auch aus aufsichtsrechtlicher Perspektive eine vergleichende Bewertung der verschiedenen Methoden statt.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit in Kapitel 5, in dem alle wichtigen Erkenntnisse noch einmal zusammenfassend dargestellt werden.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Ausgangslage und Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Aufbau der Arbeit 3
2. Grundlagen des Managements operationeller Risiken 4
2.1 Charakterisierung operationeller Risiken 4
2.1.1 Definition und Systematisierung 4
2.1.2 Abgrenzung zu anderen Risikoarten 6
2.1.3 Besondere Eigenschaften 8
2.2 Einbezug operationeller Risiken in die Unternehmenssteuerung 9
2.2.1 Rechtliche und regulatorische Anforderungen 9
2.2.2 Ablauf des operationellen Risikomanagements 11
3. Ziele und Strategien bei der Steuerung operationeller Risiken 14
3.1 Zielsetzungen bei der Steuerung operationeller Risiken 14
3.2 Strategien zur Erreichung der Steuerungsziele 16
3.2.1 Ausgangsbasis für die Strategie-Entscheidung 16
3.2.2 Alternative Strategien zur Steuerung operationeller Risiken 17
3.2.2.1 Risikoverminderung 17
3.2.2.2 Risikovermeidung 18
3.2.2.3 Risikotransfer 18
3.2.2.4 Risikoakzeptanz 19
3.2.3 Auswahl und Implementierung einer geeigneten Strategie 20
4. Methoden zur Steuerung operationeller Risiken 22
4.1. Überblick 22
4.2. Versicherungen und versicherungsähnliche Konstrukte 23
4.2.1 (Externe) Versicherungen 23
4.2.1.1 Funktionsweise und Ausgestaltungen 23
4.2.1.2 Probleme hinsichtlich Kontrahentenrisiken 26
4.2.1.3 Probleme hinsichtlich Kosten 27
4.2.1.4 Probleme hinsichtlich Deckung 28
4.2.2 Selbst-Versicherung mit Captives 29
4.2.2.1 Funktionsweise und Ausgestaltungen von selbst gegründeten Captives 29
4.2.2.2 Funktionsweise und Ausgestaltungen von gemieteten Captives 32
4.2.2.2 Vorteile 33
4.2.2.3 Nachteile 35
4.2.3 Finite Risk Konzepte 37
4.2.3.1 Funktionsweise und Ausgestaltungen 37
4.2.3.2 Vorteile 40
4.2.3.3 Nachteile 41
4.3 Kapitalmarktinstrumente 43
4.3.1 Operational Risk Linked Bonds 43
4.3.1.1 Funktionsweise und Ausgestaltung 43
4.3.1.2 Alternativen zur Bestimmung der Schadensbasis 46
4.3.1.3 Vorteile 48
4.3.1.4 Nachteile 50
4.3.2 Operational Risk Swaps 51
4.3.2.1 Funktionsweise und Ausgestaltung 51
4.3.2.2 Vor- und Nachteile 52
4.4. Bewertung der Steuerungsmethoden 53
4.4.1 Vergleichende Bewertung aus unternehmerischer Perspektive 53
4.4.1.1 Realisierbarkeit der Ziele 54
4.4.1.2 Kosten 55
4.4.1.3 Beschränkungen bei der Einsetzbarkeit 56
4.4.2 Aufsichtsrechtliche Bewertung und Anerkennung 58
5. Fazit 60
Literaturverzeichnis 62

Automatisiert erstellter Textauszug:

Mit der Versicherung operationeller Risiken über eine Captive partizipiert das Unternehmen weitaus stärker am eigenen Schadensverlauf als bei einer externen Versicherung.119 Sind die Verluste aus den eingebrachten Risiken geringer als die einbezahlten Prämien, so entsteht ein versicherungstechnischer Gewinn, der nach Abzug von Verwaltungskosten und Steuern wieder an den oder die CaptiveEigner zurückfließt. Somit werden sämtliche zusätzlich durchgeführten Maßnahmen der Risikoverminderung auch wirklich honoriert, wohingegen bei externen Versicherungen oftmals der Anreiz dafür fehlt. Dort kommen die Erfolge von Maßnahmen, die eine Reduzierung eines ohnehin versicherten Risikos bewirken, nämlich zunächst nur den Versicherungsgeber zu Gute. Der Versicherungsnehmer würde davon nur bei einer Prämiensenkung profitieren, allerdings ist damit - wenn überhaupt - nur mit Verzögerung zu rechnen. Über eine Captive können des Weiteren höhere technische Rückstellungen gebildet werden, als dies für Unternehmen außerhalb der Versicherungsbranche mit traditionellen Versicherungsrückstellungen möglich ist. Dadurch kann der Versicherungsgewinn vermindert und dessen Besteuerung hinausgezögert [...]

Neben den oben beschriebenen Gründungsformen einer Captive existiert mit dem Rent-A-Captive-Konzept eine alternative Möglichkeit der Selbstversicherung, die sich wegen geringerer Fixkosten vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen lohnt.114 Der Versicherungsnehmer gründet keine eigenständige Gesellschaft, sondern mietet lediglich die Infrastruktur einer bereits bestehenden Captive. Dort wird dann für jeden Kunden ein eigenes Konto geführt, auf dem die Prämieneinzahlungen und die darauf erzielten Anlageergebnisse gutgeschrieben und die Verwaltungskosten sowie die Schadenszahlungen belastet werden. Nach Vertragsablauf oder nach bestimmter, vorab festgelegter Laufzeit wird ein positiver Saldo auf diesem Konto an den Kunden ausbezahlt bzw. ein Nachschuss bei einem negativem Saldo verlangt.115 Im Außenverhältnis gelten die Captive-Accounts verschiedener Kunden trotzdem nur als eine einzige Gesellschaft. Wird also ein Kunde wegen unerwartet schlechten Schadensverläufen insolvent, so dass er keine Nachschüsse mehr leisten kann und damit auch eine Zahlungsunfähigkeit bei der Rent-A-CaptiveGesellschaft verursacht, kann das Vermögen auf dem eigenen Konto zur Befriedigung von Ansprüchen Dritter herangezogen werden.116 Dieser schwerwiegende Nachteil führte zur Entwicklung des so genannten Protected-Cell-Konzepts, das prinzipiell genauso wie eine Rent-A-Captive [...]

entscheidender bei der Standortwahl sind aber die steuerlichen Gegebenheiten und dabei im Wesentlichen die Möglichkeiten zur Bildung von Rückstellungen, die Höhe der Körperschaftssteuer und die Besteuerung des Gewinntransfers zu den Eigentümern.108 Dabei ist allerdings zu beachten, dass reine ‚Briefkastengesellschaften’ steuerlich nicht anerkannt werden, solange sich der Ort der tatsächlichen Leitung anderswo befindet. Außerdem machen fehlende Doppelbesteuerungsabkommen den Vorteil niedriger Gewinnsteuern in solchen Steueroasen wieder zunichte.109 Die Trägerschaft der Captive kann von einem Einzelunternehmen bzw. -konzern (Single Parent Captive) oder von mehreren, voneinander unabhängigen Unternehmen (Multi Parent oder Group Captive) übernommen werden. Wird eine Group Captive von Unternehmen des gleichen Wirtschaftszweiges gegründet, spricht man auch von einer Association- oder Industry-Captive.110 Schließlich unterscheiden sich Captives noch bezüglich ihres Öffnungsgrades, das heißt, ob nur die Risiken der Eigentümer (Pure Captive) oder zusätzlich auch Drittrisiken (Broad Captive) versichert werden. Die Motivation für den Einbezug von externen Risiken kann aufgrund eines höheren Diversifikationspotenzials oder wiederum aus steuerlichen Gründen bestehen.111 Für die Unternehmen ist es im Allgemeinen wünschenswert, die an die Captive gezahlten Versicherungs- [...]

Arbeit zitieren:
Strahwald, Stefan August 2005: Innovative Methoden zur Steuerung operationeller Risiken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Basel II, Risikomanagement, Versicherung, Derivate, Risiko

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