Innovationskultur, Netzwerkperspektive und Know-How-Transfer im Uppsala-Modell
Eine Weiterentwicklung des Internationalisierungsprozesses für KMU anhand ausgewählter Umfeldgrößen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Alexander Würtinger
- Abgabedatum: Mai 2005
- Umfang: 146 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Johannes Kepler Universität Linz Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9616-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9616-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9616-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Würtinger, Alexander Mai 2005: Innovationskultur, Netzwerkperspektive und Know-How-Transfer im Uppsala-Modell, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Johanson, EPRG, Entrepreneurship, Expansion, Ausland
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Diplomarbeit von Alexander Würtinger
Problemstellung:
Auf dem Gebiet der klein- und mittelständischen Unternehmen ist heute zunehmend der Trend zu Internationalisierungsaktivitäten festzustellen, der sich bei KMU früher nicht in diesem Ausmaß beobachten ließ. Ein Grund mag im konsequenten Abbau von Handelsbarrieren mit dem Ziel einer allgemeinen Marktharmonisierung durch die Europäische Union zu finden sein.
Obwohl die Anzahl der durchgeführten Studien zu mittelständischen Unternehmen seit Mitte der 90er Jahre vor allem Dank einer ganzheitlicheren Erhebung durch die seit 1993 jährlich veröffentlichte ENSR-Studie erfolgt, bleibt deren Umfang im Vergleich zu entsprechenden Untersuchungen mit Fokus auf Großunternehmen gering. Bislang wurde in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur hauptsächlich der Internationalisierungsgang und das Investmentmuster von Großunternehmen beleuchtet und detailliert analysiert, die Prozesse bei Klein- und Mittelunternehmen und im speziellen deren beeinflussende und interagierende Faktoren, wie dies in der vorliegenden Arbeit durch die Implementierung der Innovationskultur, Netzwerkperspektive und des Know-How-Transfers untersucht werden soll, wurde noch nicht ausreichend erforscht.
Weitere Zusatzfaktoren werden in das bestehende und anerkannte Uppsala-Modell von Johanson und Vahlne mit aufgenommen, um eventuelle Schwächen von KMU aufzuzeigen und dem sensibleren, da ressourcenmäßig gratwandernden Internationalisierungsweg dieser Unternehmungen genüge zu leisten.
Die Begründung für die Wahl des Uppsala-Modells zur Auseinandersetzung mit dem Konzept auf theoretischer Ebene und somit als Basis für die vorliegende Arbeit stützt sich auf dem Internationalisierungsmuster, der im Uppsala-Modell für Unternehmungen angenommen wird und sich in empirischen Studien als typisch für den Internationalisierungsverlauf vor allem von KMU herausstellte. Zudem waren die heute sehr aktuellen Faktoren Wissen, Lernen und Erfahrung bereits in den 70er Jahren Bestandteil des Modells.
Ein genauere Ausführung und Begründung für die Auswahl soll aber an späterer Stelle, in Kapitel 3.1., stattfinden.
Die Forschungsfragen stellen sich für diese Arbeit wie folgt dar:
- Welche Faktoren sind es, die den Internationalisierungsprozess der Unternehmung auf Basis des Uppsala-Modells an sich beeinflussen und wie sieht das Zusammenspiel der Faktoren untereinander aus?
- Inwieweit wirken zusätzliche Größen, wie z. B. Innovationskultur, Netzwerkperspektive und Know-How-Transfer, auf das Uppsala-Modell ein, um diesen Internationalisierungsprozess für KMU umfassender erklären zu können?
- Wie wirken sich die additiven Faktoren Innovationskultur, Netzwerkperspektive und Know-How-Transfer auf KMU – vor allem im Bereich der Internationalisierungsmotive, der Stärken und Schwächen, sowie der Besonderheiten von KMU im Internationalisierungsprozess – im Modell aus?
Die Zielsetzung der Arbeit stellt sich damit folgendermaßen dar:
Das erste Ziel umfasst die Entwicklung von weiteren Einflussfaktoren für das Uppsala-Modell im Bezug auf KMU und deren Implementierung. Der Ausbau des Modells soll zu einer erschöpfenderen, theoretischen Interpretation des Internationalisierungsprozesses von Klein- und Mittelunternehmen führen und dem Leser einen tieferen Einblick in das komplexe wechselseitige Geflecht der einflussnehmenden Faktoren bei der Internationalisierung eröffnen.
Das zweite Ziel besteht in einer Analyse der Motive für die Internationalisierung, der Besonderheiten der KMU bei einer Expansion ins Ausland, sowie der Stärken und Schwächen von Klein- und Mittelunternehmen beim Internationalisierungsprozess. Diese werden auf Basis des erweiterten Modells herausgearbeitet.
Das dritte Ziel enthält abschließend einen Diskurs über die Typologien der Internationalisierungsstrategien nach dem EPRG-Konzept von Perlmutter, welche auf das erweiterte Uppsala-Modell übertragen werden. Eine Herausarbeitung der besten Eignung für einen Internationalisierungsprozess nach Uppsala schließt die Arbeit ab.
Das Ziel der Diplomarbeit besteht darin, das Wechselspiel von Innovationskultur, Netzwerkperspektive und Know-How-Transfer im Uppsala-Internationalisierungsmodell aufzuzeigen und zu erklären.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | KMU und Internationalisierung auf europäischer Ebene | 1 |
| 1.2 | Problemstellung | 5 |
| 1.3 | Forschungsfragen | 6 |
| 1.4 | Zieldefinition | 7 |
| 2. | Begriffsdefinition | 8 |
| 2.1 | Quantitative Eingrenzung KMU | 8 |
| 2.2 | Qualitative Eingrenzung KMU | 9 |
| 2.3 | Definition einer internationalen Unternehmung | 12 |
| 2.4 | Globalisierung vs. Internationalisierung | 13 |
| 3. | Das Uppsala-Modell | 16 |
| 3.1 | Begründung für die Wahl des Uppsala-Modells | 16 |
| 3.2 | Dem Uppsala-Modell zugrunde liegende Theorien | 20 |
| 3.2.1 | Penrose – „The theory of the growth of the firm“ (Theorie des Unternehmenswachstums) | 20 |
| 3.2.2 | Cyert und March – „A Behavioral Theory of the firm” (Behavioristische Theorie der Unternehmung) | 21 |
| 3.2.3 | Aharoni – „The Foreign Investment Process” (Theorie der Direktinvestition) | 21 |
| 3.2.4 | Vernon – „Product Lifecycle Theory” (Produkt-Lebenszyklus Theorie) | 22 |
| 3.3 | Das Uppsala-Modell | 23 |
| 3.3.1 | Das Internationalisierungsmuster | 24 |
| 3.3.2 | Das Internationalisierungsmodell | 25 |
| 3.4 | Kritische Würdigung des Uppsala-Modells | 28 |
| 3.5 | Weiterentwicklung und Implementierung des Uppsala-Modells | 30 |
| 3.5.1 | Innovationskultur | 32 |
| 3.5.1.1 | Charakterisierung bzw. Definition einer Innovationskultur | 34 |
| 3.5.2 | Netzwerkperspektive | 40 |
| 3.5.3 | Know-How-Transfer unter Einbeziehung des Bochumer Modells | 45 |
| 4. | Das EPRG-Konzept im Sinne des Uppsala-Modells | 57 |
| 4.1 | Ethnozentrische Orientierung | 57 |
| 4.2 | Polyzentrische Orientierung | 59 |
| 4.3 | Geozentrische Orientierung | 61 |
| 4.4 | Regiozentrische Orientierung | 64 |
| 5. | KMU im Kontext der Internationalisierung | 66 |
| 5.1 | Motive der internationalen Geschäftstätigkeit | 66 |
| 5.1.1 | Proaktive Internationalisierungsmotive | 69 |
| 5.1.1.1 | Verfügbarkeit der Ressourcen | 70 |
| 5.1.1.2 | Kosten der Produktionsfaktoren | 71 |
| 5.1.1.3 | Zins- und Steuerunterschiede | 72 |
| 5.1.1.4 | Wirtschaftsförderungsmaßnahmen | 72 |
| 5.1.1.5 | Wirtschaftlicher Entwicklungsgrad | 73 |
| 5.1.1.6 | Wettbewerbsvorteile | 74 |
| 5.1.1.7 | Economies of Scale | 75 |
| 5.1.1.8 | Synergieeffekte | 76 |
| 5.1.1.9 | Prestige | 76 |
| 5.1.1.10 | Der Unternehmer | 77 |
| 5.1.2 | Reaktive Internationalisierungsmotive | 79 |
| 5.1.2.1 | Internationalisierung der Geschäftspartner | 79 |
| 5.1.2.2 | Risikostreuung | 80 |
| 5.1.2.3 | Internationalisierung der Wettbewerber | 81 |
| 5.1.2.4 | Überwindung von Handelsbarrieren | 82 |
| 5.1.2.5 | Gesetze und Restriktionen am Heimatmarkt | 83 |
| 5.2 | Besonderheiten der Internationalisierung von KMU | 84 |
| 5.2.1 | Netzwerkproblematik | 84 |
| 5.2.2 | Differierende Internationalisierungsmotive | 85 |
| 5.2.3 | Organisationsstruktur | 86 |
| 5.3 | Besondere Stärken und Schwächen kleiner und mittlerer Unternehmen im Internationalisierungsprozess | 91 |
| 5.3.1 | Besondere Stärken im Internationalisierungsprozess | 91 |
| 5.3.1.1 | Flexibilität | 92 |
| 5.3.1.2 | Neue Ideen und Innovationskooperationen | 94 |
| 5.3.1.3 | Flache Hierarchien | 99 |
| 5.3.1.4 | Individualität und Kundenorientierung | 104 |
| 5.3.1.5 | Persönliche Beziehungen im Unternehmen | 106 |
| 5.3.1.6 | Entrepreneurship bzw. Unternehmertum | 108 |
| 5.3.2 | Besondere Schwächen im Internationalisierungsprozess | 110 |
| 5.3.2.1 | Fehlende Marktmacht | 110 |
| 5.3.2.2 | Die Persönlichkeit des Unternehmers | 112 |
| 6. | Fazit/Implikationen aus dem angewendeten und erweiterten Uppsala-Phasenmodell | 113 |
| 6.1 | aus dem weiterentwickelten Uppsala-Modell und weiterführende Ansatzpunkte | 113 |
| 6.2 | aus den Analysen der Typologien von Internationalisierungsstrategien | 115 |
| 6.3 | aus den Analysen der Internationalisierungsmotive | 115 |
| 6.4 | aus den Analysen der Besonderheiten bei der Internationalisierung von KMU | 116 |
| 6.5 | aus den Analysen der Stärken und Schwächen kleiner und mittlerer Unternehmungen im Internationalisierungsprozess | 117 |
| 6.6 | Gesamtresumée | 118 |
| 7. | Bibliographie | 121 |
Ein zu kleiner Markt und wachsende Konkurrenz zwingt Unternehmen, sich durch Fusionen oder Akquisitionen zu stärken und wettbewerbsfähiger zu werden. Sind einige wenige oder sogar nur ein Kunde für den Großteil der Umsatzgenerierung verantwortlich, stellt neben der fehlenden Autonomie auch ein anfänglich positiv anmutendes Mitwachsen ein KMU im Laufe der Zeit vor essentielle Probleme. Wachstum am heimischen Markt ist eher zu bewerkstelligen als ebensolches auf fremden und noch unbekannten Absatzmärkten. Zeitlicher und finanzieller Druck veranlassen Entscheidungsträger in Klein- und Mitteluntenehmen zu riskanten Spielchen, die jegliche wirtschaftliche Basisstrategie vermissen lassen. Dieses Hasard-Spiel funktioniert oft nur in Begleitung und mit Unterstützung des fordernden Partners. Als bestes Beispiel sei an dieser Stelle die Automobilbzw. Flugzeugbranche genannt, die ihren Lieferanten kooperativ zur Seite stehen. Dies allein schon aus dem ureigenen Interesse keine Lieferschwierigkeiten und folglich Produktionsstopps zu provozieren. [...]
Eine andere bekannte Charakterisierung der beiden Initialfaktoren ist die Einteilung in reaktive (externe) und proaktive (interne) Elemente, von denen einige auf den folgenden Seiten detaillierter beschrieben werden. In einer im deutschen Mittelstand geführten Studie191 von 2001 über die treibenden Motive einer Internationalisierung wurden „Entwicklung neuer Märkte“ und „Konsolidierung der existierenden Märkte“ beinahe gleichauf an erster Stelle angeführt. Das erste Motiv für eine Internationalisierung ist dennoch oft ein sehr passives. Durch eine Empfehlung eines Geschäftspartners, eine Anfrage oder Bestellung aus dem Ausland werden die Sensoren für Geschäftschancen auch über die heimischen Grenzen hinweg sensibilisiert und geschärft. Messeteilnahmen im Ausland hingegen sind schon ein sehr aktives Zeichen für eine Orientierung in Richtung Auslandsmärkte und zeigen von systematischer Marktbearbeitung. Zweck ist ein erstes Abtasten der Nachfrage und Generieren von persönlichen Geschäftskontakten. Die zunehmende und seit Jahren gepredigte Globalisierung verschärft auch die Konkurrenz am heimischen Markt durch ausländische Unternehmen, die sich neue Märkte eröffnen und diese penetrieren. Bei produzierenden Betrieben spielt auch der internationale Wettbewerb am Beschaffungsmarkt eine sehr wesentliche Rolle und fördert den Prozess der Internationalisierung. In der Behnam/Gilbert-Studie nimmt dieses Motiv mit 25 Prozent nur die drittletzte Position ein. Der Bandwagon-Effekt, also dem Folgen des Marktführers auf ausländische Märkte, spiegelt zu wenig die Tatsache wider, dass es sich hier oftmals um beinahe ausschließlich finanzielle Aspekte von produzierenden Betrieben handelt. Steuerliche Aspekte oder jene der Lohnkostenminimierung sind nicht nur mehr bei bereits international agierenden Konglomeraten ein primäres Entscheidungskriterium hin zur Geschäftstätigkeit auf ausländischen Märkten. [...]
Entscheidenden Charakter wird das innovative Image des Unternehmens auf die Entscheidung der Kandidaten haben, womit die Signifikanz einer funktionierenden Innovationskultur wieder hervorzuheben ist. Die Netzwerkperspektive, die das Unternehmen auch auf dem Internationalisierungsweg umgibt, sorgt für das Transportieren des Innovationscharakters nach außen und stellt somit eine Art der Außenwerbung dar. Über Kontakte zu den in der Netzwerkperspektive sich befindenden Partnern kann gleichermaßen Personalrekrutierung betrieben werden. Entsprechend sind bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter persönliche Kontakte und Netzwerke von großer Bedeutung.189 Im Sinne des Uppsala-Internationalisierungsmodells kann von einer hohen Eignungsfähigkeit ausgegangen werden, vor allem aufgrund der guten Entwicklungsmöglichkeiten einer tragfähigen Innovationskultur, die die Charaktere von Auslandsniederlassungen bzw. Tochtergesellschaften stärker berücksichtigt. Dennoch birgt die starke Interpendenz und der gering ausgeprägte Kommunikationsfluss von und zum Stammsitz eine für Klein- und Mittelunternehmen inhärente Gefahr, die bestenfalls nur durch sehr offene und kommunikationsstarke Unternehmens- und Innovationskulturen zu überkommen ist. [...]
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Arbeit zitieren:
Würtinger, Alexander Mai 2005: Innovationskultur, Netzwerkperspektive und Know-How-Transfer im Uppsala-Modell, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Johanson, EPRG, Entrepreneurship, Expansion, Ausland



