Der Innovationskontext als wirtschaftshistorischer Analyserahmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Hamoser
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 75 Seiten
- Dateigröße: 545,4 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Regensburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8582-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8582-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8582-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hamoser, Michael Juli 2004: Der Innovationskontext als wirtschaftshistorischer Analyserahmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Innovationsforschung, Messung von Innovationsaktivitäten, Innovationsgeschichte
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Diplomarbeit von Michael Hamoser
Gang der Untersuchung:
„Innovation ist ein Lebenselixier unserer Gesellschaft. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft hängt entscheidend davon ab, immer wieder neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen der Nachfrage anzubieten.“ Dennoch gibt es bisher keine umfassende Theorie, die vollständig erklären kann, welche Gegebenheiten Innovationen ermöglichen, welche sie verhindern oder welche Faktoren Innovationsaktivitäten begünstigen oder sie eher hemmen. Deswegen werden zu Anfang dieser Arbeit in Kapitel 2 Forschungsansätze aus den Jugendjahren der Innovationsforschung kurz dargestellt. Beginnend mit Schumpeter und dem „Prozess der kreativen Zerstörung“ werden neoklassische, evolutionsökonomische und nachfragetheoretische Forschungsrichtungen angerissen, um zu zeigen, dass durch sie sehr wohl wichtige Aspekte des Innovationsgeschehens erklärt werden können, jedoch diese Erklärung meist recht einseitig auf einen oder einige wenige Faktoren konzentriert ist.
Der erste Schritt um mehrere der bisherigen Ansätze, die sich gut unter den Schlagworten Technology Push und Demand Pull zusammenfassen lassen, zu vereinigen, wird mit dem verbundenen Innovationsprozess getan, mit dem auch Kapitel 3 beginnt. Eine kurze Betrachtung genügt hier, da der verbundene Innovationsprozess lediglich auf einer Kombination bisheriger Modelle beruht. Neues bringt hingegen Michael Porter mit seiner Netzwerkanalyse und dem von ihm eingeführten Begriff des Branchen- oder Innovationsclusters.
Er erklärt einen entscheidenden Erfolg von Innovationsprozessen mit den Beziehungen, die zwischen seinen Akteuren bestehen. Insofern liefert Porter auch für die kontextuelle Sichtweise wichtige Anknüpfungspunkte. Außerdem führt er neben bisher rein ökonomischen oder technischen Gesichtspunkten neue Variablen für das Gelingen von Innovationsprozessen ein. Hand in Hand mit diesem Ansatz geht die Theorie der Innovationsräume oder Innovationssysteme, die ebenfalls kulturelle, gesellschaftliche, organisatorische und noch andere Faktoren berücksichtigt, jedoch bleibt sie dabei sehr stark auf regionale Gesichtpunkte beschränkt.
Eine Kombination aller Einflussgrößen, ohne jedoch dabei das Augenmerk zu sehr auf regionale Entwicklungen zu richten, liefert das Modell des Innovationskontextes, der in verschiedenen Ausprägungen und Organisationsformen, mit einem Fokus auf den Kontext des Lead-Marktes, geschildert wird. Des Weiteren werden in Kapitel 3 ausgewählte Kontextfaktoren dargestellt, deren Fülle jedoch nahezu unbegrenzt ist, weswegen Wissen, Transfereinrichtungen, Lernen und Technologiepolitik herausgegriffen werden und am Beispiel des Kontextfaktors Kultur ein Fragenkatalog für weitere Faktoren erarbeitet wird.
Kapitel 4 zeigt unterschiedlichste Formen der Messung und Beurteilung von Innovationsaktivitäten, wobei auch hier aufgrund der unüberschaubaren Menge eine Auswahl aus bekannten und praxisnahen Input- und Outputindikatoren getroffen wurde. Besonderes Augenmerk wird im Anschluss auf das Konzept des Lebenszyklusaufwandes gelegt, um zu zeigen, dass dieses Konzept Grundlagen zur Messung und Beurteilung von Innovationsaktivitäten auch in einer kontextuellen Sichtweise bietet.
Weiter werden diese Indikatoren in ein Klassifikationsschema eingeordnet, um, gerade weil eine vollständige Aufzählung innerhalb dieser Arbeit nicht möglich ist, mögliche Gruppen von Mess- und Beurteilungsverfahren mit ähnlichen Eigenschaften aufzuzeigen. Zum Abschluss dieses Kapitels und der Arbeit wird diskutiert, inwieweit die vorgestellten Indikatoren geeignet sind, auch innerhalb des Innovationskontextes Innovationsaktivitäten befriedigend zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis:
| Darstellungsverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Gang der Argumentation | 1 |
| 2. | Überblick über die Entwicklung der Innovationstheorie | 3 |
| 2.1 | Der Begriff der Innovation | 3 |
| 2.2 | Der Begründer der Innovationstheorie: Joseph Alois Schumpeter | 4 |
| 2.3 | Neoklassische Ansätze | 6 |
| 2.3.1 | Wichtige Vertreter der neoklassischen Innovationsforschung | 7 |
| 2.3.2 | Entscheidungstheoretische neoklassische Ansätze | 8 |
| 2.3.3 | Spieltheoretische neoklassische Ansätze | 8 |
| 2.3.4 | Neoklassische und neue Wachstumstheorie | 8 |
| 2.4 | Evolutionsökonomische Ansätze | 9 |
| 2.4.1 | Das Nelson-Winter-Modell | 10 |
| 2.4.2 | Institutionenökonomische Innovationstheorie | 10 |
| 2.5 | Nachfragetheoretische Ansätze | 11 |
| 3. | Der Innovationskontext als wirtschaftshistorischer Analyserahmen | 12 |
| 3.1 | Technology Push und Demand Pull | 14 |
| 3.2 | Der verbundene Innovationsprozess | 15 |
| 3.3 | Die Netzwerkanalyse von Michael Porter | 16 |
| 3.4 | Innovationssysteme und Innovationsräume | 22 |
| 3.5 | Der Innovationskontext | 24 |
| 3.5.1 | Lead-Märkte als entscheidender Innovationskontext | 27 |
| 3.5.2 | Arten von Innovationskontexten | 29 |
| 3.5.3 | Kontextabhängige Organisationsformen | 32 |
| 3.5.4 | Die Rolle von Wissen, Transfereinrichtungen und Lernen in der kontextuellen Sichtweise | 34 |
| 3.5.5 | Die Rolle von Staaten, Staatenverbünden und Technologiepolitik im Innovationskontext | 37 |
| 3.5.6 | Fragestellungen zur Identifikation weiterer wichtiger Kontextfaktoren | 40 |
| 4. | Möglichkeiten zur Messung von Innovationsaktivitäten | 43 |
| 4.1 | Input-Indikatoren aus Forschung und Entwicklung | 45 |
| 4.1.1 | Personal in Forschung und Entwicklung | 45 |
| 4.1.2 | Ausgaben für Forschung und Entwicklung | 46 |
| 4.2 | Ausgewählte Output-Indikatoren | 48 |
| 4.2.1 | Zahl der Patente | 48 |
| 4.2.2 | Technometrischer Indikator | 49 |
| 4.2.3 | Zählung von Innovationen | 50 |
| 4.2.4 | Umsatzstruktur | 50 |
| 4.3 | Der Lebenszyklusaufwand als ganzheitliche Bewertungsmethode | 52 |
| 4.4 | Klassifikation von Messverfahren | 54 |
| 4.4.1 | Lagging-Verfahren | 55 |
| 4.4.2 | Echtzeitmessverfahren | 55 |
| 4.4.3 | Leading-Verfahren | 56 |
| 4.4.4 | Lern-Verfahren | 56 |
| 4.5 | Innovationsindikatoren im Innovationskontext | 56 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 59 |
| 6. | Quellenverzeichnis | VII |
| 6.1 | Quellen der Literaturzitate | VII |
| 6.2 | Quellen der Darstellungen | XI |
Mit Hilfe von Lead-Märkten wird es dem innovierenden Unternehmen möglich, Ressourcen effizienzsteigernd im Lead-Markt zu konzentrieren und somit alle Innovationsaktivitäten dorthin zu verlagern. Von dort ausgehend kann das erfolgreiche Produkt mit Hilfe unterschiedlichster Internationalisierungsstrategien global abgesetzt werden. Entscheidender Schritt, um diese Möglichkeit wahrnehmen zu können, ist das genaue Beobachten und Lernen vom Kontext des LeadMarktes, der Lead-Markt sollte also als Testmarkt betrachtet werden.71 Weiterhin ist überaus maßgeblich, ob das Angebot so gestaltet ist, dass es für verschiedenste internationale Märkte anschlussfähig sein kann. Häufig sind allerdings multinationale Unternehmen von vornherein auf global dominante Innovationen angewiesen, um die Aufwendungen, die für die Innovation entstanden sind, rechtfertigen zu können. Abschließend muss erwähnt werden, dass nicht jedes Land für alle denkbaren Technologien auch ein Lead-Markt sein kann. Hier müssen Stärken und Rahmenbedingungen, die der Innovationskontext vorgibt, abgewogen werden.72 3.5.2 Arten von Innovationskontexten Buchholz und Bach entwickelten die in Darstellung 12 gezeigte zwei-mal-zwei Matrix zur Unterscheidung von Innovationskontexten. Als interne Determinante dient die Innovationsorientierung und als externe Determinante die Innovationsdynamik des bedienten Marktes. Innovationsorientierung meint die Strategie eines Unternehmens, die eine große Zahl von Innovationen als Ziel hat, Innovationsdynamik dagegen die Häufigkeit von Innovationen innerhalb eines bestimmten Zeitraums in dem betrachteten Gesamtmarkt. Daraus resultieren dann vier typische Arten von Innovationskontexten, in denen sich ein Unternehmen dem mit unterschiedlicher Stärke und Dauer wehenden „Wind of Change“ des Wettbewerbs stellen muss.73 [...]
In Darstellung 10 findet das klassische S-Kurven-Modell der Innovationsforschung Anwendung, das zeigt, dass sich das Wachstum einer neuen Technologie, in diesem Fall ausgedrückt durch die Marktpenetration, in drei Phasen gliedert: Die Phase langsamen, anfänglichen Wachstums, die Phase exponentiellen Wachstums und die Phase langsamen Wachstums bei asymptotischer Annäherung der Kurve an eine natürliche Grenze, woraus sich der S-förmige Verlauf ergibt.70 Viele der Faktoren für das Vorhandensein von Lead-Märkten, die in Darstellung 11 noch einmal überblicksgebend dargestellt sind, sind identisch mit bereits zuvor identifizierten Einflussfaktoren auf Innovationskontexte. Daraus wird ersichtlich, dass ein Lead-Markt als eine Art von Innovationskontext interpretiert werden kann, der eine besonders schnelle Diffusion von Innovationen im Schumpeterschen Sinne ermöglicht. [...]
3.5.1 Lead-Märkte als entscheidender Innovationskontext Der Einsatz von Innovationskontexten in der Betrachtung von Innovationsaktivitäten ermöglicht aber auch die Beantwortung folgender Frage: Warum entwickeln sich Innovationen auf bestimmten, regionalen Märkten - auf anderen dagegen nicht - und treten von dort aus ihren Siegeszug um die ganze Welt an? Oder anders formuliert: Welche Faktoren schaffen Märkte, in denen Produkte schneller heranreifen und ermöglichen von dort aus eine Verbreitung in andere Märkte? Solche Märkte wurden bereits zu Beginn der 1990er Jahre von Michael Porter als Lead-Märkte bezeichnet. Lead-Märkte stellen somit für die Erklärung von Innovationsaktivitäten die interessanteste Form des Innovationskontextes dar, da sich Innovationen in diesen Märkten mit einer höheren Geschwindigkeit verbreiten als in Non-Lead-Märkten, sogenannten Lag-Märkten. Dabei ist entscheidend, dass es nicht immer die Staaten sind, in denen die neue Technologie entwickelt worden ist, von denen auch die Diffusion in andere Märkte ausgeht.69 Um die Unterscheidung der Lead-Märkte von Lag-Märkten noch zu verdeutlichen, wurde in Darstellung 9 die Marktpenetration als Indikator der Nachfrageintensität in beiden Marktformen abhängig von der Zeit graphisch dargestellt. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832485825
Arbeit zitieren:
Hamoser, Michael Juli 2004: Der Innovationskontext als wirtschaftshistorischer Analyserahmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Innovationsforschung, Messung von Innovationsaktivitäten, Innovationsgeschichte



