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Innovation und Führung

Welche Bedeutung haben produktives Denken und Problemlösen für Innovationen in Unternehmen?

Innovation und Führung
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Michael Senftleben
  • Abgabedatum: Dezember 2008
  • Umfang: 67 Seiten
  • Dateigröße: 524,2 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 20
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2664-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Senftleben, Michael Dezember 2008: Innovation und Führung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Innovation, Führung, Lernen, Produktives Denken, Problemlösen

MA-Thesis / Master von Michael Senftleben

Einleitung:

Die vorliegende Masterthesis bildet den Abschluss des interdisziplinären Studiengangs Master of Leadership and Organisational Development und geht mit dem Thema ‘Innovation und Führung’ der Frage nach, wie Innovationen in Unternehmen durch produktives Denken und erfolgreiches Problemlösen entstehen können und welche Bedeutung Führung dabei haben kann. Dabei geht es weniger darum, wie in Unternehmen bestimmte neue Produkte und Dienstleistungen erfunden werden oder diese als Innovationen in Unternehmen erfolgreich gemanaged werden können, sondern darum, wie Innovationen von Mitarbeitern und Führungskräften entwickelt werden und welchen Beitrag sie dazu leisten können.

Im beruflichen Alltagsgeschäft wird meiner Erfahrung nach meist die Bereitschaft, sich innovativen Gedanken zu widmen, unter der Last des Tagesgeschäfts erdrückt, anstehende Probleme aufgeschoben und zur Not lieber ein schlecht laufender Prozess weiter betrieben, auch wenn er noch so ineffizient abläuft. Führungskräfte und Mitarbeiter sehen daher meiner Auffassung nach oft im Arbeitsalltag nicht die Möglichkeit, sich für die Lösung eines Problems selbst Zeit zu nehmen und sich den zu lösenden Problemen vor allem innerhalb des beruflichen Alltags zu widmen. Oftmals wird in diesem Zusammenhang spontan ein gesondertes Projekt zur Lösung eines Problems aufgesetzt. Dabei entstehen meiner Meinung nach Innovation nicht erst durch ein gesondertes Innovationsprojekt oder ein gut organisiertes Programm zur kontinuierlichen Verbesserung von Unternehmensprozessen, sondern bereits durch einen Denkprozess in den Köpfen der Mitarbeiter und Führungskräfte, wenn diese vor einem entsprechenden Problem stehen, darüber produktiv nachdenken können und, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen dafür erfüllt sind, oft auch ohne außerordentliche Projekte oder extra dafür aufgesetzte Programme zu einer Lösung kommen. Innovationen haben daher aus meiner Sicht vor allem etwas mit der Fähigkeit von Mitarbeitern und Führungskräften zu tun, auftretende Probleme selbstständig lösen zu können. In diesem Zusammenhang soll für den weiteren Verlauf der Masterthesis Innovation vor allem als erfolgreiches Problemlösen durch zielgerichtetes, produktives Denken betrachtet werden, unabhängig davon wie eine entsprechende Innovation letztendlich konkret aussieht.

Aus dieser Betrachtung ergeben sich meiner Auffassung folgende Fragen:

Wie können auftretende Probleme, wie beispielsweise ineffektive Prozesse oder unklare Arbeitsabläufe, bei sich verändernden Umfeldbedingungen von den Mitarbeitern und Führungskräften gelöst werden?

Welche theoretischen Ansätze in Ergänzung zu den bisher im Masterstudiengang verwendeten Inhalten lassen sich dafür verwenden?

Was passiert konkret beim produktiven Denken und dem Problemlösungsprozess in den Köpfen der Mitarbeiter und Führungskräfte?

Welche Rahmenbedingungen müssen aus Führungsperspektive gegeben sein, damit nicht wie oben beschrieben, der Arbeitsalltag im Vordergrund steht, sondern der Lösung von Problemen, die sich nachhaltig durch verbesserte Prozesse, klarere Arbeitsabläufe und letztendlich zufriedene Mitarbeiter auszeichnen, mehr Bedeutung zuteil wird?

Aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung dieses Masterstudiengangs, möchte ich mich dem Thema zunächst aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive annähern und aufzeigen, wie sich der Innovationsbegriff mit der Zeit entwickelt hat und welche Bedeutung Innovationen und erfolgreiches Problemlösen heute aus Unternehmensperspektive haben. Ausgehend von den Ansätzen Joseph Alois Schumpeters in der Volkswirtschaftslehre wird im Zusammenhang der Bedeutung von Innovationen für Unternehmen der Bogen zu heutigen Managementansätzen aus der Betriebswirtschaftslehre gespannt. Hierfür werden vornehmlich die Ansätze von Günter Wöhe, Michael Hammer und James Champy sowie Helmut Schlicksupp herangezogen.

Die eher managementorientierten wirtschaftswissenschaftlichen Ansätze gehen dabei vor allem der Frage nach, warum Innovationen notwendig für Unternehmen sind und wie diese in den Unternehmen erfolgreich gesteuert und durchgeführt werden können. Um allerdings die Frage zu beantworten, wie erfolgreiches Problemlösen als Grundlage für die mögliche Innovation letztendlich in den Köpfen der Führungskräfte und Mitarbeiter abläuft und daraus dann schließlich etwas entsteht, was als Innovation betrachtet und weiter vertieft werden kann, reichen wirtschaftswissenschaftliche Ansätze meiner Meinung nach nicht aus, sodass der theoretische Aufbau dieser Masterthesis um psychologische Ansätze, insbesondere der Denkpsychologie, erweitert werden muss. Hierfür werde ich mich hauptsächlich mit dem gestalttheoretischen Ansatz von Max Wertheimer sowie dem Ansatz von Dietrich Dörner, Problemlösen als Informationsverarbeitungsprozess zu begreifen, auseinandersetzen. Mit diesem theoretischen Hintergrund soll im Folgenden aufgezeigt werden, welche Methoden und Techniken für erfolgreiches Problemlösen darüber hinaus in der Unternehmenspraxis verwendet werden können und was Führungskräfte und Mitarbeiter letztendlich tun können, um durch produktives Denken erfolgreich ein Problem zu lösen. Im vorletzten Abschnitt dieser Masterthesis wird der Frage nach den notwendigen Rahmenbedingungen für erfolgreiches Problemlösen nachgegangen und welche Bedeutung Führung für das Problemlösen und Entstehen von Innovationen in Unternehmen haben kann. Abschließend wird noch einmal Bezug zur Unternehmenspraxis genommen und versucht, die dargestellten theoretischen Hintergründe des Problemlösens und produktiven Denkens zusammen mit den notwendigen Rahmenbedingungen auf ein Praxisbeispiel aus dem Unternehmensalltag zu übertragen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Inhaltsverzeichnis 1
2. Einleitung 2
3. Die Bedeutung von Innovationen für Unternehmen 4
3.1 Grundlegende wirtschaftswissenschaftliche Ansätze zu Innovationen 4
3.2 Weiterführende Ansätze zu Innovationen 9
3.3 Abgrenzung des Innovationsbegriffs 13
4. Produktives Denken als Grundlage für Innovationen 14
4.1 Überblick über unterschiedliche Ansätze des Denkens 15
4.2 Vertiefung des Gestaltpsychologischen Ansatzes 20
5. Vom Produktiven Denken zum Problemlösen 27
5.1 Abgrenzung des produktiven Denkens vom Begriff des Problemlösens 27
5.2 Problemlösen als Informationsverarbeitung 28
5.3 Abgrenzung des Problembegriffs 33
5.4 Problemtypen 34
5.4.1 Das Lösen von Interpolationsproblemen 37
5.4.2 Das Lösen von synthetischen Problemen 38
5.4.3 Das Lösen dialektischer und synthetisch-dialektischer Probleme 40
6. Einbindung von Kreativitätstechniken und Innovationsmanagement zu den theoretischen Ansätzen 42
6.1 Kreativitätstechniken 43
6.2 Innovationsmanagement 48
7. Rahmenbedingungen und Führungsansätze für produktives Denken und Problemlösen 50
7.1 Rahmenbedingungen und Führungsansätze auf der Ebene des Menschen 50
7.2 Rahmenbedingungen und Führungsansätze auf der Ebene des Miteinander 53
7.3 Rahmenbedingungen und Führungsansätze auf der Ebene der Organisation 54
8. Anwendungsbezug zur eigenen Unternehmenspraxis 58
9. Schlussfolgerungen und eigener Erkenntnisgewinn 62
10. Anhang 64
11. Abbildungsverzeichnis 65
12. Literaturverzeichnis 66

Textprobe:

Kapitel 5, Vom Produktiven Denken zum Problemlösen:

Um konkretes Problemlösen in Zusammenhang mit produktivem Denken nachvollziehen zu können, ist es aus meiner Sicht notwendig, die Begriffe des Problemlösens und produktiven Denkens zunächst einmal für den Gebrauch in dieser Masterthesis abzugrenzen. Für die theoretische Herleitung des Problemlösens werde ich darauf aufbauend, stellvertretend für andere Ansätze zu diesem Thema, den Ansatz von Dietrich Dörner heranziehen, der Problemlösen aus kognitionswissenschaftlicher Perspektive als Informationsverarbeitungsprozess begreift. Dabei soll der Ansatz von Dörner einerseits in Erweiterung zu den im vorangegangenen Kapitel übersichtsweise dargestellten Ansätzen zur Erforschung des Denkens stehen, als auch andererseits dem vertiefend aufgeführten Ansatz von Wertheimer aus kognitionswissenschaftlicher Perspektive gegenübergestellt werden, um produktives Denken und Problemlösen gemeinsam betrachten zu können. Im weiteren Verlauf des Kapitels wird noch einmal der Problembegriff geschärft und abschließend zwischen verschiedenen Problemtypen und damit verbundenen Lösungsansätzen nach Dörner unterschieden.

Abgrenzung des produktiven Denkens vom Begriff des Problemlösens:

Das Verhältnis von Denken und Problemlösen kann aus nach meinem Verständnis durchaus unterschiedlich diskutiert werden. Nach Funke kann das Verhältnis beispielsweise dahingehend unterschieden werden, dass Problemlösen einerseits als Sonderfall des Denkens bezeichnet werden kann, andererseits aber auch alle Denkprozesse als letztendlich problemlösend bezeichnet werden können und Denken als Schlussfolgerung aus dieser Betrachtung nicht ziellos sondern immer zielgerichtet verläuft. Aus dieser Sicht wären produktives Denken und Problemlösen meiner Auffassung nach faktisch gleichzusetzen. Funke leitet hierfür als Symbiose und zur Konkretisierung aus den Begriffen des Denkens und Problemlösens den Begriff des ‘problemlösenden Denkens’ ab.

Die Frage, ob Denken und Problemlösen wirklich getrennt voneinander betrachtet werden können und Denken im Gegensatz zu Funkes Auffassung durchaus einmal ziellos verlaufen kann, lässt sich nach meinem Empfinden nicht abschließend klären, da die Intentionalität des Denkvorgangs zur konkreten Problemlösung nicht jedes Mal nachgewiesen und auch das bewusste Denken oftmals nicht klar von unbewussten Denkvorgängen, bezogen auf ein bestimmtes Problem, getrennt werden kann. Sind beispielsweise unbewusste gedankliche Verarbeitungsprozesse im Gehirn des Problemlösenden wirklich noch zielgerichtetes Denken zur Lösung eines bestimmten Problems oder eher ein Verarbeitungsprozess, um grundsätzlich Ordnung im psychischen Geschehen zu schaffen, unabhängig davon welches von unter Umständen mehreren gleichzeitig vorhandenen Problemen konkret gelöst werden soll? Ähnlich wie Wertheimer erklärt, das das Denken beim Entstehen solcher ‘Aha-Effekte’ aus dem Spannungsfeld innerhalb der strukturellen Gestalt eine bestimmte Richtung zur Lösung eines Problems annimmt und so eine Bereinigung einer defekten hinzu einer guten Gestalt eintritt, schreibt Döner in diesem Zusammenhang von einem partiellen Vergessensprozess, der somit die wesentlichen Teile in einer Gedächtnisstruktur freilegt, diese von unwichtigeren Sachverhalten befreit und damit die Lösung für den Problemlösenden plötzlich deutlich werden lässt. Als Schlussfolgerung dessen könnte meiner Auffassung nach Denken zwar als grundsätzlich konstruktiver, wenn aber auch nicht zwingend bewusst wahrnehmbarer, zielgerichteter Prozess begriffen werden. Für diese Masterthesis soll es daher ausreichen, Problemlösen und produktives Denken in der zielgerichteten Funktion wie bei Funke dargestellt faktisch gleichzusetzen und Denken als grundsätzlich problemlösend zu bezeichnen.

Problemlösen als Informationsverarbeitung:

Um in der weiteren Ausführung den Ansatz von Dietrich Dörner, den Denkprozess aus kognitionswissenschaftlicher Perspektive als Informationsverarbeitung zu begreifen, verstehen zu können, ist es aus meiner Sicht notwendig, einige wesentliche Begriffe, die Dörner in diesem Ansatz verwendet, wie zum Beispiel ‘kognitive Struktur’ und ‘Realitätsbereich’ sowie die Funktionsweise des Gedächtnisses bei der Informationsverarbeitung innerhalb des Denkprozesses zunächst zu konkretisieren.

Um ein Problem lösen zu können ist nach Dörner eine bestimmte geistige Ausstattung notwendig, die er als kognitive Struktur bezeichnet. Demzufolge greift jemand, wenn er ein Problem lösen oder innovativ sein will zunächst darauf zurück, was er schon an Erfahrungen gesammelt und im Gedächtnis gespeichert hat. Dabei sind Denken und Gedächtnis aus seiner Sicht eng miteinander verknüpft und im Gedächtnis Inhalte strukturell niedergelegt und verknüpft, die sich das Denken zu Nutze macht. Um aber zu verstehen, wie das Gedächtnis funktioniert soll in diesem Zusammenhang zunächst zwischen drei unterschiedlichen Begriffen unterschieden werden: dem sensorischen Speicher, dem Kurzzeitgedächtnis und dem Langzeitgedächtnis.

Der sensorische Speicher enthält nach Dörner nichts anderes als die in nervöse Erregungen über die Sinne aufgenommene, umgesetzte physikalische Energie der Reize, also ein Abbild der Reizsituation der angesprochenen Sinne im gegenwärtigen Zustand. Der sensorische Speicher hat dabei zwar eine große Kapazität, behält jedoch die Informationen nicht sehr lange. Er verfällt exponentiell und nach etwa einer halben Sekunde ist laut Dörner wenig davon übrig geblieben. Bezogen auf ein konkretes Problem heißt das, dass der Mensch zwar über all seine Sinne viele Informationen in der bestehenden Situation aufnehmen kann, zum Beispiel was er sieht, riecht, fühlt oder schmeckt, kann diese Informationen jedoch nicht lange behalten, sodass es notwendig ist, die wichtigen davon im Kurz- bzw. Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Gegenüber dem sensorischen Speicher hat dabei das Kurzzeitgedächtnis nur eine kleine Kapazität, sodass gegenwärtig nach Aussage des Autors nur etwa sieben Informationen gleichzeitig verarbeitet werden können. Allerdings können diese Informationen (zum Beispiel Zahlen, Buchstaben, Gegenstände, Begriffe) theoretisch unbeschränkt lange im Kurzzeitgedächtnis verweilen, wenn sie nicht von anderen Informationen durch neue Impulse in Form von wahrgenommenen Reizen verdrängt werden. Auch hier bedeutet das für die Problemlösung, dass wenn die Komplexität der Zusammenhänge einfach eine gewisse Anzahl übersteigt, der Problemlösende bei der Beschäftigung mit dem Problem zwischendurch wieder einzelne Informationen verliert, sofern er diese nicht noch wieder im Langzeitgedächtnis abspeichern kann. Das Langzeitgedächtnis ist demgegenüber nach Dörner ein System von anscheinend unbegrenzter Kapazität. Allerdings können die Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses nur sehr langsam im Langzeitgedächtnis aufgenommen werden. Sind die Informationen allerdings erst einmal im Langzeitgedächtnis gespeichert, bleiben sie dort nach Dörner möglicher Weise für immer vorhanden, jedoch vermindert sich mit der Zeit die Fähigkeit, die gespeicherten Informationen wiederzufinden.

Arbeit zitieren:
Senftleben, Michael Dezember 2008: Innovation und Führung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Innovation, Führung, Lernen, Produktives Denken, Problemlösen

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