Industrietourismus in Deutschland
Grundlagen, Vermarktung und Zielgruppenanalyse dargestellt am IBA-Projekt F 60 in der Niederlausitz
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Anja Schramm
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 755,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8549-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8549-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8549-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schramm, Anja Juli 2004: Industrietourismus in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Tourismus, Industriedenkmal, Kulturtourismus, Events, Internationale Bauausstellung
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Magisterarbeit von Anja Schramm
Einleitung:
Besonders die altindustrialisierten Regionen in Deutschland stehen heutzutage vor großen strukturellen Problemen. Ihr ehemaliger Entwicklungsmotor, die (Schwer-) Industrie, ist nicht mehr in der Lage, zur Weiterentwicklung in der Region beizutragen, sondern steht vor umfangreichen Betriebsschließungen. Für die Bevölkerung in diesen Regionen ist dies mit einem tiefgreifenden Wandel ihres bisherigen Lebens verbunden. Arbeitsplatzverlust und damit der Verlust der ökonomischen Sicherheit können zu Abwanderungen führen. Die Region gerät in eine Art Schwebezustand zwischen zwei möglichen weiteren Zukunftsszenarien: Einerseits besteht die Gefahr eines Resignierens, was starke Abwanderungserscheinungen, Überalterung, keine Neuinvestitionen und einen Verlust der Lebensqualität der Bevölkerung zur Folge hätte. Andererseits besteht die Möglichkeit, die eigene Zukunft aktiv zu gestalten, indem man das Image der Region verbessert, Innovationen in die Region holt und damit die Standortattraktivität für Unternehmen und die Lebensqualität der Bevölkerung erhöht.
Alte Industrieanlagen, die als scheinbar wertlos gewordene Hüllen im Raum stehen, prägen das Landschaftsbild dieser Räume. Vom Großteil der Bevölkerung werden sie als Schandflecken und Zeichen des wirtschaftlichen Niedergangs angesehen und ihnen wird keinerlei Wert zugemessen. Eine Möglichkeit, diese alten Industrieanlagen und damit auch die Region dennoch zu neuem Leben zu erwecken, besteht in der touristischen Nutzung. Obwohl dieser touristischen Nutzung vielfältige Hindernisse entgegenstehen, besteht in ihr die Möglichkeit, in einer Region zum Strukturwandel beizutragen.
Herauszufinden, inwiefern dies möglich ist, welche Merkmale Besucher industrie-touristischer Projekte aufweisen und wie die industrietouristischen Angebote gestaltet werden müssen, damit sie in das Bewusstsein der Menschen rücken und sich erfolgreich auf dem Tourismusmarkt positionieren können, war Ziel dieser Arbeit.
Ausgegangen wurde von den in der Literatur dargestellten theoretischen Grundlagen zum Thema Industrietourismus. Die Arbeit beschäftigt sich vordergründig mit Tourismus in stillgelegten aber auch in noch aktiven Industriebetrieben stattfindet, wird dieser mit seinen Merkmalen im theoretischen Teil ebenfalls erläutert. Nach einer kurzen Vorstellung ausgewählter industrietouristischer Angebote und Institutionen soll an einem konkreten Projekt in der Niederlausitz, der stillgelegten Abraumförderbrücke F 60, die zu einem Besucherbergwerk umgestaltet wurde, gezeigt werden, ob die im theoretischen Teil gewonnenen Erkenntnisse bezüglich einer erfolgreichen Vermarktung und Angebotsgestaltung dort bereits Anwendung finden und welche Merkmale und Interessen die Besucher der F 60 kennzeichnen. Dazu wurde Ende August/Anfang September 2003 eine Besucherbefragung an der Förderbrücke durchgeführt. Der Fragebogen ist im Anhang beigefügt. Aus den Ergebnissen der Befragung werden Schlussfolgerungen für die Angebotsgestaltung der Förderbrücke F 60 gezogen und Prognosen für die Zukunft dieses Projektes gegeben.
Ob Industrietourismus auch in Zukunft ein kleines touristisches Segment bleiben wird oder ob die Besichtigung stillgelegter Industrieanlagen künftig sich stärker auf dem Tourismusmarkt etablieren wird und inwiefern Industrietourismus zum Strukturwandel in altindustrialisierten Regionen beitragen kann, soll abschließend in dieser Arbeit geklärt werden.
Es gibt bisher wenig Literatur, die sich ausschließlich mit Industrietourismus beschäftigt. Ein Großteil der Literatur ist dem Kulturtourismus, dessen Unterform Industrietourismus ist, zuzuordnen1. Aus diesen Quellen wurde versucht, die jeweils für den Industrietourismus relevanten Punkte herauszufiltern und auf ihn anzuwenden. Eine wichtige Quelle, besonders bezüglich einzelner Projekte und Institutionen, war das Internet. Internetquellen werden aufgrund der Länge einiger Links zur besseren Lesbarkeit der Arbeit zum Teil in Fußnoten angegeben. Steht eine Quellenangabe vor dem schließenden Satzzeichen bezieht sie sich nur auf den jeweiligen Satz, sonst gilt sie für den voranstehenden Abschnitt.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Einleitung | 5 |
| II. | Theoretischer Teil | 7 |
| 1. | Begriffsklärung | 7 |
| 1.1 | Kultur und Kulturtourismus | 7 |
| 1.2 | Industrietourismus | 8 |
| 2. | Entwicklung des Industrietourismus | 9 |
| 3. | Formen des Industrietourismus | 10 |
| 3.1 | In Betrieb befindliche Industrien | 10 |
| 3.2 | Stillgelegte Industriebetriebe | 11 |
| 4. | Umgang mit Industriedenkmälern | 11 |
| 4.1 | Erhalt in ihrer ursprünglichen Form | 12 |
| 4.2 | Inszenierung und Inwertsetzung | 12 |
| 5. | Barrieren von Industrietourismus | 13 |
| 5.1 | Mental-kognitive Barrieren | 13 |
| 5.2 | Ökonomische Barrieren | 14 |
| 5.3 | Rechtliche, organisatorische und physische Barrieren | 15 |
| 6. | Beitrag des Industrietourismus zur Entwicklung von Regionen | 16 |
| 6.1 | Endogene Regionalentwicklung | 16 |
| 6.2 | Nachhaltigkeit | 18 |
| 6.3 | Auswirkungen von Industrietourismus | 19 |
| Exkurs: Situation auf dem Tourismusmarkt in Deutschland | 21 | |
| 7. | Alleinstellungsmerkmale industrietouristischer Angebote | 22 |
| 8. | Zielgruppen von Industrietourismus | 23 |
| 9. | Erfolgsfaktoren der Vermarktung industrietouristischer Angebote | 24 |
| 9.1 | Vermarktungsstrategien | 24 |
| 9.2 | Profilbildung | 26 |
| 9.3 | Orientierung an verändertem Nachfrageverhalten | 27 |
| 9.4 | Angebotsgestaltung | 28 |
| 9.4.1 | Präsentation der Angebote | 28 |
| 9.4.2 | Events im Tourismus | 29 |
| 9.4.3 | Industrietouristische Routen | 31 |
| 9.4.4 | Kombination mit anderen Angeboten | 32 |
| 9.5 | Werbung im Industrietourismus | 33 |
| 9.6 | Kooperation | 33 |
| III. | Industrietourismus an Beispielen | 34 |
| 1. | Ausgewählte Projekte und Routen | 34 |
| 1.1 | Die Alte Völklinger Hütte | 34 |
| 1.2 | Das Bergische Städtedreieck | 36 |
| 1.3 | Die Route der Industriekultur im Ruhrgebiet | 39 |
| 1.4 | Die Europäische Route der Industriekultur | 40 |
| 2. | Netzwerke zur Profilierung und Vermarktung von Industriekultur | 41 |
| 2.1 | Deutsche Gesellschaft für Industriekultur | 41 |
| 2.2 | NEKTAR: Das Netzwerk zu Industriekultur und Tourismus in Europa | 42 |
| IV. | Empirischer Teil | 44 |
| 1. | Charakteristik des Untersuchungsgebietes | 44 |
| 1.1 | Lage und Landschaftsbild | 44 |
| 1.2 | Strukturmerkmale | 45 |
| 1.3 | Bergbaugeschichte der Niederlausitz | 49 |
| 2. | Die Abraumförderbrücke F 60 | 49 |
| 2.1 | Geschichte der Förderbrücke F 60 | 49 |
| 2.2 | Der Förderverein F 60 und die F 60 Concept GmbH | 51 |
| 2.3 | Die F 60 als Bestandteil der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land | 51 |
| 2.4 | Touristisches Potenzial der F 60 und ihrer Umgebung | 55 |
| 2.4.1 | Niederlausitz | 55 |
| 2.4.2 | Das direkte Umfeld der F 60 – Der Bergheider See | 56 |
| 2.4.3 | Die Alleinstellungsmerkmale der F 60 | 58 |
| 3. | Die Vermarktungsstrategie der F 60 | 58 |
| 3.1 | Präsentation der F 60 | 58 |
| 3.2 | Inszenierung der F 60 | 59 |
| 3.2.1 | Licht-Klang-Installation | 59 |
| 3.2.2 | Events an der F 60 | 60 |
| 3.3 | Werbung für die F 60 | 60 |
| 3.4 | Vernetzung mit anderen Angeboten | 62 |
| 4. | Auswertung der Befragung | 63 |
| 4.1 | Untersuchungsdesign | 63 |
| 4.2 | Demographische Daten | 64 |
| 4.3 | Reisebegleitung und Anreiseverkehrsmittel | 65 |
| 4.4 | Herkunftsregion der Befragten | 66 |
| 4.5 | Dauer des Aufenthalts in der Region | 68 |
| 4.6 | Interessenlage der Befragten | 69 |
| 4.7 | Werbewirksamkeit | 70 |
| 4.8 | Differenzierte Zielgruppenbetrachtung | 72 |
| 4.8.1 | Zielgruppenbetrachtung nach Altersklassen | 72 |
| 4.8.2 | Vergleich Urlauber/Kurzurlauber und Tagesausflügler | 73 |
| 4.8.3 | Vergleich der Besucherstruktur in der Woche und am Wochenende | 74 |
| 4.8.4 | Zielgruppenabgleich IBA und F 60 | 75 |
| 4.9 | Bewertung der F 60 aus Besuchersicht | 76 |
| 5. | Entwicklung der Besucherzahl | 78 |
| V. | Zusammenfassung | 80 |
| 1. | Bewertung der Förderbrücke F 60 als industrietouristisches Angebot | 80 |
| 1.1 | Hinweise für die Angebotsgestaltung | 80 |
| 1.2 | Erfolgschancen der F 60 | 81 |
| 1.3 | Die Einordnung der F 60 in industrietouristische Angebote | 82 |
| 2. | Erfolgsaussichten von Industrietourismus | 82 |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 84 | |
| Tabellen- und Abbildungsverzeichnis | 90 | |
| Anhang | 91 |
Von einer lokalen Initiative im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ausgehend, entwickelte sich die Idee, eine Bauausstellung in der Lausitz durchzuführen. Da die Umgestaltung der Bergbaulandschaft nicht nur den Landkreis Oberspreewald-Lausitz betrifft, sondern ein Anliegen der ganzen Planungsregion Lausitz-Spreewald ist, schlossen sich auch die drei Landkreise Spree-Neiße, Elbe-Elster und DahmeSpreewald sowie die Stadt Cottbus der Interessengemeinschaft für eine IBA an. (www.iba-see.de vom 23.5.2004) Im Herbst 1997 wurde die IBA dann als innovatives Instrument zur Begleitung des Strukturwandels in der Lausitz der Landesregierung vorgestellt. Diese war zuerst skeptisch, fasste aber im Frühjahr 1999 den Beschluss die IBA finanziell zu unterstützen. Dies war notwendig, da die Regionalplanung allein nicht in der Lage gewesen wäre, ein Projekt dieser Größenordnung zu betreuen. (Bauer 2001, S. 78-79) Im Herbst 1997 wurde eine IBA-Vorbereitungs-GmbH gegründet, die im Jahr 2000 offiziell in die Internationale Bauausstellung FürstPückler-Land GmbH überging (ebd., S. 79). [...]
IV Empirischer Teil 1.3 Bergbaugeschichte der Niederlausitz Mit den ersten Kohlefunden 1789 bei Lauchhammer begann in der Niederlausitz der industrielle Aufschwung. Mit dem Abbau der Braunkohle entstanden Bergbau- und Maschinenbauindustrien sowie mehrere Veredlungsbetriebe. Durch die Verwendung der Braunkohle als neuer Energieträger entwickelte sich die Energiewirtschaft. Die um 1840 einsetzende Industrialisierung wurde durch die Nachfrage aus dem nahe gelegenen, expandierenden Berlin beschleunigt. Nach Jahren des wirtschaftlichen Wachstums wurde 1957 vom Ministerrat der DDR beschlossen den Bezirk Cottbus zum Kohle- und Energiezentrum auszubauen. Die danach auf einen einzigen Rohstoff ausgerichtete Industrialisierung ließ die Lausitz zu einem der am höchsten belasteten Gebiete der DDR werden. (Boshold 1999, S. 27-30; Georgi 1994, S. 345) [...]
Verkehrsinfrastruktur Die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sowie die Stadt Cottbus sind durch die Autobahnen A 13 (Berlin-Dresden) und A 15 (Berlin-Cottbus) sowie durch mehrere Bundesstraßen verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Der Landkreis Elbe-Elster hingegen besitzt als einziger Landkreis Brandenburgs keinen Zugang zur Autobahn. Die östlichen Teile des Kreises erreichen noch in kurzer Zeit die A 13. Der Rest des Kreises ist durch mehrere Bundesstraßen gut erschlossen. Die Anbindung der Landkreise an das Netz der Eisenbahn ist durch mehrere Regionalbahnlinien aus Richtung Berlin, Frankfurt/Oder, Polen, Hoyerswerda, Dresden, Leipzig und Falkenberg/Elster gewährleistet. Die Erschließung der Niederlausitz durch Fernbahnlinien ist mangelhaft. Lediglich die Fernbahn BerlinKrakau hält in der Region. Die Flughäfen von Berlin und Dresden sind innerhalb von 1 bis 1,5 Stunden über die Autobahn zu erreichen. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832485498
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Schramm, Anja Juli 2004: Industrietourismus in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
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Tourismus, Industriedenkmal, Kulturtourismus, Events, Internationale Bauausstellung



