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Indikatoren zur Messung von Governance

Indikatoren zur Messung von Governance
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexandra Seywald
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 133 Seiten
  • Dateigröße: 841,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5894-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5894-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5894-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Seywald, Alexandra September 2002: Indikatoren zur Messung von Governance, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Good Governance, Freedom House, Regierungsqualität, Korruption, Transparency International

Diplomarbeit von Alexandra Seywald

Einleitung:

Seit den letzten Jahrzehnten gibt es grundlegende Veränderungen in vielen Bereichen von Governance. Die Gründe für diese Veränderungen sind neue Themenbereiche in der Politik sowie neue Vorstellungen darüber, wie die Regierung regieren soll. Die neuen Aufgabengebiete betreffen Bereiche wie Klimaveränderung, Asyldiskussionen, die Globalisierung des sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens, das organisierte Verbrechen und die soziale Sicherheit. Auf Grund dieser Tendenzen entsteht die Notwendigkeit der Anpassung von Governance an die gegebenen Umstände.

Die Veränderung von Governance bringt neue Phänomene wie Deregulation, Dezentralisation, den Rückzug der Regierung, Privatisierung und die Reorganisation der Bürokratie mit sich. Eine der wichtigsten Neuerungen im politischen Leben ist der gegenwärtige Umbruch in der Art und Weise, wie Regeln, Programme und Prozesse für die Lenkung der Gesellschaft entwickelt werden. In der Vergangenheit spielte die Regierung bei der Lenkung der Gesellschaft eine vorherrschende Rolle. Doch Zeit und Umstände haben sich verändert. Die Politikformulierung und Implementation wird nicht länger von der Regierung dominiert. Vielmehr wird versucht, diese Lenkungsfunktion mit anderen Parteien/Organisationen zu teilen bzw. diese Funktion ganz zu übertragen. Das Entstehen neuer Arten von Governance ist die Konsequenz daraus.

All diese Gegebenheiten führen zu neuen Standards in der Regierungsführung. Sowohl in den Entwicklungsländern, als auch in den Industrieländern erwarten die Bürger bessere Leistungen von Seiten der Regierung. Das Bewusstsein über die enormen Kosten von Missmanagement und Korruption ist erheblich gestiegen. Die Weltbank, wie auch andere internationale Organisationen haben die Aufgabe, die ohnehin schon knappen Mittel jenen Verwaltungen zuzuteilen, denen es gelingt, sie am effizientesten einzusetzen.

Diese Entwicklung wirf ein neues Interessensfeld auf: die Messung der Qualität von Governance.

Der steigende Wunsch nach Messung der Performance von Governance führt zu der Suche nach neuen Praktiken und dem unvermeidlichen Vergleich, ob das was in Land X funktioniert auch in Land Y erfolgreich ist.

Durch die Messung wird das Handeln der Verwaltungen transparent und die Bürger bekommen ein Bild darüber, welche Leistungen ihre Verwaltung/Regierung vollbringt. Der durchschnittliche Bürger will wissen, in welchen Ausmaß die Regierung ihre vorgenommenen Ziele erreicht hat. Werden die Vorhaben der Regierung von den Bürgern unterstützt ist es wichtig, dass die Bevölkerung die erzielten Ergebnisse auch sehen kann. Sind die Ergebnisse jedoch nicht sichtbar, kann es sein, dass sich die Wähler in der nächsten Wahlperiode für eine neue Regierung entscheiden. Des weiteren ist die Messung der Qualität der Regierung nicht nur für die Bürger des betreffenden Landes von Bedeutung. Auch Geschäftspersonen sind an diesem Themenbereich interessiert, um eine Entscheidungshilfe zu bekommen, wenn es um die Frage der Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit geht. Regierungsbeschäftigte und öffentliche Beamte verlangen nach dieser Outputmessung um herauszufinden, wie effizient sie ihre Aufgabe erfüllen und in welchen Bereichen eventuelle Korrekturen notwendig sind. Internationale Spenderagenturen erwarten sich aus den Beurteilungen Entscheidungshilfen für zukünftige Investitionsentscheidungen. In der Vergangenheit wurden die Mittel der Entwicklungsorganisationen oft auf Grund der Bevölkerungszahl und dem Pro-Kopf Einkommen verteilt. Arme und große Länder erhielten auf Grund dieser Methode mehr als weniger arme und kleine Länder. Nicht zu selten erhielten die kleinsten Länder die größte Hilfe. Des weiteren wurden oft Länder unterstützt, deren Qualität von Governance zu Wünschen übrig lies. Durch den Rückgang der offiziellen Entwicklungshilfe und den Anstieg privater Investoren, Pensionsfonds etc., steigt das Interesse, besonders jene Länder zu unterstützen, die eine „gute Regierungsführung“ nachweisen können. Folglich werden Indikatoren verwendet, um die Qualität der Regierungen bzw. der öffentlichen Verwaltungen eruieren zu können.

In dieser Arbeit soll ein Überblick über verschiedene Ansätze gegeben werden, mit deren Hilfe es möglich ist, die Qualität von Governance zu messen. Nach der Vorstellung des Governance Konzeptes und einigen Grundlagen zur Qualitätsmessung mit Hilfe von Indikatoren, werden im folgenden spezielle Ansätze erklärt. Es wird auf den Zweck der genannten Indikatoren eingegangen sowie auf die Methoden, derer sie sich bedienen. Des weiteren wird das Problem der Korruption und die daraus resultierenden Konsequenzen behandelt. Durch verschiedene Länderstudien wird die praktische Anwendung der Indikatoren dargestellt.

Inhaltsverzeichnis:

0. Problemstellung 1
1. Governance 4
1.1 Entstehung des Governance Konzepts bei Weltbank und UN 4
1.1.1 Die Suche nach neuen Erklärungsmustern 5
1.1.2 Der Governance Begriff der Weltbank 5
1.1.3 Vier Bereiche von Governance 7
1.1.4 Der Governance Begriff bei UNDP und OECD 8
1.2 Neue Arten von Governance 11
1.2.1 Gründe für die Entstehung 11
1.2.2 Gemeinsame Elemente 12
1.2.3 Die administrative Kapazität der Governance Modelle 13
1.2.4 Das JEP-Dreieck 14
1.3 Good Governance - die Rolle des IMF 17
1.4 Die Bedeutung von Good Governance für die AusAID 20
1.5 Good Governance im Weißbuch der Europäischen Union 24
2. Konzepte zur Messung von Governance 26
2.1 Anstöße zur Qualitätsmessung 26
2.2 Qualitätsmessung durch Indikatoren 27
2.3 Überblick über Performance- und Prozessindikatoren 29
3. Freedom House 32
3.1 Die Methodologie von Freedom House 33
3.1.1 Die politischen Rechte 35
3.1.2 Die Bürgerfreiheiten 37
3.2 Das Beurteilungssystem 39
3.2.1 Die Beurteilung der politischen Rechte 40
3.2.2 Die Beurteilung der zivilen Freiheiten 42
3.2.3 Die Gesamtbeurteilung der Länder 43
3.3 Länderranking nach Freedom House 44
3.3.1 Afrika 45
3.3.2 Asien 45
3.3.3 Naher Osten 46
3.3.4 Amerika 46
4. Transparency International 48
4.1 Formen der Korruption 49
4.1.1 Bestechung 49
4.1.2 Veruntreuung 50
4.1.3 Nepotismus 51
4.2 Corruption Perceptions Index 52
4.2.1 Die Methodologie des Corruption Perception Index 52
4.2.2 Validität 53
4.2.3 Wahrnehmung und Wirklichkeit 56
4.2.4 Der Index 58
4.3 CPI 2001 Länderranking 59
4.4 Der Bribe Payers Propensity Index 64
4.5 BPI 2002 Länderranking 65
4.6 Wie nützlich ist Korruption 69
4.6.1 Förderung von Wettbewerb? 70
4.6.2 Beschleunigung der Arbeitweise der Bürokratie? 71
4.7 Korruptionskontrolle als globale Verantwortung 72
5. International Country Risk Guide 76
5.1 Die Bewertung der politischen Risiken 77
5.2 Die Bewertung der ökonomischen Risiken 83
5.3 Die Bewertung der finanziellen Risiken 88
5.4 Die zusammengesetzte Risikobewertung 93
5.5 ICRG Länderranking 94
6. Governance Employment and Pay 100
6.1 Die Bedeutung eines verlässlichen Staatsdienstes 100
6.2 Methodologische Probleme 102
6.3 Ergebnisse der Studie 104
6.3.1 Die Beschäftigungszahlen 104
6.3.2 Die Entlohnung 106
6.4 Unterschiedliche Regionen, unterschiedliche Probleme 109
6.4.1 Afrika 109
6.4.2 Asien 110
6.4.3 Osteuropa und die ehemalige USSR 110
6.4.4 Lateinamerika und die Karibik 111
6.4.5 Mittelosten und Nordafrika 112
6.5 Bemerkungen 112
7. Fazit 114
8. Literaturverzeichnis 118
9. Abbildungsverzeichnis 123
10. Tabellenverzeichnis 125

Automatisiert erstellter Textauszug:

Partner voraus. Um Kontrollen zu umgehen, kooperieren Gruppen der Amtsträger bei der Veruntreuung, sowie bei der Absicherung ihres Verhaltens. Um das Risiko für die beteiligten Amtsträger zu reduzieren, werden bei der Veruntreuung bestimmte Verfahren eingehalten, die einen späteren Nachweis erschweren oder unmöglich machen sollen. Das wichtigste Verfahren zur Absicherung einer Veruntreuung ist der kick-back bei der Vergabe von Aufträgen. Der Auftragnehmer stellt einen überhöhten Preis in Rechnung, den er vorerst mit dem Auftraggeber abgesprochen hat. Der Auftragnehmer reicht den Aufschlag an den dem Auftrag vergebenden Amtsträger zurück und ermöglicht ihm somit, den Betrag privat einzunehmen. Der Vorteil für den Amtsträger ist hierbei, dass der Auftragnehmer im Fall der Fälle den veruntreuten Betrag zu belegen hat. Veruntreuung im großen Stil wird meist von mehreren Amtsträgern zusammen durchgeführt. Dies vor allem deshalb, da finanziell umfangreiche Vorhaben mehrere Amtsträger betreffen und administrationsinterne Kontrollmechanismen überwunden werden müssen. Eine erfolgreiche Veruntreuung setzt somit eine Gruppenbildung voraus. [...]

Diese Wortwahl ist jedoch zu überdenken, da der Bestochene sehr wohl in aktiver Form Bestechungsleistungen anbieten und Bestechungszahlungen einfordern kann. Zum besseren Verständnis der Bestechung ist es hilfreich, die gegen Geld oder einen geldwerten Vorteil getauschte Bestechungsleistung in unterschiedliche Fallgruppen einzuteilen: 1. Durch die Bestechung kann eine Auswahlentscheidung zugunsten des Bestechenden beeinflusst werden. Der Bestechende sichert sich die Zuteilung eines Gutes, welches er sonst nicht bekommen hätte. 2. Der Bestechende sicherst sich höhere Erträge indem er den Bestochenen veranlasst, bei einem öffentlichen Auftrag den Preis, die Lieferbedingungen oder die Qualitätsanforderungen zu seinen Vorteil zu ändern. 3. Durch die Bestechungszahlung beschleunigt der Bestechende Entscheidungsabläufe. Er verhindert dadurch die Entstehung von Kosten, welche durch die Verzögerung für ihn entstanden wären. 4. Die Bestechung hat den Zweck der Absicherung einer illegalen Handlung, die bereits vollzogen wurde oder geplant ist. 5. Der Bestechende wehrt Drohungen und Behinderungen ab, die ihm von den Amtsträgern willkürlich auferlegt wurden. Gerade der letzte Fall weist darauf hin, dass für den Bestechenden die Freiwilligkeit der Tauschbeziehung nicht notwendigerweise gegeben sein muss. Es gibt eine Grauzone zwischen Bestechung und Erpressung. Dies ist z.B. dann gegeben, wenn gesetzlich zustehende Dienstleistungen nicht ohne Zahlung in Anspruch genommen werden können. Wenn mit der Zahlung ein starker Zwangscharakter verbunden ist, wird nicht mehr von einem Tausch zwischen gleichberechtigten Vertragspartnern ausgegangen, sondern von einer Erpressung. [...]

Transparency International (TI) ist eine gemeinnützige, parteipolitisch unabhängige internationale Organisation, die sich auf die Bekämpfung von Korruption konzentriert. TI wurde 1993 von Dr. Peter Eigen und weiteren Interessierten aus Nord und Süd in Berlin gegründet. TI setzt sich aus dem Internationalen Sekretariat und aus über 80 unabhängigen nationalen Sektionen (national chapters) zusammen. Das Internationale Sekretariat von TI ist für die Ausführung der globalen Arbeit der Organisation verantwortlich. Die nationalen Sektionen beteiligen sich an der Willensbildung von TI auf internationaler Ebene. TI arbeitet mit zahlreichen nationalen und internationalen Organisation, wie z.B. der OECD, der Weltbank, den regionalen Entwicklungsbanken, der Europäischen Union und der Internationalen Handelskammer, zusammen.31 TI verfolgt einen ganzheitlichen, auf strukturelle Reformen setzenden Ansatz, um Korruption zu bekämpfen. Die Organisation versucht korruptionsfördernden Strukturen entgegenzuwirken und will zur Ächtung und Prävention von Korruption beitragen. Auf nationaler wie auf internationaler Ebene konzentriert sich TI insbesondere auf drei Kernbereiche: • • • Öffentlichkeitsarbeit: TI will ein öffentliches Bewusstsein für die Folgen von Korruption und die Möglichkeiten ihrer Bekämpfung schaffen. Stärkung nationaler und internationaler Integritätssysteme: TI versucht wirksame Mechanismen zur Prävention und Bekämpfung der Korruption zu schaffen. Internationales Netzwerk: Durch die Bildung eines internationalen Netzwerks soll der Austausch von Wissen und Erfahrungen über erfolgreiche Strategien gegen Korruption gefördert werden. TI will die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf korruptionsanfällige Strukturen lenken und auf Mängel in Gesetzen und Regeln hinweisen. Staatliches Handeln soll transparent, kontrollierbar, verlässlich und unbestechlich werden. Entscheidungen sollen zu Gunsten des Gemeinwohls und nicht zu Gunsten privater Interessen getroffen werden. [...]

Arbeit zitieren:
Seywald, Alexandra September 2002: Indikatoren zur Messung von Governance, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Good Governance, Freedom House, Regierungsqualität, Korruption, Transparency International

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