Indexzertifikate mit Mindestgarantie
Eine Fallstudie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Roman Gieck
- Abgabedatum: Juni 2003
- Umfang: 63 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7835-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7835-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7835-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gieck, Roman Juni 2003: Indexzertifikate mit Mindestgarantie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Zertifikate, Garantiezertifikate, Centificates, strukturierte Produkte
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Diplomarbeit von Roman Gieck
Einleitung:
Als Konsequenz niedriger Zinsen und Kursverluste am Aktienmarkt haben Indexzertifikate mit Mindestgarantie in letzter Zeit an Popularität gewonnen. In Zeiten sinkender Margen und wachsendem Konkurrenzdruck haben viele Emittenten auf diese Weise attraktive und gut verkaufbare Finanzanlageinstrumente wieder entdeckt und zugleich neu geschaffen. Bereits im März 1987 offerierte die Chase Manhattan Bank die Market- Index Certificates of Deposit (MICDs), die eine Mindestauszahlung garantierten und gleichzeitig an die Performance des S&P500 Aktienindex anknüpften. Ferner wurden sie von dem Fortune Magazin als Produkt des Jahres ausgezeichnet. Die Einführung Indexgebundener Lebensversicherungen auf dem deutschen Markt 1996 entspricht in ihrer Grundkonzeption ebenfalls diesen Finanzanlageinstrumenten.
Typischerweise sind dies strukturierte, hauptsächlich von Finanzinstituten emittierte, an der Börse und OTC gehandelte Anlageinstrumente, die dem Investor mindestens die Rückzahlung des eingesetzten Nominalbetrages zur Fälligkeit versprechen. Des Weiteren schließen sie eine Chance an zusätzlicher Renditezahlung, entweder im Fall einer positiven (Bullzertifikat) oder negativen (Bearzertifikat) Indexperformance ein, ohne das Verlustrisiko tragen zu müssen. Nahezu jeder Emittent verwendet unterschiedliche Bezeichnungen für diese Finanzanlageprodukte. Aufschlussreicher als die Namensgebung sind jedoch ihre Inhalte und ihre ökonomische Zusammensetzung. In den Emissionsbedingungen werden genauestens die Ausstattungsmerkmale dieser Produkte hinsichtlich der Nominalen, der Laufzeit, des Zinskupons, der Tilgung, der Zinsberechnungsmethode, der Risiken und vor allem der Ermittlungsart zusätzlicher Renditezahlung festgehalten. Die vorab definierte Tilgung der Nominalen kann beispielsweise, unabhängig von der Zinsentwicklung, mit oder ohne risikolose nominale Verzinsung erfolgen, die meist unter dem allgemeinen Marktzinsniveau liegt. Eine übergeordnete Bedeutung wird der Bonusrendite zugewiesen, deren Ermittlung sich auf unterschiedliche Arten an die Entwicklung des Aktienindex koppelt.
Aus Sicht der Kreditinstitute spricht vieles für die Emission solcher strukturierter Produkte, zumal der übergeordnete Faktor die Gewinnerzielungsabsicht darstellt. Auch die Minimierung der Kursmanipulationsgefahr der Aktienindizes, die im Übrigen auch für den Anleger vorteilhaft ist, sowie Gewährleistung ausreichender Handelsliquidität für die Absicherung eingegangener Risiken, sind nicht zu vernachlässigen. Unternehmen schaffen Anlageobjekte für die Gesellschafter, aber auch die Refinanzierungsaspekte können Gründe für die Emissionen sein. Aus der Anlegersicht wird mit dem Kauf eines Indexzertifikates mit Mindestgarantie bezüglich eines Aktienindex auf die Entwicklung eines gesamten Marktes gesetzt, um die Risiken einzelner Aktien zu vermeiden und ein hohes Maß an Portfoliodiversifikation zu erlangen. Möchte ein Anleger an der Entwicklung des Aktienmarktes partizipieren ist er gezwungen, im Grenzfall ein Portfolio aller Aktien in dem Anteil, in dem sie gehandelt werden, zu kaufen. Eine solche Strategie ist in der Realität aufgrund anfallender Transaktionskosten und fehlender Teilbarkeit der Wertpapiere kaum durchführbar. Indem sie in ein Portfolio investieren das in seiner Zusammensetzung einem Index entspricht, bieten Indexzertifikate für diese Problematik eine Lösung an.
Die vorliegenden Ausführungen zum Thema „Indexzertifikate mit Mindestgarantie. Eine Fallstudie“ behandelt vorwiegend die Bewertung und die Wirkungsweise dieser Contingent Claims, die allgemein als Wertpapiere bezeichnet werden, deren Auszahlung von einem oder mehreren zukünftigen Ereignissen abhängt. Sie zeigen zugleich ihre Vielfältigkeit und weisen auf die Komplexität derartiger Verträge hin. Das Ziel ist die Evaluierung der gleichgewichtigen Emissionskurse dieser Produkte. Unter anderem soll die Frage geklärt werden, ob diese strukturierten Anlageprodukte aus der Sicht des uninformierten Investors, mit oder ohne Vorsatz, über bzw. unter dem Gleichgewichtspreis (Fair Value) zum Kauf angeboten werden. Auch vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, das Preisverhalten der Emissionshäuser zu untersuchen. Diesbezüglich wird die Fallstudie einige Anhaltspunkte liefern. Die steuerlichen Aspekte, Transaktionskosten sowie die Geld- Brief- Spannen spielen bei der Analyse eine untergeordnete Rolle und werden nicht berücksichtigt.
Die schriftliche Ausarbeitung gliedert sich in einen theoretischen und einen analytischen Teil, in dem die in den theoretischen Ausführungen ausgearbeiteten Punkte weitestgehend Anwendung finden. Das zweite Kapitel dient definitorischen Zwecken. Es beinhaltet die Identifikation elementarer Bausteine, formalisiert häufig auftretende Finanzvariationen und verweist auf die optionalen Ausgestaltungsmöglichkeiten. Kapitel 3 beginnt zunächst mit der Rekapitulierung des Black-Scholes-Modells zur Bewertung von Derivaten in vollständigen und reibungslosen Märkten. Auf dieser Grundlage werden stetige Optionsbewertungsmodelle behandelt und weiterführend die Simulations- und Sensitivitätsanalysen ausgewählter Vertragsformen hinsichtlich bewertungsrelevanter Parameter angestrebt. Den Abschluss des dritten Kapitels bilden eine Diskussion und eine Modelleinführung von Hull/White zur Berücksichtigung des Bonitätsrisikos in Optionen und anderen Derivaten. Das Hauptgewicht des vierten Kapitels liegt auf einer empirischen Studie derzeit emittierter Indexzertifikate, nachdem Eingangs der Dow Jones Euro STOXX 50SM Aktienindex in seiner Zusammensetzung und Berechnungsmethode, auf den sich die zu untersuchenden Zertifikate beziehen, beschrieben wird. Abgerundet werden die vorliegenden Ausführungen mit einer Zusammenfassung der Studie und Diskussion wichtiger Resultate.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis | 2 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 3 | |
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Theoretische Darstellungen ausgewählter Vertragsformen | 6 |
| 2.1 | Optionsrechte des europäischen Typs | 8 |
| 2.2 | Exotische Optionsrechte | 10 |
| 2.3 | Cliquet Formen | 13 |
| 3. | Modelltheoretische Betrachtung | 15 |
| 3.1 | Der Finanzmarkt und das Black-Scholes-Modell | 15 |
| 3.2 | Stetige Optionsbewertungsmodelle | 20 |
| 3.2.1 | Europäische Standardoptionen | 20 |
| 3.2.2 | Forward Start Options | 21 |
| 3.2.3 | Asiatische Optionen: Geometrische Approximation | 21 |
| 3.2.4 | Binary Options | 23 |
| 3.3 | Sensitivitäts- und Simulationsanalyse ausgewählter Vertragsformen | 23 |
| 3.3.1 | Partizipationsfaktor | 24 |
| 3.3.2 | Risikoloser Zinssatz | 26 |
| 3.3.4 | Volatilität | 28 |
| 3.3.3 | Dividendenrendite | 29 |
| 3.4 | Diskussion über den Einfluss des Bonitätsrisikos | 30 |
| 4. | Empirische Ergebnisse | 33 |
| 4.1 | Dow Jones Euro STOXX 50, Index- Zusammensetzung und Berechnungsmethode | 33 |
| 4.2 | Datenbeschreibung und Ermittlung bewertungsrelevanter Parameter | 34 |
| 4.3 | Fallstudie aktuell emittierter Indexzertifikate mit Mindestgarantie | 35 |
| 4.3.1 | UBS Warburg Sparmax Garantiezertifikat auf den DJ Euro STOXX 50 (WKN: 749865) | 35 |
| 4.3.2 | West LB 1%Inhaber- Teilschuldverschreibung Festverzinsliche Partizipationsanleihe auf den DJ Euro STOXX 50 (WKN: 307077) | 36 |
| 4.3.3 | DZ BANK Europa Top 50 Garantiezertifikat (WKN: 742496) | 36 |
| 4.3.4 | LB (Swiss)- Garant- Anleihe „Gipfelstürmer“ auf den DJ Euro STOXX 50 (WKN: 718221) | 37 |
| 4.3.5 | HVB 10/3 Anleihe (WKN: 783303) | 38 |
| 4.3.6 | Der Merrill Lynch Bonus Bond (WKN: 846444) | 39 |
| 5. | Schlussbemerkungen | 41 |
| Anhang | 43 | |
| Literaturverzeichnis | 58 |
Die Schwierigkeit liegt u.a. darin, dass die volatilitätsbeeinflussenden Faktoren ihrerseits stochastisch sind. Die erfolgreichsten Ansätze zur Modellierung von Volatilitäten sind wohl bisher die GARCH- Modelle.40 Das repräsentativste ist das GARCH(1,1) Modell, dessen Ansatz darin besteht, die zukünftige Volatilität als gewichteten Durchschnitt aus konstanter durchschnittlicher Varianz, vergangener Varianzwerte und neuer aktueller Informationen über die Varianz zu bilden. Man beobachtet, dass der Preisprozess nicht stetig ist, wenn Kurssprünge beispielsweise nach der Dividendenzahlung stattfinden. Das Pure Jump Modell von Cox/Ross/Rubinstein (1979) trifft die Annahme, dass der Aktienkurs einem Sprungprozess folgt und somit die Evidenz der Kurssprünge berücksichtigt.41 Die Modelle, die die stochastische Volatilität und Sprünge kombinieren, so genannte Jump Diffusion Modelle, wurden z.B. bei Merton (1976) behandelt. Eine Übersicht zu diesen und anderen Modellen, wie Normal Inverse Gaussian-, Generalized Hyperbolic-, Variance Gamma-, Carr- Geman- Madan- Yor- Modellen und deren Charakteristika, gibt Overhaus et. al. (2001) an.42 [...]
19 Wie auch einfache Optionen sind Indexoptionen nicht dividendengeschützt, so dass die Dividendenzahlungen nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Aktienpreise reduzieren sich am Tag der Dividendenzahlung in dem Umfang der Dividendenhöhe, die pro Aktie gezahlt wird, mit Folgewirkung auf die Optionspreise. Zahlungstermine und die Höhe der Dividendenzahlungen zu berücksichtigen, ist jedoch komplex, da die erwarteten Dividendenzahlungen aller im Index enthaltener Werte zu prognostizieren wären. Ein möglicher Weg ist die von Merton (1973) aufgezeigte Modifikation des Preisprozesses des riskanten Wertpapiers und die Anpassung der Driftrate µ durch die Einführung einer konstanten, kontinuierlichen, durchschnittlichen Dividendenrate q , mit der der Preisprozess Ste −q (T −t) diskontiert wird.33 Merton (1973) integriert die zeitstetige Zinsstruktur (Gauß- und lognormale Zinsstrukturmodelle) bei der Optionspreisbewertung, indem er den Preisprozess des risikolosen Wertpapiers mittels der stochastischen Differentialgleichung dBt = µB Bt dt + σ BdWB , mit µB der durchschnittlichen Wachstumsrate, σ B der Volatilität und WB dem Wiener Prozess des risikolosen Wertpapiers modelliert und dabei eine enge Beziehung zum Black- Scholes- Modell beibehält.34 Nicht konstante deterministische Zinssätze können mit Hilfe von Diffusionsprozessen35 berücksichtigt werden, welche die Volatilitäts- und Korrelationsschätzungen des risikolosen Zinssatzes mit dem Underlying beanspruchen. Die diskreten Zinsstrukturmodelle, u.a das Ho-Lee Modell, bilden den Zinssatz im Rahmen eines Binomialmodells al stochastischen Prozess ab. Eine übergreifende Modellübersicht und -behandlung sowohl diskreter als auch zeitstetiger Strukturmodelle findet man bei K. Sandmann (1999) bzw. Hull (2000). Bis zu dem Oktobercrash 1987 lieferte das Black- Scholes- Modell eine gute Beschreibung des Optionsmarktes, einhergehend mit der Vernachlässigung der Basispreisabhängigkeit von der [...]
Andere Vertragsformen lassen sich analog umformulieren. Die zu Abschnittsbeginn aufgeführten fundamentalen Annahmen von Black/Scholes für die Optionsbewertung geben jedoch nicht adäquat den Finanzmarkt wieder. Die Volatilität ändert sich in der Zeit, die Handelsaktivitäten verursachen Transaktionskosten und es finden Sprünge (Jumps) in den Aktienpreisen statt. Indexoptionen gehören zu der Optionsklasse, deren Auszahlungen von mehr als einem Basiswert abhängen, da die Indizes typischerweise die Preisentwicklung der Summe gewichteter durchschnittlicher oder aus der Summe wertgewichteter, im Index enthaltener Aktienpreise widerspiegeln. Wie bereits gezeigt ist die Lognormalverteilung des Wertpapiers von essentieller Wichtigkeit für die Herleitung der Black- Scholes- Formel. Betrachtet man einen Index als die Summe mehrerer lognormalverteilter Wertpapiere, so gilt diese Variable nicht mehr als lognormalverteilt. Die Betrachtung des Index als ein selbständiges Wertpapier und die Aufrechterhaltung der Annahme, der Index folge einer geometrischen Brownschen Bewegung, löst dieses Problem, zumal weder Aktien noch Aktienindizes exakt einer geometrischen Bewegung folgen.32 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832478353
Arbeit zitieren:
Gieck, Roman Juni 2003: Indexzertifikate mit Mindestgarantie, Hamburg: Diplomica Verlag
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Zertifikate, Garantiezertifikate, Centificates, strukturierte Produkte



